Archive for the ‘Gebete und Segen’ Category

„Der HERR ist mein Fels und meine Burg“ (Davids Danklied – 2Samuel 22 / Psalm 18)

25. Mai 2017

Der HERR ist mein Fels und meine Burg
und mein Erretter.
Gott ist mein Hort, auf den ich traue,
mein Schild und Horn meines Heils,
mein Schutz und meine Zuflucht,
mein Heiland, der du mir hilfst vor Gewalt.
Ich rufe an den HERRN, den Hochgelobten,
so werde ich vor meinen Feinden errettet.

Er streckte seine Hand aus von der Höhe und fasste mich
und zog mich aus großen Wassern.
Der HERR ward mein Halt.
Er führte mich hinaus ins Weite,
er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir.
Der HERR tut wohl an mir nach meiner Gerechtigkeit;
er vergilt mir nach der Reinheit meiner Hände.
Denn ich halte die Wege des HERRN
und bin nicht gottlos wider meinen Gott.

Ja, du, HERR , bist meine Leuchte;
der HERR macht meine Finsternis licht.
Denn mit dir kann ich Wälle erstürmen
und mit meinem Gott über Mauern springen.
Gottes Wege sind vollkommen,
des HERRN Worte sind durchläutert.
Er ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.

Denn wer ist Gott, wenn nicht der HERR?
Und wer ist ein Fels, wenn nicht unser Gott?
Gott ist meine starke Burg
und macht meinen Weg eben und frei.
Der HERR lebt, und gelobt sei mein Fels,
und Gott, der Fels meines Heils, sei hoch erhoben.

Wie Tautropfen auf einem Spinnennetz – Vom Segen des Betens oder was das Gebet uns schenkt

22. Mai 2017

Betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“ (1Thessalonicher 5,17f)

Beten legt Sprachfäden um das eigene Leben. Wie Tautropfen auf einem Spinnennetz schlägt sich göttliche Güte an den eigenen Gebetsworten nieder. So setzt sich im Gebet das eigene Leben in Beziehung zum lebendigen Gott – was er für mich schon alles getan hat und was er in Jesus Christus für mich vorgesehen hat. Die Dinge um mich herum, für die ich ihm danke, sind nicht länger selbstverständlich – und damit hoffnungslos. Kleinig­keiten des Alltags zeigen sich mir als gottgegeben und werden damit großartig.

Im Gebet gewinnt mein Leben an göttlicher Transparenz. Was mir selbst unklar scheint, darf ich dem himmlischen Vater anvertrauen – „dein Wille geschehe“. Mein Leben wird täglich neu im Gebet gefasst – mit dem, was ich vermisse, mit dem, was mich freut, mit dem, was mich schmerzt, mit dem, was gelungen ist, mit dem, was mich sorgt. Und am Ende scheint sein Wille durch – in Jesus Christus, auch im Dunkeln der Nacht.

Danksagungsgebet über Milch und Honig

28. April 2017

In der Taufeucharistie der Traditio Apostolica wird zusätzlich zu Brot und Wein auch ein Melikraton-Kelch, d.h. Milch mit Honig, sowie ein Kelch mit Wasser benediziert. Dazu findet sich in der äthiopischen Fassung folgendes Danksagungsgebet:

Wir danken dir, Gott,
der du alles beherrschst,
Vater unseres Geistes,
der du uns zum zweiten Mal geboren hast
durch Wasser und Geist in Jesus Christus, unserem Herrn,
den du gegeben hast, dass er das heilige Bad zur Vergebung der Sünden ordne,
indem wir also das Geschlecht deiner Weide sind,
die wir durch das Wort der (Wieder-) Geburt genährt werden mit Milch,
der Speise von deiner Gnade am Busen unserer heiligen Mutter,
indem der Heilige Geist durchs Wort tröstet.
Und du, Herr, bist allezeit zur Nahrung,
und, indem du uns bei der Ernährung deiner Kinder stillst
mit der Milch des Lebens nach dem Vorbild und Gebot der Schöpfung,
bringen wir dir das, was Milch und Honig ist,
das da herfließt von der heiligen Kirche, unserer Mutter,
die uns großgezogen hat.
Was von dir geheiligt ist, o Herr,
segne (es) segnend und heilige (es) heiligend,
damit es für die, welche davon empfangen in unvergänglicher Gemeinschaft,
sei zur Nahrung und zum Bad, zu deinem Guten, der Lehre,
in deiner Furcht und zum Maß des (Voll-)Wuchs.
Denn dein in allem geehrte Namen ist gepriesen
in die Ewigkeit der Ewigkeit.
Amen.

