„Der Götzendienst überschattet das ganze Leben“- Hans Joachim Iwands Predigt über das Erste Gebot (2. Mose/Exodus 20,2-3) im Juni 1942

„Lichtdom“ beim Reichsparteitag der NSDAP 1936 in Nürnberg

Dass das erste Gebot eine eminent politische Bedeutung hat, zeigt Hans Joachim Iwand in seiner Predigt am 13. Juni 1942 im Wochenschlussgottesdienst in der St.-Marien-Kirche in Dortmund. So führt er aus:

Es hat in der Tat niemals an Verführern gefehlt, Gott und die Götzen in ein und demselben Tempel unterzubringen, sie ein und derselben Anbetung teilhaft werden zu lassen. Nein, wahrhaftig, an diesen Versuchern hat es nicht gefehlt und wird es nicht fehlen. Schon Aaron, dieser typische Vertreter des geschmeidigen Christen­tums, versteht diese Sprache zu reden: das Volk sei nun einmal böse, darum müsse man ihm solch ein Zeichen geben, in dem es Gott erlebt. Und während der eine, Mose, im heiligen Zorn die Tafeln des Gesetzes zerbricht, gibt sein priesterlicher Bruder dem Tanz ums goldene Kalb die religiöse Weihe! Ist dieser Stier, dies geheimnisvoll aufregende Lied der Lebenskraft, nicht viel passen­der, die Religiosität des Volkes zu entflammen, ihm neuen Mut und Enthusiasmus einzuhauchen — als jene Worte, die Mose aus der Wolke heimbringt? Das ist die sehr beredte, an uns gestellte Frage: Religion oder Offenbarung des lebendigen Gottes — Volksreligion oder Gehorsam gegen den leben­digen Gott! Volk und Kir­che stehen sich hier leidenschaftlich gegenüber, aber Mose nennt das, was das Volk unter Aarons Leitung tut, «Sünde» und vollzieht die Entscheidung «Her zu mir, wer zum Herrn gehört!». Da ist auf einmal das erste Gebot wieder da, da als Entschei­dung, als Prü­fung, als Ernüchterung in diesem Taumel der Begeisterung. Und im­mer wieder wird es so sein: Mose contra Aaron, Elias gegen die Baalspfaffen — einer gegen die vielen, aber doch der eine mit Gott, der eine, der mit Gott das Feld behauptet: denn «wenn sie auch wider dich streiten, sollen sie dennoch nicht wider dich siegen. Denn ich bin bei dir, spricht der Herr, daß ich dich errette» (Jer 1,19).

Darum geht es im Gottesdienst der Kirche: was bestimmt diesen Gottesdienst? Was heißt überhaupt: Gottesdienst, heißt das, daß hier irgendein mehr oder weniger bestimmtes reli­giöses Gefühl der Menschen zur Darstellung kommt — oder heißt es, daß hier Menschen unter Gottes Wort, unter sein geschriebenes und vergebendes Wort treten? Ist die Wurzel des Gottesdienstes die Religion, also etwas, das mit dem Menschen, seinem Gefühl und seiner Weltdeutung gegeben ist — oder heißt es, daß Gott sich hier offenbart, daß Er redet und wir hören, Er gebietet und wir aufgerufen sind zu gehorchen? Religion — was kann das alles bedeuten? Wandeln sich nicht die Religionen? Und mit ihnen die Zeichen und Symbole? Ste­hen nicht viele Religionen und damit auch viele Götzen neben­einander, arische, indoger­mani­sche, romanische und was man nur will? Und dazwischen soll dann auch der christliche Gott stehen? In diesem Göttertempel? Dieser Gott will eben wieder frei werden, frei aus der Ver­mischung und Gleichmachung mit all den Göttern um ihn her, gehört werden als der, der als der eine „Ich“ zum Men­schen sagt: «Du» — du sollst! Er will vernommen werden in seiner Gnade: Ich bin dein — dein Gott! Und darum auch wieder in sei­nem: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir! Wollten wir das hören? Wollten wir uns neu entscheiden: Her zu mir, wer zum Herrn gehört? Haben wir uns entschieden für Mose gegen Aaron? Für den, der sein Gesetz offenbarte gegen den Tanz um das gol­dene Kalb? Oder meinen wir, beide auf einem Altar nebeneinander unterbringen zu können, auf demselben Altar, wo das Bild des Gekreuzigten steht, wo die Schrift als Wort Gottes liegt, solch ein Götterbild — und wenn es geschehen wäre? Darum der Kampf in der Kirche. Darum — mit demselben Recht und in demselben Sinn, wie Jesus im Tempel die Krämer vertrieb; denn dieser Gott will nicht, daß die Menschen mit ihm feilschen — er will allein, daß sie ihn hören! Und darum geht es auch allein, daß die Kirche, klein oder groß, hell oder zerbrochen, in alter oder neuer Form — wie­der das werde, wozu sie da ist: der Tempel Gottes, der Ort, da seine — nicht der fremden Götter Ehre wohnt. Das sollten wir wissen, wir, die wir in ihr leben — das sollte aber auch die Welt da draußen wissen; denn gerade um sie geht es, darum, daß unser Gottesdienst wirklich wieder Gott groß werden lasse, daß mitten in ihr Gott wohne, der sie lieb hat, so lieb, wie die Götzen gerade sich an ihr versündigen. Es liegt eine furchtbare Nemesis über die­sem Götzen­dienst der Menschen, eine Nemesis, die wenige durchschauen. Denn das erste Gebot bleibt das erste Gebot — und wer dem ersten Gebot widerstrebt, wird alle anderen auflösen müssen: es ist nicht gleich für die Menschheit, wen sie anbetet, der Götzendienst überschattet das ganze Leben und die geistige Sünde gegen Gott wird offenbar in der Krankheit am Körper des ganzen Volkes.

Hier der vollständige Text der Predigt als pdf.

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