„Es wäre bedauerlich, wenn die christlichen Kirchen, nachdem sie in früheren Kriegen so oft gedankenlos nationalistisch und militaristisch geredet haben, gerade in diesem Krieg gedankenlos neutral und pazifistisch schweigen wollten“ – Karl Barth in einem Brief nach Frankreich, 1939

16. Mai 2017

Karl Barth mit Uniform und Gewehr im Militärischen Hilfsdienst zu Beginn des Zweiten Weltkriegs

In seinem Schreiben an den französischen Pfarrer Charles Westphal vom Dezember 1939 aus Anlass des Beginns des Zweiten Weltkriegs stellt sich Karl Barth entschieden hinter die Westmächte und begründet, warum gegen den nationalsozialistischen Terror ein christlicher Pazifismus fehl am Platz ist:

„Das kann ja keine Frage sein, daß dieser Krieg für uns alle, die Kriegführenden und die „Neutralen“, ein sehr besonderer Krieg ist, daß er ein ganz anderes Gesicht hat als etwa der von 1914 und als die allermeisten Kriege der letzten Jahrhunderte überhaupt. Frankreich und England haben nach langem – nach vielleicht zu langem, aber in Anbetracht der Schrecklich­keit dieser ultimo ratio doch wohlbegründetem Zögern zu den Waffen gegriffen, um der Will­kür des von der gegenwärtigen deutschen Regierung proklamierten und in steigender Rück­sichtslosigkeit angewendeten Faustrechtes ein Ende zu machen. Der Hitlersche Natio­nalsozialismus ist, nachdem er Deutschland selbst zu einer einzigen Stätte des Terrors und der Angst gemacht, in zunehmendem Maß zu einer Bedrohung von ganz Europa gewor­den. Diese Bedrohung hat zu einem Erwachen geführt. Es gibt in der Sünde und Schande des Lebens aller Völker durch Gottes Güte einen Rest von Ordnung und Recht, von freier Menschlichkeit und vor allem und als Sinn von allem andern: von Freiheit zur Verkündigung des Evangeli­ums. Wo Hitler regiert, da ist es auch um diesen Rest getan. Hitler wollte aber nicht nur in Deutschland regieren. Als das so klar wurde, daß es auch die Blinden sahen, da kam es zum Krieg. „Il faut en finir!“ hat Ihr Ministerpräsident in entscheidender Stunde gesagt, und sein englischer Kollege hat das Wort wiederholt. Man darf es ruhig der Verantwortung dieser Staatsmänner überlassen, wie tief die Absicht ihres Entschlusses begründet ist oder auch nicht ist. Sicher ist, daß auch und gerade jeder Christ, der die letzten Jahre mit offenen Augen und Ohren miterlebt hat, zu diesem „Il faut en finir!“ seinerseits Ja und Amen sagen muß. Gewiß hatten und haben Frankreich und England auch ihre sehr imperialistischen Gründe zu diesem Krieg. Das ändert aber nichts daran, daß es vor Gott und den Menschen nicht zu verantworten wäre, wenn der Versuch, mit dieser Sache, mit der Hitlerschen Bedrohung, Schluß zu machen, nicht unternommen würde. Der Krieg war schließlich das einzige Mittel, das zu diesem Zwecke übrig blieb. Frankreich und England mußten ihn unternehmen, weil die Verantwor­tung für die seit 1919 entstandenen europäischen Verhältnisse – weil die Verantwortung auch dafür, daß Hitler möglich wurde – entscheidend bei ihnen liegt. Aber nun sie ihn unternom­men haben, kann man nicht gut leugnen, daß es in diesem Krieg nicht nur um die Sache Frankreichs und Englands, sondern auch um die aller andern Völker – zuletzt sogar um die Sache des deutschen Volkes selber geht. Das ist das Besondere dieses Krieges, daß er aus einer tödlichen Gefährdung aller entstanden ist und zum Schutze aller geführt werden muß. Auch wir „Neutralen“ sind insofern gar nicht neutral, als wir sehr genau wissen, daß die Anstrengungen und Opfer dieses Krieges auch um deswillen nötig sind, was uns zum Leben unentbehrlicher ist als das Leben selber. Unsre französischen und englischen, aber auch unsre deutschen Freunde sollen es ruhig hören, daß wir denen dankbar sind, die es entspre­chend ihrer geschichtlichen Stellung und Verantwortlichkeit übernommen haben, diesen Krieg gegen Hitler zu führen.

Karl Barth bei einer Wehrübung in Uniform während des Zweiten Weltkriegs

Die Kirche Jesu Christi kann und will nicht Krieg führen. Sie kann und will nur beten, glau­ben, hoffen, lieben, das Evangelium verkündigen und hören. Sie weiß, daß das Ereignis, durch das uns armen Menschen wirklich, ewig und göttlich geholfen ist, nach Sach. 4,6 nicht durch Heeresmacht und Gewalt und überhaupt durch keine menschliche Anstrengung und Leistung geschehen ist, geschieht und geschehen wird, sondern durch Gottes Geist. Sie wird also in der Sache Englands und Frankreichs nicht die causa Dei sehen, und sie wird gegen Hitler nicht den Kreuzzug predigen. Der am Kreuz gestorben ist, ist auch für Hitler gestorben und erst recht für alle die verwirrten Menschen, die freiwillig oder unfreiwillig unter seinen Fahnen stehen. Aber eben weil die Kirche weiß um die Rechtfertigung, die wir Menschen uns selber mit keinem Mittel verschaffen können, kann sie im Großen und im Kleinen nicht gleichgültig, nicht „neutral“ sein, wo nach dem Recht gefragt, wo versucht wird, ein bißchen dürftiges menschliches Recht aufzurichten gegen das überströmende, das schreiende Unrecht. Wo es darum geht, da kann die Kirche ihr Zeugnis nicht verweigern: daß es Gottes Gebot ist, daß das geschehe auf Erden, daß Gott eben dazu die Obrigkeit eingesetzt und ihr das Schwert gegeben hat, und daß die Obrigkeit, die das Recht zu schützen versucht, trotz aller Fehler, derer sie sonst schuldig sein mag, sich eben damit als rechte Obrigkeit legitimiert und von jedermann Gehorsam in Anspruch nehmen darf. Es wäre bedauerlich, wenn die christlichen Kirchen, nachdem sie in früheren Kriegen so oft gedankenlos nationalistisch und militaristisch geredet haben, gerade in diesem Krieg gedankenlos neutral und pazifistisch schweigen wollten. Sie sollen heute in aller Bußfertigkeit und Nüchternheit um einen gerechten Frieden beten und in derselben Bußfertigkeit und Nüchternheit allem Volke bezeugen, daß es nötig und der Mühe wert ist, für diesen gerechten Frieden zu streiten und zu leiden. Sie sollen den Völkern der demokratischen Staaten wahrhaftig nicht einreden, daß sie so etwas wie Gottesstreiter seien: sie sollen ihnen aber sagen, daß wir um Gottes willen menschlich sein dürfen und gegen den Einbruch der offenen Unmenschlichkeit mit der Kraft der Verzweiflung uns wehren müssen. Die Kirchen sind es auch den Christen in Deutschland und dem ganzen deutschen Volke schuldig, ihm zu bezeugen: Eure Sache ist nicht gut! Ihr irrt euch! Laßt von diesem Hitler! Hände weg von diesem Krieg, der ganz allein sein Krieg ist! Kehrt um, solange es noch Zeit ist! Warum sind die Vertreter und Organe der ökumenischen Kirchenbewegung in allen diesen Jahren und noch während der fatalen Entwicklung des letzten Sommers und Herbstes so diplomatisch stumm geblieben, als ob es kein prophetisches Amt Jesu Christi und als ob es keinen Wächterdienst der Kirche gäbe? Warum hörte und hört man jetzt nicht ganz selten Stimmen eines eschatologischen Defaitismus, der sich angesichts der Wahrheit, daß die ganze Welt im Argen liegt, fast schadenfroh damit beschäftigt, festzustellen, daß die heute gegen Hitler stehen, ihrerseits auch keine Heiligen sind? Eben die Erkenntnis, daß Gott allein heilig ist, wird uns aus der Pflicht des heute zu leistenden Widerstandes schwerlich entlassen, im Gegenteil! Die Kirche wird in allen Ländern viel zu trösten haben in den dunklen Zeiten, in die wir allem Anschein nach hineingehen. Sie wird aber nur dann wirklich zu trösten ver­mögen, wenn sie jetzt ohne Haß und Pharisäismus und ohne alle Illusionen über die Güte irgendwelcher Menschen auch mahnen, wenn sie jetzt ernst und offen sagen will, daß Wider­stand heute notwendig ist.“

