„Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit“ (Jeremia 9,22) – Gerhard von Rad über die Weisheit in Israel

Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872) – Jesus Ben Sirach

Bekanntlich gilt die letzte Monographie Gerhard von Rads der Weisheit in Israel (Neukirchener Verlag). Dazu gibt es auch einen Rundfunkvortrag vom Februar 1970, in dem von Rad seine Einsichten zusammenfasst:

„Die Weisen Israels gingen von der Überzeugung aus: Es ist eine Ord­nung in den Dingen, und darum stießen sie ihre Schüler hinein in den Kampf zwi­schen Sinn­gewinn und Sinnverlust. Nur ein Tor dispen­siert sich zu seinem eigenen Schaden von dem Lauschen auf die das Leben tragenden Ordnungen. Aber mit dem Er­kenntniswillen allein ist es nicht getan. Alles Wissen um die Welt und um den Menschen beginnt mit dem Wissen um Gott. Die Furcht des Herrn, das Wissen um Gott, ist aller Weisheit Anfang. Es ist keineswegs so, daß sich die Welt verweigert, wenn wir die Frage nach Gott und seinem Wal­ten an sie richten. Im Gegenteil: Erst im Lichte dieser Frage wird sie ganz real und geheimnis­voll zugleich. Darin sehe ich die eigentliche Leistung dieser Weisen, daß sie mit hellwacher Vernunft diese von Gott durchwaltete Welt angegangen haben. Von da her, also von dieser Offen­heit für die Welt und zugleich für Gott, versteht man erst eine der tiefsten Einsichten Israels: Wirklich weise ist nur der, der sich nicht weise dünkt. Sich selber weise zu dünken, ist ein sicheres Zeichen der Torheit.“

Hier der Text des Rundfunkvortrags als pdf.

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