Posts Tagged ‘Himmel’

„Machen wir also unsere Seele zum Himmel!“ (Johannes Chrysostomus)

21. Juli 2017

Das ist nicht alles dogmatisch (im lutherischen Sinne) korrekt, was Johannes Chrysostomus in seinen Homilien zum Hebräerbrief (16,3) in Sachen Seelenhimmel schreibt. So passt es wohl eher ins christliche Poesiealbum:

Man sagt, Gott sei im Himmel. Warum? Nicht als ob er örtlich dort eingeschlossen wäre, bewahre! Noch auch, als ob er der Erde seine Gegenwart entzogen hätte, sondern wegen des liebevollen Verhältnisses, in dem er zu den En­geln steht. Wenn auch wir Gott nahestehen, so sind wir im Himmel. Denn was kann mir am Himmel liegen, wenn ich den Herrn des Him­mels schaue, wenn ich selbst der Him­mel geworden bin? »Ich und mein Vater«, heißt es, »wer­den zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.« [Joh 14,23] Machen wir also unsere Seele zum Himmel! Der Himmel ist von Natur aus heiter, und auch bei Un­wetter wird er nicht schwarz; denn er selbst verändert nicht sein Aussehen, sondern die ihn überziehenden Wol­ken verbergen ihn. Der Himmel besitzt die Sonne, auch wir haben die Sonne der Gerechtigkeit.

Ich habe gesagt, wir könnten wie der Himmel werden, und ich gewahre, dass wir vor dem Himmel sogar einen Vorzug haben können. Wieso? Da wir den Herrn der Sonne ha­ben. Der Himmel ist allseitig rein und unbefleckt und än­dert sich weder bei Unwetter noch bei Nacht. Darum soll uns das auch weder in Trübsalen noch bei den Versuchun­gen des Teufels begeg­nen, sondern wir wollen unbefleckt und rein bleiben! Der Himmel ist hoch und weit von der Erde entfernt: So wollen auch wir uns von der Erde ent­fernen und zu jener Höhe empor­streben. Und wie ent­rücken wir uns der Erde? Wenn wir an das Himmlische denken. Der Himmel ist höher als Regen und Sturm und wird davon nicht erfasst: das gleiche vermögen auch wir zu leisten, wenn wir nur wollen. Der Himmel scheint von ihnen getroffen zu werden, aber das ist nicht der Fall: so wollen auch wir von Leiden frei bleiben, selbst wenn wir von ihnen erfasst zu sein scheinen. Denn wie im Winter viele seine Schönheit nicht erkennen, sondern meinen, er ändere sich — die Gelehrten aber wissen, dass nichts der­gleichen mit ihm geschieht —, so wähnen auch viele, in den Trübsalen geschehe ein Wechsel mit uns und die Trübsal ergreife unser Herz selbst; die Wissenden aber sind über­zeugt, dass sie uns nicht erfasst habe.

Werden wir also selbst ein Himmel! Steigen wir zu jener Höhe auf, dann werden wir sehen, dass sich die Menschen von den Ameisen nicht unterscheiden. Wir werden dort die Armen und Reichen nicht mehr auseinander erkennen; ja, wenn jemand ein Feldherr oder König wäre, wir wer­den ihn dort weder als König noch als Privatmann erken­nen. Wir werden nicht wissen, was Gold oder Silber, was ein seidener oder purpurner Mantel ist. Wir werden alles wie Fliegen ansehen, wenn wir in jener Höhe sind. Dort ist kein Lärm, kein Aufruhr, kein Geschrei. »Doch wie kann«, sagt man, »wer auf dieser Erde wandelt, auf jene Höhe erhoben werden?« Ich will das nicht einfach durch Worte ausdrücken: Ich werde dir jene, die zu dieser Höhe gelangt sind, selber zeigen. Wer sind diese? Paulus und seine Anhänger, meine ich, die auf der Erde wandelnd im Himmel weilten. Was sage ich im Himmel? Über den Himmel waren sie erhaben und auch über den andern Himmel: bis zu Gott selbst stiegen sie empor. »Denn wer«, heißt es, »wird uns scheiden von der Liebe Christi? Trüb­sal, Angst, Hunger, Blöße, Gefahr, Verfolgung, Schwert? « … Damit ich dir aber zeige, dass er über den Himmel erha­ben war, so höre ihn selber sprechen: »Ich bin überzeugt, dass weder Leben noch Tod, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Starkes noch Hohes noch Niederes noch sonst etwas Er­schaffenes uns zu scheiden vermag von der Liebe Christi.« [Röm 8,38 f.]