Hier der vollständige Brief als pdf.

Hermann Diem – Wider das Schweigen der Kirche zur Judenverfolgung. Offener Brief an Landesbischof D. Meiser (Osterbotschaft 1943)

13. Mai 2017

Hermannn Diem (1900-1975) als Pfarrer in Ebersbach an der Fils (1935)

Hermann Diem hatte für den Münchener Lemppschen Kreis um Ostern 1943 eine Denkschrift (Osterbotschaft Münchner Laien) entworfen, die als Grundlage für einen öffentlichen Protest der Kirche gegen die Morde an Juden dienen sollte und dazu dem bayerischen Landesbischof Hans Meiser (1881-1956) vorgelegt wurde. Meiser lehnte deren Veröffentlichung ab, so dass sie vom Schweizer evangelische Pressedienst im Juli 1943 veröffentlicht worden ist. Der Elberfelder Pfarrer Helmut Hesse (1916-1943) übernahm Teile der Denkschrift in seine Predigt bei einem Bekenntnisgottesdienst im Juni 1943 und bezahlte dafür mit seinem Leben: Er wurde mit seinem Vater verhaftet und starb im November 1943 im Konzentrationslager Dachau an Niereninsuffizienz, weil man ihm lebenswichtige Medikamente verweigert hatte. Die Denkschrift ist in ihrer israeltheologischen Diktion und als christliches Zeugnis gegen die nationalsozialistische Judenvernichtung beachtenswert:

Wider das Schweigen der Kirche zur Judenverfolgung. Offener Brief an Landesbischof D. Meiser, 1943

Hochwürdiger Herr Landesbischof!

Als Christen können wir es nicht mehr länger ertragen, daß die Kirche in Deutschland zu den Judenverfolgungen schweigt. In der Kirche des Evangeliums sind alle Gemeindeglieder mitverantwortlich für die rechte Ausübung des Predigtamtes. Wir wissen uns deshalb auch für sein Versagen in dieser Sache mitschuldig. Der zur Zeit drohende nächste Schritt: die Einbe­ziehung der sog. „privilegierten“ Juden in diese Verfolgung unter Aufhebung der nach Gottes Gebot gültigen Ehen mag der Kirche die Veranlassung geben, das durch Gottes Wort von ihr geforderte Zeugnis abzulegen gegen diese Verletzung des 5., 6., 7., 8., 9. und 10. Gebotes und damit endlich das zu tun, was sie längst hätte tun müssen.

Was uns treibt, ist zunächst das einfache Gebot der Nächstenliebe, wie es Jesus im Gleichnis vom barmherzigen Samariter ausgelegt und dabei ausdrücklich jede Einschränkung auf den Glaubens-, Rassen- oder Volksgenossen abgewehrt hat. Jeder „Nichtarier“, ob Jude oder Christ, ist heute in Deutschland der „unter die Mörder Gefallene“, und wir sind gefragt, ob wir ihm wie der Priester und Levit, oder wie der Samariter begegnen.

Von dieser Entscheidung kann uns keine „Judenfrage“ entbinden. Vielmehr hat die Kirche bei diesem Anlaß zugleich zu bezeugen, daß die Judenfrage primär eine evangelische und keine politische Frage ist. Das politisch irreguläre und singuläre Dasein und Sosein der Juden hat nach der Heiligen Schrift seinen alleinigen Grund darin, daß dieses Volk von Gott als Werk­zeug seiner Offenbarung in Beschlag genommen ist.

Anfang der von Hermann Diem maschinengeschriebenen Osterdenkschrift (© Landeskirchliches Archiv Stuttgart, D1/108)

Die Kirche hat daher allen Juden unermüdlich zu bezeugen, so wie es die ersten Apostel – nach Golgatha! – getan haben: „Euch zuvör-[109]derst hat Gott auferweckt seinen Knecht Jesus und hat ihn zu euch gesandt, euch zu segnen, daß ein jeglicher sich bekehre von seiner Bosheit“ (Acta 3,26). Dieses Zeugnis kann die Kirche nur dann für Israel glaub­würdig ausrichten, wenn sie sich zugleich um den „unter die Mörder gefallenen“ Juden annimmt.

Sie hat dabei insbesondere jenem „christlichen“ Antisemitismus in der Gemeinde selbst zu widerstehen, der das Vorgehen der nichtchristlichen Welt gegen die Juden, bzw. die Passivität der Kirche in dieser Sache mit dem „verdienten“ Fluch über Israel entschuldigt und die Mah­nung des Apostels an uns Heidenchristen vergißt: „Sei nicht stolz, sondern fürchte dich. Hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, daß er vielleicht dich auch nicht verschone“ (Röm 11,20f).

Dem Staat gegenüber hat die Kirche diese heilsgeschichtliche Bedeu­tung Israels zu bezeugen und jedem Versuch, die Judenfrage nach einem selbstgemachten politischen Evangelium zu „lösen“, d. h. das Judentum zu vernichten, aufs äußerste zu widerstehen als einem Versuch, den Gott des 1. Gebotes zu bekämpfen. Die Kirche muß bekennen, daß sie als das wahre Isra­el in Schuld und Verheißung unlösbar mit dem Judentum verknüpft ist. Sie darf nicht länger versuchen, vor dem gegen Israel gerichteten Angriff sich selbst in Sicherheit zu brin­gen. Sie muß vielmehr bezeugen, daß mit Israel sie und ihr Herr Jesus Christus selbst bekämpft wer­den.

