Thomas Kaufmann – „Die Reformation steht noch aus“

Thomas Kaufmann

Thomas Kaufmann

Der Reformationshistoriker und Theologe Thomas Kaufmann, der jüngst das Buch „Erlöste und Verdammte: Eine Geschichte der Reformation“ veröffentlicht hat, vermag nicht in selbstgefällige Reformationsjubiläumsaufrufe einzustimmen. Für ihn steht vielmehr eine grundsätzliche Kirchenreformation in der Gegenwart an. In einem Interview im Deutschlandfunk zum Reformationstag führt er aus:

„Die Reformation ist in gewisser Weise seit den 1530er Jahren in eine Verstaatlichungsdynamik eingetreten, die das, was in brausender Vielfalt seit 1518/19 greifbar wird, dann kanalisiert hat und auch staatlich instrumentalisiert hat. […] Ich denke, wir müssen heute sehr deutlich über die Institutionalisierungsgestalt von Religion und Christentum nachdenken. Das ist ja doch ein allfälliger Sachverhalt, dass das Thema Religion, das Interesse an Religion allenthalben boomt, dass sich dies aber keineswegs als Bereitschaft des Mittuns in den verfassten Kirchen äußert – jedenfalls in Mitteleuropa. In anderen Weltgegenden ist auch der Protestantismus eine – wenn man so will – global wachsende Religion, die möglicherweise am dynamischsten wachsende Religion überhaupt. Nur in unseren Breiten stagniert sie, beziehungsweise weist Regressionsphänomene auf. Das hat auch mit unserer Institutionalisierungsstruktur zu tun, ich denke auch mit der tief verwurzelten Staatsnähe.“ Demzufolge fordert er „flachere Hierarchien, stärkere Orientierung an theologischen Sachgehalten, eine stärkere Orientierung an den essenziellen Themenbeständen des Christentums, eine weniger starke Orientierung an dem, was gefällt, was als gesellschaftlicher Konsens ohnehin im Raum steht.“

In einem ideaSpektrum-Interview mit Karsten Huhn nimmt er die landeskirchlichen bzw. EKD-Werbekampagnen direkt aufs Korn: „Zumindest in den Werbekampagnen scheint die Rückbindung an die Bibel keine große Rolle zu spielen. Diese selbstgefällige, weichgespülte Sittlichkeit, wie sie die evangelische Kirche repräsentiert, geht mir gewaltig auf die Nerven. Wo bleiben die ernsthaften Themen: die Botschaft von Sünde, Schuld, Tod, Hölle und Gottes Liebe und Gnade?“

Der Text des ideaSpektrum-Interviews „Was feiern wir da eigentlich?“ findet sich hier als pdf.

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