Archive for the ‘Gottesdienste bei Katastrophen und Trauerfällen’ Category

Gebet (Fürbitten) aus Anlass des Terroranschlags auf dem Berliner Weihnachtsmarkt

19. Dezember 2016

terroranschlag-berlin-weihnachtsmarkt

DU Gott,
Was sollen wir singen in dieser Zeit,
wo Angst-, gar Todesschreie die Weihnachtsfreude zerrissen haben?

Was sollen wir den Verwundeten,
den Angehörigen der Opfer erzählen
von Deinem Evangelium, von Christus dem Heiland,
wenn Deine Geschöpfe unter die Todesräder kommen?

Worauf sollen wir in Zukunft trauen,
wenn Menschen in ihrem religiösen Wahn alles zuzutrauen ist?

Wir lassen nicht los mit unserer Klage, halten Dir das Grauen vor,
krallen uns in Deine Allmacht, zerren an Deiner Barmherzigkeit.

Du entgehst uns nicht,
kommst nicht los von uns und unserer Sünde –
mit der Geburt Deines Sohnes,
mit seinem Leiden und Schreien am Kreuz,
mit seinem Platz in der Dunkelkammer des Todes
mit seiner Auferstehung aus dem Grab
bleibst Du gebunden an uns.

So bitten wir dich:

Nimm dich der Getöteten an,
berge sie in deiner Hand,
lass sie nicht verlorengehen.

Komm mit deinem Geist zu den Menschen,
die Angehörige verloren haben
und todverzweifelt sind.

Bringe Licht in ihre Dunkelheit,
umarme sie mit deiner Liebe.

Komm mit deinem Geist zu den Verwundeten,
die um ihr Leben ringen,
umhülle sie an Leib und Seele.

Du Gott aller Menschen und Völker,
Heil und Friede der Menschen ehren dich mehr
als eine Welt in Elend und Not.

Erhöre unser Gebet.
Durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.

Gebet für die Verwundeten des Terroranschlags (Selbstmordanschlags – Bombenattentats) in Ansbach (Fürbitten)

25. Juli 2016

Anschlag in Ansbach

HERR, Du unser Gott,
toderschrocken sind wir nach dem Bombenanschlag in Ansbach.

Wie kann ein Mensch nur so grausam gegen sich selbst und andere sein?
Warum kann das Böse einen Mann so ergreifen,
dass er unschuldige Menschen vernichten will?

Wir bitten dich für die Verwundeten und deren Angehörigen,
Heile, was heil werden muss.

Wir bitten dich für die Traumatisierten und Geschockten,
für die Bevölkerung in Ansbach.
Dein Geist umhülle sie an Leib und Seele.

Wir bitten dich für die Rettungskräfte,
für Ärzte und Pflegekräfte sowie für die Polizei.
Stärke sie mit deinem Geist, damit sie nicht selbst Schaden nehmen.

Wir bitten dich für den inneren Frieden in unserem Land,
dass kein Hass und kein Durst nach Rache andere Menschen zu vernichten suchen.

Wir bitten dich für Politiker, Justiz und Sicherheitskräfte
in Bayern, in Deutschland und in Europa.
Leite sie zu verantwortlichen Entscheidungen und Maßnahmen,
die die innere Sicherheit erhöhen und weitere Terroranschläge verhindern.

Du Gott, Herr über Lebende und Tote,
hilf uns, den Schmerz zu tragen.
Vertreibe die Angst.
Stärke in uns die Zuversicht,
dass du unser Leben vollenden wirst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unsern Herrn.
Amen.

Gebet für die Opfer des Amoklaufs (Attentats – Anschlags) am Olympia-Einkaufszentrum in München (Fürbitten)

22. Juli 2016

Schießerei in Einkaufszentrum in München

DU Gott,
Herr über Lebende und Tote,
wir können nicht fassen,
was da in München geschehen ist.
Warum hat ein junger Mann andere junge Menschen erschossen –
von langer Hand geplant,
ganz gezielt und doch willkürlich?

Wir bitten dich:
Nimm die Getöteten in dein Gedächtnis
um Jesus Christus willen.
Berge in deiner Liebe,
was uns verloren gegangen ist.

