Posts Tagged ‘Luther’

„Es ist kurzum beschlossen, daß außer Christus Gott unbekannt und ungefaßt will sein“ – Martin Luther über die blinde Vernunft

23. Februar 2017
Max Beckmann - Ausschnitt aus dem Triptychon Blinde Kuh (1945)

Max Beckmann – Ausschnitt aus dem Triptychon Blinde Kuh (1945)

Luthers Tischrede Nr. 6539 (aus Johannes Aurifabers Sammlung, Tischreden aus verschiedenen Jahren, WA TR 6, 26,30-28,32) stellt kurz und bündig Martin Luthers Überzeugung dar, warum wir gegenüber Gott mit unserer Vernunft am Ende sind und daher auf Jesus Christus als dem einen Wort zu hören haben:

Gott in seiner Majestät ist menschlicher Vernunft unbegreiflich, darum soll man mit der Vorsehung zufrieden sein und sich nicht darum bekümmern

Menschliche Vernunft und Natur kann Gott in seiner Majestät nicht begreifen, darum sollen wir nicht weiter suchen noch forschen, was Gottes Wille, Wesen und Natur sei, als soweit ers uns befohlen hat. Sein Wort hat er uns gegeben, darin er reichlich offenbart hat, was wir von ihm wissen, halten, glauben und wessen wir uns zu ihm versehen sollen; danach sollen wir uns richten, so können wir nicht irren. Wer aber von Gottes Willen, Natur und Wesen Gedanken hat außer dem Wort, wills mit menschlicher Vernunft und Weisheit aussinnen, der macht sich viel vergebliche Unruhe und Arbeit und fehlt weit; denn die Welt, sagt Paulus, erkennt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht, 1. Kor. 1, 21.

Auch werden die nimmermehr lernen noch erkennen, wie Gott gegen sie gesinnt sei, die sich damit vergeblich bekümmern, ob sie verworfen oder auserwählt seien. Welche nun in diese Gedanken geraten, denen geht ein Feuer im Herzen an, das sie nicht löschen können, so daß ihr Gewissen nicht zufrieden wird, und sie müssen endlich verzweifeln.

Wer nun diesem Unglück und ewiger Gefahr entgehen will, der halte sich an das Wort, so wird er finden, daß unser lieber Gott einen starken festen Grund gemacht und gelegt hat, darauf wir sicher und gewiß fußen mögen, nämlich Jesus Christus, unseren Herrn (1. Kor. 3, 11), durch welchen wir allein, umsonst, durch kein anderes Mittel ins Himmelreich kommen müssen; denn er und sonst niemand ist »der Weg, die Wahrheit und das Leben« (Joh. 14, 6).

Sollen wir nun Gott in seinem göttlichen Wesen und wie er gegen uns gesinnt ist, recht und wahrhaftig erkennen, so muß es durch sein Wort geschehen. Und eben darum hat Gott der Vater seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt, daß er Mensch werden sollte, in allen Dingen uns gleich, doch ohne Sünde, unter uns wohnen und des Vaters Herz und Willen uns offenbaren; wie ihn denn der Vater uns zum Lehrer geordnet und gesetzt hat, da er vom Himmel ruft: »Dies ist mein lieber Sohn usw., den sollt ihr hören« (Matth. 17, 5).

Das ist, als wollte er sagen: Es ist vergebens und umsonst, was Menschen sich vornehmen, meine göttliche Majestät zu erforschen; menschliche Vernunft und Weisheit kann mich nicht ergreifen, ich bin ihr viel zu hoch und groß. Nun, ich will mich klein genug machen, daß sie mich ergreifen und fassen kann; ich will ihnen meinen eingeborenen Sohn geben, und so geben, daß er ein Opfer, ja eine Sünde und Fluch für sie werden soll, und soll mir hierin Gehorsam leisten bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Das will ich hernach predigen lassen in aller Welt, und die daran glauben, sollen selig werden. Das meint Paulus, da er sagt 1. Kor. 1, 21: »Weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben.«

Das heißt ja die göttliche Majestät klein und begreiflich werden, daß nun niemand billig klagen soll noch kann, er wisse nicht, wie er mit Gott daran sei, wessen er sich zu ihm versehen soll. Aber die Welt ist blind und taub, die weder sieht noch hört, was Gott durch seinen Sohn redet und tut, darum wird ers auch von ihnen fordern, 5. Mose 18, 19.

