Posts Tagged ‘Auferstehung’

„Mein Herr Christus sieht dem Tode zu, wie er mich tötet, und wenn der mich erwürgt hat, so schlafe ich so leise, daß er mich mit einem Wort erwecken kann.“ – Martin Luthers Predigt über Lukas 7,11-17

17. Mai 2017

Auferweckung des Jünglings zu Nain (kolorierter Holzschnitt von Matthias Gerung aus der Ottheinrich-Bibel, 1530-32)

Fast spielerisch nimmt Martin Luther in seiner Predigt über Lk 7,11-17 (Der Jüngling von Nain) sich den Tod zur Brust.  Und er kann Christus seinen Zuhörern auf das Allergewisseste zusprechen:

»Ich sage dir: Stehe auf!« Predigt über Lk 7,11-17

Von Martin Luther

Und es begab sich danach, daß er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn war seiner Mutter, und sie war eine Witwe; und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sah, jammerte ihn derselben, und er sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und rührte den Sarg an, und die Träger standen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle eine Furcht an, und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk heimgesucht. Und diese Rede über ihn erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegenden Länder. (Lukas 7,11-17)

In diesem Evangelium ist vieles enthalten, was gelehrt werden müßte; doch ich will nur die Hauptsache ins Auge fassen. Da ist eine arme Witwe, die ihren Mann und ihren Sohn verloren hat; und das war im Judentum eine besonders schwere Sache für eine Frau, Witwe zu sein und keinen Sohn mehr zu haben. Denn die öf­fentliche obrigkeitliche Ordnung war bei den Juden darauf einge­stellt, daß man rechtsfähige männliches Erben haben sollte. Des­sen muß nun die Frau entbehren; sie bleibt nun eine elende Witwe. Das läßt sie die Sache so ansehn, als habe Gott sie verlassen und sei ihr feind geworden. Da ist ein betrübtes Herz, das leicht an Gott hätte verzweifeln können, da es aussah, als hätte er sie im Stich gelassen, nachdem erst ihr Mann und nun auch noch ihr Sohn ge­storben war. Diese Frau tröstet der Herr, indem er ihr den Sohn wiedergibt, und ihre Freude ist nun zehnmal größer als vorher der Schmerz war; ja es wäre kein Wunder gewesen, wenn sie vor Freu­de gestorben wäre. So wollen wir also lernen, unsern Glauben an dieser Geschichten zu üben, zu stärken und fest zu fassen; und hiezu laßt uns sehen, wie Christus den Tod so ohnmächtig und ver­ächtlich macht. Weil er uns ein solches Bild vom Tod vor Augen stellt, sollen wir vor ihm kein Grauen haben. Er möchte uns gerne ein Herz schaffen, das geduldig seines Weges ginge und des Todes nicht achtete. Das lernen die am meisten, die im Jammer sind wie diese Witwe. Sieh, wie schnell und leicht es zugeht: Der Jüngling ist gestorben, und da ist keine Hoffnung mehr vorhanden, daß er ins leibliche Leben zurückkehren werde; da mußte alle Welt verzagen. Aber nun kommt er, der Christus; er nimmt keine Apothekerarznei; er sagt nur: »Stehe auf!« Also ist vor seinen Augen der Tod wie das Leben; für ihn ist das eine soviel wie das andre, Tod soviel wie Le­ben. Wenn wir tot sind, so sind wir doch nicht tot vor ihm. Denn er ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs; und diese leben, wie es Matth 22,32 heißt, wo er sagen will: ›Sie sind nicht gestorben, sondern sie leben mir.‹

Daraus sollen wir etwas lernen: nämlich die große Macht, mit der Gott am Jüngsten Tag durch Christus an uns wirken wird. Mit ei­nem einzigen Wort wird er uns aus dem Grabe hervor­ziehen; er wird rufen: ›Doktor Martinus, komm her!‹, und es wird in einem Augenblick geschehen. Darum sollen wir ja nicht daran zwei­feln, daß bei ihm die Macht und der Wille dazu da ist. So hat die­ser tote Jüngling kein Ohr, und doch hört er! Was für eine seltsame Geschichte ist das! Er, der nicht hört, hört; er, der nicht lebt, lebt; der Leichnam ist tot und lebt; es braucht nur ein Wort dazu! Wenn wir also sehen, daß Christus so leicht aus dem Tode reißen kann, und hören, er wolle es tun, und daß es ihn noch dazu jammere, wenn wir vor dem Tode so erschrecken, so sollten wir ein festes Vertrauen zu ihm fassen. Darum gibt er hier ein Beispiel und eine Probe seiner Macht. Er will uns damit sagen: ›Ängstet euch nicht! Was kann euch der Tod tun? Nichts, als daß er euch erschreckt. Aber schaut nicht auf euch, welche Gefühle ihr dabei habt, und laßt euch nicht von eurer Furcht leiten, sondern schaut auf das, was ich kann und will. Ich kann euch nämlich so leicht aufwecken, wie einer einen andern aus dem Bette aufwecken kann, und ich will es auch. Am Wollen und an der Kraft dazu soll es nicht fehlen.‹ So schlafen sie auf dem Kirchhof viel leiser als ich auf dem Bette; denn mich muß man wohl zehnmal rufen, und ich höre es doch nicht. Sie aber wer­den erweckt werden durch ein einziges Wort. Wir schlafen al­so viel fester als die auf dem Kirchhof; denn wenn da der Herr ruft: »Jüngling!« oder: »Lazarus!« oder: »Mägdlein!«, so hören sie es sofort. Vor unsrem Herrgott heißt ihr Zustand also nicht ›Tod‹, sondern nur für uns; vor Gott ist’s ein so leiser Schlaf, daß er nicht leiser sein könnte. Das will er uns einprägen. Denn wir sollen nicht erschrecken, daß wir, wenn die Pest oder der Tod heran­kommt, jammernd zum Tode sagen: ›Was kommst du denn? Du hast scheußliche Zähne, und wahrlich, ich fürchte mich und sterbe nicht gerne.‹ Vielmehr soll ich da nicht auf das hinsehen, was der Tod von sich aus tut, wie er also der Henker das Schwert zückt; sondern ich soll vielmehr an das denken, was unser Herr­gott dazu tun kann und tun will. Er fürchtet ihn nämlich nicht; er fragt nicht nach seinem Zähneknirschen. Sondern er sagt so: ›Tod, ich will dir dein Tod sein, Hölle, ich will deine Pestilenz sein, deine Büchse und Pulverkugel, die dir dein Ende bereiten; ja, ich will deine Hölle sein! Du hast mir die Leute erschreckt, daß sie ungern gestor­ben sind. Hüte dicht! Dafür, daß du getötet hast, werde umgekehrt ich dich töten. Du sagst: Den habe ich gefressen, den Doktor Martinus habe ich umgebracht! Rühme dich nur, Tod! Sie sind mir aber nicht tot, die du mir getötet hast, sondern sie schlafen, und zwar so leise, daß ich sie mit einem Finger wecken kann.‹ Das wird den Tod zornig machen, daß er nicht mehr fertigbringen soll, als einen Menschen schlafen zu legen, so daß, wenn Christus einmal sagen wird: »Kommet, ihr Toten!‹, sie durch seine Stimme aus den Grä­bern hervorgehen werden: die da Gutes getan haben, zum ewi­gen Leben, die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichtes, wie es Joh 5,28f heißt.

So sollen wir’s machen; denn wir haben diesen Trost: die Mönche und die Türken haben ihn nicht. Daher nehmen sie ihre Zuflucht zu den Werken, weil sie aus Christus einen Richter machen. Sie wissen, daß sie sterben müssen und die Hölle vor sich haben. Darum wollen sie Christus mit Gebeten und Messen entgegenlaufen; sie halten ihn für einen Richter, der sagen werde: ›Du hast so viel gebetet, so viel gute Werke getan; komm, du sollst gerettet sein!‹ Auf diese Weise machen sie selber Christus zu einem Richter über die Chri­sten, über ihr Leben; das ist aber der leidige Teufel. Sie machen aus Christus etwas Schlimmeres als aus dem Tod. Daher fürchten sie sich so vor dem Jüngsten Tag, weil sie böse, verzagte Herzen ha­ben. Du aber sollst sagen, Christus sei ein Richter nur über die Un­gläubigen, welche das Wort nicht hören und ihm nicht vertrauen. Ich aber, der ich getauft bin und an Christus glaube, daß er für mich gelitten hat, brauche mich nicht zu fürchten wegen des Gerichtes; denn er sitzt selber beim Vater und ist mein Verteidiger und Bei­stand. Darum wenn er am Jüngsten Tage kommen wird oder wenn du sterben mußt, so denke: ›Mein Herr Christus sieht dem Tode zu, wie er mich tötet, und wenn der mich erwürgt hat, so schlafe ich so leise, daß er mich mit einem Wort erwecken kann.‹ Und der Herr sagt: ›Der Mensch, der da tot ist, der sieht und hört für mich noch gut, obwohl die ganze Welt meint, er sehe und höre nichts.‹ Daraus sollen wir lernen, daß ein Christ sich nicht fürchten soll; denn Christus kommt nicht, um zu richten, sondern er kommt, wie er zum Sohn der Witwe (und zu den andern Glaubenden) kommt: er errettet ihn vom Tode und bewirkt, daß er sich aufrichtet, sieht, hört, spricht, obwohl er doch nicht sah, hörte und sprach. So wird er auch zu uns kommen, die wir glauben. Die andern, die Ungläubigen nämlich, wird er richten. Wir aber sollen das lernen, daß wir nach unsrem Erlöser uns sehnen und je länger, je besser an ihn glau­ben.

Daher sollen wir Christen froh sein, wenn wir vom Jüngsten Tage hören, oder wenn die Pest kommt und unser letztes Stündlein schlägt. Wenn wir aber uns schrecken lassen, so ist es die Schuld des alten Adam, nicht die Christi; denn es ist das Allergewisseste, daß er uns wieder auferwecken will. Wir sollen schlafen, bis er kommt, und an das Gräblein klopft und sagt: ›Doktor Martinus, ste­he auf!‹ Dann werde ich in einem Augenblick aufstehen und werde ewig mit ihm fröhlich sein. So soll also ein Christ ein andres Herz haben als die Mönche und Türken, die so erschrecken, daß sie nicht aus noch ein wissen. Geschieht ihnen recht: denn warum lernen und glauben sie nicht, daß er ein Mann des Helfens ist für die Gläubigen, und ein Richter nur für die Ungläubigen? Für mich ist er ein Arzt, Helfer und Retter; aber für den Papst, für Herzog Georg und die Teufel ist er ein Richter. Denn diese sind des Teufels und des Todes Diener; sie wollen das vornehmen und ausrichten, was der Tod und der Teufel tun sollen. Da ist er der Richter, um den Frommen Frie­den zu schaffen.

Soviel über die Geschichte von jener Witwe. Gott helfe, daß wir den Mann so erkennen lernen, wie ihn uns das Evangelium vor Au­gen malt.

Gehalten am 28. September 1533 (16. Sonntag nach Trinitatis) im eigenen Haus.

Quelle: WA 37,149-151.

Hier die Predigt als pdf.

Seven Stanzas at Easter – John Updike über die leibliche Auferstehung Christi

17. April 2017

Was John Updike (1932-2009) als junger Harvardabsolvent 1960 beim „Religious Arts Festival“ seiner Lutheran Church in Marblehead, Mass. als Beitrag eingereicht hatte, gewann damals 100 $ für „Best of Show“ und ist immer noch eine antireligionistische Provokation:

Seven Stanzas at Easter

Make no mistake: if He rose at all
it was as His body;
if the cells’ dissolution did not reverse, the molecules reknit, the amino acids rekindle,
the Church will fall.