Wir bitten dich für die Angehörigen der Opfer.
Dein Geist trage ihre Trauer und ihren Schmerz.
Lass sie nicht in die Verzweiflung versinken.

Wir bitten dich für die Verwundeten,
für die Traumatisierten und Geschockten.
Dein Geist umhülle sie an Leib und Seele.

DU Gott,
sei auch uns gegenwärtig mit deinem Geist.
Hilf uns in unserer Angst.
Stärke in uns die Zuversicht,
dass du unser Leben vollenden wirst.
Darum bitten wir
durch Jesus Christus, unsern Herrn.
Amen.

Gebet für die Opfer des Anschlags in Nizza (Fürbitten)

15. Juli 2016

LKW-Anschlag Nizza.jpg

DU Gott,
unter dem Nachthimmel von Nizza
hat der Tod das Leben an sich gerissen.
Feiernde sind unter die Räder eines LKWs gekommen.
Wir können nicht begreifen,
dass ein junger Mensch dies absichtlich herbeigeführt hat.
So kommen wir mit allem, was uns bewegt, zu Dir.

Wo ist deine Güte,
die du verheißen hast?
Wo ist deine Macht,
mit der du unserer Ohnmacht begegnest?
Wir möchten ja glauben,
dass du es gut mit uns Menschen meinst.

So nimm dich der Verstorbenen an,
berge sie in deiner Hand,
lass sie nicht im Tod vernichtet sein.

Komm mit deinem Geist zu den Menschen,
die Angehörige verloren haben
und todverzweifelt sind.
Bringe Licht in ihre Dunkelheit,
umarme sie mit deiner Liebe.

Komm mit deinem Geist zu den Verwundeten,
die um ihr Leben ringen,
umhülle sie an Leib und Seele.

Komm mit deinem Geist zu den Menschen
in Nizza und in ganz Frankreich.
Vereine sie in ihrer Trauer
schenke Besonnenheit und erhalte Vertrauen.

Dringe mit deinem Geist in das Herz von Menschen,
deren Denken und Trachten von Hass genährt sind,
die selbst Gewalttaten beabsichtigen.
Deine Liebe öffne ihr Herz für das Leben.

Du Gott aller Menschen und Völker,
Heil und Friede der Menschen ehren dich mehr
als eine Welt in Elend und Not.
Erhöre unser Gebet.
Durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.

Gebet für die Opfer nach den Terroranschlägen in Brüssel (Fürbitten)

22. März 2016

Bruessel-Terror-Anschlag-Explosion-Metro-Ubahn

Du Gott, Geheimnis des Lebens,
explosiv hat der Tod das Leben in Brüssel an sich gerissen.
Terroristen haben unschuldige Menschen und sich selbst getötet.
Wir können das nicht begreifen:

Wo ist deine Güte,
die du uns versprochen hast?
Wo ist deine Macht,
mit der du unserer Ohnmacht begegnest?

Wir möchten ja glauben,
dass du es gut mit uns Menschen meinst.
Es fällt uns so schwer,
in den Terroranschlägen erkennen wir dich nicht.

So nimm dich der Verstorbenen an,
berge sie in deiner Hand,
lass sie nicht verlorengehen.

Komm mit deinem Geist zu den Menschen,
die Angehörige verloren haben
und todverzweifelt sind.
Bringe Licht in ihre Dunkelheit,
umarme sie mit deiner Liebe.

Komm mit deinem Geist zu den Verwundeten,
die um ihr Leben ringen,
umhülle sie an Leib und Seele.

Komm mit deinem Geist zu den Menschen
in Brüssel und in ganz Belgien.
Vereine sie in ihrer Trauer
schenke Besonnenheit und erhalte Vertrauen.

Dringe mit deinem Geist in das Herz von Menschen,
deren Denken und Trachten von Hass genährt sind,
die selbst Gewalttaten beabsichtigen.
Deine Liebe öffne ihr Herz für das Leben.

Du Gott aller Menschen und Völker,
Heil und Friede der Menschen ehren dich mehr
als eine Welt in Elend und Not.
Erhöre unser Gebet.
Durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.

