Hans Joachim Iwand über Holls „Gewissensreligion“ als protestantische Selbstrechtfertigungslehre

gewissen

Eine treffende Analyse der protestantischen Selbstrechtfertigungs­lehre bietet Hans Joachim Iwand in seiner Darstellung von Karl Holls  „Gewissensreligion“, wenn er schreibt:

„Hier haben wir das normale Gewissensverständnis vor uns. Das Gewissen eröffnet dem Menschen eine Ordnung, die über ihm steht, ein Sollen, unter dem er steht. Dieses Sollen empfindet der religiöse Mensch als Gott, als von Gott inspi­riert. Es ist sozusagen seine erste Begegnung mit Gott. Und wenn dann bei dieser Begegnung sich ein bestimmtes Schuldgefühl ein­stellt, dann wendet er sich Christus zu, der dieses Schuldbewußtsein für mich deckt oder ausgleicht. Das ist die Linie, auf die die theolo­gische Generation von heute — weithin jedenfalls — eingeschwenkt ist. […] Der Mensch, der dabei herauskommt, ist dann nichts anderes als der verinnerlichte, der radikalisierte, verabsolutierte Gesetzesmensch. Es ist der durch sein inneres Sollen geprägte Gesetzesmensch, der permanent aber hinzufügt, er könne dieses Sollen nicht erfüllen — und deshalb brauche er Christus.“

Hans Joachim Iwand, Luthers Theologie, hg. v.  Johann Haar, Nachgelassene Werke 5, München: Christian Kaiser 1974, S. 177.

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