Man kann die schwere Anfechtung von der ewigen Vorsehung oder Auserwählung, die viele Leute hoch betrübt, nirgends besser suchen, ja finden und verstehen als in den Wunden Christi, von welchem der Vater gesagt und uns befohlen hat: »Den sollt ihr hören« (Matth. 17, 5). Der Vater in seiner göttlichen Majestät ist uns zu hoch und groß, daß wir ihn nicht ergreifen können, darum weist er uns den richtigen Weg, auf dem wir gewiß zu ihm kommen können, nämlich Christus, und spricht: Glaubt ihr an den und hängt euch an ihn; so wirds sich fein finden, wer ich bin, was mein Wesen und Wille ist. Das tun aber die Weisen, Mächtigen, Hochgelehrten, Heiligen und der größte Haufe durchaus in aller Welt nicht.

Darum ist und bleibt ihnen Gott unbekannt, ob sie gleich viel Gedanken von ihm haben, disputieren und reden; denn es ist kurzum beschlossen, daß außer Christus Gott unbekannt und ungefaßt will sein.

Willst du nun wissen, warum so wenig selig und so unzählig viel verdammt werden? Das ist die Ursache, daß die Welt nicht hören will, fragt nichts danach, ja verachtet, daß er, der Vater, von ihm zeugt: »Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe« (Matth. 3, 17), so als ob er sagen wollte: Bei ihm allein sollt ihr finden, was und wer ich bin, und was ich haben will, sonst werdet ihrs im Himmel noch auf Erden nicht finden.

Glaubt ihr nun an den Sohn, den ich euch zum Heiland gesandt habe, so will ich Vater sein, und soll gewiß wahr und Amen sein, was dieser Sohn sagt und verheißt, ich will ihn nicht lassen zum Lügner werden (2. Kor. 1, 19, 20).

Daraus folgt gewißlich, daß alle, die sich durch ein anderes Mittel als durch Christus unterstehen und bemühen zu Gott zu kommen (wie Juden, Heiden, Türken, Papisten, falsche Heilige, Ketzer usw.), in greulicher Finsternis und Irrtum wandeln. Und hilft ihnen nicht, daß sie ein ehrbar, strenges Leben äußerlich führen, große Andacht vorgeben, viel tun und leiden, Gott lieben und ehren, wie sie rühmen.

Denn weil sie Christus nicht hören, noch an ihn glauben wollen, ohne welchen niemand Gott kennt, niemand Vergebung der Sünden und Gnade erlangt, niemand zum Vater kommt, so bleiben sie für und für im Zweifel und Unglauben, wissen nicht, wie sie mit Gott daran sind, und müssen endlich in ihren Sünden sterben und verderben. »Denn wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat«, Joh. 5, 23. »Und wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht«, 1. Joh. 2, 23. »Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm«, Joh. 3, 36.

Hier der Text der Tischrede als pdf.

 

„Nur wer entscheidet, existiert!“ – Luther-Mund tut neue Weisheit kund

22. Februar 2017

playmobil-winterluther

Winfried  Kretschmann hat sich seiner schon angenommen im Deutschlandfunk in der Reihe „Luther aufs Maul geschaut“: „Nur wer entscheidet, existiert!“  Und auch in einem Nachruf auf den verstorbenen Playmobil-Chef, Horst Brandstätter in der Berliner Zeitung heißt es abschließend: „Es gibt ein Luther-Zitat, das gut zu Brandstätters Leben passt: ‚Nur wer entscheidet, existiert.'“

Nun weiß man ja , dass der Apfelbäumchenendzeitpflanzspruch nicht aus dem Munde Luthers stammt, sondern in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs zum ersten Mal aufgekommen ist (vgl. dazu Martin Schloemann, Luthers Apfelbäumchen?: Ein Kapitel deutscher Mentalitätsgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg, 2. erweitere Auflage, Berlin 2016). Und auch der Entscheidungsexistenzspruch verdankt sich einem philosophischen Dezisionismus bzw. Existenzialismus des 20. Jahrhunderts. Wer Luthers De servo arbitrio (Von der Unfreiheit des Willens) kennt, weiß, dass die Verherrlichung eigener Entscheidungen nicht aus dem Munde Luthers kommen kann. Aber dafür muss Martin Luther eben herhalten: Für die Selbstbestätigung des protestantischen Bürgertums mit aller selbstbezüglicher Freiheitsliebe.