(Quelle: Der aethiopische Text der Kirchenordnung des Hippolyt. Nach acht Handschriften hg. und übers. von H. Duensing, Göttingen 1946, 123f.)

In alten liturgischen Handschriften zum sogenannten Leonianum findet sich für den Ostersamstag am Ende des Kanons folgendes Segensgebet über Wasser sowie über Milch und Honig:

Segne, Herr, auch diese Schöpfungsgaben
des Quellwassers, der Milch und des Honigs,
und tränke deine Diener aus dieser (deiner) immerwährenden Quelle, …
nämlich dem Geist der Wahrheit,
und nähre sie mit diesem Honig und dieser Milch.
Denn du, Herr,
hast unsern Vätern Abraham, Isaak und Jakob die Verheißung gegeben,
als du sprachst:
Ich werde euch in das Land der Verheißung führen,
in ein Land, das von Milch und Honig fließt.
Verbinde, Herr, deine Diener mit deinem Geist,
wie dies, Milch und Honig, verbunden ist, in Jesus Christus.
Durch ihn erschaffst du immerfort alle diese guten Gaben …

(Nach Johannes Betz, Die Eucharistie als Gottes Milch in frühchristlicher Sicht, 2. Teil,  ZKTh 106, 1984, 167-185.)

Und schließlich noch der erste Vers aus der 40. der Oden Salomos:

Wie der Honig träufelt von den Waben der Bienen
und die Milch rinnt von der ihre Kinder liebenden Frau,
so ist auch meine Hoffnung auf dich, mein Gott.

(Oden Solomos, übers. v. Michael Lattke, Freiburg i.Br. 1995, 206)

Segen für Trauernde (bei Trauerfeiern und Bestattungen)

15. April 2017

Käthe Kollwitz – Frau mit totem Kind (1903)

Der HERR
segne euch und begleite euch
in diesen Stunden und Tagen.
Er berge eure Trauer in seiner Hand,
Er trage euch, wo ihr loslassen müsst,
Er halte euch in der Tiefe eures Schmerzes.
Das gewähre euch der allmächtige und barmherzige Gott,
+ der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Wer bin ich wirklich? – ein Gebet im Anschluss an Psalm 139

13. Februar 2017

jesu-haende

HERR, mein Gott,
erforsche mich und erkenne mein Herz,
prüfe mich und erkenne meine Gedanken.
Sieh, ob ein gottloser Weg mich verführt,
und leite mich auf ewigem Weg.

Du kennst mich besser als ich mich selbst.
Nimm das Schwache, das Ängstliche in Deinen Blick,
das Selbstbezogene, auch das Zerstörerische,
all das Dunkle in mir, was ich selbst nicht sehen kann
oder aber nicht wahrhaben will.

Sieh mich nicht so, wie ich mich sehen will,
sondern zeige mir, wie ich wirklich bin –
auch wenn es schmerzt.
Entlarve mich – ich vertraue darauf:
Was du aufdeckst in mir,
hat Christus schon angenommen.

Befreie mich von Selbsttäuschungen,
und auch von den falschen Vorstellungen,
die ich von meinem Leben habe.
Erneuere mich durch Deinen Geist,
damit ich der bin, den du so wunderbar
und einzigartig gemacht hast.
Durch Jesus Christus.
Amen.