Das Zeugnis, das der Kirche durch das Gleichnis vom barmherzigen Samariter geboten ist, wird also durch die „Judenfrage“ nicht etwa suspendiert. Das Phänomen der Juden, an denen sich die prophetische Weissagung erfüllt, „daß sie sollen zum Fluch, zum Wunder, zum Hohn und zum Spott unter allen Völkern werden“ (Jer 29,18), be­zeugt aller Welt den Gott des 1. Gebotes, der durch sein Handeln an Israel seinen Herrschaftsanspruch an die Völker kundtut. Dieses Phänomen hat die Kirche zu interpretieren. Sie hat also durch ihre Ver­kündigung dafür zu sorgen, daß die Regierenden diesem Zeugnis nicht auszuweichen versuchen durch Beseiti­gung dieses Phänomens. Das tut sie durch die Verkündigung des Evangeliums von dem Gott, der Israel und uns „aus Ägyptenland, aus dem Diensthause geführt hat“ (2. Mose 20,2) und trotz aller Untreue der von ihm aus Juden und Heiden Erwählten seinem Bund treu bleibt. Sie bezeugt damit den Regierenden, daß diese allein durch den Glauben an Jesus Christus frei werden können von der Dämonie ihres politischen „Evangeliums“, das sie in ihrer durch kein Gesetz Gottes begrenzten Besessenheit verwirklichen wollen. [110] Die Kirche hat also den Regierenden für ihr Verhalten gegen Israel nicht nur die Gebote der 2. Tafel zu predigen, sondern zugleich zu bezeugen, daß diese Predigt durch das 1. Gebot gefordert ist und daß die Regierenden nur im Gehorsam gegen den Gott des 1. Gebotes ihr Amt recht ausrichten, d. h. das Gesetz recht handhaben können.

Das Zeugnis der Kirche gegen die Judenverfolgung in Deutschland wird so zu einem mit besonderem Gewicht ausgestatteten Sonderfall des der Kirche gebotenen Zeugnisses gegen jede Verletzung der 10 Ge­bote durch die staatliche Obrigkeit. Sie hat im Namen Gottes – also nicht mit politischen Argumenten, wie das ab und zu schon geschehen ist – den Staat davor zu warnen, daß er „den Fremdlingen, Witwen und Waisen keine Gewalt tut“ (Jer 7,6), und ihn zu erinnern an seine Aufgabe einer gerechten Rechtsprechung in einem ordentlichen und öffent­lichen Rechtsverfahren aufgrund humaner Gesetze, an das Gebot der Billigkeit im Strafmaß und im Strafvollzug, an seinen Rechtsschutz für die Unterdrückten, an die Respektierung gewisser „Grundrechte“ seiner Untertanen usw.

Dieses Zeugnis der Kirche muß öffentlich geschehen, sei es in der Predigt, sei es in einem besonderen Wort des bischöflichen Hirten- und Wächteramtes. Nur so kann es seine Aufgabe erfüllen, allen denen, die legislativ oder exekutiv an dieser Verfolgung mitwirken, und zu­gleich den betroffenen Juden und der in ihrem Glauben angefochtenen christ­lichen Gemeinde die schuldige Unterweisung der Gewissen zu geben. Alles, was bisher von der Kirche in Deutschland in dieser Sache getan wurde, kann nicht als ein solches Zeugnis gelten, da es weder öffentlich geschah noch inhaltlich der Aufgabe des Predigtamtes in dieser Sache gerecht wurde.

Wenn wir uns an Sie wenden, hochwürdiger Herr Landesbischof, da­mit Sie das der Kirche gebotene Zeugnis veranlassen, so bitten wir Sie dringend: Sehen Sie in unserem Schritt nicht nur eine jener Mahnungen zu kräftigerem Reden, denen Sie aufgrund der größeren Übersicht, die Sie durch Ihr hohes Amt haben, allerlei Erwägungen der Zweckmäßig­keit eines solchen Schrittes im Blick auf die möglichen Folgen nicht nur für die Kirche, sondern auch für die betroffenen Juden selbst entgegenstellen könnten. Es geht uns nicht um Komparative. Wir meinen auch jene Folgen schon selbst soweit bedacht zu haben, als dies erlaubt und geboten ist. Aber es geht uns um etwas anderes:

Als lutherische Christen wissen wir mit Artikel V des Augsburgischen Glaubensbekennt­nisses, daß wir ohne das Predigtamt der Kirche nie [111] zum Glauben kommen können. Darum treibt uns neben dem Mitleid für die Verfolgten die Angst, das Predigtamt unserer Kirche könne durch sein Schweigen sein Dasein sichern wollen um den Preis, daß es dafür seine Vollmacht und Glaubwürdigkeit zu binden und zu lösen verliert. Und damit wäre alles verloren – mit der Kirche wäre auch unser Volk verloren.

München, an Ostern 1943

Quelle: Hermann Diem, sine vi – sed verbo. Aufsätze, Vorträge, Voten, hrsg. v. Uvo Andreas Wolf, TB 25, München: Chr. Kaiser 1965, 108-111.

Hier Diems Text als pdf.

 

„Luther kommt für die Vaterschaft des neuzeitlichen Frei­heitsgedankens kaum ernstlich in Frage“ – Albrecht Beutel über Luthers Freiheitsverständnis

11. Mai 2017

Kurz und knapp beschreibt Albrecht Beutel in seinem Lexikonartikel über Martin Luther (Metzler Philosophen Lexikon), wie Luther Freiheit verstanden wissen will:

Auf dem Höhepunkt seines theologischen Aufbruchs, 1520, hat Martin Luther eine Reihe von – vielfach allgemeinverständlichen – reformatorischen Hauptschriften verfasst, deren bekann­teste und am meisten rezipierte Von der Freiheit eines Christenmenschen handelt. Trotz des Gleichklangs der Vokabeln kommt Luther jedoch für die Vaterschaft des neuzeitlichen Frei­heitsgedankens kaum ernstlich in Frage. Er selbst wollte nur den paulinischen Ruf der Freiheit erneuern. Darin wird zweierlei deutlich: Die Freiheit, um die es Luther geht, ist nicht als menschliches Vermögen bzw. als ontologische Verfassung gedacht, sondern als eine Freiheit, in die sich der Glaube an Christus versetzt sieht. Und: Nicht eine allgemein menschliche, sondern die christliche Freiheit hat Luther im Blick. Sein Anliegen fasst er in die Doppelthese zusammen: »Eyn Christen mensch ist eyn freyer herr über alle ding und niemandt unterthan. Eyn Christen mensch ist eyn dienstpar knecht aller ding und yder­mann unterthan«. Die beiden Sätze beziehen sich asymmetrisch aufeinander. Denn die Reihenfolge von der Freiheit zur Dienstbarkeit ist unumkehrbar. Und während sich das Knecht-Sein auf das Verhältnis zu den anderen Menschen bezieht, gilt das Herr-Sein nur in Bezug auf die Dinge, nicht auf die Men­schen. Die Dialektik von Herr und Knecht ist darum nicht gemeint, ebenso wenig die von Seele und Leib. Vielmehr ist in beiden Sätzen vom gan­zen Menschen die Rede: Zuerst in seinem Verhältnis zu Gott, dann in dem zu den Menschen. Der Glaube, will Luther sagen, befreit den Menschen aus dem Zwang zur Selbstermächtigung, und er macht ihn frei zum Dienst an den Nächsten. Kurz: Er ist frei aus Glauben zur Liebe. Die damit gesetzte Freiheit hat ihren Ort zwischen Gott und Mensch; sie lässt sich nicht zu einem menschlichen Hand­lungsbegriff säkularisieren. Die Freiheit, die Luther meint, ist die Freiheit des Gewissens, nun aber wieder in exklusiv theologischem und darum gerade nicht neuzeitlichem Sinn. Für ihn ist die Gewissensfreiheit nicht Ausdruck der Autonomie des Menschen. Das Gewissen ist darin frei, daß es sich in Gott gebunden und darum den Zumutungen anderer Mächte enthoben weiß.