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„Für uns freut sich der ganze Himmel“ – Paul Schempps Weihnachtspredigt zu Lk 2,1-14 von 1945

11. Januar 2017
Albrecht Altdorfer, Geburt Christi (1507, Kunsthalle Bremen)

Albrecht Altdorfer, Geburt Christi (1507, Kunsthalle Bremen)

Eine besonders ansprechende Predigt zu Weihnachten hat Paul Schempp 1945 in der reformierten Gemeinde in Stuttgart gehalten. Er weiß die himmlische Perspektive dem Frieden auf Erden zuzusprechen, wenn er ausführt:

„Da merken wir also: die Freude im Himmel gilt wohl dem Ereignis auf der Erde, der Ge­burt Jesu, aber sie ist darin nun eine wirklich himmlische und göttliche Freude, daß die Engel sich nicht über etwas freuen, das ihnen selber gilt, das ihr eigenes Glück erhöht, son­dern daß sie sich restlos für die Erde freuen, für die Menschen, ganz selbstlos für diese ahnungslose Menschheit, darüber, daß ihr das unendliche, entscheidende, unfaßbare Glück widerfahren ist, in ihrer Heillosigkeit nun einen Heiland zu haben. Seht, das muß man zuerst aus der Weih­nachtsgeschichte merken, daß im Himmel Weihnachten gefeiert worden ist, lang, lang ehe die Menschen sich auch so etwas wie ein fröhliches Weihnachtsfest zurecht gemacht und dann auch recht schön, aber doch auch recht menschlich, gefeiert haben. Für uns freut sich der ganze Himmel, uns gratuliert er sozusagen zu diesem Ereignis und gibt uns die erste Auffor­derung, den Anstoß, wir sollten nun doch auch uns selber freuen über dieses Kind, das dem Volk Israel und (wie dieses Gottesvolk ja von Anfang an durch Gottes Gnade und durch eigene Schuld gerade der Welt gehört) so durch dieses Volk der ganzen Welt als Gottes­geschenk gehört.“

Der vollständige Text der Predigt findet sich hier als pdf.

Guitars (not Harps) Made for Heaven

28. November 2016
Guitars Made for Heaven: Teuffel Antonio

Guitar Made for Heaven: Teuffel Antonio

Auch in der neuen Luther-Bibel 2017 findet sich immer noch die Fehlübersetzung bezüglich der himmlischen Saiteninstrumente, wenn es im fünften Kapitel der Offenbarung heißt: „Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden.“ (Offb 5,8-10; vgl. 14,2; 15,2) Ja, „Harfe“ heißt Luther-Treue: „Da fielen die vier Thier / vnd die vier vnd zwenzig Eltesten fur das Lamb / vnd hatten ein jglicher Harffen vnd gülden schalen vol Reuchwergs“ (Offb 5,8 Luther-Bibel 1545). Mit Luther sind sich alle einig, auch die Einheitsübersetzung, die Zürcher, selbst die Elberfelder und auch die englischsprachigen wie King James und die NRSV. „Himmel hilf!“ möchte man da rufen: 28 Harfen, die andächtig gezupft werden, wie soll das zusammenklingen, sicherlich nicht besser als das erste deutsche Harfenorchester 1993 mit „Yesterday“.

apollon-mit-kithara-fresko-etwa-50-n-chr-heute-im-antiquarium-auf-dem-palatin-in-rom

Apollon mit Kithara, Fresko, etwa 50 n. Chr., heute im Antiquarium auf dem Palatin in Rom

Man müsste es besser wissen, schließlich heißt das griechische Wort, das fälschlicherweise mit „Harfe“ übersetzt „kithara„, in der lateinischen Vulgata mit „cithara“ wiedergegeben. Im dritten Band des Kleinen Pauly wird dann klargestellt, was sich hinter der Kithara verbirgt:

