Archive for the ‘Kirchenreform und Kirchensteuer’ Category

„Dem Papst kommt die gesamte Gewalt Christi für seine Kirche auf Erden ohne jede Einschränkung zu“

8. März 2017

Die Papst Benedikt XVI. am 25. Mai 2011 geschenkte Tiara

Wer wissen will, was die römisch-katholische Kirche im Unterschied zu anderen Kirchen ausmacht, muss sie als Rechtsgemeinschaft unter der päpstlichen Primatialgewalt verstehen. Wie diese Rechtsgemeinschaft gefasst ist und was sie für den einzelnen Christ austrägt, ist im Codex Iuris Canonici (CIC) von 1983 definiert. Aufschlussreich ist, was Norbert Lüdecke, katholischer Professor für Kirchenrecht in Bonn, über die päpstliche Primatialgewalt in seinem Lexikonartikel „Papst“ (aus dem Evangelischen Staatslexikon) schreibt:

„Der Papst besitzt die formal so qualifizierte Gewalt in ih­rer ganzen Fülle. Dem Papst kommt die gesamte Gewalt Christi für seine Kirche auf Erden ohne jede Einschrän­kung zu. Die Vollgewalt mit ihren Funktionen der Ge­setzgebung, der Rechtspre­chung und der Verwaltung erstreckt sich auf die Glaubens- und Sitten­lehre wie auf die gesamte kirchliche Rechtsordnung, auf Lehre und Disziplin.

  1. Verkündet der Papst als oberster Hirte und Lehrer aller Gläubigen (ex cathedra) eine offen­barte oder nach seiner Bestimmung eng mit der Offenbarung zusammenhän­gende Glaubens- oder Sittenlehre als endgültig verpflich­tend, kommt ihm Unfehlbarkeit im Lehramt zu. So vorgelegten Dogmen (KKK 88) müssen die Gläubigen unter Strafe vorbehaltlos und unwider­ruflich zustimmen (cc. 750, 1364, 1371 n. 1). Seinen übrigen Lehren und moralischen Urtei­len über menschliche Dinge jedweder Art bzgl. der Grundrechte der Person und des Seelen­heils darf nicht öffentlich widersprochen werden (cc. 752, 1371 n. 1).
  2. Der Papst ist höchster Gesetzgeber. Schranken sind nur das weder änder- noch dispen­sier­bare göttliche Recht (ius divinum) und die anderen lehramtlich festgestell­ten Dog­men. Im Übrigen ist er Herr der Gesetze, kann sie än­dern, aufheben, von ihnen befrei­en (Dispens) oder durch Sonder- oder Ausnahmerechte (Privilegien) ersetzen. Er legt seine Gesetze authentisch aus und ist an sie (nur) mo­ralisch gebunden. Er legt die kirchliche Kompetenzordnung fest. Untergeordnete Gesetzgebung gegen päpstli­che Gesetze ist ungültig (c. 135 § 1).
  3. Der Papst ist oberster Richter (c. 1442). Sein Urteil ist in­appellabel (c. 333 § 3).
  4. Als oberster Inhaber der vollziehenden Gewalt regiert der Papst die gesamte Kirche, fördert ihr Gemeinwohl in höchster Verantwortlichkeit, leitet und überwacht den Vollzug der bestehenden Gesetze. Dazu bedient er sich der römischen Kurie (c. 360). Das kirchliche Leben überwacht er durch Apostolische Gesandte oder andere Beauftragte sowie persönlich, wenn die Diözesanbischö­fe alle fünf Jahre zur Rechen­schaftslegung vor ihm er­scheinen müssen (c. 400). Verwaltungshandeln des Papstes ist nicht rekursfähig (c. 333 § 3).“

Codex Iuris Canonici

Über die Eigenart des Codex Iuris Canonici (CIC) schreibt Lüdecke in seinem diesbezüglichen Lexikonartikel (ebenfalls aus dem Evangelischen Staatslexikon):

„A. Der CIC ist die wichtigste rechtliche Transformation des II. Vatikanischen Konzils. Die vom Initiator gewünschte und vom Erlasser konstatierte Übereinstimmung von Konzil und Codex ist mit der primatialen Promulgation verbindlich beurteilt. Das Konzil kann gegen den CIC nicht angerufen werden.

B. In gewollter Kontinuität zu der neuzeitlich-absolutistische Gesetzgebungstechnik nach­ah­menden erstmaligen Kodifi­kation von 1917 ist der CIC genetisch wie konzeptionell Zeuge und verfeinerter Garant der päpstlichen Zentralge­walt. In der Diktion des zweiten Vatikanums bleibt die Ekklesiologie des ersten bestimmend.

C. Der CIC ist unhintergehbarer Ausdruck des amtlichen Selbstverständ­nisses der römisch-kath. Kirche, als Glaubens- zugleich Rechtsgemeinschaft zu sein.