It was not as the flowers,
each soft spring recurrent;
it was not as His Spirit in the mouths and fuddled eyes of the eleven apostles;
it was as His flesh: ours.

The same hinged thumbs and toes,
the same valved heart
that—pierced—died, withered, paused, and then regathered out of enduring Might
new strength to enclose.

Let us not mock God with metaphor,
analogy, sidestepping, transcendence,
making of the event a parable, a sign painted in the faded credulity of earlier ages:
let us walk through the door.

The stone is rolled back, not papier-mâché,
not a stone in a story,
but the vast rock of materiality that in the slow grinding of time will eclipse for each day of us
the wide light of day.

And if we will have an angel at the tomb,
make it a real angel,
weighty with Max Planck’s quanta, vivid with hair, opaque in the dawn of light, robed in real linen
spun on a definite loom.

Let us not seek to make it less monstrous,
for our own convenience, our own sense of beauty,
lest, awakened in one unthinkable hour, we are embarrassed by the miracle,
and crushed by remonstrance.

(John Updike, Telephone Poles and Other Poems, 1963)

Hier eine Übersetzung:

Sieben Strophen an Ostern

Täuscht euch nicht: Wenn Er überhaupt aufer­stand,
dann als Sein Leib;
wenn nicht der Zelltod sich umkehrte, Moleküle sich neu verbanden, Aminosäuren neu erglühten,
wird die Kirche fallen.

Es war nicht wie die Blumen,
die wiederkehren in jedem milden Frühling,
es war nicht als Sein Geist in den Mündern und benebelten Augen der elf Apostel;
Es war als Sein Fleisch: unseres.

Die selben gelenkigen Finger und Zehen,
das selbe Herz mit seinen Klappen,
das – durchstoßen – starb, welkte, still stand, und dann sich wieder sammelte aus durchhaltender Macht,
um neue Kraft zu umfassen.

Lasst uns nicht Gott spotten mit Metapher,
Analogie, Ausweichen, Transzendenz,
das Ereignis zur Parabel machen, ein Zeichen gemalt in die verblasste Leichtgläubigkeit früherer Zeiten:
Gehen wir durch die Tür.

Der Stein ist weggerollt, nicht Pappmache,
kein Stein in einer Geschichte,
sondern der Riesenfels der Stofflichkeit, der im langsamen Mahlen der Zeit uns allen auslöschen wird
das helle Tageslicht.

Und wenn wir einen Engel am Grabe haben,
macht ihn zu einem richtigen Engel,
gewichtig mit Max Plancks Quanten, lebendig mit Haar, opak im Dämmerlicht, gehüllt in echtes Linnen
gesponnen auf einem bestimmten Webstuhl.

Machen wir es nicht weniger ungeheuerlich,
für unsere eigene Annehmlichkeit, unserem eigenen Sinn für das Schöne,
damit wir, geweckt in einer undenkbaren Stunde, nicht peinlich berührt sind durch das Wunder,
und erdrückt von der Gegenvorstellung.

Zur Entstehungsgeschichte des Ostergedichts siehe den Artikel von Kathrin Kastilahn, The Story behind Seven Stanzas.

„dass unser lieber Herr Jesus Christus als wahrhaftiger Gott, der größer ist als alles, was in Himmel und Erde ist, und als der allerreinste und unschuldigste Mensch den Tod in sich selbst zerrissen hat“ – aus Luthers Osterpredigt von 1533

9. April 2017

Anastasis – Fresko in der Chorakirche in Istanbul (um 1315)

Dass Jesu Auferstehung von den Toten untrennbar mit der Menschwerdung des Gottessohnes verbunden ist, davon handelt Martin Luthers Predigt über das Osterevangelium Markus 16,1-8 vom 13. April 1533. Ohne Nizänum (bzw. Chalcedonense) ist für Luther keine Osterpredigt möglich:

Wir predigen nichts Neues, sondern predigen immerdar und ohne Unterlass von dem Mann, der da heißt Jesus Christus, wahrer Gott und Mensch, für unsere Sünde gestorben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt. Aber ob wir solches schon immerdar predigen und treiben, werden wir’s doch nimmermehr genugsam erfassen können; wir bleiben dennoch immer Säuglinge und junge Kinder, welche jetzt reden lernen und kaum halbe Worte, ja kaum Viertelworte machen.

Wenige sind, die davon recht predigen, noch weniger, die es lernen und erfassen. So sind auch bereits Rottengeister vorhanden und werden noch mehr kommen, die sehr klug sind und gelehrt disputieren und diese Historie zuschanden machen werden, dass wir darüber diese Person verlieren werden. Sie werden Christus wie einen anderen Propheten predigen und mit eitel Geisterei umgehen und sagen: Geist, Geist. Damit werden sie diesen Artikel verdunkeln und es so machen, dass wir diesen Bericht verachten und mit dem Bericht diese hohe Person verlieren werden, obwohl doch diese Person von allen Propheten weit unterschieden ist, und dieser Bericht nicht eine gewöhnliche Erzählung ist von Dieterich von Bern oder vom Türken, wie der den König von Ungarn geschlagen und überwunden hat, sondern eine hohe, treffliche Historie von des Herrn Christus herrlichem Sieg über Sünde, Tod, Teufel und Hölle.

Das ist das erste Stück dieser Predigt, dass unser lieber Herr Jesus Christus als wahrhaftiger Gott, der größer ist als alles, was in Himmel und Erde ist, und als der allerreinste und unschuldigste Mensch den Tod in sich selbst zerrissen hat. Denn weil Tod und Teufel nichts an ihm hatten, ist er aus dem Grabe hervorgefahren, schöner als die Sonne. Das soll man gut merken, dass Christus, auferstanden von den Toten, wahrhaftiger Gott und wahrhaftiger Mensch in einer Person sei. Und wenn du es schon nicht verstehst, wie es zugehe, dass Christus Gott und Mensch sei, die Person einig und ungetrennt, die Naturen aber unterschieden, so weise die Frage hinweg und sprich: Ich glaube, dass Jesus Christus, Gott und Mensch, eine einzige Person sei und die zwei Naturen, Gottheit und Menschheit, zusammengefügt seien. Dabei bleibe ich.

Denn im christlichen Glaubensbekenntnis bekennen wir, dass Gottes und Marias Sohn ein einziger Sohn, eine einzige Person, ein einziger Christus und Herr sei; nicht zwei Söhne, nicht zwei Personen, noch zwei Christusse und Herren. Wer also Christus den Menschen oder Marias Sohn anrührt und tötet, der rührt an und tötet Gottes Sohn. Denn gleichwie mein Leib und Seele zwei Naturen sind und ich doch eine einzige Person bin, so verwundet mich, wer meinen Leib sticht, haut, tötet, ob er schon meine Seele nicht sticht, nicht haut, nicht tötet. So auch ist Christus Gott und Mensch, und wer Marias Sohn erwürgt, der erwürgt Gottes Sohn; wer Marias Sohn verachtet, lästert, schändet, kreuzigt, der verachtet, lästert, schändet, kreuzigt Gottes Sohn und Gott selbst.

Quelle: WA 37, 27-32

»Jesus ist auferstanden!« ist das Größte, was man überhaupt verkündigen kann – Christoph Blumhardts Osterpredigt von 1914

9. April 2017

Szenenbild aus dem Film „Der 3. Tag

Kurz vor dem 1. Weltkrieg hatte der württembergische Pfarrer (und Sozialdemokrat) Christoph Blumhardt (1842-1919) mit seiner Osterpredigt über Markus 16,1-8 die Auferstehung Jesu wider das tödliche Weltgeschehen sprachmächtig zu Wort kommen lassen:

Wenn uns heute verkündigt würde, dieser oder jener sei auferstanden von den Toten — ich glaube, es würde uns auch ein Zittern und Entsetzen ankommen, denn die Verkündigung: »Jesus ist auferstanden!« ist das Größte, was man überhaupt verkündigen kann. Es ist der Gipfel des Evangeliums, die Höhe alles dessen, was Jesus im Erdenleben gewesen war, und diese Verkündigung oder diese Tatsache, die verkündigt wurde: »Jesus ist auferstanden«, ist mit einemmal eine Tatsache geworden, die sich der ganzen Weltgeschichte entgegensetzt. Der ganze Lauf der Welt ist immer nur sterben, und die Erde ist ein großmächtiges Grab, in welchem nicht nur Menschen, sondern auch alle früheren Kreaturen begraben liegen und zu den Toten gehören. Und nun auf einmal in diesen Lauf der Welt, an den wir uns leider im Christen­tum auch gewöhnt haben, als ob gar nichts anderes mehr möglich wäre, als nur das Grab alles Lebendigen, kommt die Verkündigung: »Da ist einer auferstanden, der ist gestorben und lebt wieder.« Ja, da kann einen Furcht und Zittern ankommen oder auch Unglauben; und ich weiß nicht, ob es viele Menschen heute gibt, in deren Herzen die Verkündigung: »Er ist wahrhaftig auferstanden« wirklich lebendig wird. Wir hören es so mit christlichen Ohren, und das sind oft die taubsten in der ganzen Welt. Wir nehmen es hin als eine alte Sage und haben kein rechtes Empfinden dabei. Und doch muß ich es wiederholen: Alles krönt sich, alles, was mit Jesus in die Welt gekommen ist, alle seine Worte, alle seine Taten krönen sich in dem einen: »Er ist auferstanden! Er unterliegt nicht dem Lauf der Welt, er unterliegt nicht den bösen Taten der Menschen, er unterliegt nicht der Sünde und noch viel weniger dem Tode — er ist der Lebendige heute, gestern und in alle Ewigkeit!«

Das will empfunden sein wie mit Schrecken, damit man auch in sein Glaubensleben wie etwas Revolutionäres bekommt gegen den Lauf der Welt, gegen den Lauf unseres Schicksals, gegen den Lauf dessen, was die Sünde und was der Tod vollbringt. Es ist eine ungeheure Verkün­digung auch deswegen, weil mit dem, daß Jesus wieder lebt, die Taten der Sünde, die Taten der verbrecherischen Art der Menschen aufgelöst werden. Was sind jetzt all die Greueltaten, die man an Jesus vollbracht hat? Was ist jetzt alle Rohheit? Sie kann nicht bestehen, sie wird aufgelöst in dem Lebendigen. Nichts ist es gewesen, nichts ist die Qual gewesen, nichts ist das Kreuz gewesen, nichts sind all die Tränen derer, die um ihn geweint haben — alles ist erlöst und frei. Er ist wieder da, wir haben ihn und haben ihn in alle Ewigkeit.

