„Gott hat niemals anders mit den Menschen gehandelt als durch das Wort der Verheißung“ Martin Luther über Glaube und Verheißung.

In seiner Schrift „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche (De captivitate Babylonica ecclesiae praeludium)“ von 1520 hat Martin Luther zum ersten Mal die Korrelation von Verheißung (promissio) und Glaube (fides) als reformatorisches Proprium ausführlich dargelegt. So schreibt Luther bezüglich dem Abendmahl als Sakrament:

Daraus siehst du, daß zu einer würdigen Feier der Messe nichts anderes als der Glaube gefor­dert wird, der fest auf diese Zusage vertraut und daran glaubt, daß Christus in diesen seinen Worten wahrhaftig spricht, und nicht zweifelt, daß ihm diese unermeßlichen Güter frei ge­schenkt sind. Auf diesen Glauben folgt alsbald von selbst die innigste Bewe­gung des Herzens, durch welche der Geist des Menschen weit und reich gemacht wird – das geschieht durch die Liebe, welche uns durch den Heiligen Geist im Glauben an Christus geschenkt wird. So wird er zu Christus, dem freundlichen und gütigen Testator, hingerissen und ein ganz anderer und neuer Mensch. Denn wer wollte nicht innig weinen, ja vor Freude an Christus fast vergehen, wenn er ohne jeden Zweifel glauben kann, daß diese unschätzbare Verheißung Christi ihm gilt! Wie sollte man einen solchen Wohltäter nicht liebhaben, der dem Unwürdigen, welcher ganz anderes verdient hätte, solchen Reichtum und dieses ewige Erbe, bevor man überhaupt darum bittet, anbietet, zusagt und schenkt?

Denn Gott hat niemals anders – wie ich sagte – mit den Menschen gehandelt und handelt auch nicht anders mit ih­nen als durch das Wort der Verheißung. Wir andererseits können mit Gott niemals anders als durch den Glauben an sein Verheißungswort handeln. Nach Werken fragt er nicht, bedarf ihrer auch nicht. Durch Werke handeln wir vielmehr gegen die Men­schen und mit den Menschen und uns selbst. Aber Gott bedarf dessen, daß er von uns in seinen Zusagen als wahrhaftig geachtet werde und man geduldig seiner har­re und er so in Glaube, Hoffnung und Liebe verehrt werde. Dadurch geschieht es, daß er seine Ehre in uns behauptetet, wenn wir nicht durch unser Laufen, sondern durch sein Erbarmen, Verheißen und Schenken alles Gute empfangen und haben (Röm 9,16). Siehe, das ist der rechte Gottesdienst und die wahre Gottesverehrung, die wir in der Messe darbringen sollen. Wenn aber die Ver­heißungsworte nicht gelehrt werden, was für eine Übung des Glaubens kann man dann haben? Aber wer hofft ohne Glauben? Wer liebt? Was ist das für ein Gottesdienst ohne Glauben, Hoffnung und Lie­be! Daher ist kein Zweifel, daß heutzutage alle Prie­ster und Mönche samt den Bischöfen und allen ihren Obe­ren Götzendiener sind und wegen solcher Unkenntnis, sol­chen Miß­brauchs und solcher Verspottung der Messe, d. h. des Altarsakraments und der Zusa­ge Gottes in einem höchst gefährlichen Stande leben.

Ein jeder sieht ja leicht ein, daß dieses beides, »Zusage« und »Glaube«, zugleich nötig ist. Denn ohne Zusage und Verheißung kann nichts geglaubt werden. Ohne Glauben aber ist die Verheißung nutzlos, weil sie nur durch den Glauben bestätigt und erfüllt wird. Aus diesem allen wird ebenso leicht jeder einsehen, daß die Messe, da sie nichts anderes als Verheißung ist, allein durch diesen Glauben be­gangen und gefeiert wird.

Hier ein längerer Textauszug als pdf.

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