Johann Michael Feneberg in Roland Werner/Johannes Nehlsen, Gesichter und Geschichten der Reformation: 366 Lebensbilder aus allen Epochen

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Für das jüngst erschienene Buch „Gesichter und Geschichten der Reformation: 366 Lebensbilder aus allen Epochen“ habe ich zwei Lebensbilder verfasst. Eines davon ist über Johann Michael Feneberg, dem katholischen Pfarrer und Mentor der Allgäuer Erweckungsbewegung, dessen Grab in Vöhringen an der Marienkirche ist:

  1. Johann Michael Feneberg (1751-1812)

„Der Weg zur Gerechtigkeit ist der lebendige Glaube an Jesus Christus, den Sohn Gottes: Christus für uns. Und der Weg zur Herrlichkeit ist die treue Anwendung der erlangten göttlichen Kraft, die uns um unseres Glaubens willen geschenkt ist: Christus in uns.“

Auf dem Grabstein von Pfarrer Johann Michael Feneberg in Vöhringen an der Iller steht das Gedicht: «Das Taufbuch nannt ihn Michael, der Freunde Chor Nathanael. Er war’s, ohn alles Falsch und Ziererei, stillsinnig, fromm, gerad und froh dabei, und seinem Christus bis ans Ende treu. Ihm glaubend, scheut er nicht des Tages Jammer, nicht Stelze, nicht des Todes letzte Not, ging, wie in eine andere Kammer, von seinen lieben Freunden fort, und ist nun dort – daheim bei seinem Gott.»

Diese innigen Worte stammen von Fenebergs berühmtem Freund Johann Michael Sailer. Mit der «Stelze» ist die Beinprothese gemeint, die Feneberg seit einem Reitunfall tragen musste, bei dem er 1793 einen Teil seines Beines verloren hatte.

Seine Erweckung verdankte er zwei Mägden, die ihm sein Vetter Martin Boos, ebenfalls ein erweckter katholischer Pfarrer, im Advent 1796 vorgestellt hatte. Die eine, Theresia Erdt, bedrängte ihn mit der Frage, «ob er glaube, dass Christus zu ihm komme und künftig mit ihm den Willen des Vaters tun wolle?». Feneberg machte sein Ja von einem «Zeichen von oben» abhängig: Würde die Magd es wagen, die unüberbrückbare Schranke zwischen Priester und Laien durch einen geschwisterlichen Kuss zu überschreiten? Theresia tat es, und Feneberg sah darin die göttliche Antwort. Von diesem Zeitpunkt an zählte auch er zu den Erweckten.

Feneberg mit Zech (1808)

Seine Pfarrei Seeg wurde zum Zentrum der Allgäuer Erweckungsbewegung. Sie galt jedoch dem bischöflichen Ordinariat in Augsburg als sektiererisch. Man führte 1797 im Pfarrhof eine Hausdurchsuchung durch und beschlagnahmte viele Bücher und handschriftliche Notizen. Feneberg musste vor einer bischöflichen Kommission in Augsburg zwölf Sätzen abschwören und durfte erst dann heimreisen.

Auf Fenebergs Siegel lehnen Gehstock und Prothese am Kreuz. Er hatte in seinem Leben viel zu ertragen. Dennoch blieb er «seinem Christus bis ans Ende treu». Auch evangelische Christen können von einem katholischen Pfarrer lernen, aufzusehen zu Jesus, «dem Anfänger und Vollender des Glaubens» (Hebräer 12,2). (JT)

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