So kommt eine neue Geschichte in den Lauf der Weltgeschichte hinein, freilich nur wie eine Andeutung, denn das müssen wir ja sagen — mit Schmerzen sage ich es —: Es bleibt bei Jesus allein. Und das macht es auch schwierig bis auf den heutigen Tag. Die Menschen sagen: »Einmal ist keinmal.« Aber hier ist es doch anders. Einmal ist ein Anfang, und dieser Anfang setzt sich fort. Es gibt nun eine Geschichte der Auferstehung. Denn so ein ganz großer Gegensatz ist es doch nicht. Wir leben zwar in einer sterbenden Todeswelt, und doch ist auch unser irdisches Leben immer auf Auferstehung gegründet. Wir müssen alle Jahre wieder ein Auferstehen erleben auf unsern Feldern, auf unsern Wiesen; immer wieder muß etwas auferstehen. Es muß oft auch Altes wieder auferstehen, und unsre heutige Zeit ist mir oft ein Zeichen, daß wir nahe sind der Endgeschichte, der Auferstehung, da so vieles wieder ans Licht gebracht wird, was vor alter Zeit begraben worden ist. Wie vieles tut sich heute auf! Es muß alles heraus, wie wenn der liebe Gott sagen wollte: »Seid getrost! Auch was gestorben ist, muß wieder an den Tag, es muß euch auch dienen. Die Erde soll nicht ein verschlossenes Grab sein, es soll nicht ein großer Stein auf ihren Gräbern liegen, sondern es sollen die Steine weggeräumt werden, es soll das alte Leben hervorkommen, denn Jesus Christus ist auferstanden nicht bloß für euch, sondern auch für die, die in der alten Zeit gelebt haben, und die sollen wieder zum Leben kommen.«

So liegt in der Verkündigung: »Er ist auferstanden!« eine große Hoffnung; in dieser Verkündigung können wir zusammenfassen alles, was wir wünschen und hoffen für unsre arme Erde. Wir können hoffen, daß auch die schrecklichsten Taten der Menschen, die ja auch ein Jesusmord sind, in Kriegen und Blutvergießen, — wir können hoffen, daß alle diese schauderhaften Taten ausgelöscht werden und es einmal heißt: Jetzt fängt die Geschichte der Auferstehung an, jetzt dürfen die alten Geschlechter wieder leben, die gemordeten und getöteten, die übel behandelten Menschen, sie dürfen wieder da sein, denn mit dem, daß Jesus lebt, ist ein Licht hineingekommen in alle Gräber. Und wenn es auch nur erst ein Hoffnungslicht ist — diese Hoffnung wird uns nicht zuschanden werden lassen. Eine Geschichte ist jetzt. Es ist eine Tat, aber eine Tat, die immer wieder neues Leben erzeugt bis auf den heutigen Tag.

Und wenn wir rechtes Ostern miteinander feiern wollen, dann müssen wir den lieben Gott bitten: Laß uns allen in unser irdisches Leben ein Auferstehen kommen. Wie heute die Bäume anfangen, grün zu werden, die Wiesen wieder grün werden, die Saaten schön stehen — ach, laß auch bei uns Menschen einen Frühling kommen, daß etwas Lebendiges in uns werde! Denn wir sind oft so müde und so matt; unser Leben schleicht dahin, wir werden immer älter und schwächer, schließlich liegen wir alle im Grab — und was ist es nun, was wir gearbeitet haben? Man ist oft wie gestorben und möchte fragen: Ach, Herr Gott, wie soll es doch weitergehen? Alles stirbt ab, und das Schönste, das wir miteinander erlebt haben — was haben wir nicht schon Schönes erlebt! — alles geht vorüber und droht, in die langweilige Sterberei zu kommen, da auf einmal alles aus ist. Und wenn wir unsre Lieben ins Grab legen —ja, wir wissen ja, wir behalten ein Andenken an sie, aber wie lange? Es ist merkwürdig, wie schnell alles vergessen wird. Auch wenn schreckliche Dinge geschehen in Erdbeben und in allen möglichen Unglücksfällen auch unter den Werken der Menschen, wenn so viel Herzbewegendes geschieht — im Augenblick ist eine Aufregung in uns, dann deckt sich die Decke wieder über alles, und in ganz kurzer Zeit ist alles vergessen.

So ist es eine Welt des Todes bis auf den heutigen Tag. Das müssen wir auch in bezug auf unser Christentum sagen. Es ist ja auch alt geworden. Was sind die Religionen ein alter Rock voller Löcher und Staub der Jahrhunderte! Was soll es werden? Wir wären hoffnungslos, wenn es nicht heißen würde: »Einer wenigstens, einer ist der Anfang, einer ist wahrhaftig auferstanden!« So wird auch unser christlicher Glaube nicht ewig tot bleiben, er wird nicht ewig im Schatten der Sünde stehen und nicht ewig an der Sünde teilnehmen, die auf Erden ist. Es werden Leute erstehen, die sind frei von einem toten Glauben, die sind frei von allem unchristlichen und bösen Wesen; sie sind auferstanden und dürfen deswegen auch ein Salz auf der Erde werden und ein Licht der Welt. Aber nötig haben wir es — und es soll unsre Osterfeier sein —, daß wir fest im Glauben stehn, daß die Geschichte der Auferstehung noch an die Menschen kommt. Ich möchte, daß in jedes Haus und in jedes Herz das Licht der wirklichen Auferstehung komme, daß wir wirklich gut leben können und überwinden können das Böse, daß es in uns eine Gottesmacht gebe, die in der Auferstehung sich kundgegeben hat.

Und wir können nun ja sagen: Es ist nicht bloß die Verkündigung vor 1900 Jahren: »Er ist wahrhaftig auferstanden!«, was uns heute berührt. Was wären wir doch auch in unserm geistlichen Leben und in unserm religiösen Leben, wenn es nicht immer wieder Auferstehungsstunden gegeben hätte! Gott ist der, der sich immer wieder beweist. Es ist gar nicht so, als ob wir nichts von Gott erführen und nichts wüßten, wie manche Leute sagen, es sei eine Torheit, an Gott zu glauben. Nein, wahrlich, es ist eine große Weisheit, denn wie unendlich viel ist geschehen, daß wir Menschen uns doch erhalten sollten und neues Leben hervorgehe aus den menschlichen Kreisen heraus. Und da muß alle Welt mithelfen, auch die Welt, die von Gott fern ist; sie muß mithelfen, sie muß sich regen und bewegen. Es gibt immer wieder lebendige Zeiten nach toten Zeiten; immer wieder kommt neues Leben heraus aus der Geschichte der Menschen, ob sie glauben oder nicht. Ihr müsset mittun. Du böse Welt — trotz aller deiner Sünde, du mußt mittun, daß es vorwärts gehe in der Geschichte der Auferstehung der Menschen in Jesus Christus, dem Anfang, und der auch das Ende schaffen wird. Das Ende unseres Glaubens, das Ende des Evangeliums muß Aufer­stehung sein. Das ewige Gepredige muß einmal aufhören; es muß einmal tatsächlich wahr werden, was wahr ist; es muß offenbar werden und in die Welt hineinkommen: Er ist wahrhaftig auferstanden und wir sind wahrhaftig in einer Geschichte des Lebens, und das Leben hört nicht auf, bis es die Krone hat in einer großen Auferstehung, da alles wieder an den Tag kommt, was Gott je geschaffen hat und namentlich auch in Menschen den Menschen gegeben hat. Es soll nicht im Grabe bleiben, es soll herauskommen, und die Zweifel sollen überwunden werden durch die Tatsache der Auferstehung Jesu Christi. Man denkt heutzutage zuviel herum, man denkt an eine Verbesserung des Christen­tums, und eine ganze Menge Leute meinen, mit ein bißchen anderer Lehre werde irgendein Fortschritt erzielt werden. Solchen Kindereien wollen wir uns nicht hingeben. Mit ein bißchen anderen Gedanken werden die Menschen nicht anders, nein! Es bleibt alles beim alten! — bis die Stunde der Auferstehung kommt, bis das wahrhaftig letzte Ostern kommt, da Tausende und aber Tausende vor unseren Augen neue, auferstandene Menschen werden, die nichts mehr kann unter­drücken und nichts mehr kann töten.

Das ist unser Osterfest. Es ist zum Teil nur ein Hoffnungsfest, aber diese Hoffnung hätte keine Wahrheit, wenn sie sich nicht gründen würde auf die große Tatsache: »Er ist wahrhaftig auferstanden.« Lasset das in unsre Häuser, in unsre Gesellschaft, in unsre Herzen dringen! Lasset es doch hineindringen als ein starkes Werk Gottes, ein Werk Gottes, ohne welches wir uns Gott gar nicht vorstellen könnten. Wäre Gott nicht ein Gott, der die Toten auferweckt, wäre Gott ein Gott, der die Geschichte der Menschen hinnehmen muß, wie sie ist, da nichts in ein neues Leben gerückt werden kann, dann würden wir umsonst an Gott glauben, dann hörten wir lieber heute auf! Aber er ist ein Gott, der Neues schafft. Wie er geschaffen hat, so schafft er Neues, und mitten in die Entwicklung zum Sterben hinein kommt der große Gott mit der noch stärkeren Entwicklung zum Leben hin.

Das ist Ostern für uns, und bei dem wollen wir bleiben, und Gottes Geist mache es uns heute recht lebendig, daß wir voll Freude werden über der Verkündigung: »Er — wenigstens er, Jesus Christus — ist auferstanden von den Toten! «

Gehalten am 12. April 1914 in Bad Boll.

Aus: Christoph Blumhardt: Predigten und Andachten aus den Jahren 1907-1917 (Auswahl aus seinen Predigten, Andachten und Schriften, hg. v. R. Lejeune, Band 4), Erlenbach-Zürich 1932, S. 348-353.

Hier die Predigt als pdf.

Hans Joachim Iwand – Tod und Auferstehung

22. November 2016
Fresko der Anastasis in der Parekklesion der Chora Kirche in Istanbul (Ausschnitt)

Fresko der Anastasis in der Parekklesion der Chora-Kirche in Istanbul (Ausschnitt)

Tod und Auferstehung (1959)

Von Hans Joachim Iwand

Wir haben bisher unser theologisches Interesse auf die Frage des Da­seins Jesu Christi mitten unter uns gerichtet, mitten in unserer Welt und Zeit, vor allem aber mitten in unserem Ge­schlecht. Wir haben uns be­schäftigt mit der Frage, die in der Theologie als Inkarnation be­zeichnet wird, d. h. als das Kommen ins Fleisch. Wir haben gesehen, daß mit diesem Begriff bereits deutlich gemacht wurde, daß die Existenz des Menschen Jesus Christus nicht einfach aus dem Fleisch stammt, aus ihm nicht ableitbar noch erklärbar ist. Wir haben vielleicht etwas ge­ahnt von der wirklichen Tiefe der biblischen Aussage, daß das Subjekt, das Bewegende und Bestimmende in dieser Existenz, der Geist ist – und zwar eben nicht ein allgemeiner Geist, ein geistiges Prinzip, sondern der Geist Gottes, das Pneuma. Das Kommen ins Fleisch ist infolge­dessen bereits ein Ereignis, es hat ein Woher: Jesus kommt nicht aus dem Fleisch ins Fleisch, sondern er kommt von seinem Vater zu uns.

Wie der Eingang dieses Lebens das Wunderbare schlechthin ist – das Wunderbare, welches mitten in der menschlichen Geschichte, innerhalb der Bestimmung des Menschengeschlechts als das Geheimnis steht, das bestimmt ist, den Menschen als ihre Bestimmung aufzugehen, als ihre Berufung zu leuchten –, genauso ist es der Ausgang dieses Lebens. Ich möchte fast sagen: Das Wunder des Eingangs ist nicht geringer, ist nicht einfacher zu lösen, nicht leichter zu be­wältigen als das Wunder des Ausgangs dieses Lebens. Alles, was in der Mitte liegt, sozusagen das Historische, Abstrakte, verliert seine Abstraktion erst, wenn es in Kon­takt zu diesem Ein­gang und zu diesem Ausgang, zu diesem Woher und Wohin gesetzt ist, es beginnt erst zu leuchten, wenn der Stromkreislauf hergestellt ist, der von dem Ursprung zu diesem Ziel läuft.

