Archive for the ‘Gebete und Segen’ Category

Gebet zur göttlichen Berührung unseres Lebens

21. Januar 2018

Himmlischer Vater,
Deine Güte Licht in der Dunkelheit,
Deine Liebe Wärme in der Seelenkälte,
Deine Barmherzigkeit löst Sündenstarre.
So bitten wir Dich:
Dein Geist öffne unsere Lebenstür,
damit Dein Sohn in unser Herz einziehe
und uns im Innersten göttlich berühre.
Er, unser Heiland in Ewigkeit.
Amen.

Advertisements

Gebet für die eigenen Träume

7. Januar 2018

Jakobs Traum (Josepe de Ribera, 1639)

Himmlischer Vater,
Dein Wort steht über unseren Nachtträumen,
Dein Geist durchdringt unser Seelendunkel.
Dir vertrauen wir unsere Traumbilder an.

Zeige uns,
was Du von uns willst,
damit nicht eigenes Wunschdenken uns bestimmt.

Zeige uns,
wo Du uns haben willst,
damit wir uns nicht in Lebensträumen verlieren.

Zeige Dich mit Deiner Verheißung,
durch Jesus Christus,
Weg, Wahrheit, Leben.
Amen.

Jesus Christus – Licht der Welt, wenn du vor unserem Lebenshaus stehst (Offb 3,20)

15. Dezember 2017

Uli Carthäuser / pixelio.de

Jesus Christus –
Licht der Welt.

Wenn du vor unserem Lebenshaus stehst,
erscheint unser Dasein in fahlem Licht,
bedeuten eigene Lebensvorstellungen kein Heil.

Dein Geist führe uns zur Tür des Glaubens,
damit wir uns für dich öffnen:

Unser Leben in dein Licht getaucht
spürt Hoffnung auf,
nimmt Liebe auf,
bleibt von Seiner Treue umhüllt.
Amen.

Wenn die Braut mit ihrem Vater in die Kirche einzieht … Von der Neuinszenierung der altgermanischen „Muntehe“ bei kirchlichen Trauungen

7. Oktober 2017

In Luthers Traubüchlein für die einfältigen Pfarrherrn von 1529 werden Pfarrer über den Ablauf der Trauung wie folgt instruiert:

Vor der Kirche (sie) trauen mit solchen Worten:
Hans, willst Du Greta zum ehelichen Gemahl haben?
Er soll antworten: Ja.
Greta, willst Du Hans zum ehelichen Gemahl haben?
Sie soll antworten: Ja.
Hier lasse sie die Trauringe einander geben, und füge ihre beiden rechten Hände zusammen und spreche: »Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden« (Matth. 19, 6).
Darauf spreche er vor allen insgemein: Weil denn Hans N. und Greta N. einander zur Ehe begehren, und dies hier öffentlich vor Gott und der Welt bekennen, worauf sie die Hände und Trauringe einander gegeben haben, so spreche ich sie ehelich zusammen, im Namen des Vaters, des Sohns und des heiligen Geists. Amen.

Der von der Pfarrerin am Brautportal erfragte Konsens der Brautleute stiftet die Ehe. Im Anschluss daran zieht das neuvermählte Ehepaar gemeinsam zum Gottesdienst in das Kirchengebäude ein. Diese ehepartnerliche Form entspricht dem Grundsatz römischen Eherechts consensus facit nuptiam, der in Mitteleuropa durch die Kirche eingeführt worden ist.

Was wir gegenwärtig bei kirchlichen Trauungen – egal ob evangelisch oder katholisch – mitunter erleben, ist die symbolische Rückkehr in die altgermanische „Muntehe“. Durch englischsprachige Filme und Fernsehübertragungen royaler Hochzeiten ist ja mittlerweile die angloamerikanische Form des Einzugs auch bei uns populär geworden: Die Braut zieht mit dem Brautvater in die Kirche ein. Dieser überreicht seine Tochter dem Bräutigam, der vor dem Altar steht. Dieser Brauch geht auf das germanische „Muntehe“ zurück. Demzufolge verfügt der Brautvater über seine Tochter. Er entscheidet, wem seine Tochter zur Ehe zugeführt werden soll (so wie dies ja Laban mit seinen Töchtern Lea und Rachel gegenüber Jakob in 1. Mose 29,20-30 getan hat). Durch den Akt der Übergabe geht die „Munt“, d.h. die Vormundschaft über die Braut vom Brautvater auf den Bräutigam über. Da darf man zu Recht beim Brautpaar nachfragen, ob diese Symbolik für das eigene Eheverständnis angebracht sein kann. Leben zudem beiden Brautleute bereits über längere Zeit zusammen, ist eine väterliche Zuführung der Braut zum Bräutigam auch rituell verfehlt.

