„Darum sollt ihr Herren Juden nicht dulden, sondern vertreiben“ – Martin Luthers erschreckende Kanzelvermahnung „Wider die Juden“ vom 15. Februar 1546

Fotocollage zur Ausstellung

Fotocollage zur Ausstellung „Ertragen können wir sie nicht“ – Martin Luther und die Juden (17. Januar bis 22. März 2016
in Magdeburg)

Drei Tage vor seinem Tod, am 15. Februar 1546 predigte Martin Luther in seiner Geburtsstadt Eisleben über Jesu Jubel- und Heilandsruf (Matthäus 11,25-30). Er beschließt die Predigt mit den Worten „viel mehr wäre von diesem Evangelium zu sagen. Aber ich bin zu schwach, wir wollen’s hierbei bleiben lassen.“ Doch dann fährt er mit einer erschreckenden Kanzelvermahnung fort, die die Grafen von Mansfeld  als Landesherren dazu auffordert, Juden aus ihrem Territorium zu vertreiben. Graf Albrecht von Mansfeld ist dieser Forderung nachgekommen und vertrieb die Juden 1547 aus Eisleben. Professor Matthias Morgenstern hat dankenswerterweise diese „Vermahnung“ in heutiges Deutsch übertragen, so dass man Luthers widerlichen Worten nicht auskommt. Außerdem hat Morgenstern Luthers Schrift „Von Juden und ihren Lügen“ neu herausgegeben und kommentiert. Hier Luthers Kanzelvermahnung „Wider die Juden“:

Nachdem ich nun eine Zeitlang hier gewesen bin und euch gepredigt habe und nun auch heim muss und euch vielleicht nicht mehr predigen möchte, will ich euch hiermit gesegnet und gebeten haben, fleißig bei dem Wort zu bleiben, das euch eure Prediger und Pfarrherren von der Gnade Gottes getreulich lehren. Und ihr sollt auch gewöhnt sein zu beten, dass Gott euch vor allen Weisen und Klüglingen behüten wolle, die die Lehre des Evangeliums verachten; denn sie haben oft großen Schaden angerichtet und können dies weiterhin tun.

Zudem habt ihr auch noch die Juden im Lande, die großen Schaden anrichten. Nun wollen wir christlich mit ihnen umgehen und bieten ihnen zunächst den christlichen Glauben an, damit sie den Messias annehmen, der doch ihr Vetter ist. Er ist aus ihrem Fleisch und Blut geboren und ein rechter Same Abrahams, wessen sich [die Juden ebenfalls] rühmen. Obwohl ich Sorge habe, dass das jüdische Blut inzwischen wässerig und wild geworden ist, sollt ihr ihnen zunächst anbieten, dass sie sich zum Messias bekehren wollen und sich taufen lassen, damit man sehen kann, dass es ihnen ernst sei. Wo sie das nicht tun, wollen wir sie nicht dulden. Denn Christus gebietet uns, dass wir uns taufen lassen und an ihn glauben sollen. Obwohl wir nun nicht so stark glauben können, wie wir sollten, hat Gott dennoch Geduld mit uns.

Nun verhält es sich mit den Juden so, dass sie unseren Herrn Jesus Christus täglich nur lästern und schänden. Weil sie das tun und wir wissen es, sollen wir es nicht dulden. Denn wenn ich den bei mir dulde, der meinen Herrn Christus schändet, lästert und verflucht, dann nehme ich Anteil an fremden Sünden, obwohl ich doch genügend eigene Sünden habe. Darum sollt ihr Herren sie nicht dulden, sondern vertreiben. Wenn sie sich aber bekehren, ihren Wucher lassen und Christus annehmen, wollen wir sie gern wie unsere Brüder halten.

Anders wird nicht daraus, denn sie treiben es doch zu arg. Sie sind öffentlich unsere Feinde, sie hören nicht auf, unseren Herrn Christus zu verlästern, nennen die Jungfrau Maria eine Hure und Christus ein Hurenkind. Uns nennen sie Wechselbälge und Mahlkälber, und wenn sie uns alle töten könnten, täten sie es gern.

Und sie tun es auch oft, besonders diejenigen, die sich als Ärzte ausgeben, obgleich sie manchmal auch helfen. Denn der Teufel hilft es doch zuletzt versiegeln. So kennen sie auch die Arznei, die man im Welschland kennt: wenn man einem anderen Menschen ein Gift einflößt, von dem er in einer Stunde, in einem Monat, in einem Jahr, ja in zehn oder zwanzig Jahren sterben muss. Diese Kunst können sie.

