„Die evangelische Theologie steht und fällt mit der Lehre vom unfreien Willen“ – Hans Joachim Iwand über Luthers De servo arbitrio

Luthers Totenmaske und Wachsabdruck seiner Hände (Kirche

Luthers Totenmaske und Wachsabdruck seiner Hände (Marktkirche „Unsere lieben Frauen“ in Halle an der Saale)

Luthers De servo arbitrio von 1525 in Auseinandersetzung mit Erasmus von Rotterdam geschrieben ist bekanntlich die Schrift, an der sich die theologischen Geister scheiden. Für die deutsche Übersetzung in der Münchner Lutherausgabe hat seinerzeit Hans Joachim Iwand eine theologische Einführung geschrieben. Gleich zu Beginn schreibt er:

„Wer diese Schrift nicht aus der Hand legt mit der Erkenntnis, daß die evangelische Theologie mit dieser Lehre vom unfreien Willen steht und fällt, der hat sie umsonst gelesen. Das ist das Harte und Fordernde an diesem Buch, sein unüberhörbares, unausweichliches Nein gegenüber allen, die der Lehre von der Freiheit des Willens, aus welchen guten und einsichtigen Gründen auch immer, einen positiven Sinn abgewinnen möchten. Und wenn wir dem Leser einen Rat mit­geben dürfen für den atemraubenden Weg, den er an Luthers Hand durch alle Höhen und Tiefen der Gottes- und Menschenerkenntnis geführt werden wird, dann ist es der, sich nicht auf die vielen Umdeutungen und Abschwächungen einzulassen, die die Ausleger späterer Zeiten zur Abmilderung der Härten und zum Ausgleich der Paradoxien anbieten, sondern tapfer und furchtlos die Sätze Luthers stehen zu lassen, wie sie sind, vielleicht, daß sie im Zusammenhang des Ganzen doch die Rechtfertigung erhalten, die ihnen eine auf das Kompro­miß eingestellte Theologie nicht zu geben in der Lage ist. Es ist besser, wir wissen, wo die Distanz zwischen Luther und der sich nach ihm nennenden Theologie und Kirche klafft, es ist besser, wir sehen den Graben zwischen ihm und dem, was aus dem Protestantismus im Laufe der Zeit geworden ist, als daß wir mit Umdeutungen und Abmilderungen diesen Luther, den echten, schon seiner Zeit so fremden und unbegreiflichen Luther, uns erträglich und verständ­lich zu machen suchen.“

Der vollständige Text von Iwand, Theologische Einführung in Luthers De servo arbitrio findet sich hier als pdf.

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2 Antworten to “„Die evangelische Theologie steht und fällt mit der Lehre vom unfreien Willen“ – Hans Joachim Iwand über Luthers De servo arbitrio”

  1. „Es geht um die Freiheit, zu der Christus uns befreit hat, nicht um die Freiheit aus irgendeiner menschlichen Knechtschaft oder Tyrannengewalt“ – Martin Luther über Galater 5,1 | NAMENSgedächtnis Says:

    […] als Apostel der bürgerlichen Freiheit und Selbstbestimmung herhalten, als hätte er nie De servo arbitrio geschrieben. Aufschlussreich ist, was Luther in seinem großen Galaterkommentar (1531/35) zur […]

  2. Die christliche Freiheit ist nicht eine «auch», sondern «nur» bei den Christen anzutreffende Frei­heit – Hans Joachim Iwand über Luthers Freiheitsverständnis | NAMENSgedächtnis Says:

    […] Luthers auch die Frage nach der christlichen Freiheit. Seine Ausführungen schließen an Iwands Theologische Einführung in Luthers Schrift De servo arbitrio bzw. an sein Nachwort zur Neuausgabe von Martin Luther, Von der Freiheit eines Christen­menschen […]

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