Lassen Sie uns einen Augenblick den Eingang und den Ausgang die­ses Lebens miteinander konfrontieren. Der Ausgang bestätigt sozusa­gen diesen Eingang, er bestätigt den Begriff »Fleisch« (sarx) in dem Eingang. Dieser Jesus von Nazareth stirbt. Es ist seltsam, wie stark unter dem Einfluß der historischen Betrachtungsweise das Aufregende, das [489] Unbegreif­liche und Frag-Würdige dieses Sterbens verlorengegangen ist. Ganz ähnlich wie das Wunder dieser Geburt eingeebnet wurde zu einem Alltäglichen und in das Besondere der Leistung dieser geschichtlichen Persönlichkeit verlagert wurde – so auch dieser Tod: Auch er ist etwas Alltägliches geworden, die Leistung eines Überzeugten, eines Märtyrers seiner Lehre und seiner Idee. Er ist zur Erfüllung seiner Berufstreue geworden, wie das die Theologie des 19. Jahrhunderts meinte. Es muß hier alles, wenn es geschichtlich relevant sein soll, Leistung sein, es muß da eine Person auf dem Schauplatz der Geschichte auftreten, die sich über das normale Maß, über die Natur des Menschen insofern er­hebt, als sie diese einem geistigen Ide­al dienstbar macht, sei es dem der Gerechtigkeit oder dem der Liebe. Unter diesem Gesichts­punkt hat man dann den Tod Jesu zu verstehen gesucht, d. h. man hatte ihn schon verstanden. Man war vor dem Dunkel dieses Todes so wenig gestanden wie vor dem Licht dieser Geburt. Beides war modifiziert, war zu Geburt im allgemeinen, zum Tod im allgemeinen verblaßt – nur daß es kein Tod an einer Krankheit oder kein Tod im Bett war, sondern der Tod einer in Analogie zu anderen Leistungen heroischer Menschen sich vollziehenden Hingabe. – Aber das ist nicht der Tod Jesu, wie er uns verkündet ist, das ist nicht der Tod, wie die Bibel ihn sieht. Sie sieht ihn dunkler, todesähnlicher, todeswirklicher, als wir ihn sehen, wenn wir ihn durch die Leistung verklären. Sie sieht ihn wirklich als den Tod, als das Wirklichwerden des Todes an diesem einen einzigen Menschen. Einmal wur­de der Tod enthüllt nach dem, was er wirklich ist, einmal mußte er seine Wirklichkeit zeigen, seinen Schein, seine Erträglichkeit, seine Natür­lichkeit verlieren; einmal wurde er nach seiner ganzen Tiefe und Furcht­barkeit herausgezogen aus dem Versteck, in dem er steckt und in dem wir ihn so gern lassen, einmal wurde er offen zur Schau gestellt; einmal kam es zu einem echten Kampf mit dem Tode und – was dasselbe ist – zu einem Sieg über ihn: Das geschah in dem Sterben dieses einen Men­schen.

Wir müssen diese Aussage rechtfertigen, die wir soeben gemacht ha­ben, daß der Kampf mit dem Tod schon den Sieg über den Tod in sich schließt. (Die Schrift ist durchaus dieser Mei­nung.) Sie besagt ein Drei­faches. Erstens: Der Tod ist nicht ein Phänomen, welches von Hau­se aus hineingehört in unser menschliches und geschichtliches Dasein, mit ihm ist vielmehr etwas Fremdes, etwas Unheimliches in unser Dasein getre­ten, das uns vom ersten Tage unse­rer Geburt an bedroht. Der Tod quali­fiziert sozusagen das ganze menschliche Dasein; aber daß er es qualifi­ziert, daß er jeden Augenblick da ist und dasein kann, daß er die Minuten [490] so süß und die Dauer des Lebens, wenn er verzieht, so quälend machen kann, daß er hier gefürchtet und dort herbeigewünscht wird – denken wir an Hiob, an den Psalter –, das alles ist eine Entstellung, eine Ver­zeichnung des wahren Lebens. Diese Mischung von Tod und Leben, die wir unsere Zeit nennen, ist nicht das wahre Leben.

Zweitens: Der Mensch ist dem Tode nicht gewachsen, sondern der Tod ist eo ipso, also ohne daß erst ein Erfahrungsbeweis angetreten werden muß, dem Menschen überlegen. Das weiß der Mensch auch. Er weiß nicht nur, daß wir alle sterben müssen (jene »dira necessitas«, von der die Alten soviel zu sagen wußten), sondern er weiß von vornherein, daß, wenn der Tod ruft, er folgen muß, daß keine Kunst und keine Kraft, keine Weisheit und keine Schläue, kein Geld und keine Macht den sterb­lichen Menschen dem Tode gefeit machen. Es verhält sich damit ähnlich wie mit dem Bösen: Auch davor ist kein Mensch gefeit. Auch dieses findet sei­nen Eingang in unser Fleisch und Blut, ohne daß sich jemand dagegen wehren kann, auch das ist unvermeidbar, ist »Schicksal«. Dar­um kennt der Mensch den Tod auch nicht. Er ringt mit einem Gegner, der sein Visier nicht abnimmt und nicht abzunehmen braucht. Wenn er seinen Stab hebt, dann sinken die Sterblichen zu Boden und müssen mit Schrecken erkennen, daß hier der Gegner des Menschen auf dem Plan ist, der siegt, wo er seine Hand ausstreckt, der siegreich ist – wie Gott!

Darum drittens: Sollte es geschehen, daß es einen Augenblick in un­serer Geschichte gibt, da der Tod selbst in Frage gestellt wird, sollte also dieses Infragestellen des Todes einen Akt be­deuten, der real ist, wie alle anderen Vorgänge real sind, die sich auf dieser Bühne abspielen, sollte also der Tod selbst Partner, der Geforderte, der »Andere« sein, der hier mit-spielt, dann ist er selbst verloren. Dann ist offenbar geworden, daß die Gleichsetzung zwischen Tod und Gott falsch ist. Dann ist offenkun­dig geworden, daß mitten unter den Menschen und mitten in der Men­schenwelt einer lebt, der stärker ist als der Tod, und zwar darum, weil Gott mit ihm ist. Das Wunderbare am Tode Jesu ist eben dies: daß Gott und der Tod nicht eins sind. Wären Gott und der Tod hier eins – wäre dieses also eines jener Todesereignisse, bei denen wir diese Einheit mei­nen konstatieren zu müssen: Gott sendet den Tod, und der Tod tut, wozu er da ist, er begräbt die zeitlich bemessene, menschliche, die ver­fehlte und trotz aller hohen und bedeut­samen Leistungen sterbliche Existenz in die Erde, macht den Weg frei für die Kommenden, ist, was er ist, im Einverständnis mit Gott –, dann wäre auch der Tod Jesu ein innerweltliches, ein mit den Mitteln der Historie zu bewältigendes Er­eignis, dann hätten die Historiker im To­de Jesu wirklich den Nagel, an [491] dem sie alles aufhängen können. Er ist das aber nicht. Er ist der Nagel, an dem alles hängt, aber in einem Verstande, von dem sich unser histo­risieren­des Geschlecht nicht träumen läßt: Er ist der Tod des Todes. Wir können auch sagen: Er ist das In-Erscheinung-Treten der Widergött­lichkeit des Todes als solchen und damit die Bestä­tigung dessen, was bereits das Alte Testament vom Tode zu sagen wußte. Der Tod Jesu ist das Gegen­über von Gott und Tod, ist die Entzweiung dessen, was bei jedem anderen Todesfall eines ist: Hier Gott – dort der Tod. »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?« (Lk 24,5). Dieser Tod ist nicht ein Tod wie andere. Hier ist auseinandergetreten, was sonst hoffnungslos inein­andergefügt ist: Tod und Leben. Hier riecht es nur nach Leben. Hier ist die Grenze ge­setzt, das Non-plus-Ultra des Todes.

Tod und Auferstehung Jesu haben also insofern etwas miteinander zu tun, als der Tod dieses Menschen schon die Auferstehung von den Toten beinhaltet. Dieser Tod ist schon Sieg. Es tritt die Wendung vom Tod zur Auferstehung nicht mirakelhaft ein in der Form, daß ein Toter von den Toten aufersteht, sondern der Tod ist damit, daß er als der Tod dieses einen Men­schen eintritt, entrechtet, hat sein Daseinsrecht verloren. Er ist rechtlos geworden im Reiche Gottes.

Genau dasselbe gilt nun aber auch von der Auferstehung. So wie der Tod Jesu die Auferste­hung beinhaltet – kein Tod wurde je so erlitten wie dieser, indem Gott die Gegenseite aus­machte und der Tod sein Recht in Gott verlor –, so ist es auch mit der Auferstehung des in den Tod gege­benen Jesus Christus. Die Auferstehung ist ein Ereignis innerhalb der Todeswelt und der Todeswirklichkeit, in der wir alle, auch und gerade wir als die Glaubenden leben. »Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen.«[1] Wir sind ihm nicht entnommen. – Die heidni­sche Philo­sophie denkt gern am Tode vorbei. Sie meint, daß der Tod die wahre Lebenssub­stanz im Menschen nicht treffen kann, daß wir sozusagen von Natur unsterblich sind. Die tief­ste und bis heute immer wieder erre­gendste These dieser Art ist diejenige Platos, die sich dann im ganzen Mittelalter fortsetzt und die auch im deutschen Idealismus Pate steht, daß heimlich in der Seele des Menschen sich ein Wissen, ein Erinnern, findet, das weit über alles Endliche und Vergängliche hinausreicht. Die Rückkehr des Menschen zu sich selbst in seine Seele ist sozusagen der Überschritt aus dem Bereich des Vergänglichen und Trügerischen in den des Bleibenden und des Wahren. Hier, so scheint es, hat der Tod keine [492] Macht: Er kann nur das Äußere unserer Existenz treffen, aber den Kern derselben trifft er nicht. Er schlitzt nur die Schale auf und legt so den Kern offen für das wahrhaft Lebendige und Bleibende. Darum kann man ihn sogar als ultima ratio wählen, wenn Ehre und Freiheit keinen andern Ausweg mehr lassen, um diesem Schauplatz der Gewalt und Tyrannei den Rücken zu kehren und dorthin zu gehen, woher der Geist stammt, der in uns wohnt. –

Die neutestamentliche Botschaft von der Auferstehung von den To­ten, die alles andere über­strahlt, empfängt ihr Licht von den Osterereignissen her. Sie geht nicht am Tode vorbei, sie setzt nicht eine un­sterbliche Substanz im Menschen voraus, auch und gerade nicht in dem dort Auferstandenen, vielmehr verkündet sie den Durchbruch durch die Todeslinie, die unser gan­zes menschliches Leben zu einem Leben »innerhalb« macht: zu einem furchtbaren Gefängnis, dessen Wände wir zwar ein wenig nach außen verrücken, das wir aber nicht durchbre­chen können, dessen Innenausstattung wir ein wenig verändern, das wir aber in seiner Furchtbarkeit und Sinnlosigkeit nicht verwandeln können. Die Auferstehung bedeutet eine totale Wandlung dieses gan­zen Todesaspekts. Sie ist der Sieg des Lebens, und zwar nicht so, daß ein Individu­um dem Todesschicksal entgangen ist, sondern so – fasse es, wer es fassen kann! –, daß die hier getroffene Entscheidung allen gilt, daß also von hierher all diejenigen Philosophen und Ethiker ge­rechtfertigt sind, die den Sinn des Lebens ehedem schon in ein Jenseits dieser To­deswelt verlegt haben. Sie mußten wohl ihren Traum mit einer gewissen Verharmlosung des Todes erkaufen. Sie haben vor allem nicht gesehen, was jetzt erst, da die Lösung da ist, offen­kundig wird: daß Tod und Sünde zusammengehören und daß mit der Vergebung der Sünde das Leben, das ewige Leben, in Erscheinung tritt. Denn das In-Erscheinung-Treten des Lebens als solches, das ist die Auferstehung.

Wie der Tod Jesu die Wirklichkeit des Todes enthüllte, wie er ihn gleichsam herauszog aus seiner Verborgenheit und eben damit besiegte; wie der Tod sein mußte, was er von Hause aus ist, nämlich der Feind Gottes, und an dieser seiner Wahrheit starb, so trat in demselben Mo­ment auch das Leben in Erscheinung, und zwar das Leben, das Gott schafft, das wir alle noch nicht kennen, das auf uns wartet und das erst voll und ganz den Namen Leben verdient. Das Leben, das wir kennen, ist eine Mischung von Leben und Tod, und zwar eine solche, die mehr und mehr auf den Tod hin gravitiert. Aber hier ist etwas Neues gewor­den: Hier ist ein Leben erschienen, das den Tod ausscheidet, das mehr und mehr auf den Sieg des Lebens hin ausge­richtet ist. [493]

Wir machen uns auch diesen Sieg des Lebens unter drei Gesichts­punkten klar. Erstens: Diese Erscheinung des Lebens ist unabdingbar gebunden an die Auferstehung Jesu Christi. Wir kön­nen auch sagen: Sie ist – de facto et sine conditione – gebunden an den Tod Jesu. So gewiß dieser Tod ist, so gewiß will sie sein. Sie will ihre Basis, ihre Realitätsgewißheit aus der ande­ren nehmen, daß dieser Jesus wirklich gestorben ist und ins Grab gelegt wurde – darum der harte Kampf gegen jede Art von Doketismus, darum auch bereits in der Urchristenheit der Kampf gegen eine Art von Pneumatikertum, das die Auferstehung vor­wegnehmen wollte und meinte, die Christen seien schon auferstanden. Wäre die Hoffnung auf Auferstehung nicht so innig und untrennbar verbunden mit dem Osterereignis, also mit dem Geschehen um Jesus, mit dem Geschehen auf Golgatha und im Garten des Joseph von Arimathia; handelte es sich um rein geistige Wirkungen, die von dieser gro­ßen Person ausgegangen sind und in den Jün­gern das Bewußtsein er­zeugt hätten, er könne nicht tot sein; wäre unser Christentum eine Art Ausstrahlung der großen geistigen Bewegung, die von diesem Jesus von Nazareth – angeblich – ausgegangen ist und schließlich eine halbe Welt christlich machte; wäre diese Auswirkung keine andere als die, die von dem Hain Akademos des Plato ausgegangen ist und von der her wir uns alle noch als Akademiker fühlen und es auch sind – wäre es so, dann könnte man in der Tat mit Schleiermacher die Auferstehung aus der Dogmatik herausnehmen, weil eben bereits in der christlichen Gemein­de die Wirkung – die geschichtliche Wirkung – des Jesus von Nazareth lebendig und kräftig und von dort her ablesbar ist. Genau das möchten wir nicht. Genau hier möchten wir die Umkehrung vollziehen: Wir sind die Sterbenden, er ist der Lebendige. Er ist das Leben. Sieht man sich die Tradition des 18. und 19. Jahrhunderts an, so ist noch gar nicht abzuse­hen, was diese Entdeckung der Auferstehung theologisch und syste­ma­tisch zu bedeuten hat und haben wird. Hier ist der Nexus einer in sich ruhenden, einer in sich geschlossenen Geschichte gesprengt. Hier ist das Ziel der Geschichte mitten in der Ge­schichte aufgebrochen und fest­gemacht. Das ist das Ziel der Geschichte. Das ist die Voraus­setzung von unser aller Glauben an den lebendigen Gott, daß er mitten unter uns ein Zeichen seines Sieges über den Tod aufgerichtet hat in Jesus von Naza­reth.

Das Zweite, was wir hier zu sagen haben, ist dies: Seit und mit der Auferstehung Jesu Christi ist uns das Werk Jesu Christi aus der Hand genommen. Das heißt, wir verwalten nicht sein Erbe, sondern wir sind es! Er verwaltet das, was in seiner Lebens- und Wirkzeit an Frucht her-[494]ausgekommen ist. Er verwaltet zunächst und zuerst die Frucht seines Todes; das drückte die alte Dogmatik aus mit dem »priesterlichen Amt« (munus sacerdotale): Er ist der Hoheprie­ster, der sein eigenes Fleisch und Blut durch den ewigen Geist vor Gott darbringt (vgl. Hebr 9,14). Sein Leben und Sterben ist also nicht etwas den Menschen Preisgegebe­nes oder der Kirche Vermachtes, die Kirche ist nicht ein Museum auf dem Grab eines Toten, vielmehr wal­tet er als der Lebendige mitten unter den Seinen. Es ist sehr wichtig, dies zu beachten. Denn damit ist die Grenze gezogen gegen alle Arten von Verdinglichung, wie sie auch aus­fallen mögen. So ist der Tod Jesu nicht einfach eine Sache, eine Lei­stung, mit der wir rechnen kön­nen oder über die die Kirche verfügt, von der aus sie uns den Gnadenerlaß zuteilt; immer ist er der redende und sich uns schenkende Herr, und immer muß der Lebendige das Subjekt sein. Daß der Lebendige das Subjekt ist, das wird in der Schrift damit ausgedrückt, daß es der Geist ist, der uns tröstet, reinigt, belebt, ja, der dasselbe mit uns tut, was Gott mit seinem Sohn getan hat: Er macht lebendig. Wie kommt es denn, daß wir uns so leicht seiner Sache, seines Lebens und seines Todes, bemächtigen: seines Lebens, indem wir es histo­risieren – das haben eben die Evangelisten nicht getan, o Wunder! –, seines Todes, indem wir ihn dogmatisieren: das haben die Apostel, die seinen Tod verkündigten, eben nicht getan. Sie wußten ganz genau zwischen sich und ihm zu unterscheiden: Er lebt, und sie sind nur die menschliche Stimme dieses ewig Lebendigen.

Das Dritte aber ist das Allgemeingültige, also das, was dahin führt, daß Paulus von Ostern aus den Tod als Tod wie eine überpersonale Grö­ße ansprechen und – ad acta legen kann: »Tod, wo ist dein Stachel?« (1Kor 15,55). Die Auferstehung Jesu ist das Besondere und bleibt das Besondere in Zeit und Ewigkeit. Aber zu diesem Besonderen gehört et­was Allgemeines: Der Tod, den wir alle in uns spüren, der in unserem Blute sitzt, als Gesetz unseres Fleisches, das vergehen muß – dieser ist betroffen. Um diese Frage entbrennt der große Streit in Korinth um die Auferstehung. Es geht hier ums Grundsätzliche: Es geht um die Kopula, die zwischen jenem Besonderen, der Auferstehung Jesu, und der Totenauferstehung schlechthin geschlun­gen ist. Wenn es die letztere nicht gibt, wenn die Kette, die uns bindet, nicht zugleich gerissen ist, dann ist sie überhaupt noch nicht gerissen, dann sind wir noch in unseren Sün­den; dann ist auch der Satz, daß Jesus auferstanden ist, ein nutzloser, ein gleichgültiger, ein leerer Satz, den man dann auch nicht ausbotschaften und verkündigen kann. Er klingt dann nicht, er sagt nichts mehr, er bedeutet nichts. Er bedeutet erst dann, was er wirklich von [495] Gott her be­deutet, wenn mit ihm zugleich auch die Schlösser springen, die unsere Gefangenschaft ausma­chen, und wir auf das andere Ufer, in die Neuheit des Lebens versetzt werden. Erst dann ha­ben wir begriffen, was mit uns geschehen ist, als ihm, Jesus, von Gott her dies geschah. Erst dann ist deutlich, daß alles, was Gott in Christus getan hat, nicht auf diese eine Person be­schränkt blieb und beschränkt sein kann, daß dies vielmehr eine Sache, einen Tatbestand angeht, der als solcher ins Wanken kommt.

Damit ist aber eine gewisse Gleichförmigkeit hergestellt zwischen die­sem sterbenden und auferstehenden Jesus Christus und – uns: Sofern nämlich auch wir in dieselbe Ordnung von Leben und Tod eintreten, daß das Leben das unsichtbar Kommende wird und bleibt und der Tod das nach hinten Gedrängte, das Überwundene, wenn auch noch Sicht­bare und Spürbare. Dieses Werden dessen, was in Kreuz und Auferste­hung mit Jesus selbst geschah, ist – unser Leben!

Quelle: Hans Joachim Iwand, Nachgelassene Werke, Neue Folge, Bd. 2: Christologie. Die Umkehrung des Menschen zur Menschlichkeit, Gütersloh 1999, 488-494.

[1] Martin Luther, EG 518, Vers 1.

Hier der Text als pdf.

Hans Joachim Iwand – Er ist wahrhaftig auferstanden (Osterwort von 1950)

21. November 2016
Rogier van der Weyden - Das Jüngste Gericht (Mittelbild des Polyptychon)

Rogier van der Weyden – Das Jüngste Gericht (Mittelbild des Polyptychon)

Er ist wahrhaftig auferstanden

Von Hans Joachim Iwand

Was sind eigentlich die Kirchen? Ich meine, sie sind eine Möglichkeit – und sie sind eine Wirklichkeit. Aber ihre Möglichkeit ist weit über ihre Wirklichkeit hinaus. Was würde ge­schehen, wenn die Möglichkeit die Wirklichkeit sprengen, wenn die eine die andere, wie damals an Ostern, in einem gewaltigen Beben aufheben würde? Denn daß die Möglichkeit die Wirklichkeit der Kirche so kritisch und so verheißungsvoll zugleich überragt, das liegt an der Auferstehung Jesu von den Toten. Sie ist das Unfaßlichste, das sich denken läßt, sie sprengt die Regeln und Gesetze dieses Aeons, denn diese Gesetze sind von der Voraussetzung her entworfen, daß der Tod die absolute Konstante ist, so absolut, wie die eiserne Tür eines Ker­kers für die Gefangenen. Hin und wieder erinnert sich noch der oder jener, daß das Leben anders gemeint gewesen sein muß – Plato war einer von denen, die das mit unverwischbaren Lettern an die kahlen Wände unserer Kerkermauern eingeritzt haben – aber dann fallen wir wieder zurück, matt, resigniert, bereit, das als Wirklichkeit anzuerkennen, was sich als solche ausgibt. Es ist ein merkwürdiges Triumvirat, das diese sogenannte Wirklichkeit beherrscht und ihre Unabänderlichkeit garantiert: das Gesetz, mit seinen beiden großen Trabanten Wis­senschaft und Staat, die Sünde (ich weiß, das Wort paßt nicht mehr hinein in die Hexenküche der Moderne): „den Bösen sind wir los, die Bösen sind geblieben“, und der Tod, „der letzte Feind“, wie er in der Sprache der Bibel genannt wird. Auferstehung heißt nun nicht etwa, daß es einem gelungen wäre, aus dem großen Totenhaus – genannt Welt – zu entspringen und sich dem Zugriff seiner Häscher zu entziehen. Wenn mit Ostern nur das gemeint wäre, so wäre die Kunde von der Auferstehung in der Tat ein Märchen oder ein Mythus, eine Sache, die uns sehr wenig anginge und über die die Weisen vom Areopag mit Recht spotten könnten. Nein, die Botschaft von Ostern, mit der die Christenheit dereinst ihren Weg in die Welt antrat, war die unerhörte Behauptung, daß mit der Auferstehung Jesu das Grundgefüge dieser sogenann­ten Wirklichkeit aufgehoben, daß es eben damit als Nicht-Wirklichkeit erwiesen ist. Daß also ein Riß durch dieses ganze Gemäuer von Welt läuft, der alle Tyrannen erzittern und alle Ge­fangenen aufatmen läßt. Der Tod ist doch nicht das Letzte, sondern das Leben, die Menschen sind doch nicht versklavt an das Böse, sondern zur Freiheit berufen, das Gesetz ist doch nicht das eigentliche Weltgeheimnis, sondern das Wunder und die Gnade. Das bedeutete damals und das sollte auch heute die Botschaft des Auferstandenen bedeuten.

Jener eiserne Vorhang, der mit der Auferstehung Jesu fiel, ist ja der Hintergrund für alle ande­ren Grenzen, Kerker und Vorhänge, die Menschen den Menschen setzen, um sich gegenseitig in Angst vor dem Tode zu halten. Daß dieser Vorhang gefallen ist, das meinten die ersten Jün­ger, wenn sie vor aller Welt proklamierten: Jesus ist der Herr! Sie hatten eins vor uns voraus! sie waren die Augenzeugen! Sie hätten lügen müssen, wenn sie geschwiegen hätten. Aber nun liegt es offen zu Tage, das Geheimnis, das für die Herren der Finsternis so peinlich und für die Armen, Leidenden, Erniedrigten und Beleidigten so triumphal ist: Vexillae regis prodeunt! „die königlichen Fahnen wehn“.

Und noch einmal fragen wir, was sind eigentlich die Kirchen? Was heißt es, daß sich sogar in den großen und modernen Städten in ihnen noch die Menschen sammeln, um anzubeten, zu hören und zu bekennen, um im Zeichen des Gekreuzigten und Auferstandenen das Heilige Mahl zu feiern? Daß das heute noch ebenso in Moskau wie in Paris, in Berlin, in Rom wie in New York geschieht? Aber noch viel wunderbarer ist es vielleicht, zu hören, daß es auch in den verlassenen und versunkenen Dörfern geschieht, wo kein Geistlicher mehr ist, wo sie sich sammeln ohne Ornat und ohne Schmuck und Gepränge, in den Zonen des Schweigens, in den Lagern der Verschleppten, in den Zellen der Gefangenen und Totgesagten. Und vielleicht ist das Geschehen in jenen vergessenen Winkeln der Erde der Möglichkeit, der großen wunder­baren Möglichkeit der Kirche naher als eine glanzvolle Wirklichkeit, die immer etwas von der bedenklichen Situation des Tempels in Jerusalem an sich hat. Nun jedenfalls, es könnte sein, daß die Möglichkeiten Gottes Macht gewännen über unsere Wirklichkeiten, – das heißt doch Ostern, und das ist doch unsere letzte, aber keineswegs trügerische Hoffnung. In dieser Hoff­nung wird und muß geschehen, was jetzt im deutschen Raum durch die Organe der evange­lischen Kirche in Berlin geschehen soll: dort soll, zwei Wochen nach Ostern, symbolisch im Osten Berlins, weder dem Westen noch dem Osten hörig, in der Freiheit von Ostern und in der Hoffnung auf ein „Sprachenwunder“, so daß auch unsere heutigen Parther, Meder und Elamiter etwas begreifen von Gott und seinen Taten – die Generalsynode der Evangelischen Kirche in Deutschland ein Wort zum Frieden sprechen. Gott muß Zeugen haben in der Welt.

Gewiß, das ist ein Schritt über die Wirklichkeit der Kirche hinaus, ein Griff nach ihrer letzten, aber auch ihrer wahren Möglichkeit. Aber es ist Zeit, daß die Kirchen in der Welt wieder be­greifen, daß sie nicht von der Welt sind. Wenn sie schweigen, werden die Steine reden. Man mag das für phantastisch halten, – aber man glaube mir, wir halten das darum für phanta­stisch, weil wir alle mehr oder weniger fürchten, daß Nietzsche recht haben könnte mit seinem Satz: Gott ist tot. Immerhin, es könnte sein, daß es dem, der den Mut hätte, zu sprechen, ähn­lich ginge wie jenem Priester, der es wagte, sich in einer öffentlichen Versammlung zum Wort zu melden. Es war in einer großen Stadt, so hat man mir berichtet, es war zudem in einem Lande, das mehr als alle anderen noch etwas bewahrt hatte von der ursprünglichen österlichen Freude und Gewißheit, so daß sich dort zum Osterfest die Menschen wie in den ältesten Ta­gen der Christenheit mit dem Gruße „Christus ist auferstanden“ grüßten. In jener Stadt nun gab in einer großen Versammlung der Redner, ein hoher Funktionär, die Diskussion frei, zwar nur fünf Minuten Redezeit, aber immerhin, man konnte widersprechen. Es meldete sich der erwähnte Priester; man hatte Zweifel, ob er nicht zu lange reden würde. Aber er versicherte, er würde es kurz machen, ganz kurz. Nun, er trat aufs Podium und grüßte die Menge; Christus ist auferstanden! Und alles Volk erhob sich und antwortete: Er ist wahrhaftig auferstanden! Der Priester ging herunter von der Bühne, verneigte sich vor dem Redner, er hatte nichts mehr zu sagen.

DIE ZEIT, Nr. 14, 6. April 1950.

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Hans Jochim Iwand – „Ich lebe und ihr sollt auch leben“ (Osterpredigt über Johannes 14,19)

15. Juni 2016

Osterbotschaft

Was für ein Vermächtnis. Die letzte Predigt Hans Joachim Iwands war seine Osterpredigt am 17. April 1960 in Bonn. Vierzehn Tage später, am 2. Mai 1960 ist er verstorben. Bei Iwand kommt eindringlich zur Sprache, dass für Christen keine menschliche Ideologie eines autogenen Lebens („Das Leben siegt über den Tod“), sondern allein Gottes Handeln in Jesus Christus als Osterbotschaft zählt:

„Ich lebe, und ihr sollt auch leben“ (Osterpredigt über Johannes 14,19)

Von Hans Joachim Iwand

Johannes 14,19: Es ist noch um ein kleines, so wird mich die Welt nicht mehr sehen; ihr aber sollt mich sehen; denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.

In diesen beiden schlichten Sätzen hängt die ganze Oster­botschaft. «Ich lebe», das ist die Wahrheit von Ostern. Es ist die Wahrheit Jesu Christi, die Ostern ihre Bestätigung, ihre Erfüllung erfuhr. Um dieser Wahrheit willen sind wir hier zusammen, sind Menschen aller möglichen Rassen und Denkformen heute in ihren Kirchen und Versammlungen zusammen und werden singen: Christ ist erstanden. Oder sie werden rufen, wie es in den Kirchen der orthodoxen Christenheit in Rußland in der Osternacht geschieht: «Christus woskresje», Christus ist auferstanden, und das Volk wird antworten: «Woistinu woskresje», Er ist wahrhaftig auferstanden. Wir wissen alle, wer dieser Er und wer dieses Ich ist, von dem dabei die Rede ist. Das ist der Mensch Jesus von Nazareth: Man muß es hart und deutlich unterstreichen, daß Jesus ein Mensch war von Fleisch und Blut. Ja, man muß mehr sagen: Er war ein Sohn des Volkes Israel, er war ein jüdischer Mensch. Dort ist er geboren und in Jerusalem ist er verurteilt und gekreuzigt. Und diese seine Geschichte ist dann die Ausgangsstelle geworden für das helle Licht, das über die ganze Welt in Ost und West erstrahlte. Dieses Licht ergreifen wir, wenden uns ihm zu, es leuchtet auch uns heute, wenn wir glauben, was wir hören, und hören, was wir glauben: Sein Wort «Ich lebe».

Gewiß, es sind zwei Sätze, die uns gesagt werden: «Ich lebe» heißt der eine, und «Ihr sollt auch leben» der andere. Wir können den ersten Satz nicht für sich sagen, ihn allein stehen lassen und den zweiten verschlucken. Wir können nicht interessiert hinhören, wenn von Jesus die Rede ist, aber wegschauen, abschalten, wenn es dann um uns geht. Es geht nie um Jesus, ohne daß es zugleich um [305] uns geht. Das ist das Wunderbare und Besondere an der Geschichte dieses Jesus von Nazareth, daß sie immer auch uns einschließt, uns sterbliche, uns sündhafte Menschen. Sie ist immer zugleich unsere Geschichte. Immer sind wir dabei. Bei seinem Sterben sind wir da­bei und bei seinem Auferstehen. Das ist zwar ein Geheimnis der Gnade Gottes und schwer zu verstehen, aber wir haben ja an un­serer Taufe das Zeichen dafür, daß wir, dabei sind. Daß wir mithineingezogen sind in diesem Prozeß von Tod und Auferstehung, Gericht und Gnade, der über Jesus von Nazareth ergangen, ist. Und darum spricht er hier so zu seinen Jüngern: Ihr werdet auch leben! Mein Leben ist der Durchbruch nach vorn, er ist der Durchbruch durch den Sperrkreis des Todes, der euch alle bannt. «Ich geh‘ voran, ich brech die Bahn, bin alles in dem Streite.»

Wenn es so um uns steht, dann werden wir allerdings verstehen, daß zuerst und entscheidend von Jesus — und nicht von uns — die Rede sein muß. Denn wenn von uns die Rede ist, von unserem Le­ben und Sterben, von unserer Schuld und unserer Hoffnung, dann ist damit noch lange nicht von ihm, von Jesus, dem Sohn Gottes, dem ersten und letzten Menschen die Rede. Was wir von uns aus als Leben kennen und nennen, das ist gewiß nicht das Nämliche, was die Bibel Leben nennt, wenn sie von Jesus redet. «In Ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen», — das können wir doch nicht von uns sagen. Freilich, die Zeit ist noch nicht lange dahin, da gab es bei uns Menschen, die das Leben, den Sinn und die Rechtferti­gung ihres Daseins in dem Leben und Wir­ken eines sogenannten Führers suchten, aber das war doch eine ganz schreckliche, eine ganz furchtbare Gottlosigkeit. Etwas davon mag in allen Menschen stecken. Wir sehen uns in unseren Lebensnöten immer nach starken und imponierenden Menschen um. Aber wenn man uns auf Herz und Nieren fragen würde: Meint ihr, daß ein Mensch das Leben in sich hat, das Leben, das kein Tod überwältigt, das ewige Leben, das im Gegenteil den Tod überwältigt, dann müß­ten wir wohl doch bekennen: Nein, jeder von uns lebt sich selber und jeder von uns stirbt sich selber. Das ist ja das Schlimme, daß unser Leben von Natur aus ichbezogen ist, daß wir alle in uns wie in einem Gefängnis sitzen und jeder von uns sein Leben für sich [306] selber lebt. Dabei ist das eben kein wirkliches Leben. Es ist ein Le­ben, das den Tod im Topf hat, wie man sagt.

Das aber sollten wir heute begreifen und verstehen lernen, daß das bei Jesus ganz anders ist. Sein Leben schließt unser Leben ein. Jesus steht nicht neben uns wie ein Freund, ein Bruder, eine Braut, ein Lehrer neben uns steht, sondern Jesus steht für uns. Er steht im Tode wie im Leben für uns. In diesem einen Menschen ist aller Menschen Leben beschlossen. Und während bei uns das Leben in den Tod eingetaucht ist und dahinein verwandelt und verändert wird, ist bei ihm unser Tod in das Leben einbezogen und in die neue Geburt eines neuen Wesens und Wandels verändert. Das meint Jesus, wenn er sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Das meint er, wenn er hier zu seinen Jüngern in seiner Abschiedsstunde sagt: Ich lebe und ihr sollt auch leben! Man wird das sehr deutlich machen müssen, was Jesus damit tut. In anderen Ostergeschichten begegnet uns dieses Wort erst nach dem Tode Jesu; erst im Garten des Joseph von Arimathia, wo sie den toten Jesus hingelegt hatten, und als ihn die Frauen suchen gingen, hören die Frauen: Er ist auferstanden. Er lebt. Das kann man vielleicht noch gerade be­greifen. Da denken wir uns das mit dem Leben Jesu so ähnlich, wie wir uns das Sterben und Leben bei uns Menschen denken, vielleicht bei solchen, die wir sehr lieben und an deren Tod wir nicht zu glau­ben vermögen. Aber das ist alles kein Osterglaube. Das ist nicht der Osterglaube, den Jesus mit diesem Wort den Seinen abverlangt. Er verlangt hier einen Glauben, der dem Sterben vorangeht. Ich lebe, — das heißt soviel: wenn ich auch jetzt sterbe, wenn eure Augen von meinem Leben nichts, aber auch gar nichts mehr sehen werden, wenn die anderen triumphieren werden, daß sie jetzt, end­lich, mit mir fertig sind, daß die Woge, die ich zum Wallen ge­bracht habe, beruhigt, die Bewegung, die durch mich über euch ge­kommen ist, zu Ende ist, daß dieses Feuer, das ich angezündet habe, erloschen ist, — wenn sie sagen werden: Sehet, da liegt er. Der, der den Tempel abreißen, der aus der Räuberhöhle ein Bethaus ma­chen wollte, der die Armen im Geist tröstete und sein Wehe aus­rief über die Reichen und Satten, da liegt er! Der Bund von Herodes, dem schlauen Fuchs, und Kaiphas, dem rechtmäßigen Hohenprie-[307]ster, der diesen einen opferte, um das Volk zu retten, dieser Bund von Staat und Kirche hat doch gesiegt. Da liegt er. Er ist gerichtet, und der Himmel hat sich nicht aufgetan, und er ist nicht vom Kreuz herab gestiegen — das hätte er doch gekonnt, wenn er Gottes Sohn war — und dann haben sie ihn abgenommen, wie man tote Men­schen abnimmt von ihrem Marterpfahl, und die Bewegung um Je­sus, die so groß anfing, ist jämmerlich zu Ende gegangen.

Dagegen sagt Jesus seinen Jüngern: Wenn das geschehen wird, dann gerade, dann sollt ihr euch an das halten, was ich euch jetzt sage: Ich lebe. Wenn ihr sehen werdet, wie sie triumphieren, alle, die von einem lebendigen Gott nichts wissen wollen und seinen Tempel zum Mausoleum machen, dann haltet euch an mein Wort: Ich lebe! Ich lebe und regiere in Ewigkeit. Ich regiere auch dort, wo es so aussieht, als ob Herodes und Kaiphas regierten. Nein, das Leben war noch nie auf der Seite dieser seltsamen Richter und Kirchenfürsten, dieser Soldaten und Spötter, dieser Massen und dieser Skeptiker. Das Leben war und ist und wird sein ganz auf der Seite derer, die den Sohn im Vater und den Vater im Sohn finden, wo der Vater für den Sohn eintritt und der Sohn dem Va­ter gehorsam ist. Dort ist das Leben. Auch wo Jesus im Tode ist, da ist das Leben bei ihm. Es sinkt unter, wie eine Taucherglocke untersinkt, aber sie geht nicht unter. Der Tod Jesu ist das Letzte, was Menschen gegen Gott zu tun vermochten, aber: Ich lebe! Und seine Auferstehung ist das Zeichen, der Beweis, daß auch der Tod dieses Leben nicht brechen kann. Denn es ist Gottes eigenes Werk, es ist sein eigenes Leben.

Weihnachten und Ostern gehören untrennbar zusammen. Weih­nachten feiern wir das Wunder der Geburt dieses Lebens, feiern wir die Tatsache, daß das Leben Gottes mitten unter uns in diese Todeswelt getreten ist — und das in der Gestalt dieses einen Men­schen. Ostern ist der Zusammenstoß der Welt Gottes, aus der die­ser Mensch kommt und lebt, mit unserer Welt und mit den Kräf­ten, aus denen wir hier leben und denen wir unterworfen sind. Ostern ist die Entscheidung darüber, ob wir wirklich recht haben, wenn wir Weihnachten singen: Das ew’ge Licht geht da hinein und gibt der Welt einen neuen Schein. Ostern erinnert uns daran, daß [308] es einmal so aussah, als ob dieser Schein erloschen wäre. Als ob auch dieser eine, an dem unser Glaube hängt, nur ein großer Mensch wäre, wie die anderen Großen, deren Namen wir feiern. Aber in Wahrheit leben sie doch alle im Totenreich und ihre Namensfeiern sind Gedächtnisfeiern. Sie wirken noch. Darum bekennen wir uns zu ihnen. Sie sind noch eine geistige Kraft, die uns treibt und hoch­reißt. Darum sind wir ihnen verpflichtet, aber nicht anders, als das Menschengeschlecht seinen Ahnen verpflichtet ist. Nicht wahr, mit­ten durch alle diese Meinungen und leeren Hoffnungen, mit denen wir uns hier in dieser Todeswelt trösten und uns von Jahrhundert zu Jahrhundert weiterschleppen, macht Ostern einen Strich: Hier ist die ganze Hoffnung unseres Lebens in Ihm offenbar geworden — aber auch die ganze Hoffnungslosigkeit ohne ihn, Licht und Schatten sind ganz und endgültig auseinandergetreten. Ich lebe — das heißt im Munde Jesu: Ihr seid die Toten von dem Punkte her gesehen, den ich einnehme. Fragen wir hier aber weiter, was denn das für ein. Punkt ist, von dem aus unser aller Leben wie ein Tod erscheint, wie ein Nichts, wie ein Schatten, dann antwortet uns Je­sus mit allem, was er selbst ist: Dieser Punkt heißt Gott. Wer Gott verliert oder verloren hat, wer nicht mehr von ihm her lebt und auf ihn hin, der kann nicht mehr vom Leben sprechen. Was wirk­lich Leben ist, weiß der nicht mehr. Er weiß es so wenig wie ein Mensch, der von einem schönen, herrlichen Bild einen verdorbenen, entstellten Abdruck hat. Und das ist ja wohl auch so bei uns allen, je mehr wir uns an dieses Leben ohne Gott gewöhnen, je mehr wir uns daran klammern, je inhaltsleerer unser Glauben, Lieben, Hof­fen wird, desto mehr schmecken wir den Tod im Leben. Wir schmecken das Nichtige heraus. Das Leben wird uns zu einer Speise, die uns nicht mehr schmeckt, um nicht mehr zu sagen.

Wir haben am Anfang unserer Predigt gesagt, die Osterbotschaft schwinge in diesen beiden Sätzen: In dem Satz, der von Jesus allein gilt, «Ich lebe!». Er ist die Auferstehung und das Leben. Das ist das eine. Das Präsentische. So redet man, wenn man von der schlecht­hinnigen Gegenwart des Lebens in Jesus redet. In ihm ist Gott ge­genwärtig. Daneben aber steht der andere Satz: «Auch ihr werdet leben.» Ihr — das sind wir, das ist jeder von uns in seiner ein-[309]samsten Todesgebundenheit. Mit unseren fleischlichen Augen sehen wir den Tod in seiner Gültigkeit für alle. Da ist die Geschichte nichts als ein großes Totenfeld, zumal die der letzten 50 Jahre in Europa. Und wer weiß, was noch alles vor uns steht! Aber die Augen des Glaubens sehen etwas anderes: die Verheißung, mit dem Finger Gottes mir ins Herz geschrie­ben: Ihr sollt auch leben. Diese Schule des Glaubens fängt bei mir selber an, bei meinem Tod und bei dem Tode, wo er mich trifft und mich zum Feind und Gegner Gottes machen möchte und vielleicht schon gemacht hat. Hier ist mit dem, was wir fühlen und greifen, nichts getan. Hier muß mit den Augen des Glaubens gesehen und mit der Vernunft des Glaubens geurteilt werden. Ihr werdet leben. Was als Wahrheit in Jesus vor uns steht, in dem Hirten seiner Schafe, den Gott schon herausgeführt hat aus dem Totenreich, dasselbe ist bei uns allen noch im Gange, es ist bei uns noch im Geschehen. Teilweise liegt unser Leben noch in der Todes­nacht, aber es hat eine Mitte bekommen, wo es hell ist. Es ist hin­eingekommen in die Kraft der Verheißung Gottes, die Leben, ewi­ges Leben verheißt. Und wenn wir irre werden wollen an ihr, weil der Tod so stark ist in uns und das Leben so schwach, weil der Tod der Sünde Sold ist und wir abendländischen Nihilisten in die­ser Sache einiges geleistet haben und noch leisten, dann steht diese Verheißung vor uns als Gegenwart, als erfüllt in Jesus, dem leben­digen Herrn. Das ist Ostern! In ihm ist sie ein für allemal Ereignis geworden. Das Leben, zu dem wir berufen sind, ist vor uns in ihm erschienen. Suchen wir es nicht in uns, sondern in ihm. Aller Glau­be, der Leben in uns sucht, ist Scheinglaube und findet am Ende nur den Tod. Der Glaube aber, der sich an den Osterfürsten hält und weiß, daß Jesus nicht mehr stirbt, der wird auch durch den eigenen Tod hindurchreißen, wie Jesus hindurchgebrochen ist. Das sei unser letztes Wort an diesem Ostertage: In Jesus ist Gottes Le­ben gegenwärtig, für uns ist es noch zukünftig. Aber seien wir des­sen gewiß, daß auch für uns der Tod um Jesu Willen dahinten liegt und wir — wenn auch noch durch so mancherlei Dunkel — dem Leben entgegengehen. Das bedeutet: Wiedergeborensein zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

Gehalten in Bonn am 17. April 1960 (Ostersonntag).

Quelle: Hans Joachim Iwand, Nachgelassene Werke, Bd. 3: Ausgewählte Predigten, München: Chr. Kaiser Verlag 1963, Seiten 304-309.

Hier Iwands Predigt als pdf zum Herunterladen.

Martin Luther – „Der Tod ist nur ein Schlaf. Christus ist aller Christen Haupt“

30. März 2016

Rosette Notre Dames

In einer Predigt über 1Kor 15,20-22 vom 13.10.1532 hat Martin Luther die endzeitliche Auferstehung mit Christus mit einer Geburt verglichen. Er schreibt dazu:

„Christus aber ist, wie Paulus sagt, von den Toten auferstanden. Die andern sind nur Schläfer. Denn mehr als die Hälfte ist schon lebendig, weil das Haupt auferstanden ist. Für den anderen Teil ist der Tod nur ein Schlaf. Christus ist aller Christen Haupt. Er ist (aus dem Grab) hervorgekommen, also werden ihm die Hände und der Rücken nachfolgen. Es wird nicht nur um den Kopf gehen, sondern um den ganzen Leib, ob er schon jetzt in der Erde liegt. Wie die Weiber sagen: Wenn bei einem Kindlein bei der Geburt der Kopf hervorgekommen ist, hat’s nicht mehr not; andernfalls (ist Gefahr im Verzug). So ist das Haupt der Herr über den Tod und Teufel. Durchs Evangelium, das Sakrament und die Taufe werden wir ihm eingeleibt. Wenn wir ihn für unser Haupt halten, was soll da noch unser Tod bedeuten? Der ist nur ein Schlaf.