„Weiden ist nichts anders als das Evangelium predigen, davon die Seelen gespeist, fett und fruchtbar werden“ – Martin Luther über das kirchliche Hirtenamt

27. Januar 2017

Was James Rebanks in seinem Buch „The Shepard’s Life“ als Grundregeln seines Schäferberufs benannt hat, lässt sich auch auf das pastorale bzw. bischöfliche Hirtenamt in der Kirche übertragen: „My job is simple: get around the fields and feed and shepherd the different flocks of ewes—dealing with any issues that arise. First rule of shepherding: it’s not about you, it’s about the sheep and the land. Second rule: you can’t win sometimes. Third rule: shut up, and go and do the work.“ Passend dazu hat Martin Luther in seinen Predigtauslegungen zum ersten Petrusbrief von 1523 bezüglich 1.Petrus 5,2 „Weidet die Herde Christi, die euch befohlen ist“ ausgeführt:

„Christus ist der Erzhirte, und er hat unter sich viele Hirten und auch viele Schafe, die hat er seinen Hirten hin und her ausgetan, wie St. Petrus hier schreibt, in vielen Ländern. Was sollen dieselben Hirten tun? Sie sollen die Herde Christi weiden. Das hat der Papst auf sich bezogen und will damit bewähren, daß er Oberherr sei und mit den Schafen umgehen möge, wie er will. Man weiß wohl, was „weiden“ heißt, nämlich daß die Hirten den Schafen Weide geben und Futter vorlegen, auf daß sie fruchtbar werden, dazu daß sie darauf sehen, daß nicht die Wölfe kommen und die Schafe zerreißen. Es heißt nicht „schlachten und würgen“.

Nun sagt St. Petrus nachdrücklich „die Herde Christi“, als sollte er sagen: Denkt nicht, daß die Herde euer ist, ihr seid nur Knechte. … Die Bischöfe sind Knechte Christi, daß sie seine Schafe hüten und ihnen Weide geben. Darum ist „weiden“ nichts anders als das Evangelium predigen, davon die Seelen gespeist, fett und fruchtbar werden, daß sich die Schafe nähren im Evangelium und Gottes Wort. Das ist allein eines Bischofs Amt. …

Ein Prediger muß nicht allein weiden, so, daß er die Schafe unterweist, wie sie rechte Christen sein sollen, sondern auch daneben den Wölfen wehren, daß sie die Schafe nicht angreifen und mit falscher Lehre verfüh­ren und Irrtum einführen, wie denn der Teufel nicht ruht. Nun findet man jetzt viele Leute, die wohl leiden mögen, daß man das Evangelium predige, wenn man nur nicht wider die Wölfe schreit und wider die Prälaten pre-[235]digt. Aber wenn ich schon recht predige und die Schafe wohl weide und lehre, so ist’s dennoch noch nicht genug der Schafe gehütet und sie be­wahrt, daß nicht die Wölfe kommen und sie wieder davon führen. Denn wie ist das ein Bauen, wenn ich Steine auftürme und sehe einem anderen zu, der sie wieder einwirft? Der Wolf kann wohl leiden, daß die Schafe gute Weide haben, er hat sie desto lieber, daß sie feist sind. Aber das kann er nicht leiden, daß die Hunde feindlich bellen. Darum ist es ein großes Ding, wer es zu Herzen nimmt, daß einer recht weide, wie es Gott befoh­len hat. …

Und hier rührt St. Petrus zweierlei Stücke an, die da wohl jemanden möchten abschrecken, dem Volk vorzustehen. Aufs erste findet man et­liche, die da fromm sind und lassen sich auch ungern dazu zwingen, daß sie Prediger sind, denn es ist ein mühsames Amt, daß man überall zusehe, wie die Schafe leben, daß man ihnen helfe und sie aufrichte, da muß man Tag und Nacht aufsehen und wehren, daß nicht die Wölfe einreißen, dazu muß man auch Leib und Leben einsetzen. Darum spricht er: „Ihr sollt’s nicht genötigt tun“. Wahr ist’s, es soll sich niemand selbst unberufen zu dem Amt dringen, aber wenn er berufen und gefordert wird, soll er willig hinangehen und tun, was sein Amt fordert. Denn die es genötigt tun müs­sen und nicht Lust und Liebe dazu haben, die werden’s nicht wohl ausrichten.

Die andern sind noch ärger als diese, die dem Volk vorstehen und darin ihren Gewinn suchen, daß sie ihren Wanst weiden. Diese suchen die Wolle und die Milch von den Schafen, fragen nichts nach der Weide. … Denn wenn der, der da weiden soll, so auf das Gut gerichtet und gewinnsüchtig ist, würde er bald selbst ein Wolf werden. …“

Quelle: D. Martin Luthers Epistel-Auslegung, Bd. 5, hrsg. v. Hartmut Günther und Ernst Volk, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1983, 234f (WA 12,388-390).

