Lob der Historien – Martin Luthers Vorrede zu Historia Galeatii Capellae (1538)

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In Luthers Vorrede zu Historia Galeatii Capellae skizziert dieser den Nutzen der Geschichtsschreibung, wobei er dem rhetorischen Geschichtenkonzept (an Stelle einer idealistischen Geschichtsidee) folgt. So schreibt er unter anderem:

„Die Historien sind nichts anderes als Anzeigung, Gedächtnis und Hinweis göttli­cher Werke und Urteile, wie er die Welt, besonders die Menschen, erhält, regiert, hindert, fördert, straft und ehrt, je nachdem ein jeder verdient, Böses oder Gutes. Und wenn es auch viele sind, die Gott nicht erkennen noch achten, so müssen sie doch an den Exempeln und Historien stutzig werden und befürchten, daß es ihnen nicht auch so gehe wie dem und dem, wie sie durch die Historien vor Augen gerückt werden. Dadurch werden sie stärker bewegt, als wenn man sie nur mit bloßen Worten des Rechts oder der Lehre abhält und ihnen damit wehrt. So lesen wir denn nicht allein in der heiligen Schrift, sondern auch in den heidnischen Büchern, wie sie der Vorfahren Exempel, Worte und Werke anführen und vor Augen halten, wo sie etwas beim Volk durchsetzen wollen oder wenn sie vorhaben zu lehren, zu ermahnen, zu warnen, abzuschrecken. Darum sind auch die Historienschreiber die allernützlichsten Leute und besten Lehrer, so daß man sie niemals genug ehren, loben oder ihnen Dank sagen kann.“

Die komplette Vorrede findet sich hier als pdf.

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