„Luther und Hitler sind zwei Männer, von denen das deutsche Volk noch nach Jahrhunderten mit Ehrfurcht spricht.“ – Aus einem Schulaufsatz vom 20. November 1933

Schulaufsatz "Luther und Hitler - ein Vergleich" vom 20. November 1933

Schulaufsatz „Luther und Hitler – ein Vergleich“ vom 20. November 1933

Aufschlussreich ist, wie weit ein völkisches Luther-Bild schon 1933 in der deutschen Bevölkerung verbreitet gewesen ist. So stellt sich ein Schulaufsatz vom 20. November 1933 (einen Tag nach dem „Deutschen Luthertag“) der Themen­stellung „Luther und Hitler – Ein Vergleich”. Darin schreibt der jugendliche Verfasser (mit allen orthographischen und stilistischen Eigenheiten):

„Luther und Hitler sind zwei Männer, von denen das deutsche Volk noch nach Jahrhunderten mit Ehrfurcht spricht. Unser großer Reformator wurde am Ausgang des Mittelalter im thüringischen Lande, in dem Städtlein Eisleben geboren. Beide haben vieles gemeinsam. Luther sagt von sich selbst: ‚Mein Vater, Großvater und Ahnherr sind rechte Bauern gewesen.‘ Auch Adolf Hitler stammt aus bäuerlichem Geschlecht. Also mitten aus dem Volke heraus erstanden sie dem Volke. Darum sind sie fest mit ihrer deutschen Heimat verwurzelt. Jedoch auch ihnen blieb der Kampf ums Dasein nicht erspart. Hitler sowohl wie Luther standen noch schwere Kämpfe bevor. Schon als junger Mann verlor Hitler seine Eltern. Trostlos schaute er in die Zukunft. Es kam der Weltkrieg. Während Hitler gaserblindet im Spital, zu Pasewalk lag, mußte er hören, wie man gegen die Armee redete, und die Juden schon ganze Arbeit gemacht hatten. Die Hoffnungslosigkeit schlug ihn vollends nieder. Um diese Zeit war es Hitler zumute, als müsse er hervorspringen, und den deutschen Arbeiter vertreten. Es ist ihm, als ob seine Stunde geschlagen hätte. Mit 30 Jahren erkennt Hitler sein Ziel. ‚Wenn Gott einem Volke helfen will, so hilft er es [!] nicht durch Worte und Bücher, sondern durch einen Mann, der im Volke emporgewachsen ist.‘ Luther und Hitler sind zwei Männer, von denen die deutsche Geschichte jedes Jahr­hundert nur einen aufweisen kann. Unser Reformator hatte nicht wenigeres zu beste­hen. Was hatte er nicht alles im Kloster erleben müssen! Nur mit dem einen Gedanken beschäftigte er sich Tag und Nacht: ‚Wie werde ich selig?‘ Auch im Kloster erlangte er seiner Seelen Seligkeit nicht. Darum faßte er sich ein Ziel und dieses Ziel hielt er fest, nämlich: der Neubau der Kirche. Beide hatten eine Welt von Feinden. Sie wurden verfolgt und geächtet, verhöhnt und verspottet. Je mehr man sie aber verfolg­te, desto mehr Anhänger bekamen sie. ‚Und wenn die Welt voll Teufel wär,‘ singt Luther in seinem: ‚Ein feste Burg ist unser Gott.‘ Hierdrin kennzeichnet sich der Mut und die Treue Luthers. Furchtlos und beharrlich hielten beide an ihrem Ziele, fest [gestrichen] durch Not und Gefahren hindurch, fest. Luther rechtfertigt sich auf dem Reichstage zu Worms: vor Kaiser und Reich, vor Papst und Kirche. Welch großes Unternehmen! Auch Adolf Hitler fürchtete sich vor Regierung und Festungshaft nicht. Er setzte sein Ziel durch bis zum siegreichen Ende. Was Hitler sich bis jetzt vorgenommen hatt ist ihm gelungen. Es wird ihm auch weiterhin gelingen. Die Weltanschauung Adolf Hitlers führt dahin, daß er eine große Volksgemeinschaft gründen will. Mit Hitler [gestrichen] Luther brach [gestrichen] endete die Zeit des Mittelalters und an ihr setzt sich die Neuzeit. Mit Hitler bricht die alte Weltanschauung, und mit ihm ersteht das dritte Reich. Unser Führer kämpft nicht für sich und seine Ehre, sondern für das deutsche Volk und dessen Ehre.“[1]

[1] Zitiert nach Bernd Sösemann (Hg.), Propaganda. Medien und Öffentlichkeit in der NS-Diktatur, Beiträge zur Kommunikationsgeschichte, Bd. 25, Stuttgart 2010, Nr. 1168.

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