„Christus hat alle unsere Sünde auf sich genommen …“ Martin Luthers Auslegung von Galater 3,13

17. Januar 2017

lamm-gottes

Christen tun sich oft mit dem stellvertretenden Sühnetod Jesu am Kreuz schwer. Ein Grund dafür ist der Eintrag einer bibelfremden Satisfaktionslehre, derzufolge Christus durch seinen stellvertretenden Tod Genugtuung bzw. Wiedergutmachung für eine göttliche Ehrverletzung durch die menschliche Sünde geleistet habe. Durch Jesu stellvertretender Tod sei also eine notwendige Änderung bei Gott bewirkt worden. In der Bibel hat freilich Jesu Stellvertretung eine umkehrte Ausrichtung. Sie bewirkt nicht etwas in Gott, sondern für die Menschen. In seiner Auslegung des Galaterbriefs (1531/35) hat dies Martin Luther mit Bezug auf den Schlüsselvers „Christus aber hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns – denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt«“ (Gal 3,13) eindrücklich herausgestellt:

„Was immer ich und du und alle an Sünden begangen haben und in Zukunft noch begehen wer­den, gehört so eigentlich zu Christus, als wenn er selbst diese Sünden begangen hätte. Alles in allem, es muß unsere Sünde Christi ei­gene Sünde werden, oder wir sind in Ewigkeit verloren. […] Das ist unser höchster Trost, Christus so anziehen und ihn so einhüllen zu dürfen in meine, deine und der ganzen Welt Sünden, und daß wir ihn sehen dürfen als den, der unser aller Sün­de trägt. Wenn wir Christus so ansehen, nimmt er leicht weg die fanatischen Meinungen der Gegner im Blick auf die Werk-Rechtfertigung. Die Papisten erträumen einen Glauben, der durch die Liebe erst richtige Gestalt gewinnt; durch diesen Glauben wollen sie die Sünde beseitigen und gerechtfertigt werden. Aber das heißt Christus wegtun von den Sünden und völlig aus ihnen herausnehmen und ihn unschuldig sprechen, uns aber beladen und belasten mit den eigenen Sünden. Wenn man von dem durch die Liebe gestalteten Glauben ausgeht, dann erblickt man die Sünde nicht in Christus, sondern in uns selbst, aber das heißt Christus aus der Mitte tun und ihn müßig machen. Denn wenn es wahr ist, daß wir durch un­sere eigenen Werke und durch die Liebe die Sünde austun, dann trägt sie nicht Christus, sondern wir tragen sie. Wenn aber Christus das Lamm Gottes ist, das der Welt Sünde trägt, wenn er der ist, der für uns zum Fluch gemacht und in unsere Sünden eingehüllt ist, dann folgt not­wendig, daß wir nicht durch unsere Liebe gerechtfertigt werden und daß nicht wir die Sünde besei­tigen können. Gott hat unsere Sünde nicht auf uns, sondern auf Christus, sei­nen Sohn, gelegt.“

Der vollständige Text der Auslegung Luthers bezüglich Galater 3,13 findet sich hier als pdf.

Martin Luther und der Pfarrermangel

16. Januar 2017

pfarrermangel

Martin Luthers Schrift „Eine Predigt, dass man Kinder zur Schule halten soll“, geschrieben 1530 während des Augsburger Reichstags auf der Veste Coburg, ist mehr als nur ein Plädoyer für die allgemeine Schulbildung. Konkret geht es um einen sich abzeichnenden Pfarrermangel. Eltern werden daher angehalten, ihre Söhne zur Schule zu schicken, damit genügend Nachwuchs für den Pfarrdienst bzw. den Staatsdienst gewonnen werden kann. Den Eltern scheint offensichtlich eine handwerkliche bzw. kaufmännische „Karriereplanung“ für die eigenen Söhne zukunftsträchtiger zu sein. So muss Luther mit aller rhetorischer Kunst drohen und werben:

