Warum das „Jünger machen“ für Jesu Missionsbefehl in Matthäus 28,18-20 unabdingbar ist

discipleship

Philologische Erwägungen, mathēteusate in Jesu Missionsbefehl mit „lehret“ zu übersetzen (wie jetzt in der neuen Luther-Bibel 2017 geschehen), überzeugen mich nicht. Ich stehe zur englischsprachigen NRSV, zu Luther 1984 (bzw. 1956), zur Zürcher 2007, zur Elberfelder sowie zur neuen Einheitsübersetzung 2017, wo es heißt: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19a) – mit gutem Grund. „Jünger machen“ mag eine anstößige Wendung sein, aber sie ist im höchsten Maße subversiv. Sie ist antirassistisch, antiklerikal und wehrt intellektueller Überheblichkeit bzw. Bevormundung.

In Jesu Missionsbefehl geht es um einen bestimmten „Jünger-sein“-Status von Menschen in Bezug auf Jesus selbst – in Entsprechung zu den elf Jüngern (mathētai), die auf dem Berg in Galiläa diesen Befehl empfangen haben (v 16). Taufe auf Seinen Namen und Unterweisung in Jesu Sinne sind beides Beziehungsgeschehen, die das „Jünger machen“ und damit die Gleichstellung mit den Jüngern Jesu in die Tat umsetzen. Jesu Gegenwartszusage „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28,20b) gilt damit sowohl für die elf Jünger auf dem Berg wie auch für die neu hinzugewonnenen Jüngern aus den Völkern.

Unbestimmtes „Lehren“ hingegen würde eine bleibende Diskrepanz zwischen den elf „gelehrten“ Jüngern und den übrigen „belehrten“ Menschen schaffen. So etwas kennt man ja aus der eigenen Schulzeit von manchem (ein-)gebildeten Lehrer, der per se Recht haben muss, um seinen vermeintlich höheren Status gegenüber Schülern zu halten. Da ist man schnell bei Schelskys „Priesterherrschaft der Intellektuellen“: Wir (Theologen, Missionare …) mit unserem umfangreichen historischen und exegetischen Wissen und mit unseren heilvollen religiösen Ideen wissen, was für die anderen gut zu sein hat.

Ein missionarisches Jüngerschaftsverhältnis hingegen nimmt für Christen einen egalitären Charakter an und ist damit gerade nicht hierarchisch bzw. vormundschaftlich bestimmt. Wer selbst Jesu Missionsbefehl gefolgt ist, erfährt im eigenen Lehren, dass die „Belehrten“ einem als Jünger Jesu gleichgestellt sind.

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