„Es geht um die Freiheit, zu der Christus uns befreit hat, nicht um die Freiheit aus irgendeiner menschlichen Knechtschaft oder Tyrannengewalt“ – Martin Luther über Galater 5,1

Martin Luther muss für den Protestantismus als Apostel bürgerlicher Freiheit und emanzipatorischer Selbstbestimmung herhalten, als hätte er nie De servo arbitrio geschrieben. Aufschlussreich ist, was Luther in seinem großen Galaterkommentar (1531/35) zur biblischen Schlüsselstelle evangelischer Freiheit, nämlich Galater 5,1 „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ zu sagen hat:

Es geht um die Freiheit, zu der Christus uns befreit hat, nicht um die Frei­heit aus irgendeiner menschlichen Knechtschaft oder Tyrannengewalt, son­dern um die Freiheit von dem ewigen Zorn Gottes. Wo? Im Gewissen. Hier hat unsere Freiheit ihren Ort und will diese Grenzen nicht überschreiten. Denn Christus hat uns nicht in politischer Hinsicht frei gemacht, nicht im Blick auf den äußeren Menschen, sondern theologisch oder in geistlicher Weise; d. h. er hat unser Gewissen frei und froh gemacht, daß es den kom­menden Zorn nicht fürchten muß. Das ist die wahre (unüberbietbar!) und unschätzbare Freiheit, im Vergleich zu deren Größe und Majestät die übrigen Freiheiten (die politischen und auf den äußeren Menschen bezüglichen) kaum ein Tropfen oder ein Tröpfchen sind. Wer kann genug rühmen, was das für eine große Sache sei, wenn einer mit Gewißheit davon sprechen kann, daß Gott weder zornig sei, noch jemals Zorn erzeigen wolle und daß er in Ewigkeit um Christi willen der geneigte und gütige Vater sein werde? Das ist wahrhaftig eine große und unbegreifliche Freiheit, um die Gunst, den Schutz und die Hilfe dieser höchsten Majestät zu wissen und darauf zu hoffen, daß sie uns schließlich auch leiblich befreien werde, so daß unser Leib, der da „ge­sät wird in Vergäng­lichkeit, Schmach und Schwachheit, auferstehen werde in Unvergänglichkeit, in Herrlichkeit und Kraft“ (1.Kor. 15,42f.). So ist es eine unbeschreiblich herrliche Freiheit, größer als Him­mel und Erde und alle Kreaturen: Wir sind frei von dem Zorn Gottes in Ewigkeit.

Hier Luthers ausführlichere Kommentierung zu Galater 5,1 als pdf.

 

Advertisements

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: