Bedford-Strohms Vorwort zur neuen Luther-Bibel – Ist die Bibel etwa eine Kraftquelle des Glaubens?

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Die neue „Luther-Bibel“ kommt morgen auf den Markt. Ihr hat Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutsch­land, ein Vorwort mitgegeben (1985 war es der damalige Vorsitzende der Deutschen Bibel­gesell­schaft D. Eduard Lohse, der der Fassung von 1984 eine „Vorrede zur Heiligen Schrift“ beisteuerte). Wer Bedford-Strohms Vorwort aufmerksam liest (es findet sich auch in der neuen Altarbibel), wird selbst feststellen, wie problematisch es ist, in und für die Kirche die Bibel kulturgeschichtlich anzupreisen, sie durch „Glaubenserfah­rungen“ verifizieren zu wollen, sowie zwischen Altem und Neuem Testament religionsgeschichtlich unterscheiden zu wollen. Bedford-Strohms Vorwort vermag jedenfalls nicht das sola scriptura bzw. das alleinige Lehramt der Heiligen Schrift in der evangelischen Kirche zur Geltung zu bringen:

DIE BIBEL
NACH MARTIN LUTHERS ÜBERSETZUNG
LUTHERBIBEL REVIDIERT 2017
MIT APOKRYPHEN
DEUTSCHE BIBELGESELLSCHAFT

VORWORT

Sie halten ein Stück Menschheitsgeschichte in der Hand. Die Texte, die Sie hier finden, sind in einem Zeitraum von etwa 1000 Jahren entstanden: Erzählungen vom Werden der Welt, von der Geschichte Gottes mit den Menschen und von den Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben. Gesetzestexte und Lieder. Gebete und Liebesgedichte. Briefe und Predigten. Reden und Visionen von einer neuen Welt.

Das Wort »Bibel« stammt aus dem Griechischen und bedeutet »Buch«. Die Bibel ist das »Buch der Bücher«, eine ganze Bibliothek. Und die Bibel ist ein Buch für alle Menschen. Sie bringt ihnen die Botschaft von Gottes Liebe und Barmherzigkeit. Kein anderes Buch wird von so vielen Menschen gelesen wie die Bibel. Und keines ist in so viele Sprachen übersetzt worden und wird auch heute noch immer weiter übersetzt.

Mit der Bibel halten Sie das Buch in den Händen, das uns Christen heilig ist. Wir lesen darin und hören Gott selbst, wie er zu uns redet und uns mit seinem Wort leitet und hilft. Durch die Zeiten hindurch haben viele die Erfahrung gemacht: Auf sein Wort kann ich mich verlassen.

Im ersten Teil der Bibel, dem Alten Testament, steht die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel im Mittelpunkt. Von dieser Geschichte wird erzählt, die Botschaft der Propheten wird verkündigt, und in den Psalmen hören wir Klage und Lob der Lieder und Gebete.

Im zweiten Hauptteil, dem Neuen Testament, geht es um Jesus Christus. Die vier Evangelien erzählen von seinem Wirken, seinem Leiden, Sterben und Auferstehen. Die Botschaft von ihm wird durch die ersten Christen verbreitet. Davon erfahren wir besonders durch die Apostelgeschichte und die Briefe des Paulus und anderer Apostel.

Zwischen diesen beiden Teilen stehen in allen historischen Ausgaben der Lutherbibel die Apokryphen. Diese Schriften sind in der Zeit zwischen Altem und Neuem Testament entstanden. Für die Kirchen der Reformation gehören sie nicht in gleicher Weise zur Bibel wie das Alte und Neue Testament. Aber sie stehen den biblischen Texten nahe und sind deshalb »nützlich und gut zu lesen« (Martin Luther). Sie finden sich deshalb auch in den meisten Ausgaben mit dem aktuellen Text.