„Am Christentum ist das Interessanteste seine Ohnmacht“ – Franz Overbeck über das Religionsproblem der Gegenwart

10. Mai 2017

Franz Overbeck (1837-1905)

In dem aus Karteizetteln Franz Overbecks von Carl Albrecht Bernoulli ausgewählten und herausgegebenen Nachlaßband „Christentum und Kultur“ (1919) findet sich ein Abschnitt „Das Religionsproblem der Gegenwart“, der mit folgenden Worten beschlossen ist:

„Am Christentum ist das Interessanteste seine Ohnmacht, die Tatsache, daß es die Welt nicht beherrschen kann.
Das Christentum will uns Menschen helfen und verdient schon darum unsern Haß nicht, auch wenn es das Vermögen dazu, uns zu helfen, nicht hätte. Dieses Vermögen aber hat es ohne Zweifel nicht, und wäre es auch nur aus dem Grunde, weil es uns allen Ernstes auf die Letzten Dinge, d. h. über uns selbst hinaus verweist und damit nur Todesweisheit ist.
Um an das Christentum zu glauben, wissen wir zuviel davon, und um im Sinne der Kirche davon zu wissen, beruht zuviel davon nur auf Glauben.“

Der vollständige Text dieses Abschnitts findet sich hier als pdf.

 

Versinkende Kirche – Novoflot und der wirkliche Luther

10. Mai 2017

„Novoflot-Kirche“ (Foto Falko Siewert)

Da kann man den Kunstatheisten der Opernkompanie Novoflot nur gratulieren, die Ende April schlagzeilenträchtig am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin neben der Volksbühne ein versinkendes Holzkirchengebäude temporär errichtet hatten. Als Motto wurde dazu ein vermeintliches Luther-Zitat ausgegeben: „Wo Gott eine Kapelle baut, da baut der Teufel eine Kirche daneben.“ Im Original (Rörer-Nachschrift der Predigt vom 22.7. 1526 über Mt 7,15-23) heißt es umgekehrt: „Wo Gott eine Kirche baut, da baut der Teufel eine Kapelle daneben.“ (Mühlhaupt, Luthers Evangelien-Auslegung 2, Göttingen 1973, 237)

In Sachen versinkende Kirchtümer ist Luther radikaler, wenn es in seiner Kirchenpostille von 1522 (Epistel zum Stephanstag, Apg 6,8-14) heißt: „Es gibt keine andere Ursache zum Kirchbau als den einen Grund, dass die Christen mögen zusammenzukommen, bitten, die Predigt hören und die Sakramente zu empfangen. Und wo diese Ursache aufhört, sollte man dieselbe Kirche abrechen, wie man das bei allen anderen Häusern tut, die nicht mehr genutzt sind. (Denn keyn ander ursach ist kirchenn zu bawen, ßo yhe eyn ursach ist, denn nur, das die Christen mugen tzusammenkommen, bitten, predigt horen und sacrament empfahen. Und wo diesselb ursach auffhoret, sollt man dieselbe kirche abbrechen, wie man allen anderen hewßern thut, wenn sie nymmer nütz sind).“ (WA 10/I 1, Seite 252)

 

„Wer die reformatorische Richtung verloren hat, der hat, wie gewaltig er sich auch stelle, das Rückgrat verloren“ – Was Karl Barth zum Reformationsjubiläum 2017 zu sagen hat

7. Mai 2017

Verpflichtungserklärung für Pfarrer/Mitglieder des Pfarrernotbundes

Karl Barth hatte am 30. Oktober 1933 in Berlin vor Mitgliedern des Pfarrernotbundes einen Vortrag „Reformation als Entscheidung“ gehalten (siehe dazu Reformationstag 1933. Dokumente der Begegnung Karl Barths mit dem Pfarrernotbund in Berlin, hrsg. v. Eberhard Busch, Zürich: TVZ 1998), dessen Ausführungen in Sachen Kirche der Reformation für das Reformationsjubiläum 2017 unverändert gelten:

Es handelt sich in der reformatorischen Lehre von der heiligen Schrift als dem einzigen Zeug­nis wirklicher und maßgeblicher Offenbarung Gottes um die einfache Erkenntnis: Gott ist von uns Menschen da zu finden, wo es ihm gefallen hat, uns zu suchen. Also nicht da, wo wir mei­nen, ihn von uns aus suchen zu können: nicht im Bereich unserer eigenen Möglichkei­ten, ob sie nun Vernunft oder Erfahrung, Natur oder Geschichte, inneres oder äußeres Univer­sum heißen mögen. Nicht da, wo wir in unserer Weisheit über ihn meinen reden zu sollen, sondern da, wo er in seiner Weisheit zu uns geredet hat. Und er hat zu uns geredet, einmal für allemal. Und von diesem Perfektum: Deus dixit zeugt die heilige Schrift und nur sie. Darum kann und darf die Verkündigung der christlichen Kirche in keinem Sinn eine Philosophie, d. h. eine Entwicklung irgend einer selbstgefundenen Welt- und Lebensanschauung sein. Darum ist sie gebunden als Schriftauslegung. Alle andere Lehre hat in der Kirche kein Recht und keine Verheißung. Diese reformatorische Lehre von der heiligen Schrift ist sofort ver­ständlich für den, der versteht: sie redet von der endgültig gefallenen Entscheidung her. Sie sagt, daß, nach­dem Gott uns gesucht hat im Wunder seiner Herablassung in Jesus Christus, dessen Zeugen die Propheten und die Apostel sind, alle unsere Bemühungen, ihn von uns aus zu finden, nicht nur gegenstandslos geworden, sondern als in sich unmöglich hingestellt worden sind. Nach­dem Gott zum Menschen geredet hat, hat der Mensch ganz schlicht keine Zeit mehr, sich selber über Gott unterrichten zu wollen. Von der gefallenen Entscheidung her konnte die Lehre von der heiligen Schrift tatsächlich nicht anders lauten als so, wie sie von den Reforma­toren in großer Härte aber auch in noch größerer Freudigkeit vorgetragen worden ist. Von der gefallenen Entscheidung her konnte und kann eben nach irgend einer natürlichen Theologie auch nicht das geringste Bedürfnis bestehen. […]

