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Kirchengebote, Sonntagspflicht und Seelenheil in der römisch-katholischen Kirche

3. März 2017

Kirchengebote

Für die meisten evangelischen Christen dürfte es unbekannt sein, dass in der römisch-katholischen Kirche neben den zehn Geboten auch fünf Kirchengebote verbindlich sind. So findet sich im neuen Gotteslob unter der Nummer 29.7 folgender Text:

„DIE GEBOTE DER KIRCHE

Die Kirchengebote wollen das Wachstum der Gottes- und Nächsten­liebe aller Gläubigen fördern; sie haben verbindlichen Charakter:

  1. Am Sonntag und an den anderen gebotenen Feiertagen sollst du die Heilige Messe mitfeiern und keine Arbeiten und Tätig­keiten verrichten, welche die Heiligung dieser Tage gefährden!
    In der Freude über die Erlösung feiern Christen die Eucharistie an Sonntagen und Hochfesten, welche die Geheimnisse Christi, der Gottesmutter Maria und der Heiligen entfalten. Diese Tage sollen frei von unnötiger Arbeit bleiben, um Gott im eigenen Leben Raum zu geben.
  2. Empfange wenigstens einmal im Jahr das Sakrament der Ver­söhnung zur Vergebung deiner Sünden!
    Mit dem Bußsakrament geht der in der Taufe begonnene Weg der Umkehr und Hinwendung zu Gott weiter. Die Beichte bereitet zudem auf einen würdigen Empfang der heiligen Kommunion vor.
  3. Du sollst wenigstens zur österlichen Zeit sowie in Todesgefahr die heilige Kommunion empfangen!
    Der Empfang des Leibes Christi stärkt die Gläubigen, er verbin­det sie mit dem auferstandenen Christus und untereinander. Die heilige Kommunion ist die Nahrung der Christen auf dem Weg zu Gott.
  4. Halte die von der Kirche gebotenen Fast- und Abstinenztage!
    Um Christus in der Vorbereitung auf die hohen Feste zuneh­mend Raum zu geben, gibt es Zeiten der Entsagung und Buße. Aschermittwoch und Karfreitag sind strenge Fast- und Absti­nenztage. Katholische Christen beschränken sich an diesen Tagen auf eine einmalige Sättigung (Fasten) und verzichten auf Fleischspeisen (Abstinenz). Jeder Freitag ist im Gedenken an das Leiden und Sterben des Herrn ein Abstinenztag, an dem Gläubige auf Fleischspeisen verzichten, sich spürbar bei Genussmitteln einschränken und den Nächsten Hilfe leisten.
  5. Steh der Kirche in ihren Erfordernissen bei!
    Die Kirche fordert die Gläubigen auf, durch Mittun und materi­elle Unterstützung den Auftrag des Volkes Gottes mitzutragen.

vgl. KKK 2042″

Da zeigt sich schon in der Einleitung eine gewisse Spannung zwischen individueller Wachstumsförderung in Sachen Gottes- und Nächstenliebe und kirchlicher, mithin korporativer Verbindlichkeit. Was jedoch die Heilsfrage ganz unmittelbar berührt, ist folgender Passus aus dem Katechismus der katholischen Kirche (KKK, Neuübersetzung aufgrund der Editio Typica Latina, 2003) in Sachen Sonntagspflicht:

„Die sonntägliche Eucharistie legt den Grund zum ganzen christlichen Leben und bestätigt es. Deshalb sind die Gläubigen verpflichtet, an den gebotenen Feiertagen an der Eucharistiefeier teilzunehmen, sofern sie nicht durch einen gewichtigen Grund (z. B. wegen Krankheit, Betreuung von Säuglingen) entschuldigt oder durch ihren Pfarrer dispensiert sind (vgl. CIC, can. 1245). Wer diese Pflicht absichtlich versäumt, begeht eine schwere Sünde.“ (KKK 2181)

Was eine schwere Sünde ist, wird in dem Katechismus der katholischen Kirche unter Nr. 1472 erläutert: „Die schwere Sünde beraubt uns der Gemeinschaft mit Gott und macht uns dadurch zum ewigen Leben unfähig. Diese Beraubung heißt ‚die ewige Sündenstrafe‘.“ D.h. eine bewusste und absichtliche Übertretung des Sonntagsgebotes kann nach römisch-katholischer Lehre für katholische Christen die ewige Verdammnis zur Folge haben, so diese Übertretung nicht gebeichtet worden ist. Schließlich heißt es im Katechismus der katholischen Kirche unter Nr. 1493: „Wer mit Gott und der Kirche versöhnt werden will, muss dem Priester alle schweren Sünden beichten, die er noch nicht gebeichtet hat und an die er sich nach einer sorgfäl­tigen Gewissenserforschung erinnert.“