D. Aufgrund der in kath. Sicht inneren Verbundenheit von Christusbeziehung und Kirch­lich­keit verwirklicht sich Heilsteilhabe durch Rechtsgefolgschaft (cc. 748, 205, 209, 1752). Unter die­sem Vorbehalt und zu diesem Zweck kommen den Gläu­bigen an Pflichten gekoppelte Rechte zur Mitwirkung an der kirchlichen Sendung (cc. 209, 223 § 1) zu. Die Aus­übung der Rechte steht unter hierarchischer Kuratel (c. 223 § 2). Sie sind weder Grund- noch Freiheits­rechte im staatlichen Sinn.

E. Die wahre Gleichheit der Gläubigen meint die gleiche Taufwürde, nicht Gleichberech­ti­gung (c. 208).

F. Das ka­nonische Recht ist konstitutiv staatsanalog-vordemokratisches Recht. Weil auf die Umsetzung des lehrmäßig bestimmten Gemeinwohls, die salus ani­marum, zielend, ist es materiales und zugleich morali­sches, im Gewissen verpflichtendes, auf die ganze Person zugreifendes Recht (cc. 210, 750, 752 f., 1249). Wegen der Letztverantwortung der Hirten für die Ermög­lichung der salus animarum ist es pastorales Recht. Weil es im göttlichen Recht gründet und dessen Schutz vor Missbrauch durch den dominus canonum gläubig dem Heili­gen Geist überlassen wird, ist es geistliches Recht.“

Was eine „korrekte Kanonistik“ (vgl. c. 16 § 1: „Gesetze interpretiert authentisch der Gesetzgeber und derjenige, dem von diesem die Vollmacht zur authentischen Auslegung übertragen worden ist.“) bezüglich des Codex Iuris Canonici zur Darstellung bringen muss, findet sich in Norbert Lüdecke/Georg Bier, Das römisch-katholische Kirchenrecht. Eine Einführung (Stuttgart, Kohlhammer 2012).

Kirchengebote, Sonntagspflicht und Seelenheil in der römisch-katholischen Kirche

3. März 2017

Kirchengebote

Für die meisten evangelischen Christen dürfte es unbekannt sein, dass in der römisch-katholischen Kirche neben den zehn Geboten auch fünf Kirchengebote verbindlich sind. So findet sich im neuen Gotteslob unter der Nummer 29.7 folgender Text:

„DIE GEBOTE DER KIRCHE

Die Kirchengebote wollen das Wachstum der Gottes- und Nächsten­liebe aller Gläubigen fördern; sie haben verbindlichen Charakter:

  1. Am Sonntag und an den anderen gebotenen Feiertagen sollst du die Heilige Messe mitfeiern und keine Arbeiten und Tätig­keiten verrichten, welche die Heiligung dieser Tage gefährden!
    In der Freude über die Erlösung feiern Christen die Eucharistie an Sonntagen und Hochfesten, welche die Geheimnisse Christi, der Gottesmutter Maria und der Heiligen entfalten. Diese Tage sollen frei von unnötiger Arbeit bleiben, um Gott im eigenen Leben Raum zu geben.
  2. Empfange wenigstens einmal im Jahr das Sakrament der Ver­söhnung zur Vergebung deiner Sünden!
    Mit dem Bußsakrament geht der in der Taufe begonnene Weg der Umkehr und Hinwendung zu Gott weiter. Die Beichte bereitet zudem auf einen würdigen Empfang der heiligen Kommunion vor.
  3. Du sollst wenigstens zur österlichen Zeit sowie in Todesgefahr die heilige Kommunion empfangen!
    Der Empfang des Leibes Christi stärkt die Gläubigen, er verbin­det sie mit dem auferstandenen Christus und untereinander. Die heilige Kommunion ist die Nahrung der Christen auf dem Weg zu Gott.
  4. Halte die von der Kirche gebotenen Fast- und Abstinenztage!
    Um Christus in der Vorbereitung auf die hohen Feste zuneh­mend Raum zu geben, gibt es Zeiten der Entsagung und Buße. Aschermittwoch und Karfreitag sind strenge Fast- und Absti­nenztage. Katholische Christen beschränken sich an diesen Tagen auf eine einmalige Sättigung (Fasten) und verzichten auf Fleischspeisen (Abstinenz). Jeder Freitag ist im Gedenken an das Leiden und Sterben des Herrn ein Abstinenztag, an dem Gläubige auf Fleischspeisen verzichten, sich spürbar bei Genussmitteln einschränken und den Nächsten Hilfe leisten.
  5. Steh der Kirche in ihren Erfordernissen bei!
    Die Kirche fordert die Gläubigen auf, durch Mittun und materi­elle Unterstützung den Auftrag des Volkes Gottes mitzutragen.