Das ist aber der Liberalismus in der Kirche: man wählt den Glauben, aus Gründen, mit Ernst und Überzeugung, aber man wählt ihn als eine seiner eigenen Möglichkeiten. Man bekennt sich zu ihm, aber man will doch die vielen anderen Möglichkeiten neben dem Glauben auch nicht übersehen, die man ja in derselben Freiheit auch wählen könnte. Man hat grundsätzlich doch noch oder doch wieder Zeit für sie. Man will gewiß Gott und nur Gott dienen, aber man will das nun doch wieder von jener höheren Warte aus tun, von der aus gesehen auch der Dienst Mammons eine ernste Möglichkeit ist. Es triumphiert, auch und gerade indem man nun doch Gott dienen will, die eigene Freiheit, in der man grundsätzlich in der Mitte steht. Diese Mitte wird behauptet. Man hat Zeit zum Vergleichen, zum Erwägen, kurz, Zeit für sich selber. Und in diesem grundsätz­lichen Zeit-haben für sich selber und seine eigenen Möglichkeiten will man nun auch den christlichen Glauben verstehen und bekennen, erklären und verkündigen. Das heißt aber: man versteht und bekennt, man erklärt und verkündigt ihn nun in Beziehung zu demjenigen Ver­ständnis seiner selbst und seiner eigenen Möglichkeiten, für das man gerade Zeit hat, m. a. W. das gerade zeitgemäß ist. Man muß ihn verstehen in Beziehung zur Moral, so sagte man einst, dann: in Beziehung zur Vernunft, dann: in Beziehung zur Humanität, dann: in Beziehung zur Kultur und heute bekanntlich: in Beziehung zu Volkstum und Staat. Man hat als Kind dieser oder jener Zeit, als Genosse ihrer Geschichte, ihres Geistes, ihrer besonderen Meinungen und Überzeugungen diese oder jene Bestimmung des Menschen bejaht und ergriffen als die der­zeit allein richtige und der Glaube – nun, der Glaube muß nun unter allen Umständen in Beziehung stehen zu dem so bestimmten Menschen. Sonst würde er ja wohl – und das gehe doch nicht, so meint man jetzt seufzen zu müssen – „im luftleeren Raum“ sich befinden. Daß er in jener Beziehung stehen muß, d. h. daß er unter allen Umständen ein moralischer oder ein vernünftiger oder ein humanitärer oder also heute ein volksmäßiger Glaube sein muß, das ist in aller Stille merkwürdig gewiß und wichtig geworden. Muß man nicht sagen: ebenso gewiß und wichtig wie das andere, daß er Glaube sein muß? Ja, muß man nicht vielleicht sagen: noch viel gewisser und wichtiger als dieses andere? Offen herausgefragt: Was ist in solchen Zeiten sicherer und notwendiger, die Beziehung des Glaubens zur Moral, zur Vernunft, zur Humanität, zur Kultur, zu Volkstum und Staat, kurz, zum Menschen in irgendeiner der Bestimmungen, die er sich selbst gibt – oder der Glaube selber? Das ist jedenfalls sicher, daß alles Interesse, aller Eifer, alle Leidenschaft in solchen Zeiten diesen Beziehungen des Glau­bens gilt, nicht dem Glauben selbst, nicht seinem Bekenntnis. Der Glaube und das Bekenntnis pflegen dann wohl als selbstverständlich vorausgesetzt zu werden! Es braucht dann nicht einmal so zu sein, daß der Glaube in dieser Gegenüberstellung gleich den Kürzeren zieht. Es braucht nur so zu sein, daß die beiden Notwendigkeiten wie die Balken einer leeren Waage sich im Gleichgewicht gegenüberstehen; der Mensch in seiner Freiheit aber sich selbst als das Zünglein an der Waage verstehen darf. Auch und gerade dann ist der Glaube selbst ein ande­rer geworden. Er ist nun diskutabel geworden wie die anderen Möglichkeiten, für die sich der Mensch entscheiden kann, diskutabel deshalb, weil ja nun die Beziehung zu diesen ande­ren Möglichkeiten, in die man ihn setzen will und damit diese anderen Möglichkeiten selbst seine eigenen Bedingungen werden. Frei ist er nun nicht mehr. Er kann nun nur noch sein, was er vermöge der Freiheit des Menschen und was er in jener Beziehung sein kann. Mag er noch immer ein höchst orthodoxer Glaube sein – es hat schon im 18. Jahrhundert eine pracht­volle Orthodoxie gegeben, die sich in dieser Lage befand – so ist er doch eingesehen von seinem Gegenüber her, gemessen an ihm, verpflichtet, Antwort zu geben auf die Fragen, die ihm von dorther gestellt, Genüge zu tun den Anliegen, die ihm von dorther entgegengebracht werden. Tut er das nicht, erweist er sich nicht als moralisch, als vernünftig, als völkischer Art und Aufgabe entsprechend, dann droht ihm schon heimlich die Kündigung. Er ist nun ein viel­leicht sorgfältig und eifrig gepflegter aber eben doch ein domestizierter, ein gefangener und in fremden Dienst gestellter Glaube geworden. Und das um so mehr, wenn der Mensch in seiner Freiheit sich herausnimmt, jene dem Glauben gegenübergestellten menschlichen Möglichkei­ten ihrerseits mit religiösem Glanz zu umgeben, sie auf eine göttliche Uroffenbarung zurück­zuführen, sie mit der Ordnung der Schöpfung zu identifizieren oder noch höher hinauf: mit dem Gesetz Gottes oder schließlich ganz direkt mit dem heiligen Geist, der ja bekanntlich in uns allen lebe. Ist der Mensch wirklich in der Lage, seine eigene Bestimmung, so wie er sie zu verstehen meint, als Wort Gottes aufzufassen, wie sollte dann das Wort Gottes, das er im Glauben zu vernehmen meint, auf die Länge zu ihm dringen als Gottes Wort, wie sollte es ihm dann auf die Länge etwas anderes sein können als wiederum ein Wort, das er zu sich selber sagt, das er darum gestaltet entsprechend dem, was er sich selber zu sagen hat oder zu sagen wünscht. Er ist ein anderer geworden, dieser Glaube, der sich von Vernunft, von der Kultur, von Volk und Staat her hat Schach bieten lassen, der sich nur noch in diesem Gegen­über vernehmen lassen kann. Er wird sich – von jenem anderen Ursprung her verstanden und bekannt, erklärt und verkündigt – auch beim besten Willen darstellen und erweisen als derje­nige Glaube, in welchem der Mensch Gott und dem Mammon dienen kann und dann auch tatsächlich dienen muß. Die der Reformation entgegengesetzte Richtung ist, wo man sie ein­mal eingeschlagen hat, früher oder später noch immer darin sichtbar geworden, daß man der Reformation im Glauben und im Leben tatsächlich ganz fremd werden mußte. „Fällt der Man­tel, so muß der Herzog nach!“ Hat man jene Richtung einmal verloren, dann wird man auf die Länge auch vergeblich orthodox sein wollen. Wie sollte man dann, um nur die vier erwähnten Punkte nochmals zu nennen, in Sachen der Autorität der heiligen Schrift, in Sachen der Erb­sünde, in Sachen der Rechtfertigung, in Sachen der Prädestination noch so lehren können, wie es die Reformatoren getan haben? Wird man ihre Lehre, die so von ganz anderswoher kam, dann überhaupt noch verstehen können? Wird sie einem nicht notwendig, zuerst heimlich und dann offen, absurd erscheinen müssen? Wird man sie nicht auf der ganzen Linie umbiegen und abschwächen müssen – bis sie ungefähr wieder so lautet, wie sie im Katholizismus, von dem die Reformation ausgegangen war, gelautet hatte und bis heute lautet? Ist die Trennung vom Papsttum dann noch rechtmäßig und notwendig? Wir können nur sagen: Ja, so haben sich die Dinge noch immer abgewickelt, wo man die reformatorische Richtung, die der Frei­heit Gottes genug tun wollte, verloren hatte zugunsten der anderen Richtung, die der Freiheit Gottes und der Freiheit des Menschen miteinander genug tun will, um im Ergebnis allein der Freiheit des Menschen genug zu tun. Es entsteht dann wirklich etwas ganz, ganz anderes: ein anderer Glaube, ein anderer Christus, eine andere Predigt, ein anderer Geist, eine andere Kir­che. Mag man dann streiten darüber, ob man diese andere Kirche lieber als Humanitätskirche oder lieber als Volks- oder Staatskirche aufziehen will, ob sich ihre Predigt besser am einzel­nen oder besser an der Gemeinschaft orientiert. Unnützer Streit! Die Kirche der Reformation wird sie, die nicht aus der Entscheidung für den christlichen Glauben, nicht aus dem Worte Gottes geboren ist, so oder so nicht mehr sein, sondern so oder so eine Kirche der heimlich oder auch offen triumphierenden natürlichen Theologie, des Optimismus, der Werkgerechtig­keit, des menschlichen Übermuts, der nie größer ist als wenn er auch noch religiös wird – eine Parallele zum Papsttum trotz alles antirömischen Geschreis, das man in ihren Hallen da und dort noch immer vernehmen wird.

