Der Traktat über die Gewalt und den Primat des Papstes – De potestate et primatu papae tractatus (vollständiger Text auf Deutsch)

Der „Traktat über die Gewalt und den Primat des Papstes (De potestate et primatu papae tractatus)“ wurde 1537 auf dem Konvent des Schmalkaldischen Bundes angeregt. Er sollte das Augsburger Bekenntnis von 1530 im Hinblick auf die reformatorische Lehre über den Primatanspruch des Papstes ergänzen. Die Papstfrage war nämlich im Augsburger Bekenntnis mit Rücksicht auf den Kaiser ausgeklammert worden. So wurde der Traktat von Philipp Melanchthon auf Latein verfasst und 1540 in Straßburg anonym veröffentlicht. Erst durch seine Aufnahme in das Konkordienbuch 1580 gilt er als offizielle lutherische Bekenntnisschrift. Man kann ihn als reformatorische Kritik am Papsttum bzw. an der klerikalen Hierarchie der römisch-katholischen Kirche lesen. Aber seine Lehrbestimmungen sind gegenwärtig vor allem innerhalb der verfassten Landeskirchen von grundlegender Bedeutung, so wenn es beispielsweise in Tractatus 67 heißt:

„Wo auch immer Kirche ist, dort ist das Recht, das Evangelium auszurichten. Deshalb muß die Kirche das Recht behalten, Diener [der Kirche] zu berufen, zu wählen und zu ordinieren. Und dieses Recht ist ein der Kirche vorzugsweise gegebenes Geschenk, das keine mensch­liche Autorität der Kirche entreißen kann (ubicunque est ecclesia, ibi est ius administrandi evangelii. Quare necesse est ecclesiam retinere ius vocandi, eligendi et ordinandi ministros. Et hoc ius est donum proprie datum ecclesiae, quod nulla humana autoritas ecclesiae eripere potest)“ (BSLK 491).

Aus der Wendung „wo auch immer Kirche ist (ubicunque est ecclesia)“ wird deutlich, dass das Recht der Evangeliumsverwaltung (ius administrandi evangelii) jeweils der einzelnen Gemeinde gegeben ist und nicht etwa einem verfassten territorialen Kirchentum bzw. einer Kirchenleitung. Wo überall wahre Kirche – also „die Versammlung der Heiligen, in der das Evangelium rein gelehrt wird und die Sakramente recht verwaltet werden (congregatio sanctorum, in qua evangelium recte docetur et recte administrantur sacramenta“ (CA VII; BSLK 61) – sich als dauerhaftes gottesdienstliches Versammlungs- bzw. Interaktionsgeschehen ereignet, befindet sich auch das Berufungs-, Auswahl- und Ordinationsrecht für die eigenen Amtsträger. Die Legitimation zur Ordination wird also nicht mehr in einem iure divino verfassten Bischofs- bzw. Leitungsamt gesehen, sondern in dem Recht der Evangeliumsverwaltung, das das unverbrüchliche Privileg der einzelnen Gemeinde ist. Auszuüben ist das Ordinatiosrecht (ius ordinandi) in den Gemeinden unter der Hinzuziehung von Pastoren (Tractatus 72; BSLK 492).

Hier der vollständige Text der deutschen Fassung (in der Übersetzung von Horst Georg Pöhlmann) als pdf.

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