„Neben der durch Form und Verwendung abgesonderten Lyra wichtigstes griechisches, sowie dann auch etruskisches und römisches Saiteninstrument. Grundbestandteil der Kithara war, wie zahlreiche, etwa von der archaischen Zeit an vorliegende bildliche Darstellungen lehren, ein großer, kastenförmiger Schallkörper aus Holz, der einen ebenen Boden aufwies, vorne flach, hinten ausgebaucht war und sich auch noch in die beiden zunächst einwärts gebogenen, dann parallel nach oben verlaufenden Jocharme fortsetzte. An deren Verbindung, dem außen mit Schraubgriffen versehenen Joch, waren die 7, unten am Schallkörper fest in einen Saitenhalter eingespannten Saiten des Instrumentes durch Wirbel aus Rinderschwarte festgedreht und grob gestimmt; zur Feinstimmung dienten besondere Stimmschlüssel.“ (Sp. 1581)

Kirk-Hammett (Metallica) mit Teuffel Tesla

Kirk Hammett (Metallica) mit Teuffel Tesla

Im Unterschied zur Harfe bzw. zur Lyra, wo die freigestellten Saiten senkrecht in den Resonanzkörper gespannt sind, verlaufen die sieben Saiten der Kithara parallel zur Decke des Schallkörpers. Sie gehört damit zu den Lauteninstrumenten, wie eben die Laute, die Geige oder aber die Gitarre. Und damit sind wir dann beim richtigen Instrument. „Gitarre“ bzw. „Guitar“ verweist etymologisch auf die Kithara. Wenn man dann noch weiß, dass der Kitharistes (κιθαριστής), also der Kithara-Spieler, meistens stehend das Instrument senkrecht vor sich, mit der rechten Hand die Saiten mit einem Plektron aus Metall oder Elfenbein zupfte und mit der linken Hand die Saite dämpfte bzw. verkürzte, sind wir tatsächlich beim Gitarrenspielen.  Bei manchen (späteren) Formen wurde sogar das Instrument mit einem über die Schulter laufenden Tragegurt gehalten.

Sorry, Harfenspielerinnen. Solo mag ich euch gerne zuhören, aber mit dem gemeinschaftlichen Himmelsspiel wird es nichts. Vor dem, der auf dem Thron sitzt, hat Metallica die bessere Karten.

Hier mein Text „Im Himmel gibt es keine Harfen“ als pdf.

Wie an einer Drachenschnur … – warum ein freier Glaube einen festen Halt braucht

6. November 2016

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Was für einen Anblick bieten farbige Drachen am Himmel, wenn sie ruhig im Wind stehen oder aber ihre Bahnen und Kreise durch die Lüfte ziehen. Als Himmelsstürmer sind sie uns Sinnbild der Freiheit, über alles Erdschwere und Einengende erhaben. Dabei können sie nur deshalb in den Himmel steigen und im Wind stehen, weil sie von einer angespannten Schnur gehalten werden. Reißt diese Verbindung ab, müssen Drachen unweigerlich zu Boden stürzen.

So lässt sich menschliche Freiheit neu verstehen: Auch sie braucht einen festen Bezug und eine Ausrichtung, damit sie sich dauerhaft halten kann. Völlig losgelöst – also absolut und unverbindlich – verliert sich menschliche Freiheit. Ohne festen Lebensbezug enden wir in einer tödlichen Isolation.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ schreibt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Galater (5,1). Damit redet er nicht menschlicher Unverbindlichkeit das Wort, sondern spricht die Befreiung von Abhängigkeiten an, die uns gefangen nehmen. Zu dieser Freiheit sind wir mit unserem Glauben herausgefordert. Wir sollen uns an Jesus Christus als Erlöser festmachen, sagt dieser doch von sich selbst: „Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,14f) und: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ (Johannes 12,31) Erhöht am Kreuz von Golgota erlöst er uns von der Todesmacht der Sünde und eröffnet uns einen Lebensraum von der Erde bis in den Himmel, spannt unser Leben von der Geburt durch den Tod in die Ewigkeit bei Gott aus.

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Da kann dann ein Drache am Himmel mit seiner Kreuzgestalt zum Sinnbild Jesu Christi werden, heißt es doch im Brief an die Hebräer: „Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.“ (12,2) Wo wir uns im Glauben in Jesu Nachfolge einreihen, wird unser Leben in aller Freiheit in Gottes Himmelreich getragen.