Karl Barth liest in der von Wilhelm Stapel herausgegebenen Monatszeitschrift „Deutsches Volkstum“, eines der führenden antisemitischen Organe der Weimarer Republik, das schon 1931 auf vermeintlich christlich-protestantischer Grundlage für den Nationalsozialismus eintrat.

Es läßt sich nicht scherzen mit der Reformation. Es ist gewiß angebracht, sich ernstlich zu fragen, ob die Reformatoren mit ihrer Neubegründung der Kirche nicht etwas gewagt haben, was sie nicht hätten wagen sollen, weil die europäische Menschheit diesem Wagnis nicht gewachsen war. Ob sie uns nicht ein Erbe hinterlassen haben, mit dem wir, so wie es ist, nichts anzufangen wissen, weil es eine untragbare Zumutung für uns bedeutet, weil es einen Glauben von uns verlangt, den wir nicht aufbringen können, weil es dem nicht gerecht wird, was nun einmal unser Anliegen ist. So kann man allen Ernstes fragen. Und wer die Dinge so meint sehen zu müssen, der stehe dazu als ein ehrlicher Mann und baue die Kirche statt mit den Reformatoren auf den einen Grund Jesus Christus auf den besseren Grund von Offenba­rung und Vernunft, Glaube und Wissen, Evangelium und Volkstum. Auf die Einheit einer so gebauten Kirche mit der Reformation sollte dann aber ebenso ehrlich verzichtet werden. Der Gemeinsamkeit mit dem römisch-katholischen Denken und Wollen dürfte man sich dann nicht mehr schämen. Und Lutherfeiern – ja, Lutherfeiern würden dann ja wohl besser unterlassen werden.

Können wir sie aber nicht unterlassen, wollen wir dennoch und dennoch evangelische Kirche, Kirche der Reformation sein und bleiben, möchten wir ihr Erbe nicht ausschlagen, möchten wir also auch die Reformation selbst nicht anders haben – wirklich als den heute noch leben­di­gen Anfang unserer Kirche nicht anders haben, als so, wie sie nun einmal war – ja, was wird uns dann übrigbleiben, als uns die Richtung, die sie hatte, fragen zu lassen, wie es denn mit der Richtung steht, die wir haben. Die Reformation als Entscheidung wird dann die evangeli­sche Kirche von heute nach ihrer Entscheidung fragen. Und wenn wir ihrer Frage standhalten, dann wird es ja wohl an den Tag kommen, ob es unter uns auch noch so etwas wie eine gefal­lene Entscheidung gibt und darum dann auch legitimes reformatorisches Bekenntnis, reine reformatorische Lehre – oder eben nur noch die Vermittlung und deshalb kein Recht, sich auf die Reformation zu berufen. Und wenn es dann vielleicht ebenfalls an den Tag kommen soll­te, daß es solche gefallene Entscheidung gerade in der heute in der evangelischen Kirche herr­schenden Bewegung nicht geben, daß diese Bewegung nichts anderes sein sollte als die letzte vitalste vollendete Gestalt der großen neuprotestantischen Untreue gegen die Reformation –nun, dann wüßten wenigstens alle die, die dieser Bewegung nicht verfallen sind, eindeutig, was sie zu tun haben. Was haben sie zu tun? Sie haben, gestärkt durch das, was uns die Refor­mation gerade heute zu sagen hat, Widerstand zu leisten. Im Namen der wahren gegen die in Gestalt dieser Bewegung herrschende falsche evangelische Kirche. Und darin wird dieser Widerstand bestehen, daß sie sich im Unterschied zu der herrschenden Bewegung wieder rücksichtslos und fröhlich, wie es vor vierhundert Jahren geschehen ist, hinter die gefallene Entscheidung stellen. Rücksichtslos sage ich: denn wer dieser Bewegung gegenüber nicht etwas ganz anderes will und darum auch tut als sie, der ist hier unbrauchbar. Zwischen der Entscheidung und der Nicht-Entscheidung kann nicht noch einmal vermittelt werden; zwischen Luther und dem Papst, zwischen Luther und den Schwärmern gab es auch keine Vermittlung. Vermittlung könnte hier nur Übergang zum Feind bedeuten. Und fröhlich ist hier Widerstand zu leisten: hinter der gefallenen Entscheidung zieht man nämlich seine Straße fröhlich, und wenn man einer gegen hundert wäre, fröhlich, weil man seinen Gegner nicht zu fürchten hat. Die Sache der heute herrschenden Bewegung ist keine starke Sache. Wer die reformatorische Richtung verloren hat, der hat, wie gewaltig er sich auch stelle, das Rückgrat verloren. Er wird nicht schaffen, was er schaffen möchte.

Hier der vollständige Text des Vortrags als pdf.

„Man kann die Theologen die Figaros des Christentums nennen“ – Franz Overbeck über einen Berufsstand

7. Mai 2017

Franz Overbeck (1837-1905), theologischer Außenseiter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hat seinen Berufsstand wie folgt charakterisiert:

Wozu sind Theologen überhaupt gut? Zu Lehrern der Moral taugen sie auf jeden Fall nicht. Zu Lehrern der Religion freilich nicht mehr. Offenbar dazu, um zwischen Moral und Religion zu vermitteln. Zu dieser Vermittlung drängen sie sich, was denn noch ihr bester Titel auf ein Bürgerrecht im Zwischenreich zwischen Religion und Moral sein mag, so zweifelhaft er ist. Die Theologen gelten für unentbehrlich, und das ist nun einmal nahezu gleichviel, als ob sie es auch wären.