Mit der Lutherbibel halten Sie die Bibelausgabe in den Händen, die in der evangelischen Kirche eine ganz besondere Bedeutung gewonnen hat. 1521/22 hatte Luther auf der Wartburg zunächst das Neue Testament übersetzt. 1534 lag die vollständige Bibel vor. Und bis zu seinem Lebensende im Jahr 1546 hat Luther mit seinen Mitarbeitern stets weiter an der Übersetzung gearbeitet. Durch Luthers Bibelübersetzung konnten die Menschen in Deutschland die Bibel als Kraftquelle für ihren Glauben entdecken.

Bis heute ist die Lutherbibel in ihrer Sprachkraft unübertroffen. Und von Anfang an war sie ein Bestseller. Das Neue Testament, das im September 1522 gedruckt wurde, war so schnell ausverkauft, dass schon im Dezember des gleichen Jahres eine zweite Auflage erschien. Seither prägt die Lutherbibel unser geistliches Leben, und seitdem entfaltet sie immer wieder neu ihre Wirkung auf unsere Sprache und unsere Kultur.

Damit die Bibel Martin Luthers nicht zum sprachlichen Museumsstück wird, hat die evangelische Kirche sie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach revidiert, um sie der sprachlichen Entwicklung und dem Stand der Wissenschaft anzupassen. Dies geschah für das Alte Testament zuletzt 1964, für die Apokryphen 1970 und für das Neue Testament 1984. Seither ist die Bibelwissenschaft nicht stehen geblieben; man denke nur an die Auswertung der Funde der Bibelhandschriften von Qumran. Deshalb hat der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland 2010 beschlossen, die Lutherbibel vor dem Reformationsjubiläum noch einmal gründlich durchzusehen:

  • Die gesamte Übersetzung wurde anhand der hebräischen und griechischen Ausgangs­texte überprüft und korrigiert, wo dies aus heutiger wissenschaftlicher Sicht zwingend erforderlich war.
  • Bei früheren Revisionen wurden teilweise auch unnötige Veränderungen vorgenom­men. Hier konnte die Revision zum vertrauten Luthertext zurückkehren, sodass die Lutherbibel 2017 wieder »mehr Luther« enthält.
  • Ganz behutsam wurden jene Stellen verändert, die heute unverständlich oder missver­ständlich sind.
  • Für die Apokryphen hatten Luther und sein Team keine guten Ausgangstexte zur Ver­fügung. Sie wurden auf der Grundlage der heutigen griechischen Ausgaben komplett neu bearbeitet. Dabei wurde auch deren Verszählung übernommen, die heute bei Bibelübersetzungen allgemein verwendet wird.

Der Text der revidierten Lutherbibel 2017 überzeugt nun gleichermaßen durch Vertrautheit und Verlässlichkeit. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat ihn allen Gliedkirchen und Gemeinden zur Verwendung empfohlen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der Bibel Worte und Erzählungen finden, die Sie anziehen, die Ihre Neugier wecken und die Ihnen hilfreich sind zum Leben.

Landesbischof
Dr. Heinrich Bedford-Strohm
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

Kritisches zu Bedford-Strohms Vorrede hat Prof. em. Dr. Hans G. Ulrich anzumerken.

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2 Antworten to “Bedford-Strohms Vorwort zur neuen Luther-Bibel – Ist die Bibel etwa eine Kraftquelle des Glaubens?”

  1. Hans G. Ulrich – Kritisches zu Bedford-Strohms Vorwort zur neuen Luther-Bibel | NAMENSgedächtnis Says:

    […] Anmerkungen zur christlichen Lehre « Bedford-Strohms Vorwort zur neuen Luther-Bibel – Ist die Bibel etwa eine Kraftquelle des … […]

  2. „Die Bibel ist ein Buch, das Gottes Wort nahebringt“ – Wie die revidierte Einheitsübersetzung 2017 gelesen sein will | NAMENSgedächtnis Says:

    […] der neuen Luther-Bibel 2017 in jedem Fall voraus, nämlich im kirchlichen Vorwort. Anders als im Vorwort in der neuen Luther-Bibel aus der Feder des Ratsvorsitzenden der EKD, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, wird in dem bischöflichen Vorwort der revidierten […]

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