Da zeigt sich schon in der Einleitung eine gewisse Spannung zwischen individueller Wachstumsförderung in Sachen Gottes- und Nächstenliebe und kirchlicher, mithin korporativer Verbindlichkeit. Was jedoch die Heilsfrage ganz unmittelbar berührt, ist folgender Passus aus dem Katechismus der katholischen Kirche (KKK, Neuübersetzung aufgrund der Editio Typica Latina, 2003) in Sachen Sonntagspflicht:

„Die sonntägliche Eucharistie legt den Grund zum ganzen christlichen Leben und bestätigt es. Deshalb sind die Gläubigen verpflichtet, an den gebotenen Feiertagen an der Eucharistiefeier teilzunehmen, sofern sie nicht durch einen gewichtigen Grund (z. B. wegen Krankheit, Betreuung von Säuglingen) entschuldigt oder durch ihren Pfarrer dispensiert sind (vgl. CIC, can. 1245). Wer diese Pflicht absichtlich versäumt, begeht eine schwere Sünde.“ (KKK 2181; vgl. KKK 2042)

Was eine schwere Sünde ist, wird in dem Katechismus der katholischen Kirche unter Nr. 1472 erläutert: „Die schwere Sünde beraubt uns der Gemeinschaft mit Gott und macht uns dadurch zum ewigen Leben unfähig. Diese Beraubung heißt ‚die ewige Sündenstrafe‘.“ In Sinne einer letztgültigen Auswirkung wird in der römisch-katholischen Kirche die schwere Sünde auch „Todsünde“ (vgl. 1Joh 5,16f) genannt. Diese ist wie folgt umschrieben:

„Wer sich absichtlich, das heißt mit Wissen und Willen zu etwas entscheidet, das dem göttlichen Gesetz und dem letzten Ziel des Menschen schwer widerspricht, begeht eine Todsünde. Diese zerstört in uns die göttliche Tugend der Liebe, ohne die es keine ewige Seligkeit geben kann. Falls sie nicht bereut wird, zieht sie den ewigen Tod nach sich.“ (KKK 1874)

Unwissenheit können römisch-katholische Christen nicht einfach als Entschuldigungsgrund in Sachen Sonntagspflichtverletzung geltend machen, heißt es doch im Katechismus der katholischen Kirche unter Nr. 1859: „Selbstverschuldete Unwissenheit und Verhärtung des Herzens mindern die Freiwilligkeit der Sünde nicht, sondern steigern sie.“

Eine bewusste und absichtliche Übertretung des Sonntagsgebotes kann nach römisch-katholischer Lehre für katholische Christen die ewige Verdammnis zur Folge haben, so diese Übertretung nicht gebeichtet worden ist. Schließlich heißt es im Katechismus der katholischen Kirche unter Nr. 1493: „Wer mit Gott und der Kirche versöhnt werden will, muss dem Priester alle schweren Sünden beichten, die er noch nicht gebeichtet hat und an die er sich nach einer sorgfäl­tigen Gewissenserforschung erinnert.“

Sobald zwischen der letzten Beichte und dem eigenen Ableben ein bewusster und absichtlicher Verstoß gegen die Sonntagspflicht geschehen ist, wirkt sich dies nach dem Katechismus der katholischen Kirche wie folgt als Todsünde aus: „In Todsünde sterben, ohne diese bereut zu haben und ohne die barmherzige Liebe Gottes anzunehmen, bedeutet, durch eigenen freien Entschluss für immer von ihm getrennt zu bleiben. Diesen Zustand der endgültigen Selbstausschließung aus der Gemeinschaft mit Gott und den Seligen nennt man ‚Hölle‘.“ (KKK 1033)

In diesem Sinne kann es in der Rechtsgemeinschaft der römisch-katholischen Kirche für die meisten katholischen Christen – trotz der Verkündigung des Evangeliums und einem persönlichen Glauben an Jesus Christus – keine Heilsgewissheit geben. Schließlich nehmen nach der letzten Statistik in den Diözesen in Deutschland nur 10,4 % der katholischen Kirchenmitglieder an der Sonntagsmesse teil (DBK, Katholische Kirche in Deutschland – Zahlen und Fakten 2015/2016, Bonn 2016. Seite 47).

Hier mein Text als pdf.

Kirchensteuer in der Kritik

15. Januar 2017
Masaccio - Der Zinsgroschen (Fresko, 1425- 1428 Santa Maria del Carmine)

Masaccio – Der Zinsgroschen (Fresko, 1425-1428, Santa Maria del Carmine)

In der heutigen Ausgabe von SWR2 Glauben ist von Brigitte Lehnhoff unter dem Titel „Kirchensteuer in der Kritik. Eine Bestandsaufnahme“ ein gut recherchierter und angenehm moderierter Beitrag über die Kirchensteuer und alternative Modelle gesendet worden. Darin kommen auch mein Studienkollege Mathias Hartmann, Rektor der Diakonie Neuendettelsau, mit seinen Anfragen an die Zukunft der Kirchensteuer und ich mit meiner biblisch-theologischen Kritik zu Wort. Die evangelische Nachrichtenagentur idea hat daraus eine Meldung gemacht: Ist die Kirchensteuer noch zeitgemäß?

