„Man sollte alle Feste abschaffen und allein den Sonntag behalten“ – Martin Luther wider den Reformationstag 2017 als gesetzlichen Feiertag

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2017 gibt es bundesweit einen zusätzlichen gesetzlichen Feiertag. Aus Anlass des 500jährigen Reformationsjubiläums ist der 31. Oktober arbeitsfrei. Müsste man nicht als evangelische Kirche dagegen Einspruch erheben, war doch die Abschaffung der kirchlichen Feiertage eines der reformatorischen Anliegen?

In seinem Sermon Von den guten Werken wird Martin Luther deutlich: „Wollte Gott, dass in der Christenheit nur der Sonntag Feiertag wäre und man die Feste der Jungfrau Maria und der Heiligen alle auf den Sonntag legte! Dann unterblieben durch die Arbeit an den Werktagen viele schlimme Untugenden, würden auch die Länder nicht so arm und ausgezehrt. Aber nun sind wir mit vielen Feiertagen ge­plagt, zum Verderben der Seelen, Leiber und Güter, wovon viel zu sagen wäre.“

Und in seiner Schrift An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung begründet Luther die Abschaffung kirchlicher Feiertage wie folgt:

„Man sollte alle Feste abschaffen und allein den Sonntag behalten. Wollte man aber wenigstens der Maria und der großen Heiligen Feste behalten, sollten sie alle auf den Sonntag verlegt oder nur morgens zur Messe gehalten werden, danach sollte man den ganzen Tag einen Werktag sein lassen. Der Grund ist: Da nun der Missbrauch mit Saufen, Spielen, Müßiggang und jeder Art von Sünde umgeht, erzürnen wir Gott an den Heiligentagen mehr als an den anderen. Und die Tage sind ganz verkehrt, so dass Heiligentage nicht heilig, Werktage aber heilig sind. Mit den vielen Heiligentagen geschieht weder Gott noch seinen Heiligen nicht nur kein Dienst, sondern große Unehre, obwohl einige tolle Prälaten meinen, wenn sie der heiligen Ottilie oder Barbara und ein jeder nach seinem blinden Eifer ein Fest machen, hätten sie ein gar gutes Werk getan, obwohl sie ein viel besseres täten, wenn sie einem Heiligen zu Ehren aus einem Heiligentag einen Werktag machten.

Außerdem nimmt der gemeine Mann zweifach leiblichen Schaden über diesen geistlichen Schaden hinaus, weil er an seiner Arbeit gehindert wird und dazu mehr verzehrt als sonst, ja, auch seinen Leib schwächt und ungeschickt macht, wie wir das täglich sehen; und doch gedenkt niemand, es zu bessern. Und hier sollte man nicht darauf achten, ob der Papst diese Feste eingesetzt hat oder man einen Dispens oder eine Erlaub­nis haben muss. Was wider Gott ist und den Menschen schäd­lich an Leib und Seele, hat nicht nur eine jede Gemeinde, Rat oder Obrigkeit Macht, abzuschaffen und zu verhindern ohne Wissen und Willen des Papstes oder Bischofs, sondern sie ist auch bei ihrer Seelen Seligkeit verpflichtet, dasselbe ab­zuwehren, auch wenn es der Papst und die Bischöfe nicht wollen, die doch die ersten sein sollten, solches zu hindern.

Und zuvor sollte man die Kirchweihen ganz vertilgen, weil sie nichts anderes als richtige Kneipen und Jahrmärkte und Spielhöllen geworden sind, nur zur Vermehrung von Gottes Unehre und der Seelen Unseligkeit. Es hilft nichts, dass man hervor­heben will, es habe einen guten Ursprung und sei ein gutes Werk. Hob Gott doch sein eigenes Gesetz auf, das er vom Himmel herab gegeben hatte, als es in einen Missbrauch ver­kehrt wurde. Und er kehrt noch täglich um, was er gesetzt, zerbricht, was er gemacht hat, um desselben verkehrten Missbrauchs willen, wie im Psalm 18,27 von ihm geschrieben steht: ‚Und gegen die Verkehrten bist du verkehrt.'“ (WA 6,445f)

Da scheint Luthers Hammer als Arbeitsgerät zum Reformationstag zu passen: An die Arbeit.

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