Sobald zwischen der letzten Beichte und dem eigenen Ableben ein bewusster und absichtlicher Verstoß gegen die Sonntagspflicht geschehen ist, wirkt sich dies nach dem Katechismus der katholischen Kirche wie folgt als Todsünde aus: „In Todsünde sterben, ohne diese bereut zu haben und ohne die barmherzige Liebe Gottes anzunehmen, bedeutet, durch eigenen freien Entschluss für immer von ihm getrennt zu bleiben. Diesen Zustand der endgültigen Selbstausschließung aus der Gemeinschaft mit Gott und den Seligen nennt man ‚Hölle‘.“ (KKK 1033)

In diesem Sinne kann es in der Rechtsgemeinschaft der römisch-katholischen Kirche für die meisten Christen – trotz der Verkündigung des Evangeliums und einem persönlichen Glauben an Jesus Christus – keine Heilsgewissheit geben. Schließlich nehmen nach der letzten Statistik in den Diözesen in Deutschland nur 10,4 % der katholischen Kirchenmitglieder an der Sonntagsmesse teil (DBK, Katholische Kirche in Deutschland – Zahlen und Fakten 2015/2016, Bonn 2016. Seite 47).

Hier mein Text als pdf.

Andreas Püttmann über den fälligen Rückzug Tebartz-van Elsts aus Limburg

26. März 2014

Andreas Püttmann, kirchentreuer katholischer Publizist, hat in der jüngsten Ausgabe von Christ und Welt einen äußerst differenzierten und überzeugenden Artikel geschrieben, warum Tebartz-van Elst zurückzutreten hatte und warum seine vermeintlich romtreuen Sympathisanten der Kirche und deren Glaubwürdigkeit Schaden zufügen.

Weck einfach den Franziskus in dir!

12. Dezember 2013

In der heutigen Online-Ausgabe der WELT ist ein schöner Artikel von Sven Lager über Franziskus erschienen. Was man auch als Evangelischer von Franziskus (und von südafrikanischen Christen) lernen kann. Wer mehr von Sven und seiner Frau Elke über deren christliches Abenteuer lesen will, sei auf ihr Buch „Es muss im Leben mehr als Alles geben!“ verwiesen.

Unsere Hoffnung. Ein Bekenntnis zum Glauben in dieser Zeit

3. August 2011
Würzburger Synode

Die konstituierende Sitzung der Würzburger Synode am 3. Januar 1971 im Kiliansdom.

Fast 36 Jahre ist der Text alt; und doch hat er nichts an subtiler Sprachkraft verloren. Da werden das Evangelium und die gegenwärtige Wirklichkeit aufmerksam zusammengesprochen. Das Erstaunliche ist, dass dieses Bekenntnis ein offizieller Text ist, beschlossen von der Würzburger Synode der westdeutschen Bistümer. So hatte also die römisch-katholische Kirche Rechenschaft über die christliche Hoffnung zu geben gewusst (vgl. 1 Petr 3,15). Nein, die Erneuerung eines solchen Bekenntnisses dürfte gegenwärtig nicht mehr zu erwarten sein. Der Neotridentismus setzt der freimütigen Hoffnungsrede zu. Und wahrscheinlich war es ein Glücksfall, dass seinerzeit der Fundamentaltheologie Johann Baptist Metz mit der Abfassung der Beschlussvorlage betraut war. Zum Nachlesen hier der Text: Unsere Hoffnung. Ein Bekenntnis zum Glauben in dieser Zeit.

Ein theologisches Lehrbuch

9. September 2007

Ich gebe es zu: In meinem Unterricht am Lutheran Theological Seminary in Hong Kong verwende ich den Katechismus der Katholischen Kirche als Lehrbuch. Und ich bin dabei nicht der einzige, tut doch Miika Ruokanen am Union Theological Seminary in Nanjing dasselbe. Der Katechismus ist auf Deutsch, Englisch und auch Chinesisch im Internet zu finden: Solide christliche Lehre, biblisch fundiert, mit ansprechenden Kirchenväterzitaten ergänzt. Natürlich muss (und darf) nicht alles für bare Münze genommen werden, finden sich doch auch Lehrsätze, die eben nicht katholisch, sondern nur römische (und damit unevangelische) Sonderlehre sind. Was den Katholischen Katechismus der Kirche wirklich auszeichnet, ist seine liturgische Ausrichtung auf das Pascha-Mysterium hin. Mit dieser Ausrichtung auf Christi Heilswerk ist der Katechismus weit christlicher als manche „evangelische“ Glaubenslehre, die sich in narzisstischer Weise um ein selbstgläubiges Subjekt dreht.