Hier noch einmal meine zwölf Thesen zur Kirchensteuer aus meinem Buch „Rettet die Kirche. Schafft die Kirchensteuer ab„:

  1. Die Kirche bekennt Jesus Christus als ihren Herrn: Ihre Handlungen und Ordnungen müssen sich deshalb an seinem Wort und Werk messen lassen.
  2. Kirche ist kein Volk von Steuerschuldnern, sondern die Gemeinschaft aller Gläubigen, die unter und nach dem Evangelium leben.
  3. Kirche lebt nicht von Abgaben der Gläubigen, sondern allein durch die Selbsthingabe Jesu Christi, die wir im Abendmahl empfangen.
  4. Die Lebensbeziehung, die Christus schenkt, befähigt Menschen, ihm auf seinem Weg zu folgen und selbst opferbereit zu werden.
  5. Allein durch freiwillige Gaben können Christen den Auftrag der Kirche unterstützen und daran Anteil gewinnen.
  6. Freiheit und Nächstenliebe sind Grundpfeiler der christlichen Gemeinschaft. Gesetzliche Zwangsverhältnisse lassen sich nicht mit ihnen vereinbaren.
  7. Kirchensteuer ist eine öffentlich-rechtliche Zwangsabgabe, kein freiwilliger Mitgliedsbeitrag. Man kann sich ihr als Kirchenmitglied nicht einfach entziehen.
  8. Die Kirchensteuer steht im klaren Widerspruch zum Evangelium Jesu Christi und zu den evangelischen Lehrbekenntnissen.
  9. Die Tatsache, dass getaufte Christen durch einen Austritt aus einer Körperschaft des öffentlichen Rechts generell vom Abendmahl ausgeschlossen werden, ist ein Skandal. Die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein durch Glauben wird damit in Frage gestellt.
  10. Der Mammon droht, das Evangelium zu verdrängen: Je größer das Budget der verfassten Kirchen, desto mehr Entscheidungen werden in Abhängigkeit vom Geld getroffen.
  11. Das derzeitige Kirchensteuersystem macht die Landeskirchen zu Anstaltskirchen und versperrt den Weg zum nachhaltigen Gemeindebau und zur Mission.
  12. Ein Ausstieg aus der Kirchensteuerfinanzierung muss stufenweise erfolgen. Sein Ziel ist eine Kirche, die sich aus den freiwilligen Gaben der Gläubigen selbst finanziert und durch Umlagen übergemeindliche Dienste trägt.

„Gehören Sie einer christlichen Konfession an?“ Wie eine Frage auf dem Einwohnermeldeamt reformierte Ungarn und freikirchliche Bulgaren in Deutschland ungewollt zu steuerpflichtigen Mitgliedern einer verfassten Landeskirche werden lässt

13. Januar 2017

kirchensteuer

Mir stellt sich gegenwärtig eine neue Herausforderung in Sachen Kirchensteuer. In unserer Kirchengemeinde sind im letzten Jahr zwei Neuzugänge aus dem Ausland verzeichnet worden – ein ungarischstämmiger Christ aus Rumänien und eine bulgarische Familie. Bislang sind diese in unserem Gemeindeleben nicht präsent. Und ich kann mir auch gar nicht vorstellen, warum sie Mitglied unserer Kirchengemeinde sein wollen, wenn wir doch keinen fremd­sprachlichen Gottesdienst bzw. keine organisierte diakonische Hilfe für Zuwanderer anbieten.

Meine Vermutung ist, dass bei den nunmehr verstärkt fälligen Neuanmeldungen von südost­europäischen Zuwanderern auf dem Einwohnermeldeamt die Weichenstellung vorgenommen wird. Da wird ja bei Zuzügen aus dem Ausland – die ja noch nicht im bundesdeutschen Meldewesen registriert sind – routinemäßig nach deren Bekenntniszugehörigkeit gefragt wird (wie dies ja von den staatlichen Meldegesetzen verlangt wird). Die betreffenden Personen geben wahrheitsgemäß ihre eigene Glaubensüberzeugung mit „protestantisch“ an und werden mit dieser Auskunft automatisch für die verfasste Landeskirche vereinnahmt – in Unkenntnis der steuerrechtlichen Konsequenzen und in Unkenntnis der jeweiligen besonderen – in unserem Fall evangelisch-lutherischen – Bekenntnisbindung. Denn in ihren Herkunftsländern ist ja – wie weltweit fast überall – Kirchensteuer ein Ding der Unmöglichkeit. Und dass die Angabe „protestantisch“ bzw. „evangelisch“ einen ungarischstämmigen Reformierten oder einen bulgarischen „Freikirchler“ automatisch meldetechnisch zu einem „Lutheraner“ in einer öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft macht, können diese ja beim besten Willen nicht wissen (das gibt kein Integrationskurs her). Außerdem sind auf dem Einwohnermeldeamt keine „AGBs“ der verfassten Kirchen vorhanden, die die Mitgliedschaftskonsequenzen klar benennen.