Fürbitten (Gebet) aus Anlass des Jahrestages des Germanwings-Flugzeugabsturzes 4U9525 bei Le Vernet

21. März 2016

Stern Titelbild

Zum Jahrestag des Germanwings-Flugzeugabsturzes 4U9525 bei  Le Vernet vom 24. März 2015 lenkt die Berichterstattung in den Medien die Aufmerksamkeit neu auf diese Katastrophe. Bei Menschen, die ihre Angehörige verloren haben, brechen Wunden auf – schmerzhaftes Vermissen. Wo Menschen keinen Trost finden, wird das eigene Vermissen noch einmal neu gegenüber dem dreieinigen Gott eingeklagt.

Du, unser Gott,
noch immer können wir es nicht fassen,
wie der Tod das Leben an sich gerissen hat.
warum aus heiterem Himmel 150 Menschen
im Flugzeug an einem Berg getötet worden sind.
Wir können nicht begreifen,
dass ein junger Mensch dies absichtlich herbeigeführt hat.
So kommen wir mit allem, was uns bewegt, zu Dir
und bitten Dich um Dein Erbarmen.

Vor Dir gedenken wir der Menschen,
die wir verloren haben.
So vieles erinnert an sie,
und wir spüren, wie sehr sie uns fehlen.
Berge Du sie in deinem Frieden.
Dein Geist verbinde sie und uns mit Jesus Christus,
der den Tod überwunden hat –
Er, unser Friede in Ewigkeit.

Wir bitten Dich für alle,
die um die Verstorbenen immer noch trauern,
insbesondere Ehe- und Lebenspartner,
Kinder, Eltern und Geschwister.
Tröste sie durch Dein heiliges Wort,
sei ihnen mit Deinem Geist nahe,
wenn Einsamkeit und Verlassensein schmerzen.

Wir bitten Dich für Menschen,
die im Tod ihrer Lieben selbst gefangen sind,
die an Gott und die Welt zweifeln,
gar den Glauben an Dich verloren haben
Öffne ihnen Türen
zum Weiterleben,
zum Weitergehen.
Zeige Dich,
erweise Dich mächtiger
als unser tödliches Verlieren.

Wir bitten Dich für Rettungskräfte,
bei Feuerwehr und im Sanitätsdienst,
für Ärzte und Pflegekräfte,
die bei Katastrophen zum Einsatz kommen.
Stärke sie mit Deinem Geist an Leib und Seele,
damit sie nicht selbst Schaden nehmen.

Wir bitten Dich um den Geist der Weisheit
und des Verstandes,
dass technische Lösungen
und menschliche Fürsorge gefunden werden,
die ähnliche Katastrophen in Zukunft verhindern.

Du Gott, sei uns gegenwärtig
und hilf uns, den Schmerz zu tragen.
Mach uns alle im Glauben bereit
für unsere letzte Stunde.
Stärke in uns die Zuversicht,
dass Du unser Leben vollenden wirst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
unsern Herrn.
Amen.

Abendmahl mit Mundschutz und Latexhandschuhen. Passionszeit in Hong Kong im Zeichen von »SARS«

18. März 2016

Fast dreizehn Jahre ist es her, dass die SARS-Epidemie im Frühjahr 20o3 Hongkong in Angst und Schrecken versetzte. Seinerzeit hatte ich für das Evangelische Sonntagsblatt in Bayern folgenden Artikel geschrieben:

Passionszeit in Hong Kong im Zeichen von »SARS«. Abendmahl mit Mundschutz und Latexhandschuhen

SARS - Gottesdienst

Palmsonntagsgottesdienst der evangelischen Praise-Lutheran-Church in einem Hochhaus in Mong Kok, Hong Kong. Gottesdienst im Zeichen von »SARS«, der hoch ansteckenden atypischen Lungenentzündung, die im November vom südchinesischen Guangdong, dem Hinterland von Hong Kong ausging und nun auf der ganzen Welt für Angst sorgt: Am Eingang der Kirche liegen Schutzmasken wegen des Virus auf.

