Warum Fremdenliebe mehr als Gastfreundschaft ist – Zu Hebräer 13,2 und Römer 12,13

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In der neuen Luther-Bibel 2017 bleibt es dabei: „Gastfrei zu sein vergesst nicht“ (Hebräer 13,2). Nun ist die Wendung „gastfrei zu sein“ für die meisten Menschen – auch innerhalb der Kirche – un- bzw. missverständlich („frei von Gästen im eigenen Haus“). Mit Bezug auf oben genannte Bibelstelle ist das Adjektiv „gastfrei“ eher ein Hapaxlegomenon in der deutschen Sprache geblieben.

Die Alternative „gastfreundlich“ ist jedoch nicht besser. „Gastfreundschaft“ zu üben (Römer 12,13) entspricht nicht wirklich der Herausforderung einer philoxenia. Diese griechische Wort meint nämlich Fremdenliebe bzw. Fremdenfreundlichkeit und ist der Gegenbegriff zur Xenophobie. Im Unterschied zum Fremden, der sich anderen unerwartet zumutet, bringt ja der geladene Gast bereits einen willkommensfähigen Status mit.

Ursprünglich bezeichnete das mittelhochdeutsche Wort „gast“ sowohl den friedlich sich nähernden Fremden, dem Schutz, Unterkunft, Bewirtung gewährt wird, als auch den mit kriegerischen Absichten ins Land fallenden Fremden, den Feind, für den im Lateinischen ja das etymologisch verwandt Wort „hostis“ steht. Mit dem Erstarken des Bürgertums, der Intensivierung des Handels und der Entwicklung des Her­bergswesens bezeichnet Gast nur noch den bewirteten Fremden bzw. den Besucher (nach Wolfgang Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen).

Von daher ist es sachgerecht, wenn die Zürcher Bibel (als einzige) übersetzt: „Die Liebe zu denen, die euch fremd sind, aber vergesst nicht“ (Hebräer 13,2). Als Vorbild für die Tugend der Fremdenfreundlichkeit heißt es im Brief an die Hebräer über Rahab: „Durch Glauben ist die Dirne Rahab nicht mit den Ungehorsamen zusammen umgekommen, denn sie hatte die Kundschafter in Frieden bei sich aufgenommen.“ (11,31; vgl. Josua 2,1-24)

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Eine Antwort to “Warum Fremdenliebe mehr als Gastfreundschaft ist – Zu Hebräer 13,2 und Römer 12,13”

  1. Ist die neue Luther-Bibel 2017 wirklich zuverlässig und sprachlich eingängig? | NAMENSgedächtnis Says:

    […] Die Wendung“gastfrei zu sein“ (Hebr 13,2) ist für die meisten Menschen – auch inn… („frei von Gästen im eigenen Haus“). Mit Bezug auf oben genannte Bibelstelle ist es ein Hapaxlegomenon in der deutschen Sprache geblieben. Außerdem entsprich „Gastfreundschaft“ zu üben (Röm 12,13) nicht der Herausforderung einer philoxenia. Diese griechische Wort meint nämlich Fremdenliebe bzw. Fremdenfreundlichkeit und ist der Gegenbegriff zur Xenophobie. Im Unterschied zum unerwarteten Fremden bringt ja der geladene Gast bereits einen willkommensfähigen Status mit. […]

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