Im Unterschied zur staatlichen Rechtsprechung der 60iger Jahre in Sachen innerdeutscher „Möbelwagenkonversion“, wo man u.a. geltend gemacht hat, dass die lutherische, unierten bzw. reformierten Landeskirchen untereinander im Verhältnis einer gebietsteiligen Arbeitsgemeinschaft stehen, wird man dies ja bei Zuzügen aus dem multikonfessionellen Ausland wohl kaum behaupten können. So muss der Eindruck entstehen, dass in rechtlich fragwürdiger Weise Menschen gegen ihren eigenen Willen für eine Religionsgemeinschaft steuerpflichtig vereinnahmt werden. Dass ungarischstämmige bzw. bulgarische Mitchristen ohne Gemeindebezeug irgendein Interesse an einer Mitgliedschaft in einer verfassten Landeskirche haben sollten, ist jedenfalls kaum vorstellbar. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die gegenwärtige Praxis des kirchlichen Meldewesens in Deutschland vor einer europäischen Rechtsprechung Bestand haben dürfte.

Demokratie in der Kirche? Um Himmels willen! – Warum es in den verfassten Landeskirchen nicht zur Abschaffung der Kirchensteuer kommen kann

27. Dezember 2016

kirchensteuer

Die neueste Umfrage in Sachen Kirchensteuer bringt es (mal wieder) ans Licht. Nach einer repräsentativen Umfrage (INSA CONSULERE, Erfurt im Auftrag der BILD-Zeitung) sind fast Zweidrittel der Bundesbürger (65,3 %) gegen die Erhebung von Kirchensteuern unter Mitwirkung des Staates. Nur 16 % sind für die Beibehaltung der bisherigen Praxis. Aufschlussreich ist, dass auch unter den Mitgliedern der evangelischen Landeskirchen eine deutliche Mehrheit gegen die bisherige Praxis ist, nämlich 59,6 %. Bei den Katholiken lehnen sogar 64,9 % der Kirchenmitglieder diese Praxis ab.

Dass wider den Mehrheitswillen der eigenen Mitglieder Kirchensteuer erhoben werden kann, hängt entscheidend davon ab, dass die verfassten Landeskirchen nicht demokratisch verfasst sind. So sind die Verfassungen der evangelischen Landeskirchen nicht vom „eigenen“ Kirchenvolk in demokratischer Weise beschlossen worden. Und auch die Landessynoden als „Kirchenparlamente“, die über die Erhebung von Kirchensteuern beschließen (bzw. längst beschlossen haben), entsprechen weder in der Zusammensetzung noch im Modus der Wahl ihrer Mitglieder den allgemeinen Grundsätzen einer repräsentativen Demokratie. Auch ist – im Unterschied beispielsweise zur Verfassung des Freistaats Bayern – innerhalb der verfassten Landeskirchen keine Volksgesetzgebung mittels eines Kirchenvolksbegehrens bzw. eines Kirchenvolksentscheids möglich.

Was jedoch am schwersten wiegt ist, dass die Erhebung von Kirchensteuern als innerkirchliche Zwangsabgabe dem erklärten Willen des Herrn der Kirche, Jesus Christus, und seinem Evangelium widerspricht.

Thomas Kaufmann – „Die Reformation steht noch aus“

10. November 2016
Thomas Kaufmann

Thomas Kaufmann

Der Reformationshistoriker und Theologe Thomas Kaufmann, der jüngst das Buch „Erlöste und Verdammte: Eine Geschichte der Reformation“ veröffentlicht hat, vermag nicht in selbstgefällige Reformationsjubiläumsaufrufe einzustimmen. Für ihn steht vielmehr eine grundsätzliche Kirchenreformation in der Gegenwart an. In einem Interview im Deutschlandfunk zum Reformationstag führt er aus:

„Die Reformation ist in gewisser Weise seit den 1530er Jahren in eine Verstaatlichungsdynamik eingetreten, die das, was in brausender Vielfalt seit 1518/19 greifbar wird, dann kanalisiert hat und auch staatlich instrumentalisiert hat. […] Ich denke, wir müssen heute sehr deutlich über die Institutionalisierungsgestalt von Religion und Christentum nachdenken. Das ist ja doch ein allfälliger Sachverhalt, dass das Thema Religion, das Interesse an Religion allenthalben boomt, dass sich dies aber keineswegs als Bereitschaft des Mittuns in den verfassten Kirchen äußert – jedenfalls in Mitteleuropa. In anderen Weltgegenden ist auch der Protestantismus eine – wenn man so will – global wachsende Religion, die möglicherweise am dynamischsten wachsende Religion überhaupt. Nur in unseren Breiten stagniert sie, beziehungsweise weist Regressionsphänomene auf. Das hat auch mit unserer Institutionalisierungsstruktur zu tun, ich denke auch mit der tief verwurzelten Staatsnähe.“ Demzufolge fordert er „flachere Hierarchien, stärkere Orientierung an theologischen Sachgehalten, eine stärkere Orientierung an den essenziellen Themenbeständen des Christentums, eine weniger starke Orientierung an dem, was gefällt, was als gesellschaftlicher Konsens ohnehin im Raum steht.“