Sicherlich kann eine Braut eine besondere emotionale Beziehung zu ihrem Vater geltend machen, die im gemeinsamen Einzug zum Ausdruck kommen soll. Aber da ließe sich nachfragen, warum einer Bräutigammutter die Peformanz ihrer emotionalen Sohnbeziehung in der Kirche verweigert wird. Und möglicherweise hat ja die Mutter der Braut auch ihre Probleme mit Loslassen.  Dass Bräute sich (traditionsfremd) den Einzug mit ihrem Vater und nicht dem Bräutigam wünschen, mag mitunter einen ganz anderen Grund haben: Ist der Bräutigam nicht an ihrer Seite, erhält die Braut die ungeteilte  Aufmerksamkeit für ihren hochzeitlichen Erstauftritt auf dem kirchlichen Laufsteg.

Was jedoch bei einer kirchlichen Trauung durchaus gezeigt werden darf, ist die familiäre Verbindung der beiden Brautleute. Dies kann beispielsweise dadurch geschehen, dass die Pfarrerin vor dem Trauversprechen die Brautleute zu einem Dank an die Eltern einlädt. Diese erheben sich daraufhin von ihren Stühlen, gehen auf ihre Eltern in der Kirchenbank zu und erweisen ihnen mit eigenen Worten oder Gesten ihren Dank.

„Der HERR ist mein Fels und meine Burg“ (Davids Danklied – 2Samuel 22 / Psalm 18)

25. Mai 2017

Der HERR ist mein Fels und meine Burg
und mein Erretter.
Gott ist mein Hort, auf den ich traue,
mein Schild und Horn meines Heils,
mein Schutz und meine Zuflucht,
mein Heiland, der du mir hilfst vor Gewalt.
Ich rufe an den HERRN, den Hochgelobten,
so werde ich vor meinen Feinden errettet.

Er streckte seine Hand aus von der Höhe und fasste mich
und zog mich aus großen Wassern.
Der HERR ward mein Halt.
Er führte mich hinaus ins Weite,
er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir.
Der HERR tut wohl an mir nach meiner Gerechtigkeit;
er vergilt mir nach der Reinheit meiner Hände.
Denn ich halte die Wege des HERRN
und bin nicht gottlos wider meinen Gott.

Ja, du, HERR , bist meine Leuchte;
der HERR macht meine Finsternis licht.
Denn mit dir kann ich Wälle erstürmen
und mit meinem Gott über Mauern springen.
Gottes Wege sind vollkommen,
des HERRN Worte sind durchläutert.
Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.

Denn wer ist Gott, wenn nicht der HERR?
Und wer ist ein Fels, wenn nicht unser Gott?
Gott ist meine starke Burg
und macht meinen Weg eben und frei.
Der HERR lebt, und gelobt sei mein Fels,
und Gott, der Fels meines Heils, sei hoch erhoben.

Wie Tautropfen auf einem Spinnennetz – Vom Segen des Betens oder was das Gebet uns schenkt

22. Mai 2017

Betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“ (1Thessalonicher 5,17f)

Beten legt Sprachfäden um das eigene Leben. Wie Tautropfen auf einem Spinnennetz schlägt sich göttliche Güte an den eigenen Gebetsworten nieder. So setzt sich im Gebet das eigene Leben in Beziehung zum lebendigen Gott – was er für mich schon alles getan hat und was er in Jesus Christus für mich vorgesehen hat. Die Dinge um mich herum, für die ich ihm danke, sind nicht länger selbstverständlich – und damit hoffnungslos. Kleinig­keiten des Alltags zeigen sich mir als gottgegeben und werden damit großartig.

Im Gebet gewinnt mein Leben an göttlicher Transparenz. Was mir selbst unklar scheint, darf ich dem himmlischen Vater anvertrauen – „dein Wille geschehe“. Mein Leben wird täglich neu im Gebet gefasst – mit dem, was ich vermisse, mit dem, was mich freut, mit dem, was mich schmerzt, mit dem, was gelungen ist, mit dem, was mich sorgt. Und am Ende scheint sein Wille durch – in Jesus Christus, auch im Dunkeln der Nacht.

Danksagungsgebet über Milch und Honig

28. April 2017

In der Taufeucharistie der Traditio Apostolica wird zusätzlich zu Brot und Wein auch ein Melikraton-Kelch, d.h. Milch mit Honig, sowie ein Kelch mit Wasser benediziert. Dazu findet sich in der äthiopischen Fassung folgendes Danksagungsgebet:

Wir danken dir, Gott,
der du alles beherrschst,
Vater unseres Geistes,
der du uns zum zweiten Mal geboren hast
durch Wasser und Geist in Jesus Christus, unserem Herrn,
den du gegeben hast, dass er das heilige Bad zur Vergebung der Sünden ordne,
indem wir also das Geschlecht deiner Weide sind,
die wir durch das Wort der (Wieder-) Geburt genährt werden mit Milch,
der Speise von deiner Gnade am Busen unserer heiligen Mutter,
indem der Heilige Geist durchs Wort tröstet.
Und du, Herr, bist allezeit zur Nahrung,
und, indem du uns bei der Ernährung deiner Kinder stillst
mit der Milch des Lebens nach dem Vorbild und Gebot der Schöpfung,
bringen wir dir das, was Milch und Honig ist,
das da herfließt von der heiligen Kirche, unserer Mutter,
die uns großgezogen hat.
Was von dir geheiligt ist, o Herr,
segne (es) segnend und heilige (es) heiligend,
damit es für die, welche davon empfangen in unvergänglicher Gemeinschaft,
sei zur Nahrung und zum Bad, zu deinem Guten, der Lehre,
in deiner Furcht und zum Maß des (Voll-)Wuchs.
Denn dein in allem geehrte Namen ist gepriesen
in die Ewigkeit der Ewigkeit.
Amen.