Die Theologen sind freilich der Regel nach Christen, doch auf keinen Fall einfache Christen, Menschen, deren Verhältnis zum Christentum ein einfaches und unzweideutiges ist, sondern Diener des Christentums, deren bloße Existenz die Existenz einer Welt neben und außer dem Christentum zur Voraussetzung hat. Sie sind im günstigsten Fall Unterhändler des Christentums mit dieser Welt, und eben darum traut ihnen auch Niemand recht über den Weg, wenn auch die Dinge wohl so liegen können, daß ein großes Interesse besteht, ihnen darüber zu trauen, wie das in diesem Augenblick der Fall sein mag. Aber immer bleibt es dabei, daß sie selbst Unter­händler sind — eine Menschensorte, die ein begründetes Vorurteil gegen sich hat —, dann aber auch dabei, daß das Christentum selbst Unterhändler verschmäht und, da es in seinen Ansprüchen absolut ist, keine Welt neben sich anerkennt. Mit diesem Anspruch aber können sich die Theologen in einer Welt am allerwenigsten decken, welche einen solchen Anspruch nicht anerkennt. Eine solche Welt ist die moderne; anders als kritisch verhält sie sich zum Christentum nicht, und zwar nicht bloß theoretisch, sondern praktisch erst recht. Oder wer dürfte heute noch, ohne sofort der Lächerlichkeit zu verfallen, behaupten, die Welt, in der wir leben, sei eine christliche, d. h. eine vom Christentum beherrschte? Im günstigsten Falle ist diese Welt eine solche, die ihre eigenen Rechte auf das Christentum als eines Stückes, das zu ihrem Besitzstande gehört, nicht preisgeben, sich davon nicht lossagen mag. Ihr können denn die Theologen als Unterhändler sehr hoch im Werte stehen, vielleicht als nahezu unentbehrlich erscheinen, ohne darum doch den Makel des Berufs überwinden zu müssen. Man nimmt die Dienste, die sie anbieten zu können meinen unter Umständen mit verbind­lichstem Danke an, ohne darum den Grundschaden dieser Dienste zu übersehen, daß sie nämlich aus derselben Ecke einer nur relativen Schätzung des Christentums kommen, in der man gemeinhin selbst steht und aus der man sich heraushelfen lassen möchte. Daß uns aber diesen Dienst ein Anderer leistet, der in der allgemeinen Not nur unseres Gleichen ist, zieht begreiflicher Weise eine sehr gebrechliche Erkenntlichkeit nach sich. Am allerwenig­sten kann sich natürlich aus der Mißlichkeit dieser Lage eine Theologie retten, wie die moder­ne, welche eben mit ihrer Modernität in eitler Selbstverblendung und Zudringlichkeit die Not, die sie mit aller Welt teilt, geradezu affichiert und damit, was sie nur zu verbergen Ursache hätte, für Aller Augen heraussteckt.

Man kann die Theologen die Figaros des Christentums nennen. Auf jeden Fall sind die modernen die höchst anstelligen und brauchbaren, aber auch höchst unzuverlässigen Faktoten desselben. Das ist was im Grunde ihres Herzens alle ehrlichen Pietisten von ihnen denken, nur daß Pietisten von Figaros des Christentums nicht zu reden pflegen und auch nicht wohl reden können. Im Stillen ist es doch das eigentliche Bedenken, das sie gegen die moderne Theologie hegen, und daß es nur im Stillen geschieht, ist wiederum das Bedenkliche an ihrer Art, dem Christentum in der Welt zu dienen.

Quelle: Franz Overbeck, Christentum und Kultur. Gedanken und Anmerkungen zur modernen Theologie, aus dem Nachlass herausgegeben von Carl Albrecht Bernoulli, Basel 1919, 272ff.

„Am Anfang war das Jubeljahr“ – Der römische Jubiläumsablass von 1300 mit dessen Nachfolgern gibt das Setting für die protestantische Feier eines Reformationsjubiläums vor

5. Mai 2017

Plakat zum Reformationsjubiläum 1917

Die Berliner Kirchenhistorikerin Dorothea Wendebourg hat wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass das sogenannte „Reformationsjubiläum“ das Urjubiläum aller historischen Jubiläen sei. So schreibt sie:

„Erfunden wurde das historische Jubiläum von protestantischen Universitäten, die im 16. Jahrhundert begannen, das Gedächtnis ihrer eigenen Gründung an runden Daten festlich zu begehen. Im Jahr 1617 gelang der bis dahin akademischen und lokalen Praxis der Sprung auf die große gesellschaftliche, ja internationale Bühne: mit dem ersten Zentenarium (Jahrhundertfeier) von Martin Luthers Thesenanschlag von 1517, dessen Bedeutung als Schlüsselereignis der Reformation, ja der von ihr geprägten Geschichte überhaupt damit fixiert war. Im Wettstreit zweier evangelischer Fürsten, der Kurfürsten von Sachsen und der Pfalz, eines Lutheraners und eines Reformierten, die sich durch eine solche Feier als Anführer der Protestanten im Heiligen Römischen Reich profilieren wollten, wurde der 31. Oktober 1617 oder der Sonntag danach zur 100-Jahr-Feier des Anfangs der Reformation. Es war so eindrücklich, dass das Gedächtnis des Thesenanschlags hinfort an vielen Orten alle 100, alle fünfzig, ja schließlich alle 25 Jahre gefeiert wurde.

Dem Erfolg dieser neuen Form des Feierns und Gedenkens konnte sich auch der konfessionelle Gegner nicht entziehen, ebenso wenig Gruppen, die nicht-kirchlicher Ereignisse gedenken wollten. So wurde das Jubiläum schließlich zu dem allgegenwärtigen Element des kulturellen Lebens, als das wir es kennen. Insbesondere seit dem 19. Jahrhundert, der Zeit des Historismus, die das Jubiläum ebenso liebte wie das historische Denkmal, fand man überall in der westlichen Welt immer neue Anlässe für festliches historisches Gedenken, wobei man bevorzugt nun auch biografisches, an den Geburts- und Todestagen bedeutender Männer, gelegentlich auch Frauen, festgemachtes Gedenken pflegte. Freilich war solche Bereicherung und Befestigung des kulturellen Gedächtnisses keine bloße Beschäftigung mit der Vergangenheit. Vielmehr feierte jede Epoche im Spiegel des Vergangenen, was sie an Großem und Bedeutendem auf das gefeierte Vergangene zurückführte – und damit, was sie für groß und bedeutend hielt. So wurden die Jubiläen zu gesellschaftlichen Großereignissen, in denen die jeweiligen Zeiten sich selbst inszenierten und die gefeierten Gegenstände von dort aus immer neu in Szene setzten.“ (Im Anfang war das Reformationsjubiläum. Eine kurze Geschichte von Reformationsfeiern und Lutherbildern, Die politische Meinung, Sonderausgabe 4, 2016)

Man müsste präzisierend ergänzen, dass das 100jährige Jubiläum des Thesenanschlags als Zentenarium wiederum durch die Einführung des „Heiligen Jahres“ (annus sanctus) inspiriert gewesen ist, das Papst Bonifatius VIII. 1300 erstmals für Rompilger ausgerufen hatte. Bei Erfüllung bestimmter Bedingungen wird den Gläubigen einen vollständigen Ablass der zeitlichen Sündenstrafen gewährt. Das „Heilige Jahr“ wiederum greift auf das alttestamentliche Jubeljahr (vgl. 3. Mose 25) zurück und überträgt den Charakter des Erlassjahres alle 7 x 7 Jahre (= 49 Jahre) auf den Ablass der Kirche. Etymologisch steckt im „Jubiläum“ (lat. annus jubilaeus) das hebräische jōbel. Das lateinische jubilum (Jauchzen) bleibt dabei außen vor. Ursprünglich sollte nach 1300 das nächste Jubeljahr mit einem Plenarablass wieder nach 100 Jahren folgen; der Abstand wurde aber von päpstlicher Seite im Laufe der Zeit immer weiter verringert. Schließlich galt seit Paul II. 1470 jedes 25. Jahr als „Jubeljahr“.