In einem ideaSpektrum-Interview mit Karsten Huhn nimmt er die landeskirchlichen bzw. EKD-Werbekampagnen direkt aufs Korn: „Zumindest in den Werbekampagnen scheint die Rückbindung an die Bibel keine große Rolle zu spielen. Diese selbstgefällige, weichgespülte Sittlichkeit, wie sie die evangelische Kirche repräsentiert, geht mir gewaltig auf die Nerven. Wo bleiben die ernsthaften Themen: die Botschaft von Sünde, Schuld, Tod, Hölle und Gottes Liebe und Gnade?“

Der Text des ideaSpektrum-Interviews „Was feiern wir da eigentlich?“ findet sich hier als pdf.

Ökumenische Abendmahlsfeier mit Pater Anselm Grün auf dem Schwanbergtag 2016

3. Oktober 2016
Thea Vogt und Anselm Grün bei der Einsetzung des Abendmahls (Quelle: Schwanbergbrief 2/2016)

Thea Vogt und Anselm Grün bei der Einsetzung des Abendmahls (Quelle: Schwanbergbrief 2/2016)

Der diesjährige Schwanbergtag am 26. Juni, der von der evangelischen Communität Casteller Ring verantwortet wird, stand unter dem Thema „damit ihr alle eins seid“. Gastprediger beim Eröffnungsgottesdienst vor der Michaelskirche war Pater Anselm Grün aus Münsterschwarzach.  Und dann wurde beim Abendmahl mit der Aussage „in Christus eins“ Ernst gemacht: Die Schwanbergpfarrerin Thea Vogt und Anselm Grün setzten gemeinsam das Abendmahl ein, so dass es zur ökumenischen Abendmahlsfeier wurde.

Søren Kierkegaard – Christentum hospitalisiert (Die Einschätzung des Arztes)

6. Juli 2016

Krankensaal

Kierkegaards letzte publizistische Unternehmung war seine Abrechnung mit dem organisierten Christentum und insbesondere mit der lutherischen Staatskirche in Dänemark, die er in der von ihm selbst herausgegebenen Zeitschrift Der Augenblick (Øjeblikket) veröffentlichte. Hier der Beitrag „Die Einschätzung des Arztes“ aus der vierten Ausgabe vom 7. Juli 1855:

Dass eine richtige Diagnose (die Einschätzung der Krankheit) mehr als halbgewonnenes Spiel bedeutet, wird jeder Arzt zugeben, und ebenso, dass alle sonstige Tüchtigkeit, alle Fürsorge und Achtsamkeit nichts hilft, wenn nicht richtig diagnostiziert ist.

So auch im Verhältnis zum Religiösen.

Das mit der »Christenheit«, dass wir alle Christen sind, hat man und wird man weiterhin als gültig stehen lassen; und dann hat man bald die eine, bald die andere Seite der Lehre hervorgekehrt und wird es weiterhin tun.

Die Wahrheit aber ist: nicht nur sind wir keine Christen, nein, wir sind nicht einmal Heiden, denen ohne Bedenken die christliche Lehre verkündet werden konnte, sondern wir sind sogar durch einen Sinnentrug, einen ungeheuren Sinnentrug (»Christenheit«, christlicher Staat, christliches Land, eine christliche Welt) daran gehindert, es zu werden.

Und dann will man, dass man den Sinnentrug unan­getastet, unverändert bestehen lässt und dagegen eine neue Darstellung der christlichen Lehre liefert.

Das will man; und in einem gewissen Sinne ist das ganz in seiner Ordnung; eben weil man im Sinnentrug befangen ist (um nicht davon zu reden: wenn man sogar am Sinnentrug interessiert ist), eben deshalb muss man wollen, was die Krankheit nährt — etwas ganz Gewöhnliches, dass dasjenige, wonach den Kranken am meisten gelüstet, eben das ist, was die Krankheit nährt.

2.

Denk Dir ein Krankenhaus. Die Patienten sterben wie Fliegen. Die Methoden werden auf die eine und die andere Weise geändert: hilft nichts. Woran kann es dann liegen? Es liegt am Gebäude, das ganze Gebäude hat Gift in sich; dass die Patienten als an einer Krankheit gestorben verzeichnet werden, der eine an dieser, der andere an jener, ist eigentlich nicht wahr; denn sie sind alle an dem Gift gestorben, das im Gebäude ist.

