„Wir sind die, die wir im Lichte der Gnade Gottes sind“ – eine Weihnachtsbesinnung von Rudolf Bultmann

christbaum-mit-kerzen

Hier noch eine weitere Weihnachtsbesinnung von Rudolf Bultmann aus dem Jahr 1953, die er mit folgenden Worten beendet:

„Das „ewige Licht“ macht uns zu „Kindern des Lichtes“, indem es in uns das Licht des Glau­bens anzündet. In solchem Glauben braucht und kann uns unser jetziges unheimliches und dunkles Ich nicht mehr schrecken und quälen. Aber es braucht und soll uns auch nicht mehr in unserer Lebensführung bestimmen. Die Freiheit von ihm kann und soll lebendig sein in der Freiheit gegenüber allem Verlockenden und Verführenden, allem Ängstigenden und Jagenden des weltlichen Le­bens, gegenüber allen Gefahren der Besessenheit. So gibt der Glaube auch „der Welt einen neuen Schein“. Nicht nur damit, daß die Welt ihre Macht über den verliert, der weiß, daß sein eigentliches Ich jen­seits ihrer geborgen ist, sondern auch damit, daß solcher Glaube die Kraft hat, die Welt zu verwandeln. Paulus hat das Wort geprägt, daß der Glaube in der Liebe wirksam ist. Liebe aber verwandelt die Welt. Freilich nicht so, als enthielte die Lie­be das Programm einer besseren Organisation der Welt, wohl aber so, daß überall, wo das Licht der Liebe scheint, sich eine Helligkeit und Heiterkeit verbreitet, eine neue Atmosphäre entsteht — wohl nie ohne Kampf, aber auch nie ohne Sieg.

Haben wir so nicht auch eine Antwort gefunden auf die unbeant­wortet gebliebene Frage, woran es liegt, daß aus unserem Arbeitsgetriebe die dämonischen Mächte erwachsen, die uns beherrschen? Es liegt doch immer am einzelnen Menschen. Es liegt daran, daß er das Wissen um sein eigentliches Ich verloren hat, das jenseits all seiner Bemühungen und Anstrengungen liegt und gleichsam auf ihn wartet [80] als das Geschenk, dem er sich öffnen soll. Wohl er­greift christliche Liebe auch die Verantwortung für die Ordnung der Welt, aber ihre erste Sor­ge ist die für den „Nächsten“, das heißt für die jeweils mit uns Verbundenen, jeweils hier und jetzt uns Begegnenden, ihnen zu helfen, daß ihnen die Augen aufgehen für jenes auf sie war­tende Geschenk.“

Hier der vollständige Text als pdf.

Advertisements

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: