Posts Tagged ‘Frauenstudium’

„Die Mehrzahl der Frauen lässt den Zwang, der ihrer weib­lichen Veranlagung angetan wird, schon beim Studium erkennen“ (Ernst Bumm) – Patriarchale Geschlechterforschung in Sachen Frauenstudium aus dem Kriegsjahr 1917

9. August 2017

Bumm - Über das Frauenstudium

Wer meint, dass universitäre Gender Studies Gaga seien, sollte sich die Rede „Über das Frauenstudium“ von Ernst Bumm, Rektor der Universität Berlin und Leiter der Universitätsfrauenklinik an der Charité in Berlin zur Gedächtnisfeier des Stifters der Berliner Universität König Friedrich Wilhelms III vom 3. August 1917 zu Gemüte führen, wenn es dort heißt:

Von den 1078 Studentinnen aus den Jahren 1908 bis 1912, über die wir Aufschlüsse bekamen, sind 346 = 32 % verheiratet, 732 = 68 % sind unverheiratet geblieben. Wenn es auch nicht unmöglich ist, dass von den letzteren noch manche heiraten werden, so zeigt doch die hohe Zahl von 2/3 Unverheirateten, dass das Studium der Ehe nicht günstig ist. Umgekehrt ist die Heirat dem Beruf nicht günstig. Denn von 346 Studentinnen, die geheiratet haben, sind nur 121 = 35 % zu beruflicher Tätigkeit gekommen, von den 732 unverheiratet gebliebenen dagegen 528 = 72 %. Die Art des Faches macht dabei nicht viel aus, die prozentualen Verhältnisse sind überall annähernd die gleichen.

Diese Erfahrungen deuten ohne weiteres darauf hin, wo die bedenkliche Seite des Frauen­studiums liegt: es ist die sexuelle Bindung der Frau mit ihrem von der Natur geschaffenen und deshalb unlösbaren Zwang. Zur Fortpflanzung und Erhaltung aller Lebewesen, von den nie­deren herauf bis zum Menschen, bedient sich die Natur der Arbeitsteilung. Dem weiblichen Teil, und zumal der menschlichen Frau, ist dabei die schwerere Aufgabe zugefallen. Man mag die ungerechte Verteilung der Lasten beklagen, ändern werden daran alle Bestrebungen der Frauenemanzipation niemals etwas können. Gerechtigkeit in unserem menschlichen Sinne und Rücksichtnahme auf das Individuum sucht man im Walten der Naturkräfte vergeblich. Alles ist auf die Erhaltung der Art gestellt. Die Natur verlangt aber nicht Leistungen, ohne dazu die Ausrüstung mit entsprechenden Fähigkeiten zu geben. Je vollkommener die weib­liche Veranlagung, je weiblicher die Frau, desto weniger wird die Last der Fortpflanzung als solche empfunden, die Aufzucht der Nachkommenschaft ist im Gegenteil, wie jede freie Betätigung einer natürlichen Anlage, die Quelle hoher innerer Befriedigung und Freude am Werk.

Umgekehrt wird alles, was ausserhalb der natürlichen Veranlagung liegt oder ihr zuwider ist, als Beschwernis gefühlt und entweder ganz abgelehnt oder, wenn es unter äusserem Zwang geschieht, nur mit unverhältnismässigem Aufwand von Kraft und selbst dann noch unvoll­kommen durchgeführt.

Gewiss gibt es Frauen, welche die vorbereitenden Gymnasialstudien und die Universität mit Leichtigkeit absolvieren und die Aufgaben des erwählten Berufes, unbeirrt durch Ablenkun­gen irgendwelcher Art, vollkommen bewältigen. Das sind aber Frauen mit männlicher oder doch ohne ausgesprochen weibliche Veranlagung, die ebenso vorkommen, wie die weibischen Männer und wie diese ihren konträren Charakter meist auch schon äusserlich zur Schau tra­gen. Die Mehrzahl der Frauen verhält sich anders und lässt den Zwang, der ihrer weib­lichen Veranlagung angetan wird, schon beim Studium erkennen. Nicht weil die Intelligenz fehlt, sondern weil die natürlichen Anlagen anderwärts gehen, vollzieht sich schon die Lern­zeit am Gymnasium unter grösseren Mühen. Die angestrengte geistige Tätigkeit hat wiederum einen ungünstigen Einfluss auf die körperliche Entwickelung, eine Erscheinung, die wir oft genug bei unseren Gymnasiasten beobachten, die sich aber bei den Schülerinnen während der Gym­nasialzeit in viel ernsterer Weise bemerkbar macht und die Gesundheit und Tüchtigkeit des Organismus auch für spätere Zeiten dauernd schädigen kann. Stört das geschädigte kör­per­liche Befinden die geistige Aufnahmefähigkeit und ist zur Bewältigung des Lernstoffes eine neue Arbeitssteigerung nötig, so kann dieser circulus vitiosus zum völligen Zusammen­bruch führen. Besser steht es in dieser Hinsicht auf der Universität. In der Freiheit des akade­mischen Studiums fallen die Ueberanstrengung und ihre Folgen weg, und wer darauf achtet, wird mit Freude sehen, dass sich die meisten unserer Studentinnen in guter körperlicher und geistiger Verfassung, voller Kenntnisse und begierig, ihr wissen dem Examinator vorzufüh­ren, zur Prüfung stellen. Aber auch hier gilt die Erfahrung: je ausgesprochener weiblich die Veranla­gung, desto oberflächlicher und weniger innerlich verarbeitet bleibt das Erlernte. […]

Das sieht so aus, als ob das Frauenstudium Mode werden wollte, und das wäre nicht gut. Allen den Frauen, die das heilige Feuer in sich fühlen, sollen die Pforten der Universitäten weit offen stehen. Die Alma Mater wird ihren Töchtern gewiss nicht weniger liebevolle Fürsorge für ihre geistigen Fortschritte entgegenbringen als ihren Söhnen. Aber die Mehrzahl der Frauen, und gerade der Frauen der mittleren Stände, die der Anreiz zum Studium am ehe­sten trifft, muss ihrer natürlichen Bestimmung erhalten bleiben. Unsere Kinder sollen von Müttern geboren werden, die ein ausgeruhtes Gehirn und genug Zeit zur Aufzucht einer zahl­reichen Nachkommenschaft haben. So leistet die Frau sich, der Familie und dem Staate den höchsten Dienst, so ist das Geschlecht entstanden, das heute gegen eine Welt von Feinden die Heimat schützt und trotz allen Hasses und aller Schmähungen, im Grunde doch von der gan­zen Welt bewundert wird.

Hier der vollständige Text der Rede „Über das Frauenstudium“ von Ernst Bumm als pdf.