So im Religiösen. Dass der religiöse Zustand jäm­merlich ist, dass sich die Menschen religiös in einem erbärmlichen Zustand befinden, das steht fest. Einer meint dann, wenn man ein neues Gesangbuch, ein anderer, wenn man eine neue Liturgie, ein dritter, wenn man Gottesdienst mit Musik bekäme usw. usw., würde das helfen.

Vergeblich; denn es liegt am: Gebäude. Das ganze Gerümpel mit einer Staatskirche, wo, geistig gespro­chen, seit unvordenklichen Zeiten nicht gelüftet wor­den ist, die eingesperrte Luft in diesem Gerümpel hat Gift entwickelt. Und deshalb ist das religiöse Leben krank oder ausgestorben, ach, denn eben das, was Weltlichkeit als Gesundheit ansieht, ist, christlich, Krankheit, ebenso wie, umgekehrt, das christlich Gesunde von Weltlichkeit als krankhaft angesehen wird.

Lasst es denn einstürzen, dieses Gerümpel, schafft es weg, schließt all diese Geschäfte und Buden, die einzi­gen, welche die strenge Feiertagsverordnung ausge­nommen hat, macht diese offizielle Zweideutigkeit unmöglich, setzt sie außer Tätigkeit und versorgt sie, all die Quacksalber — denn wenn es sich auch so ver­hält, dass der königlich autorisierte Arzt der rechte Arzt ist und der nicht autorisierte der Quacksalber, dann ist es christlich umgekehrt, eben der königlich autori­sierte Lehrer ist der Quacksalber, ist es, weil königlich autorisiert: und lasst uns Gott wieder in Schlichtheit verehren, statt ihn in Prachtgebäuden zum Narren zu halten, lasst es wieder Ernst werden und mit dem Spiel vorbei sein — denn ein Christentum, verkündet von königlichen Beamten, die vom Staat besoldet und ab­gesichert sind, die gegen die anderen Polizei einsetzen, ein solches Christentum verhält sich zum Christentum des Neuen Testaments ebenso, wie es, an Schwimmen gemessen, ein Spielen ist, wenn man mit Kork oder Blase schwimmt.

Ja, lasst es geschehen; was dem Christentum nottut, ist nicht die erstickende Protektion des Staates, nein, frische Luft tut ihm not, Verfolgung und — die Pro­tektion Gottes; der Staat richtet nur Unheil an, er wehrt die Verfolgung ab, und er ist nicht das Medium, durch das Gottes Protektion sich leiten lässt. Vor allem: erlöst das Christentum vom Staat; mit seiner Protektion liegt er das Christentum tot, wie wenn eine Madame mit ihrem Corpus ihr Kind totliegt, und er lehrt das Christentum die abscheulichsten Unsitten: unter dem Namen Christentum Polizeimacht einzusetzen.

3.

Ein Mensch wird mit jedem Tag magerer, wird ausgezehrt, was kann es sein, er leidet ja doch keine Not. »Nein, gewiss«, sagt der Arzt, »davon kommt es nicht, es kommt gerade von seinem Essen, davon, dass er zur Unzeit isst, dass er isst, ohne Hunger zu haben, Reizmittel benutzt, um ein wenig Esslust hervorzubringen, und auf diese Weise zerstört er seine Verdauung, schwindet dahin, als litte er Not.«

So religiös. Das Verderblichste von allem ist, zu befriedigen, was noch kein Bedürfnis ist, so dass man nicht abwartet, bis das Bedürfnis da ist, sondern ihm zuvorkommt, wohl auch durch Reizmittel versucht, etwas hervorzubringen, was ein Bedürfnis sein soll und was dann befriedigt wird. O es ist empörend! Und doch ist es das, was man auf religiösem Gebiete tut, wodurch man eigentlich die Menschen um das bringt, was die Bedeutung des Lebens ausmacht, und ihnen hilft, das Leben zu vertun.

Denn dafür die ganze Maschinerie mit einer Staats­kirche und 1000 königlichen Beamten, die in der Ge­stalt von Sorge für die Seelen der Menschen ihnen das Höchste im Leben abnarren, dass sie in ihnen ent­stünde, diese Selbstkümmernis, dieses Bedürfnis, das dann wahrlich schon einen Lehrer, einen Pfarrer nach seinem Sinne fände, statt dass jetzt das Bedürfnis – und eben das Entstehen dieses Bedürfnisses im Men­schen ist die höchste Bedeutung des Lebens — gar nicht entsteht, sondern dadurch, dass es befriedigt wird, lange bevor es entstanden ist, am Entstehen ge­hindert wird. Und das soll das Fortsetzen einer Tätig­keit sein, die der Erlöser des Menschengeschlechts voll­führte, dies, dieses Verhunzen des Menschenge­schlechts — und warum? weil nun einmal so und so viele königliche Beamte da sind, die unter dem Namen Sorge für die Seelen mit Familie davon leben müssen!