Darum lasst euch nicht beirren von denen, die bei euch nichts anderes tun, als dass sie unseren lieben Herrn Jesus Christus gräulich verlästern und uns nach Leib, Leben, Ehre und Gut trachten. Noch wollen wir die christliche Liebe an ihnen üben und für sie bitten, dass sie sich bekehren, den Herrn annehmen, den sie eigentlich vor uns hätten ehren sollen. Wer das nicht tun will, da ziehe es nicht in Zweifel, dass der ein entarteter Jude ist, der nicht davon ablassen wird, Christus zu verlästern, dich auszusaugen und dich zu töten, wo er nur kann.

Darum bitte ich, dass ihr keinen Anteil nehmt an fremder Sünde. Ihr habt genug daran, Gott zu bitten, dass er euch gnädig sei und euer Regiment erhalte, wie ich noch täglich bete und mich unter dem Schirm des Sohnes Gottes berge. Den halte und ehre ich als meinen Herrn, zu dem muss ich laufen und fliehen, wenn mich der Teufel, die Sünde oder ein anderes Unglück anficht. Denn er ist mein Schirm, so weit Himmel und Erde sind, und meine Gluckhenne, unter die ich vor Gottes Zorn krieche. Darum kann ich nicht den verstockten Lästerern und Schändern dieses lieben Heilands keine Gemeinschaft oder Geduld haben.

Das habe ich euch als Landeskind zur Warnung sagen wollen, damit ihr keinen Anteil nehmt an fremder Sünde. Denn ich meine es ja gut und treulich mit uns beiden, mit dem Landesherrn und den Untertanen. Wollen sich die Juden zu uns bekehren und mit ihrer Lästerung und was sie uns sonst getan haben aufhören, so wollen wir es ihnen gern vergeben. Wo aber nicht, so sollen wir sie auch bei uns nicht dulden und nicht leiden.

Quelle: Weimarer Ausgabe Martin Luthers (WA) 51, Seiten 195-196.

In Ergänzung dazu Luthers Brief aus Eisleben an seine Frau vom 1. Februar 1546, in dem er ihr seine Kanzelvermahnung angekündigt hat – zärtliche Sprache, die  in einen gnadenlosen Antisemitismus entgleitet:

„Meiner herzlieben Hausfrau, Katherin Lutherin, Dokto­rin, Zülsdorferin, Saumarkterin, und was sie mehr sein kann.

Gnad und Friede in Christo und meine alte, arme Liebe und, wie E.G. weiß, unkräftige, zuvor! Liebe Käthe! Ich bin wahrlich schwach gewesen auf dem Weg hart vor Eisleben, das war meine Schuld. Aber wenn Du wärest dagewesen, so hättest Du gesagt, es wäre der Juden oder ihres Gottes Schuld gewesen. Denn wir mußten durch ein Dorf hart vor Eisleben, darinnen viel Juden wohnen; vielleicht haben sie mich so hart angeblasen. So sind hier in der Stadt Eisleben jetzt diese Stund über fünfzig Juden wohnhaft. Und wahr ist’s: Da ich an dem Dorf vorbei­fuhr, ging mir ein solcher kalter Wind hinten zum Wagen hinein auf meinen Kopf durch’n Barett, als wollt mir’s das Hirn zu Eis machen. Solches mag mir zum Schwindel etwas geholfen haben. Aber jetzt bin ich, Gott Lob, wohl­auf, nur daß die schönen Frauen mich so hart anfechten, daß ich weder Sorge noch Furcht habe vor aller Un­keuschheit.

Wenn die Hauptsachen geschlichtet wären, so muß ich mich dranlegen, die Juden zu vertreiben; Graf Albrecht ist ihnen feind und hat sie schon preisgegeben. Aber noch tut ihnen niemand etwas. Will’s Gott, ich will auf der Kanzel Graf Albrecht helfen und sie auch preisgeben.

Ich trinke Naumburgisch Bier, fast des Geschmacks, den Du am Mansfelder mir einst gelobt hast. Es gefällt mir gut, macht mir des Morgens wohl drei Stuhlgänge in drei Stunden. Deine Söhnchen sind gen Mansfeld gefahren vorgestern, weil sie Hans von Jena4 so demütiglich gebe­ten hatte; weiß nicht, was sie da machen. Wenn’s kalt wäre, könnten sie helfen frieren; da es nun warm ist, könnten sie wohl anderes tun oder leiden, wie es ihnen gefällt. Hiermit Gott befohlen samt allem Hause, und grüße alle Tischgesellen. Vigilia purificationis [Am Tage vor Mariä Reinigung] 1546.

M. Luther, Dein altes Liebchen.“

Quelle: Martin Luther, Ausgewählte Schriften, hrsg. v. Karin Bornkamm und Gerhard Ebeling, Bd. 6: Briefe, Frankfurt a. Main, 21983, 267f.

Hier die Texte als pdf.

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