Über 1000 Menschen haben sich im dicht bevölkerten Hong Kong bereits angesteckt, mehr als 40 sind gestorben.

Schon mehr als 40 Tote in der Stadt

Fast alle Besucher folgen der Aufforderung des Pfarrers, die Masken anzulegen – und so singt die sechzigköpfige Gemeinde die chinesische Fassung von »Amazing Grace« maskiert. Mit der Zeit – so mag es scheinen – kann man sich an eine tödliche Bedrohung gewöhnen. Nur die Kinder fehlen. Ihre Eltern haben sie aus Sicherheitsgründen zu Hause gelassen.

Hong Kong und die südchinesische Region Guangdong sind die am schlimmsten betroffenen Gebiete der Lungenkrankheit. Ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf hat SARS soeben als »erste ernsthafte und leicht übertragbare Seuche des 21. Jahrhunderts« bezeichnet. Bislang knapp 2800 Erkrankungen und 111 Todesopfer weltweit sind der WHO gemeldet worden.

Aber die Statistik hilft den Menschen kaum weiter: 99,98 Prozent der Bevölkerung Hong Kongs sind nicht SARS-infiziert. Dennoch dominiert das Virus das alltägliche Leben seit nunmehr vier Wochen. Die unsichtbare Gefahr, wie gering das Ansteckungsrisiko tatsächlich auch sein mag, weckt Urängste, die stärker als jede Vernunft sind. Kann man wirklich sicher sein, dass der Mann im Bus neben einem, der gerade so trocken gehustet hat, nicht infiziert ist? Andere Menschen werden mehr und mehr als »Ansteckungspotenzial« wahrgenommen.

Als vorbeugende Schutzmaßnahme hat man am Lutheran Theological Seminary, dem lutherischen theologischen Seminar in Hong Kong für zwei Wochen alle Lehrveranstaltungen abgesagt. Auch die gemeinsamen Morgen- und Abendgebete finden nicht mehr statt. Das macht manchem zu schaffen. Fragen tauchen auf: Nicht mehr gemeinsam Gott bitten und anbeten, weil das gefährlich ist? Und: Kann die Angst vor dem Virus nicht auch seelischen Schaden anrichten, indem sie Menschen in die Isolation treibt?

Beim Abendmahlsgottesdienst am vergangenen Freitag teilt der Pfarrer Brot und Wein mit Schutzmaske und Latexhandschuhen aus. Zwar schien diese Maßnahme nicht notwendig zu sein, weil es bislang am Seminar keinen Infektionsfall gegeben hat. Aber man will auf die Ängste anderer Rücksicht nehmen. Allein am Vortag waren drei neue Todesfälle in der Stadt bekannt geworden.

Passionszeit in Hong Kong – als sie begann, hatte niemand hier geahnt, mit welcher Macht der Tod das Leben umarmen kann. Das Oster-Troparion mag einem im Ohr klingen, wenn die byzantinische Liturgie das Ostergeschehen feiert: »Christus ist auferstanden von den Toten und hat den Tod durch den Tod besiegt und denen im Grabe das Leben gebracht.« Es gibt eine Hoffnung, die die Todesangst überwindet.

In meinem Artikel Angst essen Seelen auf. Entdeckungen und Erinnerungen angesichts von SARS habe ich mich noch einmal der Thematik angenommen.

Evangelische Gedenkfeier am Grab einer/s Verstorbenen aus Anlass des Todestages (Geburtstages, Totensonntages, Allerheiligen …)

18. März 2016
Gedenken zum 10. Todestag von Johannes Rau

Gedenken zum 10. Todestag von Johannes Rau am 27. Januar 2016

Evangelische tun sich in Sachen liturgisches Totengedächtnis am Grab schwer. Man will den Eindruck vermeiden, als könne mit solch einer Gedächtnishandlung der Verstorbenen etwas Heilsförderliches zugewandt werden. Hier der Ablauf einer evangelischen Gedächtnisfeier am Grab, die von den Angehörigen selbst geleitet werden kann.

[Eröffnung]

L: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
A: Amen.

