Reich Gottes und Jesus – fünfte Predigt aus der Reihe „Die Bibel – Göttlicher Wort-Schatz unseres Glaubens“

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Als Lesungen liegen Jesaja 9,1-6 sowie Markus 1,1-15 der Predigt zugrunde.

Die Bibel – göttlicher Wort-Schatz des Glaubens, so ist die Predigtreihe überschrieben. In dieser Woche ist neue Luther-Bibel herausgekommen. Dorf findet sich auf Seite 1115 das Gebet Manasse, ein apokrypher Text, der nicht zum hebräischen Kanon des Alten Testaments gehört. Es folgen eine leere Seite und dann ein neues Deckblatt „Das Neue Testament“ mit einer neuen Seitennummerierung. Man könnte also meinen, dass zwei unterschiedliche Bücher zusammengebunden worden sind. Doch dem ist nicht so. Mit Martin Luther lesen wir nicht das Alte Testament als jüdisches Religionsbuch und das Neue Testament als christliches Religionsbuch. Vielmehr zeigt sich Jesus Christus im Zentrum der Heiligen Schrift für uns – seine Worte und Taten und das, was mit ihm am Kreuz und im Grab geschehen ist. Sowohl das Alte wie auch das Neue Testament zeugen von ihm. Nach Luther können die biblischen Erzählungen und Worte nur von Christus her erschlossen werden: „Die Schrift ist nicht gegen Christus, sondern für ihn zu verstehen. Daher muss man die Schriftstelle entweder auf ihn beziehen oder kann sie nicht für wahre Schrift halten.“

Jesus Christus steht im Zentrum der Heiligen Schrift. Dazu gilt es, über das Alte Testament hinaus weiterzuerzählen. Nachdem die Juden aus dem babylonischen Exil nach Jerusalem zurückgekommen waren, gibt es nicht länger ein eigenes Königreich. Und so wird die Bindung an das Heimatland gelockert. Überall im Mittelmeerraum und im Nahen Osten wohnen Juden verstreut, die sich vor Ort in Synagogen sammeln. Mit den Jahren und den Bekehrungen Fremdstämmiger zur jüdischen Religion entfällt Hebräisch als Muttersprache immer mehr. So wird die Heilige Schrift als Septuaginta ins Griechische übersetzt. In Palästina sind nach den Assyrern, den Babyloniern, den Persern und den Griechen schließlich die Römer an der Macht. Herodes der Große – ein Idumäer (Edomiter), kein Jude – ist als König von Roms Gnaden eingesetzt. Um die Gunst des Volkes zu gewinnen, lässt er den Tempel in Jerusalem prächtig ausbauen und vergrößern.

Ja, der Opferdienst im Tempel funktioniert, aber wo zeigt sich nun Gottes Herrschaft über Isarel und die Völker? Solange man einer überlegenen Militärmacht gegenübersteht, der man Abgaben zu entrichten hat, scheint Gottes Herrschaft unwirklich zu sein. Vier verschiedene Strömungen und Bewegungen prägen das Leben der Juden in Palästina unter römischer Vorherrschaft:

Da sind zum einen Freiheitskämpfer, auch Zeloten genannt, die wie früher schon die Makka­bäer die Fremdherrschaft mit kriegerischer Gewalt beenden wollen, um ein neues jüdisches Königtum zu errichten. Rom und seine Vasallen schlagen jedoch gewaltsame Aufstandsver­suche unerbittlich und brutal nieder. Als Abschreckung werden die Aufständischen an Weg­rändern und öffentlichen Plätzen gekreuzigt. Deren qualvolles Erstickungssterben im eigenen Abhängen soll mögliche Nachahmer abschrecken.

Wie anders verhalten sich die Sadduzäer aus dem Priestergeschlecht Zadoks und dem Jerusa­lemer Stadtadel. Man hat sich mit der Herrschaft Herodes und der Römer arrangiert, sucht den Weg des geringsten Widerstandes, zahlt die Steuer und Abgaben und konzentriert sich auf den Opferdienst im Tempel. Solange die im Gesetz angewiesenen Opfer erbracht werden, solange jüdische Pilger aus der Diaspora an den hohen Festtagen nach Jerusalem kommen, kann man mit den eigenen Machteinschränkungen gut leben. Beamtete Priester haben jedenfalls ihr gesichertes Auskommen.

Da sind noch die Pharisäer, eine jüdische Laienbewegung, deren Rückhalt in den örtlichen Synagogen ist. Bei ihnen zeigt sich ein ganz neuer Ernst für das Gesetz und die Propheten­schriften. Gottes Herrschaft kann nur dann zum Zug kommen, wenn das ganze Volk diesem Gesetz voll und ganz gehorsam ist. Damit solch unbedingter Gehorsam möglich ist, werden für den Alltag Zusatzbestimmungen zu den fünf Büchern Mose eingeführt, die es um Gottes Willen zu halten gilt.

Zuletzt seien noch die Essenern genannt, eine priesterliche Gruppe, die sich in eine kloster­ähnliche Gemeinschaft am Toten Meer zurückgezogen hatten. Unter besonderen Reinheits­vorschriften und unter strenger Askese wollte man sich dort als erwählter Rest Israels auf das Kommen des Reiches Gottes vorbereiten.