So ist unsre Auferstehung von den Toten freilich (schon) mehr als zur Hälfte geschehen, weil unser Haupt da ist. Mein Gewissen und mein Glaube glauben es. […] Wenn ich ein Glied des Mannes bin (, der da Christus heißt), will ich wohl hervorkommen aus dem Tod; d.i. Christus selbst hat mit der Auferstehung begonnen, und es ist (schon) mehr als die Hälfte geschehen. Die in der Erde liegen, sind Schläfer. Denn Christus, der Herr ist über den Tod, will sie holen, und vor ihm ist’s nur um eine Nacht zu tun. Das ist unser Trost: Laß Fürsten, Könige, Bischöfe toll und töricht sein; laß Bürger, Bauern (Geld und Gut) zusammenscharren, laß den Teufel im Gewissen toben — unser Trost ist: Unser Erstling steht oben. Meine Auferstehung hat schon begonnen! (Nur die Hälfte) hab‘ ich noch auszurichten, und (mein Tod) ist ein Schlafen.“

Zitiert nach Eduard Ellwein (Hg.), Martin Luthers Epistel-Auslegung, Band 2: Die Korintherbriefe, Göttingen 1968, 255.

Im Raum des Glaubens. Predigt zu Johannes 20,19-29 (Ungläubiger Thomas und die Glaubenszweifel)

7. April 2015
Thomas

Caravaggio – Der ungläubige Thomas (Ausschnitt)

24Thomas aber, einer der Zwölf, der auch Didymus genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25Da sagten die anderen Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sagte zu ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und nicht meinen Finger in das Mal der Nägel und meine Hand in seine Seite legen kann, werde ich nicht glauben. 26Nach acht Tagen waren seine Jünger wieder drinnen, und Thomas war mit ihnen. Jesus kam, obwohl die Türen verschlossen waren, und er trat in ihre Mitte und sprach: Friede sei mit euch! 27Dann sagt er zu Thomas: Leg deinen Finger hierher und schau meine Hände an, und streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! 29Jesus sagt zu ihm: Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Selig, die nicht mehr sehen und glauben!

„Am dritten Tage auferstanden von den Toten“ – was gemeinsam im apostolischen Glaubensbekenntnis ausgesprochen wird, ruft bei getauften Christen mitunter Zweifel hervor: Jesus von den Toten auferstanden – Leben in einen toten Körper zurückgekehrt? Der Zweifel hat seine eigene Stimme: „Ich würde ja gerne, aber ich kann es nicht, ich kann das einfach nicht glauben – nicht mehr glauben, beim besten Willen nicht länger glauben …“

Sand Hände

Wo sich Zweifel breit macht, entgleitet einem der eigene Glaube, gleichsam wie eine Hand voll Sand: Was du einst kinderleicht begriffen und in deiner Faust umschlossen hast, das entrinnt dir mit der Zeit unaufhaltsam – Körnchen für Körnchen unbemerkt. Und irgendwann steht man in Sachen Glauben mit leeren Händen da. Wo kein Körnchen Glaubenswahrheit mehr in der eigenen Hand zurückbleibt, hat auch der Zweifel sein Ende gefunden. In der leeren Hand lässt sich nichts bezweifeln.

Was gilt dann stattdessen – unzweifelhaft? Für abgeklärte Alltagsrealisten heißt es: „Nur das, was ich selbst mit eigenen Augen sehen kann, darauf kann und will ich mich einlassen. Alles andere kann ich mir nicht vorstellen.“ Wo nur Offensichtliches zu gelten hat, kann man sich nicht länger auf Glaubensdinge verlassen. Schließlich wird ja im Brief an die Hebräer der Glaube wie folgt vorgestellt: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebräer 11,1)

So geht der Zweifel mit Dauer zu Lasten eigener Lebenszuversicht: Nichts tritt mir gegenüber, woran ich mich über meinen Tod hinaus festhalten oder worauf ich mich verlassen kann. Das Sichtbare, Nachprüfbare, Offensichtliche birgt keine Verheißung. So muss der Realist mit leeren Glaubenshänden bekennen: „Es ist wie es ist mit dem Tod zu Ende. Wir haben mit tödlicher Gewissheit zu leben.“ Die Sicherheiten, die uns das Offensichtliche anzubieten hat, nehmen uns jegliche Zuversicht über den Tod hinaus.

Im Evangelium wird dem Glaubenszweifel Raum gegeben. Thomas, einer der Zwölf, hat von den anderen Jüngern gehört, dass Jesus von den Toten auferstanden sei: „Wir haben den Herrn gesehen!“ Thomas kann das für sich nicht gelten lassen: „Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und nicht meinen Finger in das Mal der Nägel und meine Hand in seine Seite legen kann, werde ich nicht glauben.

Glaubenszweifel lassen sich nicht durch scheinfromme Ermahnungen niederbügeln: „Das hast du als Jünger Jesu oder als Christin zu glauben, wenn wir, wenn die Kirche dir das so sagt!“ Als gäbe es für uns eine höhere menschliche Autorität mit eigener Unfehlbarkeit, die uns vorschreiben könnte, was wir zu glauben hätten. Glaubenswahrheiten sind Vertrauenssache; die können nicht einfach in den eigenen Kopf gezwungen werden.

Der auferstandene Jesus selbst sucht die Begegnung mit Thomas, kommt ihm mit dessen Zweifeln entgegen: „Leg deinen Finger hierher und schau meine Hände an, und streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Thomas Antwort „Mein Herr und mein Gott!“, erschrockene Anerkennung, kein Zweifel mehr, sondern eigenes Ergriffensein – außer Frage, dass ihm Jesus gegenübertritt.

nolde ungläubiger thomas

Emil Nolde – Der ungläubige Thomas (Ausschnitt, 1911/12)

So lässt sich Jesus von menschlichen Zweifeln berühren. Er sucht unseren eigenen Glauben, will unser Vertrauen, inniges Gottvertrauen: „Mein Herr und mein Gott!“ Glaube ist keine Kopfgeburt, kein Geäst lebensdürrer Lehren, auch kein Irrgarten sonderlicher Gedanken, sondern Gottesnähe. Dass ich mich mit meinem Leben auf Jesus Christus beziehen kann, das ist mein Glaube, meine Hoffnung, …

In der Begegnung mit Jesus sind Thomas die Zweifel genommen, schon bevor es zur leiblichen Berührung kommt. Da mögen Skeptiker und Zweifler einwenden: „Wenn das mir passiert wäre, wenn sich der auferstandene Christus mir so gezeigt hätte, dann könnte ich ja auch glauben ….“ Jesu Schlusswort nimmt genau das auf; er spricht Thomas an: „Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Selig, die nicht mehr sehen und glauben!

Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen“ (2Korinther 5,7) schreibt der Apostel Paulus. Aber wie soll man zu diesem Glauben kommen, wie soll ich Vertrauen im leeren Raum finden? Im Evangelium sind die Jünger acht Tage nach Ostern in einem Raum versammelt, hinter verschlossenen Türen. Wo Jesus den Jüngern gegenübertritt, handelt es sich um einen besonderen Raum mit einer besonderen Gemeinschaft.

Um Christus zu vertrauen bedarf es eines besonderen Raumes, eines Glaubensraumes. Dort gelten nicht einfach naturwissenschaftliche Gesetze, vielmehr geht es um göttliche Beziehung. Menschen sind eingeladen mit ihren Zweifeln in den Glaubensraum einzutreten, sich auf die Begegnung mit Jesus einzulassen.

Stell dir vor, er tritt Dir gegenüber, in den Handflächen, an den Füßen, an seiner rechten Seite Wundmale, er hält dir seine Wunden hin und schaut dich innig an. Das kannst du dir vorstellen – keine Ausrede, du bist jetzt nicht im Alltagsraum, sondern im Glaubensraum, stehst dort nicht alleine da, unzählige Christen mit dir, auch Menschen, die vor dir gelebt habt, eine ganze „Wolke von Zeugen“ (Hebräer 12,1). Im Raum des Glaubens tritt uns der auferstandene Christus entgegen: „Friede sei mit euch!

theater

„Was soll das Theater?“ mag der Zweifler einwenden. Ja, nimm es erst einmal als Theater an. Lass das Geschehen für dich als Schauspiel gelten. Es will dir zugute kommen. Im Schauspiel auf der Bühne geschehen mitunter ja auch Dinge, die draußen im Alltag unwirklich erscheinen. Lass dich wie bei einem Schauspiel auf das Geschehen ein. Ein Skeptiker würde ja auch nicht im Theater die ganze Zeit die Arme verschränkt halten und immerfort murmeln: „Unwahr, gibt’s nicht, kann nicht sein.“ Damit hätte er sich ja selbst um das Schauspiel gebracht.

Lass dich wie bei einem Schauspiel auf das Ostergeschehen ein, offenen Auges, offenen Ohres, offenen Herzens; lass dich hineinnehmen in den Raum des Glaubens. Ja, eigenes Verstehen ist durchaus gefragt: Was soll das, warum wurde Jesus getötet, wie ist er auferstanden, was ist uns damit zugesagt? Es gibt den Text zum Nachlesen, die Evangelien und auch die Vorgeschichte im Alten Testament. Im Zusammenhang eines Dramas lassen sich Geschehnisse verständlich erklären.

Im Raum des Glaubens gibt es keine isolierten Glaubenswahrheiten, Körnchen Wahrheiten, die mit der Zeit unseren Händen sandweise entrinnen, sondern es geht um das Drama unseres Lebens, größer, tiefer, weiter als alles Menschenmögliche: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er den einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“ (Johannes 3,16) Im Raum des Glaubens lassen wir uns auf das göttliche Drama ein – mit offenen Händen, die von göttlicher Liebe berührt werden. Wir bleiben nicht nur Zuschauer, sondern treten als Mitwirkende auf – Mitleidende, Mitfeiernde, Zweifelnde, Betende, Singende, Zeugen und Bekenner – im Chor mit anderen Christinnen und Christen. Im Evangelium finden sich verschiedene Rollen, in denen wir selbst zur Sprache kommen, die uns alle bei dem Jesusgeschehen halten.

Als Gemeinschaft der Gläubigen machen wir uns mit dem großen Gottesgeschehen vertraut, um selbst Vertrauen in dieses Geschehen zu haben: „Wir glauben an den, der Jesus, unseren Herrn, vom Tod auferweckt hat.“ (Römer 4,25) Immer wieder neu heißt es, in den Raum des Glaubens einzutreten, mich mit meinem eigenen Leben – auch mit meinen Zweifeln – in das Ostergeschehen einweben und einflechten lassen.

Aus der Vertrautheit mit dem Ostergeschehen wächst mein Jesusvertrauen. Verschränkte Arme lösen sich, ungläubige Blicke wandeln sich: Ich erkenne mich selbst auf der Bühne des Glaubens wieder. Die Geschichte ist für mich geschehen – wider allen Zweifel:

Tage nach Ostern waren die Jünger wieder beieinander. Diesmal war ich mit dabei. Wieder waren die Türen verschlossen. Da kam Jesus noch einmal zu uns. Er trat in unsere Mitte und sagte: „Friede sei mit euch!“ Dann sagt er zu mir: „Nimm deinen Finger und untersuche meine Hände. Strecke deine Hand aus und lege sie in die Wunde an meiner Seite. Du sollst nicht länger ungläubig sein, sondern zum Glauben kommen!“ Ich antworte ihm: „Mein Herr und mein Gott!“ Da sagt Jesus zu mir: „Du glaubst, weil du mich gesehen hast.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Hier die Predigt als pdf.

Die Mehrzahl der Theologen ist eine glaubenslose Herde, die ihre Verzweiflung gut verbirgt.

19. Mai 2012

In einem Interview mit „Christ und Welt“ spricht der emeritierte Soziologieprofessor und Theologe Reimer Gronemeyer die Verschwiegenheit – oder sollte man gar sagen – die Aphasie der Theologenzunft in Sachen letzte Dinge an. Hier das Interview zum Nachlesen: Fahrt ins Blaue.