Wir sind am Grab versammelt und nehmen unsere/n verstorbene/n Mutter/Vater in unser Gedächtnis. Gottes Barmherzigkeit und Güte entgeht nicht der Tod.

[Biblisches Votum]

L: „Keiner lebt sich selber,
und keiner stirbt sich selber.
Leben wir, so leben wir dem Herrn;
sterben wir, so sterben wir dem Herrn.
Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.
Denn dazu ist Christus gestorben
und wieder lebendig geworden,
dass er über Tote und Lebende Herr sei.“
(Römer 14,7-9)

[Psalm]

L: Lasst uns beten:
A: „Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
2 Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
3 Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
5 Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.“
Amen.
(Psalm 23)

[Gedenken an die/den Verstorbene/n mit Anzünden der Kerze]

L: So nehmen wir unsere/n verstorbene/n Mutter/Vater in unser Gedächtnis und bedenken in der Stille, was uns mit ihr /ihm immer noch verbindet.

Stille

L: Wir denken an die Liebe, die wir ihr / ihm geschenkt und die wir empfangen haben.

Stille

L: Wir denken an gute Zeiten und auch an Zeiten, in denen wir es schwer miteinander hatten.

Stille

L: Jesus Christus spricht:
„Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis,
sondern wird das Licht des Lebens haben.“
(Johannes 8,12)

L: Als Zeichen dafür, dass Christus Licht im Leben, im Sterben und im Tod ist, zünden wir für unsere/n verstorbene/n Mutter/Vater eine Kerze an.

[Die Kerze wird auf das Grab gestellt. Mitgebrachte Blumen können auf das Grab gelegt werden.]

Allerheiligen_Kerze

[Gebet]

L: Lasst uns beten:
Lebendiger Gott,
lass uns nicht verloren gehen in dem Tod,
den wir nicht verstehen,
in dem Verlust, der uns bedrückt,
in den Beziehungen, die zu Ende gehen.

Gütiger Gott,
Lass uns nicht verloren gehen –
heute nicht, wo wir weinen,
und nicht in der Stunde unseres Todes.
Komm uns entgegen,
leuchte uns mit deinem Licht
damit wir heimkommen zu dir.

Ewiger Gott,
zeige uns dein Licht, das uns wärmt,
erweise uns deine Liebe, die uns umfängt.
Durch Jesus Christus.
Amen.

[Vaterunser]

L: Wir beten gemeinsam:
A: Unser Vater im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

[Segen – die Anwesenden umringen das Grab und reichen sich dazu die Hand]

L: So nehmen wir Abschied mit dem Segen des Herrn:
Der Herr segne uns
und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns
und gebe uns Frieden.
Im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes
A: Amen.

L = Liturg (Familienangehöriger, der durch die Feier führt)
A = Alle (Teilnehmer an der Gedenkfeier)

Hier die pdf-Fassung der Liturgie einer evangelischen Gedenkefeier am Grab eines Verstorbenen.

Göttlicher Zorn statt metaphysische Theodizeefrage

28. Februar 2016
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Das bombenzerstörte Dresden nach dem 13. Februar 1945, aufgenommen vom Rathausturm von Richard Peter, sinnigerweise mit August Schreitmüllers Skulptur „Bonitas“ (Allegorie der Güte, entstanden 1908/1910) im Vordergrund

7 Das macht dein Zorn, dass wir so vergehen,
und dein Grimm, dass wir so plötzlich dahinmüssen.
8 Denn unsre Missetaten stellst du vor dich,
unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht.
9 Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn,
wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.
(Psalm 90)