In diese jüdische Religionslandschaft wurde Jesus hineingeboren. Abgesehen von seiner Geburtsgeschichte wie sie bei Lukas und bei Matthäus erzählt werden, wissen wir wenig über seine Kindheit in Nazareth. Erst als Mann kurz vor 30 Jahre tritt er öffentlich in Erscheinung. Als „Rabbi“ wird er von seinen Mitmenschen, selbst von seinen Gegner angesprochen, auf Deutsch „mein Meister“. Zur Sprache kommt damit seine besondere Autorität als Schrift­gelehrter. Da zeigt sich Jesus als jemand, der die Heiligen Schriften intensiv studiert hatte, um daraus den Willen seines himmlischen Vaters zu erkunden. „Abba“, „mein Vater“, so betet Jesus zu dem Gott. Da kommt seine einzigartige Gottesnähe zur Sprache. Was zwischen Jesus und dem Gott Israels geschieht, entspricht dem intimen Verhältnis des Gottessohnes zu sei­nem Vater im Himmel. Diese Vertrautheit lässt Jesus später in der Öffentlichkeit mit einer beson­deren Autorität auftreten: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist … Ich aber sage euch.“ (Matthäus 5,21f)

Bevor Jesus öffentlich das Wort ergreift, begibt er sich hinab ins Jordantal, wo Johannes der Täufer als Prophet in den Fußstampfen Elias das jüdische Volk zur radikalen Umkehr aufruft: „Tut Buße – besser übersetzt – kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ (Matthäus 3,2) So wie Israel einst unter der Führung Josuas durch den Jordan ins gelobte Land eingezogen, so soll nun das Volk sich neu besinnen und sich im Jordan ganz und gar auf Gottes Willen einlassen. Wo die Menschen von Johannes im Jordan untergetaucht werden, entfließen ihnen ihre Sünden und sie stehen als Anfänger des Glaubens da. Da reiht sich auch Jesus in die Schar der Bußfertigen ein und erbittet von Johannes den Vollzug der Taufe. Zwischen sich und seinem Volk macht Jesus keinen Unterschied; er nimmt sich nicht aus der Schar der Sünder heraus. Er stellt sich nicht über andere, sondern gesellt sich zu ihnen. Im Jordan macht er sich Israels Sünde und Gottlosigkeit zur eigenen Sache.

Als Jesus von Johannes die Bußtaufe zur Sündenvergebung erhält, öffnet sich über ihm der Himmel: Der GottGeist kommt auf ihn herab. So wird Jesus mit dem Heiligen Geist gesalbt, den der Prophet Hesekiel für Gottes endgültige Herrschaft über Israel angekündigt hatte. Und die Himmelsstimme verspricht Jesus mehr als menschliches Leben aus sich selbst erreichen kann: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“ (Markus 1,11) GottVater, GottSohn und GottGeist – in der Taufe Jesu im Jordan zeigt sich die göttliche Dreieinigkeit zum Heil Israels.

Es ist nun der GottGeist, der den Gottessohn in die Wüste treibt und ihn vom Satan auf die Probe stellen lässt: Was heißt es für den Menschen Jesus wirklich Gottes Sohn zu sein? Und wie hat sich die Salbung mit dem Heiligen Geist für Jesus leiblich auszuwirken? In der Stein­wüste Judäas wird Jesus für vierzig Tage dem äußersten Lebensmangel ausgesetzt und hat mit sich selbst zu kämpfen. Er steht vor einer dreifachen Wahl des Lebens – Eigenmächtigkeit oder Gottvertrauen:

  1. Soll er Wüstensteine in die Hand nehmen und daraus Lebensmittel herstellen oder aber das tägliche Brot des Lebens als Gottesgabe empfangen?
  2. Soll er sich in Jerusalem wie ein Basejumper von der Tempelzinne in die göttliche Übermacht stürzen oder aber den Lebensweg bis ans Kreuz von Golgatha ausschreiten, der für den Menschensohn vorgesehen ist?
  3. Soll er die Herrschaft über Israel und die Völker mit Schwertgewalt erlangen oder aber als königlicher Gottesknecht die Menschengewalt am eigenen Leib erleiden?

Teuflische Machtversuchungen für den Messias (Christus), den Gottgesalbten in der Wüste, denen Jesus standhält. So erweist er sich den Thronnamen würdig, die Jesaja prophezeit hat:

Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.“ (Jesaja 9,5-6)

Nachdem Jesus aus der judäischen Wüste gekommen ist, beginnt er in Galiläa mit seiner provokativen Ansage: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15)

Wie kann man das Reich Gottes, seine Herrschaft sehen, wenn die Insignien menschlicher Macht fehlen: Weder Palast, Thron, Soldaten noch Waffen lassen sich sehen. Wie kann also der Gott die Herrschaft über sein Volk ausüben? Da muss der Blick der Zuhörer auf Jesus selbst fallen. So wie er vor das Volk tritt, so wie er Sünder annimmt, so wie er Kranke mit eigenen Händen heilt, so wie er sich für die Menschen hingibt, richtet Gott seine Herrschaft über Israel und die Völker auf. Aus Jesu Mund gesprochen:

Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis wollen wir es abbilden? Es ist wie mit einem Senfkorn: Wenn das gesät wird aufs Land, so ist’s das kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden; und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer als alle Kräuter und treibt große Zweige, sodass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können.“ (Markus 4,30-32)

Jesu messianische Einladung in das Reich Gottes steht:

Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquic­ken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11,27-30)

Hier die Predigt als pdf.

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