„Die Auferstehung ist so gewiss wie Gott Gott ist“ – Hans Jochim Iwand über Tod und Auferstehung in seiner Vorlesung zu Luthers Theologie

Hans Joachim Iwand (1899-1960)

Hans Joachim Iwand (1899-1960)

In seiner Bonner Vorlesung zu Luthers Theologie 1956/57 behandelt Hans Joachim Iwand im Rahmen der Christologie auch die Frage nach Tod und Auferstehung. Seine Ausführungen berühren sich mit seinem Text „Tod und Auferstehung“ von 1959. Für Iwand (bzw. Luther) ist die Auferstehung von den Toten eminent theologisch:

„Die dynamis (Stärke, Gewalt) des Wortes Gottes ist eine Kraft, die die Todeswelt aufhebt. Wenn Gott für uns ist, d. h. wenn er sein Wort für mich einsetzt, dann ist damit die Todes­macht überwunden. Das verbum Dei ist immer schon gesprochen, auf die Welt der Auf­erste­hung hin — und es ist unmöglich, daß das verbum Dei in der Todeswelt sein könnte, ohne damit die Riegel der Todeswelt zu sprengen: «Und hier sollen wir die Regel lernen, daß, wo im Psalter und in der Schrift die Heiligen also mit Gott handeln, vom Trost und Hilfe in ihren Nöten, daß da selbst gewißlich vom ewigen Leben und Auferstehung der Toten gehandelt wird, und daß solche Texte allzu­mal gehören auf den Artikel von, der Auferstehung und Ewigem Leben, ja auf das ganze dritte Stück des Glaubens, als vom Heiligen Geist, von der heiligen Christenheit, von Vergebung der Sünde, von der Auferstehung, vom Ewigen Leben, und fließt alles aus dem er­sten Gebot, da Gott spricht: Ich bin dein Gott …».[1]

Die Auferstehung ist also nicht einfach ein isoliertes Geschehen, an das wir zu glauben hätten — wer will uns eigentlich zwingen, an ein solches Faktum zu glauben —, sondern daß Gott etwas sei, dafür ist die Auferstehung ein Zeichen. Man könnte sagen: Wenn die Aufer­stehung nicht wäre, dann wäre Gott eine Vorstellung, dann werden wir uns mit den Atheisten von heu­te darüber streiten müssen, ob wir mit einer solchen Gottesvorstellung oder ohne sie in der modernen Welt leben wollen. Und man hat ja manchmal den Eindruck, als wenn der Streit heute wirklich ein Streit um ein Phantom ist. Die einen sagen: hinter eurer Vorstellung ist nichts — und die anderen sagen: jawohl, hinter unserer Vorstellung ist etwas. Das sind dann zwei Weltanschauungen, und für diese Weltanschauungen werden lebendige Menschen geop­fert — für den lebendigen Gott werden keine Menschen geopfert; nur einer ist für ihn geopfert worden, er selber. Die Auferstehung ist so gewiß wie Gott Gott ist. Wenn Gott nur eine Vor­stel­lung ist, die der Mensch sich formt, um auf diese Weise einen Ordnungsbegriff zu haben für das Dasein der Welt oder einen Garanten zu haben für das Sittengesetz oder einen Richter über Gut und Böse oder um einen Trost zu haben für seine Angefochtenheit — wenn Gott nur das ist, dann bedürften wir in der Tat keiner Auferstehung.“

[1] WA 31/1, 154, 27ff. (Auslegung des 118. Psalms. Das Confitemini 1530, Dr.).

Hier Iwands vollständiger Text „Die Mächte“ als pdf.

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