„Lass mich gehen, die Morgenröte bricht an“ – Paul Schempps Predigt über Jakobs Kampf bei Pniel (1Mose 32,23-32)

Lynd Ward - Jacob Wrestles with the Angel (1967)

Lynd Ward – Jacob Wrestles with the Angel (1967)

Es ist eine Kunst einen Text aus dem Alten Testament auf Christus hin auszulegen, ohne das Erzählgeschehen in seiner Wörtlichkeit zu übergehen. Paul Schempp hat es in seiner Predigt über Jakobs Kampf bei Pniel (1Mose 32,23-32) meistlich verstanden, selbst in diesen Kampf einzudringen, um die göttliche Verheißung in Christus zur Sprache zu bringen. Seine Predigt kann  in jedem Fall mit Gerhard von Rads Predigt über diesen Kampf  mithalten. Hier ein Auszug:

„Die Kraft Jakobs ist es nicht, der Glaube und das Gebet der Christenheit ist es nicht, was uns den Weg freimachen könnte vor Gott, was uns auch nur eine Stunde vor Verderben und Tod schützen könnte, wenn Gott wider uns ist. Und Gott ist wider uns, so gewiß wir Fleisch sind und sterben müssen, so gewiß das heilige Land nicht der Him­mel und das Reich Gottes ist, so gewiß Jakob einmal nur als Leiche hineinkommen wird, so gewiß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben werden, so gewiß der König der Juden, der Auserwählte Gottes, Jesus Christus, am Kreuz sterben mußte. Jakob ist in die Hände des lebendigen Gottes gefallen, und der Schrecken seines Vaters Isaak — so hat Jakob Gott vor Laban genannt — ist über ihn hergefallen. Was ist mit Jakob, daß dieser Gegner nicht fertig wird mit ihm, daß dieser Schrecken ihn nicht umbringt und dieser Fremde sogar bittet: Laß mich gehen, die Morgen­röte bricht an? Gottes eigenes Wort, das er nicht zurücknimmt, Gottes eigener Segen, von dem er nichts abbricht, Gottes eigene Wahl, die ihn nicht gereut. Gottes eigene Treue, die eben göttlich und darum be­ständig und unveränderlich ist. Das ist Jakobs Kraft, das ist der Kern und auch die Grenze von Gottes Zorn, das ist die himmelhoch er­habene Göttlichkeit Gottes, auch wo er Mensch wird, auch wo er die Widerspenstigkeit und Unverbesserlichkeit des Menschen menschlich angreift und sie überfällt wie ein Dieb in der Nacht, wie ein Löwe und Bär am Wege, auch wo er sich verhüllt und verbirgt in den dunkel­sten Anfechtungen seiner Zeugen, in den schwärzesten Drohungen seiner Boten und darüber hinaus in all dem, was unser aller Dasein täglich und nächtlich bedroht mit den Schatten des Todes und was unsre Wege und Wünsche, auch die reinsten und frömmsten, versperrt und verriegelt und was unser aller Leben zu einem so verzweifelten Kampf um Möglichkeit, um Zukunft und Hoffnung und Frieden macht“

Die vollständige Predigt findet sich hier als pdf.

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