Geduldige Annahme und gekonnte Hingabe – Was man als Pfarrer vom Schäfer James Rebanks lernen kann

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Stanley Hauerwas hatte Anfang November kurz vor der Präsidentschaftswahl in den USA einen lesenswerten Aufsatz veröffentlicht: „Is Democracy Capable of Cultivating a Good Life? What Liberals Should Learn from Shepherds“. Darin bezieht er sich auf James Rebanks’ Buch „The Shepard’s Life. Modern Dispatches from an Ancient Landscape“ (auf Deutsch: „Mein Leben als Schäfer“, C. Bertelsmann 2016). Beim Lesen wird man in der Tat in das Leben eines Schäfers im nordenglischen Lake District mitgenommen. Treffend heißt es in der Verlagsankündigung:

„James Rebanks’ Familie lebt seit Generationen im englischen Hochland, dem Lake District. Die Lebensweise ist seit Jahrhunderten von den Jahreszeiten und Arbeitsabläufen bestimmt. Im Sommer werden die Schafe auf die kahlen Berge getrieben und das Heu geerntet; im Herbst folgen die Handelsmessen, wo die Herden aufgestockt werden, im Winter der Kampf, dass die Schafe am Leben bleiben, und im Frühjahr schließlich die Erleichterung, wenn die Lämmer geboren und die Tiere wieder in die Berge getrieben werden können. James Rebanks erzählt von einer archaischen Landschaft, von der tiefen Verwurzelung an einen Ort. In eindrucksvoll klarer Prosa schildert er den Jahresablauf in der Arbeit eines Hirten, bietet uns einen einzigartigen Einblick in das ländliche Leben. Er schreibt auch von den Menschen, die ihm nahe stehen, Menschen mit großer Beharrlichkeit, obwohl sich die Welt um sie herum vollständig verändert hat.“

Die Aufgabe eines Schäfers beschreibt Rebanks mit knappen Worten: „My job is simple: get around the fields and feed and shepherd the different flocks of ewes—dealing with any issues that arise. First rule of shepherding: it’s not about you, it’s about the sheep and the land. Second rule: you can’t win sometimes. Third rule: shut up, and go and do the work.“ (ein längerer Auszug aus Rebanks Buch findet sich hier)

Ja, das Amt eines Pfarrers bzw. Pastors verweist nicht nur etymologisch auf ein Hirtenamt, wie es in im ersten Brief des Petrus vorbildlich dargestellt ist: „Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund; nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde. So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.“ (1Petr 5,1-4)

Geduldige Annahme und gekonnte Hingabe – was als pastorale Tugenden benannt werden kann, bedarf einer besonderen Story, in der man sich als Christ in der Gemeinschaft der Heiligen auf die göttliche Verheißung hin wiederfindet. Andernfalls bleibt man ein professioneller „Kirchenbenutzer“, der seinen Job im eigenökonomischen Interesse hoffnungslos absolviert.

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