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Wem ich im christlichen Glauben verbunden bin – Erfahrungen aus Hongkong

17. Februar 2017
Die achteckige Kapelle

Die achteckige Kapelle „The Christ Temple“ auf dem Tao Fong Shan in Hongkong

Die Jahre, die ich als Dozent von 2002 bis 2008 am „Lutheran Theological Seminary“ in Hongkong verbracht hatte, waren für mich die aufschlussreichsten in Sachen Christsein. Anders als man es vermuten könnte, kam die Mehrzahl der Theologiestudenten nicht aus einer lutherischen Kirche. Stattdessen waren am Seminar Studenten aus nahezu allen protestantischen Denominationen vertreten, angefangen von Anglikanern, Methodisten, Baptisten, eben auch Lutheranern (in vier verschiedenen Ausprägungen), Reformierte, Unierte, Adventisten, Pfingstkirchlern, die Zugehörigen der „Christian und Missionary Alliance“-Kirche bis hin zu Mitgliedern von Gemeinden ohne denominationeller Verbindung.

Bandbreite christlicher Gottesdienste

Das gottesdienstliche Leben in Hongkong hatte für mich eine bis dato unfassbare Bandbreite, angefangen von liturgisch gepflegten Abendmahlsgottesdiensten in englischsprachigen anglikanischen und lutherischen Kirchen, über Worship-and-Praise-Gottesdienste, Taizé-orientierte Gottesdienste auf dem „Tao Fong Shan“, multinationale Gottesdienste in der „Kowloon Union Church“, predigerzentrierte Gottesdienste in der Southern-Baptist-Gemeinde, pfingstbewegte Gottesdienste mit philippinischen Haushaltshilfen, familienähnliche Gottesdienste in der kantonesischsprachigen „Praise Lutheran Church“ in Mongkok bis hin zu „Wohnzimmergottesdiensten“ mit afrikanischen Asylbewerbern im heruntergekommenen Bürogebäude.

Mit der Zeit bin ich in Sachen Gottesdienste vielsprachig geworden, kann selbst an katholischen Messen eines marianisch geprägten alten Priesters bei uns in Vöhringen innerlich teilnehmen. Da ließe sich die Frage stellen, ob ich in Sachen Gottesdienst und Glaube beliebig geworden bin. Ich würde das verneinen, kann mitunter in Sachen evangelischer Gottesdienst und Glaube messerscharf urteilen. Aber mir ist bewusst geworden, dass all die unterschiedlichen Gottesdienste und Denominationen je eigene Akzentuierungen unseres christlichen Glaubens haben. Man geht mit einem besonderen Anliegen und mit einer eigenen Tradition auf Jesus Christus zu. Mitunter ist es mir dabei nicht möglich, zu einem Predigtwort oder zu einem Gebet „Ja und Amen“ zu sagen. Aber was mich mit meinen Glaubensgeschwistern in Hongkong und in Südostasien verbindet, ist eine gottesdienstliche Ernsthaftigkeit. Wir stellen uns mit unserem eigenen Leben unter den Anspruch des göttlichen Wortes, bekennen Jesus Christus als unseren Herrn und rufen den dreieinigen Gott im Gebet an.

Was die Vernunft nicht gelten lassen will

Wo ich bei anderen Christen wahrnehme, dass sie sich dem göttlichen Anspruch stellen – auch mit ihren eigenen Zweifeln – weiß ich mich ihnen im Glauben verbunden, auch wenn sie Dinge und Regeln geltend machen, die ich für mich nicht anzunehmen weiß. Wirkliche Schwierigkeiten habe ich hingegen mit einer pastoralen Kirchlichkeit, bei der im Namen des christlichen Glaubens religiöse Eigensinnigkeit präsentiert wird. Da zeigt sich ein Habitus intellektueller Überheblichkeit, demzufolge heutzutage nur das zu glauben sei, was die eigene (pastorliche) Vernunft gelten lassen will. Liturgisch endet diese Vernünftigkeit im Gebetsautismus – ein Beten, das den dreieinigen Gott nicht anredet, sondern sich selbst anbetet. Und genau dort muss ich außen vor bleiben.

On Vocation for Single Female Christians in Hong Kong

2. Juni 2015

Hongkong

Der Text „On Vocation for Single Female Christians in Hong Kong“ ist schon etwas älter, genauer gesagt von 2007. Jetzt erst ist er in dem Sammelband „Urban Christian Spirituality. East Asian and Nordic Perspectives“ veröffentlicht worden. Es geht darin um die Disproportionalität von Frauen und Männern in christlichen Kirchen in Hongkong aufgrund von Einzelbekehrungen. Was oft übersehen wird, ist, dass dort ein Drittel der christlichen Frauen meist ungewollt ledig bleiben.

Zwischen zwei Kulturen. Ein deutscher Theologieprofessor erlebt Hongkong und seine Christen

2. Mai 2015

LTS Hong Kong

In Hongkong finden zwar keine Massenproteste mehr statt, aber immer noch kleinere Demonstrationen gegen die pekingtreuen Machthaber. Welche Rolle dabei und auch sonst die christliche Minderheit spielt, schildert Walter Sparn. Der emeritierte Theologieprofessor aus Erlangen lehrte fünf Monate lang an der Lutherisch-Theologischen Hochschule, dem „Lutheran Theological Seminary“ . So beginnt die Einleitung eines lesenswerten Beitrags von Professor Sparn, der von August bis Dezember 2014 am Lutheran Theological Seminary in Hongkong gastweise unterrichtet hat. Der Artikel ist jetzt im Mai in den Zeitzeichen erschienen und für Abonnenten online frei zugänglich. Ort und Situation sind mir wohl vertraut, habe ich doch selbst von 2002 bis 2008 an diesem Seminar Systematische Theologie gelehrt. Wer mehr über den Ort erfahren will, sollte den Wikipedia-Artikel über den Tao Fong Shan lesen, am besten in Englisch. Wer am Tao Fong Shan eine außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit sucht, sollte sich an die Pilgrim’s Hall wenden. TaoFungShan_MainChurch1