Die Freude der Buße, die in Wirklichkeit Umkehr zu Gott ist (Julius Schniewind)

Julius Schniewind (1883-1948)

Julius Schniewind (1883-1948)

Auf Worte kommt es an. Zwischen „tut Buße“ und „kehrt um“ (Mt 4,17) liegt ein himmelweiter Unterschied. Dass in den neueren deutschen Bibelübersetzungen das griechische Verb metanoeo mit „umkehren“ bzw. das Substantiv metanoia mit „Umkehr“ (mit Ausnahme von Luther 1984/2017) einhellig übersetzt werden, verdankt sich unter anderem Julius Schniewind. Bekannt ist sein 1956 postum erschienener Aufsatzband „Die Freude der Buße. Zur Grundfrage der Bibel“. Darin findet sich unter anderem der schöne Aufsatz „Was verstand Jesus unter Umkehr?“, der ursprünglich im zweiten Teilband von Hans Asmussen (Hrsg.), Rechtgläubigkeit und Frömmigkeit. Das Gespräch der Kirche um die rechte Nachfolge Christi  (Berlin: Furche 1938, 70-84) erschienen ist. Zur Umkehrbuße schreibt Schniewind unter anderem:

„Buße ist Umkehr zu Gott. Das griechische Wort Metanoia ist die Übersetzung eines hebräischen Wortes, für das Luther im Alten Testament das Wort »Bekehrung« einsetzt. Das entsprechende Zeitwort gibt Luther wieder durch sich bekehren«. Wir wählen statt dessen den Ausdruck »Umkehr«, weil das Wort »Bekehrung «, ähnlich wie das Wort »Buße«, bei uns nicht mehr den biblischen Vollklang hat. Bei Bekehrung denken wir zunächst an eine Änderung der äußeren Lebensform, denken daran, daß bestimmte offenkundige Sünden überwunden, bestimmte Lebensgewöhnungen geändert werden. Das biblische Wort aber bezeichnet zunächst unser Verhältnis zu Gott. Menschen, die von Gott weggekehrt sind, kehren um zu Gott. Menschen, die von Gott weggewandt waren, wenden sich zu Gott. Diese Wendung ergreift das gesamte Wollen, Fühlen, Denken und Tun der Menschen; aber die Wendung selbst ist eine völlige Umkehr der menschlichen Existenz, ein ganz neues Sein und Leben. […] Man mag fragen, ob die Freude, von der die Evangelien seit der Geburtsgeschichte (Lk 2,10) sprechen, über unserem Leben steht. Es ist die Freude der Gegenwart des Gottes, der die Sünder annimmt, die Verlorenen sucht; die Freude, da das Todesurteil im Zuspruch ewigen Lebens verschlungen ist, in der Gegenwart des Gekreuzigten, Auferstandenen, der selbst herrscht, wirkt und ruft, wo sein Wort vernommen wird. Nur wo diese Freude ist, wird Jesu Ruf zur Umkehr gehört, vernommen, verstanden.“

Schniewinds Aufsatz „Was verstand Jesus unter Umkehr“ findet sich hier als pdf.

Außerdem ein zweiter Text „Das biblische Wort von der Bekehrung“ als pdf.

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