Die Bibel kennt keine Theodizeefrage, sondern spricht stattdessen vom göttlichen Zorn, der sich in Handlungszusammenhängen für Menschen lebensschädlich oder gar lebenszerstörerisch auswirkt. Was Menschen als Unheil erfahren oder wahrnehmen, ist mit einem  göttlichem Affekt verbunden. Die theoretische Frage „Warum lässt ein gütiger Gott das zu“ stellt sich in der Bibel nicht. Im Grunde ist die Theodizeefrage weder jüdisch noch christlich, verdankt sie sich einer natürlichen Theologie, die einen gedachten Gott auf abstrakte Wesenseigenschaften reduziert und ihn in seiner Zeitlosigkeit aus jeglichem Wirklichkeitsgefüge heraushalten will (apatheia-Axiom). Im Rahmen einer metaphysischen Providenzlehre verleiht der gedachte Gott als Erstursache (prima causa) scheinbar moralindifferent den Geschöpfen den Akt selbstwirksamen Verursachens, Zweitursächlichkeit (causae secundae) genannt. Was diese Lebensschädliches bewirken – beispielsweise in einem Krieg -, ist von dem gedachten Gott ursächlich zugelassen. Da lässt sich dann in der Tat göttliche Güte providenzmoralisch in Frage stellen. Die Theodizeefrage ist eine hoffnungslose Frage, weil sie ja nur das zustande gekommene Unheil bedenken kann – ohne Aussicht auf Heilung.

Wenn in der Bibel der Zorn der HERRN zur Sprache kommt, handelt es sich dabei um ein Beziehungsgeschehen, das seinen Ort in der besonderen Geschichte des dreieinigen Gottes mit seinem Volk bzw. seiner Schöpfung hat. Wo Menschen im Glauben sich in dieser Geschichte wiederfinden, können sie trotz göttlichem Zorngeschehen auf die Barmherzigkeit des HERRN vertrauen und müssen das Unheilsverlorene doch nicht endgültig preisgeben. Der Zorn ist auf die göttliche Barmherzigkeit hin zeitlich begrenzt wird. So heißt es in Psalm 103, dem Hohelied der Barmherzigkeit Gottes:

8 Barmherzig und gnädig ist der HERR,
geduldig und von großer Güte.
9 Er wird nicht für immer hadern
noch ewig zornig bleiben.

Und in Psalm 30 lesen wir:

6 Sein Zorn währet einen Augenblick
und lebenslang seine Gnade.
Den Abend lang währet das Weinen,
aber des Morgens ist Freude.

Ergänzend die göttliche Zusage beim Propheten Jesaja im 54. Kapitel:

7 Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. 8 Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. 9 Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. 10 Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.

In der providenziellen Theodizeefrage findet sich kein Gottvertrauen. Wo göttliches Zulassen befragt wird, kann die Ursächlichkeitsverhaftung keine Barmherzigkeit zur Sprache bringen. Anders hingegen die Rede vom göttlichen Zorn in einem menschlichen Geschehenszusammenhang. Auch wenn der Zorn für Menschen unergründlich bleiben mag, hat die Barmherzigkeit in der Gottesgeschichte mit den Menschens für den Glauben an Jesus Christus das letzte Wort.

„In den Tiefen, die kein Trost erreicht“ (Justus Delbrück)

25. Februar 2016

Justus Delbrück

Der Jurist und Widerständler Justus Delbrück (mit der Familie Bonhoeffer befreundet bzw. verschwägert), der nach dem 20. Juli 1944 durch die Gestapo verhaftet wurde und schließlich im Oktober 1945 im sowjetischen Speziallager Nr. 6 im brandenburgischen Jamlitz verstarb, hatte in der Gefangenschaft seine Leidenszeit ins Gebet genommen und darin ihre Trostlosigkeit überwunden:

In den Tiefen, die kein Trost erreicht,
lass doch deine Treue mich erreichen.
In den Nächten, wo der Glaube weicht,
lass nicht deine Gnade von mir weichen.

Auf dem Weg, den keiner mit mir geht,
wenn zum Beten die Gedanken schwinden,
wenn mich kalt die Finsternis umweht,
wollest du in meiner Not mich finden.

Wenn die Seele wie ein irres Licht
flackert zwischen Werden und Vergehen,
wenn es mir an Trost und Rat gebricht,
wollest du an meiner Seite stehen.

Wenn ich deine Hand nicht fassen kann,
nimm die meine du in deine Hände,
nimm dich meiner Seele gnädig an,
führe mich zu einem guten Ende.

Quelle: Du hast mich heimgesucht bei Nacht. Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933-1945, hg. v. Helmut Gollwitzer, Käthe Kuhn und Reinhold Schneider, München: Chr Kaiser, 3. erw. A., 1955,  158f.