Gebet zum Anziehen der eigenen Kleidung (Einkleidungsgebet)

5. Februar 2017

 

kleider-auf-bugeln

Himmlischer Vater,
wie stehen wir vor dir da – als deine Geschöpfe?
Nackt und bloß sind wir geboren,
auf elterliche Wärme und kleidsamen Schutz angewiesen.

Was ziehen wir uns alles in unserem täglichen Leben an,
zwängen uns in Kleidung, die uns nicht wirklich steht
spielen Rollen, die uns und anderen nicht guttun.

Entkleide uns von Äußerlichkeiten,
die unser Leben kaltstellen,
uns lieblos versteifen
uns selbstverliebt vereinsamen.
Reiß uns das Leichenhemd vom Leib.

Lege uns das Lebensgewand deines Sohnes Jesus Christus an,
seine Liebe sei unser Lebensfaden,
seine Hingabe unsere Erlösung aus Sünde und Tod.

Dein Geist hülle uns ein in herzliches Erbarmen,
in Güte, Demut, Freundlichkeit und Geduld,
auf dass unser Leben eine wärmende Ausstrahlung auf andere hat.
Durch Jesus Christus.
Amen.

Blaise Pascal – Gebet zu Gott um den rechten Gebrauch der Krankheit (Pensées)

5. Februar 2017

blaise-pascal

Kann man wirklich so gottergeben beten, wie Blaise Pascal (1623-1662) es in seinem“Gebet zu Gott um den rechten Gebrauch der Krankheit“ aus seinen Pensées sur la religion et sur quelques autres sujets geschrieben hat? Die chronischen Schmerzen scheint er ja wirklich gehabt zu haben:

Zu wem soll ich rufen, Herr,
zu wem meine Zuflucht nehmen,
wenn nicht zu dir?

Alles, was nicht Gott ist,
kann meine Hoffnung nicht erfüllen.
Gott selbst verlange und suche ich;
an dich allein, mein Gott, wende ich mich,
um dich zu erlangen.

Du allein hast meine Seele erschaffen können,
du allein kannst sie aufs neue erschaffen;
du allein hast ihr dein Bildnis einprägen können,
du allein kannst sie umprägen
und ihr dein ausgelöschtes Antlitz
wieder eindrücken,
welches ist Jesus Christus,
mein Heiland, der dein Bild ist
und das Zeichen deines Wesens.

Vater im Himmel,
ich bitte weder um Gesundheit
noch um Krankheit,
weder um Leben noch um Tod,
sondern darum, dass du über meine Gesundheit
und meine Krankheit,
über mein Leben und meinen Tod verfügst
zu deiner Ehre und meinem Heil.

Du allein weißt, was mir dienlich ist.
Du allein bist der Herr,
tue, was du willst.
Gib mir, nimm mir,
aber mache meinen Willen dem deinen gleich.

So gib denn, Herr,
dass ich, wie ich auch sei,
mich in deinen Willen einordne;
und dass ich als Kranker
dich verherrliche in meinen Leiden.
Vereinige mich mit dir;
erfülle mich mit dir und deinem heiligen Geiste.

Gehe ein in mein Herz und in meine Seele,
um meine Leiden darin zu tragen,
damit ich, ganz erfüllt von dir,
nicht mehr selbst es bin, der lebt und leidet,
sondern damit du es bist,
der lebt und leidet in mir,
o mein Heiland!

Gebetsworte aus Psalm 73, die mit dem Sterben zurechtkommen wollen (Sterbegebet)

18. Januar 2017
Myriam / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com

Myriam / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com

Dennoch bleibe ich stets an dir;
denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
du leitest mich nach deinem Rat
und nimmst mich am Ende mit Ehren an.
(Psalm 73,23f)

Dennoch bleibe ich stets an dir;
auf den Namen deines Sohnes bin ich getauft,
eingetaucht in seinen Tod,
auf dass seine Auferstehung von den Toten
auch in meinem Leben wahr werde.

Du hältst mich bei meiner rechten Hand,
verstößt mich nicht ob meiner Sünde,
denn ich glaube der Vergebung,
die Dein Sohn am Kreuz für mich erwirkt hat.