(Quelle: Der aethiopische Text der Kirchenordnung des Hippolyt. Nach acht Handschriften hg. und übers. von H. Duensing, Göttingen 1946, 123f.)

In alten liturgischen Handschriften zum sogenannten Leonianum findet sich für den Ostersamstag am Ende des Kanons folgendes Segensgebet über Wasser sowie über Milch und Honig:

Segne, Herr, auch diese Schöpfungsgaben
des Quellwassers, der Milch und des Honigs,
und tränke deine Diener aus dieser (deiner) immerwährenden Quelle, …
nämlich dem Geist der Wahrheit,
und nähre sie mit diesem Honig und dieser Milch.
Denn du, Herr,
hast unsern Vätern Abraham, Isaak und Jakob die Verheißung gegeben,
als du sprachst:
Ich werde euch in das Land der Verheißung führen,
in ein Land, das von Milch und Honig fließt.
Verbinde, Herr, deine Diener mit deinem Geist,
wie dies, Milch und Honig, verbunden ist, in Jesus Christus.
Durch ihn erschaffst du immerfort alle diese guten Gaben …

(Nach Johannes Betz, Die Eucharistie als Gottes Milch in frühchristlicher Sicht, 2. Teil,  ZKTh 106, 1984, 167-185.)

Und schließlich noch der erste Vers aus der 40. der Oden Salomos:

Wie der Honig träufelt von den Waben der Bienen
und die Milch rinnt von der ihre Kinder liebenden Frau,
so ist auch meine Hoffnung auf dich, mein Gott.

(Oden Solomos, übers. v. Michael Lattke, Freiburg i.Br. 1995, 206)

Segen für Trauernde (bei Trauerfeiern und Bestattungen)

15. April 2017

Käthe Kollwitz – Frau mit totem Kind (1903)

Der HERR
segne euch und begleite euch
in diesen Stunden und Tagen.
Er berge eure Trauer in seiner Hand,
Er trage euch, wo ihr loslassen müsst,
Er halte euch in der Tiefe eures Schmerzes.
Das gewähre euch der allmächtige und barmherzige Gott,
+ der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Wer bin ich wirklich? – ein Gebet im Anschluss an Psalm 139

13. Februar 2017

jesu-haende

HERR, mein Gott,
erforsche mich und erkenne mein Herz,
prüfe mich und erkenne meine Gedanken.
Sieh, ob ein gottloser Weg mich verführt,
und leite mich auf ewigem Weg.

Du kennst mich besser als ich mich selbst.
Nimm das Schwache, das Ängstliche in Deinen Blick,
das Selbstbezogene, auch das Zerstörerische,
all das Dunkle in mir, was ich selbst nicht sehen kann
oder aber nicht wahrhaben will.

Sieh mich nicht so, wie ich mich sehen will,
sondern zeige mir, wie ich wirklich bin –
auch wenn es schmerzt.
Entlarve mich – ich vertraue darauf:
Was du aufdeckst in mir,
hat Christus schon angenommen.

Befreie mich von Selbsttäuschungen,
und auch von den falschen Vorstellungen,
die ich von meinem Leben habe.
Erneuere mich durch Deinen Geist,
damit ich der bin, den du so wunderbar
und einzigartig gemacht hast.
Durch Jesus Christus.
Amen.

Gebet zum Anziehen der eigenen Kleidung (Einkleidungsgebet)

5. Februar 2017

 

kleider-auf-bugeln

Himmlischer Vater,
wie stehen wir vor dir da – als deine Geschöpfe?
Nackt und bloß sind wir geboren,
auf elterliche Wärme und kleidsamen Schutz angewiesen.

Was ziehen wir uns alles in unserem täglichen Leben an,
zwängen uns in Kleidung, die uns nicht wirklich steht
spielen Rollen, die uns und anderen nicht guttun.

Entkleide uns von Äußerlichkeiten,
die unser Leben kaltstellen,
uns lieblos versteifen
uns selbstverliebt vereinsamen.
Reiß uns das Leichenhemd vom Leib.

Lege uns das Lebensgewand deines Sohnes Jesus Christus an,
seine Liebe sei unser Lebensfaden,
seine Hingabe unsere Erlösung aus Sünde und Tod.

Dein Geist hülle uns ein in herzliches Erbarmen,
in Güte, Demut, Freundlichkeit und Geduld,
auf dass unser Leben eine wärmende Ausstrahlung auf andere hat.
Durch Jesus Christus.
Amen.