So schreibt Thomas Kaufmann in seinem Aufsatz „Reformationsgedenken in der Frühen Neuzeit. Bemerkungen zum 16. bis 18. Jahrhundert“ (ZThK 107, 2010, S. 285f):

„Das heute weithin selbstverständlich verbreitete Phänomen, ein historisches Ereignis gemäß einem bestimmten zeitlichen Intervall erinnernd zu vergegenwärtigen und hinsichtlich seiner Bedeutung für die Gegenwart zu reflektieren, d. h. als historisches Jubiläum zu begehen, entstand in kritischer Anknüpfung an die alttestamentlichen Jobel- und die seit 1300 begegnenden päpstlichen Jubeljahre an den protestantischen Universitäten des 16. Jahrhunderts. Die frühesten Beispiele historischer Jubiläen beziehen sich auf Stiftungsfeiern, wie sie die Universität Tübingen 1578, die Universität Heidelberg aus Anlass ihres 200jährigen Bestehens 1587, die Universität Wittenberg anlässlich ihrer 100-Jahr-Feier 1602 und die Universität Leipzig zum 200. Gründungsjubiläum 1609 begingen. Dass die Verwendung des zeitlichen Intervalls eines Jahrhunderts wesentlich durch die historiographischen Innovationen der zeitgenössischen Kirchengeschichtsschreibung, insbesondere die sogenannten Magdeburger Centurien, inspiriert war, besitzt größte Wahrscheinlichkeit. Das Reformationsjubiläum des Jahres 1617 stellt die erste breitenwirksamere außeruniversitäre Feier eines historischen Jubiläums dar. Dass es zu dieser Jubiläumsfeier von ausstrahlender öffentlicher Wirksamkeit kam, ist einerseits konkreten historischen Umständen geschuldet, basiert andererseits auf einer tiefen Verwurzelung der Reformations- und Luthermemoria in der lutherischen Konfessionskultur des 16. Jahrhunderts.“

Man könnte das als Ironie der Geschichte sehen: Der römische Jubiläumsablass von 1300 mit dessen Nachfolgern gibt das Setting für die protestantische Feier eines Reformationsjubiläums vor (zu den weiteren Kohärenzen von Ablass und Reformation siehe Berndt Hamm, Ablass und Reformation, Tübingen 2016).

„Es geht um die Freiheit, zu der Christus uns befreit hat, nicht um die Freiheit aus irgendeiner menschlichen Knechtschaft oder Tyrannengewalt“ – Martin Luther über Galater 5,1

3. Mai 2017

Martin Luther muss für den Protestantismus als Apostel bürgerlicher Freiheit und emanzipatorischer Selbstbestimmung herhalten, als hätte er nie De servo arbitrio geschrieben. Aufschlussreich ist, was Luther in seinem großen Galaterkommentar (1531/35) zur biblischen Schlüsselstelle evangelischer Freiheit, nämlich Galater 5,1 „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ zu sagen hat:

Es geht um die Freiheit, zu der Christus uns befreit hat, nicht um die Frei­heit aus irgendeiner menschlichen Knechtschaft oder Tyrannengewalt, son­dern um die Freiheit von dem ewigen Zorn Gottes. Wo? Im Gewissen. Hier hat unsere Freiheit ihren Ort und will diese Grenzen nicht überschreiten. Denn Christus hat uns nicht in politischer Hinsicht frei gemacht, nicht im Blick auf den äußeren Menschen, sondern theologisch oder in geistlicher Weise; d. h. er hat unser Gewissen frei und froh gemacht, daß es den kom­menden Zorn nicht fürchten muß. Das ist die wahre (unüberbietbar!) und unschätzbare Freiheit, im Vergleich zu deren Größe und Majestät die übrigen Freiheiten (die politischen und auf den äußeren Menschen bezüglichen) kaum ein Tropfen oder ein Tröpfchen sind. Wer kann genug rühmen, was das für eine große Sache sei, wenn einer mit Gewißheit davon sprechen kann, daß Gott weder zornig sei, noch jemals Zorn erzeigen wolle und daß er in Ewigkeit um Christi willen der geneigte und gütige Vater sein werde? Das ist wahrhaftig eine große und unbegreifliche Freiheit, um die Gunst, den Schutz und die Hilfe dieser höchsten Majestät zu wissen und darauf zu hoffen, daß sie uns schließlich auch leiblich befreien werde, so daß unser Leib, der da „ge­sät wird in Vergäng­lichkeit, Schmach und Schwachheit, auferstehen werde in Unvergänglichkeit, in Herrlichkeit und Kraft“ (1.Kor. 15,42f.). So ist es eine unbeschreiblich herrliche Freiheit, größer als Him­mel und Erde und alle Kreaturen: Wir sind frei von dem Zorn Gottes in Ewigkeit.

Hier Luthers ausführlichere Kommentierung zu Galater 5,1 als pdf.

 

„Erscheint uns hier Luther womöglich als ein rückwärts gewandter Fanatiker, sozusagen als ein christlicher Salafist“ – Kristlieb Adloff über Luthers Schrift „Wider Hans Worst“

1. Mai 2017

Ernst Barlach – Und wenn die Welt voll Teufel wär! (1915)

Kristlieb Adloff hat jüngst für eine Lesung aus der Luther-Schrift „Wider Hans Worst“ eine theologische Einleitung geschrieben. Darin resümiert er:

Damit werden wir entlassen mit der für uns offenen reformatorischen Frage, ob der Gott, der durch sein Wort schafft und alles regiert, sei oder ob er nicht sei, ob also der Gott, dem Luther um Christi willen sich anvertraute, bei dem er inmitten seiner Zweifel und Anfechtungen Zu­flucht fand, Lebensmut, Heiterkeit und unergründliche Freude in den Schrecknissen der Welt, ob dieser, der EINE wahre Gott, sei, oder ob wir befinden, dass er nicht sei, weil die namenlo­sen Götter und Mächte, denen wir ausgeliefert sind, uns stumm bleiben, so dass wir selbst Götter spielen müssen. Man müsste es singen, um Luthers Liebe zum Wort Gottes würdigen zu können. Aber wer kann’s, noch oder wieder neu, nicht mehr oder nie wieder?

„Fragst du, wer der ist? / Er heißt Jesus Christ, / der Herr Zebaoth, / und ist kein anderer Gott, / das Feld muss er behalten.“ (Evangelisches Gesangbuch 362,2)

Hier Adloffs vollständiger Text als pdf.