Du leitest mich nach deinem Rat
auch da, wo ich nicht weitersehe,
wo Angehörige nicht weiterwissen;
über meinen Tod hinaus
hast Du, mein Gott, mir Leben vorgesehen.

und nimmst mich am Ende mit Ehren an,
auch im Sterben, wo ich nichts halten,
begreifen und bewahren kann.
Deine Annahme gilt für die Ewigkeit.
Durch Jesus Christus.
Amen.

Gebet zum Taufgedächtnis bzw. zur Tauferinnerung (Bußgebet)

15. Januar 2017

tauferinnerung

Himmlischer Vater,
in der Taufe hast du mir dein Ja-Wort zugesprochen –
Gotteskind durch deinen Sohn Jesus Christus.
Oft habe ich deinem Zuspruch wenig Glauben geschenkt,
dich nicht einmal in meinem Leben vermisst.

Schau mich an –
wie fremd ich dir geworden bin.
Schau mich an –
ich bin es wirklich.

Deine Liebe in Jesus Christus ist stärker als mein Versagen.
Deine Treue endet nicht in meiner Sünde.
So danke ich dir,
dass du mich trotz allem annimmst.

Sende Deinen Geist in mein Leben,
erneuere mich an Leib und Seele.
Ich kehre zurück zu dir.
Öffne deine Arme für mich.
Durch Jesus Christus.
Amen.

„Das Licht in der Natur, das Leuchten der Farben, der Glanz, der Blitz“ – Paul Althaus über die Herrlichkeit Gottes

6. Januar 2017

Blitz

Über die Herrlichkeit Gottes wird in dogmatischen Lehrbüchern lutherischer Provenienz in der Regel wenig gesagt. Das mag mit Luthers kreuzestheologische Absage an eine theologia gloriae zu tun haben. Für mich überraschend findet sich jedoch in Paul Althaus Lehrbuch zur Dogmatik Die christliche Wahrheit eine ansprechende Besinnung zur göttlichen Herrlichkeit. Darin schreibt er unter anderem:

„Gott in seiner wahren Gottheit leuchtet denen, für die er sich kundtut, nicht nur ein, sondern er leuchtet im naturhaften Sinne des Wortes. Gott ist Licht nicht nur, sofern das Licht Gleichnis ist für die völlige Reinheit und Güte seines Wesens als Liebe (1. Joh. 1, 5), sondern er ist im eigentlichen und natürlichen Sinne Licht. Gott und Licht gehören zusammen. Nicht als ob das geschaffene Licht, das wir kennen, das Licht der Sonne und der Fixsterne, schon sein Licht selber wäre. Es ist sein Werk, nicht sein Wesen als erschei­nendes. Und doch zeugt das Licht in der Welt von ihm. Kindliche Naturbetrachtung kann das irdische und sein ewiges Licht zusammenschauen: „Licht ist das Kleid, das du anhast“ (Ps. 104, 2). Das Licht in der Natur, das Leuchten der Farben, der Glanz, der Blitz — das alles erinnert uns, daß Gottes Herrlichkeit auch sinnlich ist; das alles, als von Gott geschaffen, ist Gleichnis und Hinweis auf das ewige Leuchten seiner Gottheit. Gottes Herr­lichkeit ist nicht nur die uns von sich überführende Wahrheit und Gutheit seines Wesens; sondern auch die Schönheit; und wiederum nicht nur die Schönheit geistiger Art, die der Wahrheit und Gutheit eignet, sondern die sinnliche Schönheit. Gott ist nicht nur das Beste, sondern auch „das Schönste“ (Paul Gerhardt), das die Sinne entzückt. An der irdischen Schönheit in ihrem Bruchstück sollen und dürfen wir seine ewige Schönheit wie im Spiegel ahnen und lieben — aber auch an der Furchtbarkeit des Blitzes und des „fressenden Feuers“ (Ps. 50, 3) die blendende und tödliche Furchtbarkeit der Doxa Gottes für das Auge der sündigen Kreatur.“

Hier der vollständige Text von Paul Althaus über die Herrlichkeit Gottes als pdf.