Quelle: Søren Kierkegaard, Der Augenblick. Eine Zeitschrift. Aus dem Dänischen von Hanns Grössel, Die andere Bibliothek, Nördlingen: Franz Greno 1988, S. 68-71.

Klaus Mertes – Widerspruch aus Loyalität

20. Juni 2016

Widerspruch aus Loyalität

Es war der Jesuitenpater Klaus Mertes, der Anfang 2010 als damaliger Rektor des katholischen Gymnasiums „Canisius-Kolleg“ in Berlin die Aufklärung der Missbrauchsskandale in der römisch-katholischen Kirche angestoßen hatte und dafür der Illoyalität gegenüber seiner Kirche bezichtet wurde. In seinem lesenswerten Buch Widerspruch aus Loyalität, das Mertes bereits 2009 veröffentlicht hatte, ist er der Frage nachgegangen, wie Widerspruch, Kritik und Loyalität sich in der Kirche zueinander zu verhalten haben. Von Klaus Mertes findet sich nun der Text seines Vortrags „Widerspruch aus Loyalität“ vom 7. September 2015 in Essen, in dem er seine Argumentation präzisiert hat.

Alexander Deeg – Abschaffung der Amtskreuze für leitende Geistliche

30. April 2016

Bedford-Strohm mit Amtskreuz

Da hat Alexander Deeg, Professor für praktische Theologie in Leipzig mit theologischen Wurzeln in Erlangen, richtig hingelangt, mit seinem Vortrag „Von Pfarrern und Priestern in der evangelischen Kirche“ am vergangenen Montag, 25. April, auf der Mitgliederversammlung des Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins in der Evang.-Luth. Kirche in Rothenburg o.T. Er sprach sich nämlich für eine Abschaffung der Amtskreuze von „leitenden Geistlichen“ in den evangelischen Kirchen aus. Das „Kreuz als Rangabzeichen“ ist für ihn „ein Irrweg, den wir dringend verlassen sollten“. Die Wiedereinführung der im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert abgeschafften Kreuze als Rangabzeichen falle in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals sei das von der Obrigkeit in Preußen eingeführte „goldene Brustkreuz“ dazu gedacht gewesen, „evangelische Obergeistliche“ den Katholiken optisch „ebenbürtiger“ zu machen. Alexander Deegs Alternativvorschlag hinsichtlich der Amtskreuze wäre, „allen Christen bei ihrer Taufe ein Kreuz zu verleihen“, das dann aber „ebenso groß wie das des Landesbischofs sein müsste“.

Hier Deegs Ausführungen aus seinem Vortrag:

„Ein weiteres gegenläufiges Zeichen erwähne ich: das Brustkreuz als Amtskreuz ab einem bestimmten Status in der geistlichen Hierarchie und der kirchlich-beamtenrechtlichen Besoldung. Je wichtiger je­mand ist und je mehr er oder sie in der Kirche verdient, desto größer, schwerer und teurer ist in der Re­gel das Kreuz, das er oder sie über dem Talar trägt. Eine merkwürdige Nutzung des Kreuzes – als eine Art innerkirchlich-hierarchisches Rangabzeichen.

Der Ursprung liegt in der Kirche des Mittelalters. Bischöfe began­nen in der römischen Kirche ein Brustkreuz zu tragen – nicht als liturgisches Kleidungsstück, son­dern als Amtszeichen. Auch wenn die Geschichte des Amtskreuzes nicht geschrieben ist, ist es m.E. evident, dass diese Kreuze im 16. Jahrhundert im evangelischen Be­reich abgeschafft waren und nicht mehr getragen wurden. Den ers­ten Beleg für die Wiedereinführung habe ich im frühen 19. Jahrhun­dert gefunden. Friedrich-Wilhelm III. führte 1826 im Zuge seiner Kirchenreformschritte erstmals im evangelischen Bereich auch einen Bischofstitel ein (konkret wurden einige General-Superintendenten mit dem Titel »Bischof« ausge­zeichnet). Das Ziel war, die evange­lische Geistlichkeit gegenüber dem katholischen geistlichen Personal im Ansehen zu heben. Äußerlich wurde bestimmt, dass der bischöf­liche Talar sowie die bischöfliche Kopfbedeckung aus schwerem sei­denem Stoff bestehen sollten und dass der Bischof zusätzlich ein Brustkreuz aus Gold tragen sollte. Der Erfolg scheint eher gering ge­wesen zu sein, so dass nach den Ernennungen in den 1820erJahren keine weiteren mehr erfolgten.

Das Kreuz, das Symbol radikaler Kenosis, als Rangabzeichen? M.E. ist das ein Irrweg, den wir dringend verlassen sollten – oder dadurch korrigieren, dass wir allen Getauf­ten, allen Priesterinnen und Pries­tern unserer Kirche gleich bei der Taufe ein Umhängekreuz schenken, das dann aber auch nicht kleiner sein darf als das des Landesbi­schofs unserer Kirche.“

Hier Alexander Deegs Vortrag als pdf.