„Damit du dich nicht zu sehr sorgst, wie dein Sohn ernährt wird, wenn er sich zum Studium und zu solchem göttlichen Amt und Dienst begibt, so hat Gott dich auch hierbei nicht verlassen und vergessen, so dass du nur ja nicht sorgen noch klagen sollst. Er hat durch Paulus im 1. Korintherbrief, Kap. 9, verheißen: »Die das Evangelium verkündigen, sollen sich vom Evangelium auch ernähren«, und durch Christus selbst nach Matthäus, Kap. 10: »Der Arbeiter ist seiner Speise wert. Esst und trinkt, was sie haben.« Damit sein Predigtamt im Alten Testament nicht unterging, erwählte er und nahm das ganze Geschlecht Levi, nämlich den zwölften Teil des gesamten Volkes Israel, und gab ihnen den Zehnten vom ganzen Volk, darüber hinaus die ersten Früchte, allerlei Opfer, eigene Städte, Vorstädte, Äcker, Wiesen, Vieh und was dazu gehört. Und sieh nur im Neuen Testament: Wie reichlich vor Zeiten Kaiser, Könige, Fürsten und Herren zu solchem Amt gegeben haben, was jetzt die Stifte und Klöster besitzen und damit Könige und Fürsten übertreffen. Er wird und kann die, die ihm getreu dienen, nicht verlassen, er hat es zu sehr versprochen und zugesagt wie im Hebräerbrief, Kap. 13: »Ich will dich nicht im Stich noch alleine lassen.«

Rechne auch selbst, wie viele Pfarren und Kanzeln, Schulen und Küstereien vorhanden sind, die noch jetzt zum größeren Teil genug versorgt sind und täglich frei werden. Was sind das anders als Küchen und Keller, deinem Sohn von Gott bestellt, dass er seine Nahrung schon zubereitet hat, ehe er sie braucht, und dazu nichts erwerben muss? Als ich ein junger Student war, hörte ich sagen, dass es im Fürstentum zu Sachsen (wenn ich mich recht erinnere) gegen achtzehnhundert Pfarren gebe. Wenn das wahr ist und auf jede Pfarre wenigstens zwei Personen gehören, nämlich ein Pfarrer und ein Küster, nicht gerechnet, was in Städten an Predigern, Kaplänen, Helfern, Schulmeistern und Kollaboranten vorhanden ist, gehören allein in diesem Fürstentum um die viertausend gelehrte Personen dazu, von denen in zehn Jahren wohl ein Drittel stirbt. Nun wollte ich wetten, dass es innerhalb Deutschlands im Augenblick mehr als viertausend Studenten gibt. Ich nehme weiter an, dass knapp achthundert Pfarren im Fürstentum existieren, wie viele von ihnen wird es wohl im ganzen deutschen Lande geben? Ich will gern zusehen, wo man in drei Jahren Pfarrer, Schulmeister, Küster hernehmen will. Werden wir hier nicht etwas tun und besonders die Fürsten darum bemüht sein, dass Knabenschulen und Universitäten recht eingerichtet werden, so wird ein solcher Mangel an Personen herrschen, dass man drei oder vier Städte einem einzigen Pfarrer und zehn Dörfer einem Kaplan wird anbefehlen müssen, wenn man sie dann überhaupt noch haben kann.“

„Das Wort, der Name Jesus Christus hat den Glauben ergriffen“ – Friedrich Mildenberger über Martin Luther als Prediger

9. Januar 2017
Martin Luther als Prediger (1547). Predella des Cranach-Altars in der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg

Martin Luther als Prediger (1547). Predella des Cranach-Altars in der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg

Wie Martin Luther einer Gemeinde mittels seiner Predigten theologisch vorgestellt werden kann, hat Friedrich Mildenberger mit seinem Vortrag zum damaligen Lutherjahr 1983 unter dem Titel „Martin Luther, Doktor und Prediger der Heiligen Schrift“ gezeigt. Darin bringt Mildenberger unter anderem Luthers Verständnis des Glaubens zur Sprache:

„Das, was hier gesagt wird, ist unglaublich: Daß es allein darauf ankommen soll, sich im Glau­ben durch Jesus Christus festhalten zu lassen. Dann kann mir niemand irgend etwas anhaben. Dann braucht mich nichts zu erschrecken. Dann bin ich gerettet in Zeit und Ewigkeit. So klingt das bei Luther; und vielleicht fragt sich der eine oder andere doch, ob das nicht ein biß­chen übersteigert sei: Was ist das für eine merkwürdige Haltung, dieser Glaube, der so tut, wie wenn ihn die ganze Welt nichts mehr anginge, sobald er nur seinen Jesus Christus hat? Was ist das für eine Lebensgestalt? Hat Luther denn selbst das in die Praxis umgesetzt, was er hier nennt? Der Einwand liegt nahe, das will ich gerne zugeben. Es ist unser Einwand, deshalb jedem, der fragen kann, geläufig, weil wir den Glauben als eine menschliche Haltung zu ver­stehen gewohnt sind: Ich entscheide mich zum Glauben, und dann bin ich gläubig – oder ich entscheide mich nicht dazu. Damit aber sind wir ganz weit weg von dem, was Luther gelehrt und was er doch wohl auch erfahren hat. Ich habe eben sehr bewußt gesagt: Das Wort, der Name Jesus Christus hat den Glauben ergriffen. Allein darauf kommt es an, sich im Glauben durch Jesus Christus festhal­ten zu lassen. Wir sind es gewohnt, hier umgekehrt zu denken und zu reden: Der Glaube ergreift Jesus Christus, der Glaube hält Jesus Christus fest. Natürlich kann man auch so sagen. Nur ist dann nicht ganz klar, was hier klar sein muß: daß die Aktivi­tät im Glauben allein von Gott ausgeht. Wenn wir das nicht sehen, werden wir Luther nie verstehen.“

Hier der vollständige Text des Vortrags als pdf.

Martin Luther gegen den arbeitsfreien Buß- und Bettag

17. Dezember 2016

buss-und-bettag01

Immer wieder hört man von kirchenleitender Seite die Forderung, dass der Buß- und Bettag wieder als gesetzlicher Gedenk- und Feiertag gelten soll. Wenigstens einen evangelischen Feiertag will man staatlich anerkannt haben. Schließlich haben ja die Katholiken – zumindest in Bayern – Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt und Allerheiligen. Nun ist der Buß- und Bettag von seiner Genese her kein kirchlicher Feiertag. Vielmehr hat die staatliche Obrigkeit angesichts von Notständen und Gefahren ihre Untertanen kollektiv zur Umkehr und zum Gebet aufgerufen und dazu arbeitsfreie Buß- und Bettage angeordnet. Was jedoch für uns Evangelische schwerer wiegen dürfte, ist das ursprüngliche Anliegen der Reformatoren. Wider eine kirchlich approbierte „Freizeitgesellschaft“ sah man sich einem Industrieethos verpflichtet, das die vielen arbeitsfreien kirchlichen Feiertagen abzuschaffen suchte. So schreibt Martin Luther in seinem Sermon von den guten Werken in der Auslegung des dritten Gebotes unter Siebzehntens:

„Dieses Gebot schließt nach geistlichem Ver­ständnis ein noch viel höheres Werk ein, das die ganze Natur des Menschen in sich begreift. Hierzu muss man wissen, dass Sabbat auf Hebräisch »Feier« oder »Ruhe« heißt, weil Gott am siebten Tage ruhte und mit allen seinen Werken, die er geschaffen hatte, aufhörte. Darum gebot er, dass man am siebten Tag feiern und auch mit unseren Werken aufhören solle, die wir in den sechs Ta­gen ausgeübt haben. Dieser Sabbat ist nun in den Sonntag ver­wandelt und die andern Tage heißen Werktage, der Sonntag aber heißt Ruhetag, Feiertag oder heiliger Tag. Wollte Gott, dass in der Christenheit nur der Sonntag Feiertag wäre und man die Feste der Jungfrau Maria und der Heiligen alle auf den Sonntag legte! Dann unterblieben durch die Arbeit an den Werktagen viele schlimme Untugenden, würden auch die Länder nicht so arm und ausgezehrt. Aber nun sind wir mit vielen Feiertagen ge­plagt, zum Verderben der Seelen, Leiber und Güter, wovon viel zu sagen wäre.“

Wenn es in der ersten von Luthers 95 Thesen heißt „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: ‚Tut Buße‘ usw. (Matth. 4,17), hat er gewollt, daß das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll“, ist ein besonderer Bußtag fehl am Platz.

Martin Luther – Das große Lesebuch – in modernes Deutsch gebracht von Karl-Heinz Göttert

13. Dezember 2016

luther-das-grosse-lesebuch

Im Hinblick auf das Reformationsjubiläum wimmelt nur so von neuen Luther-Büchern, manche eher mit Gimmick-Qualität. Eine Neuerscheinung ist nun wirklich anschaffens- und lesenswert: Martin Luther – Das große Lesebuch, eine Anthologie von deutschsprachigen Texten Luthers, die von Karl-Heinz Göttert neu herausgegeben und in modernes Deutsch gebracht worden sind. Die Auswahl ist klassisch. Im Unterschied zu Luther lesen. Die zentrale Texte, wo Martin H. Jung auf der Basis von Kurt Alands Luther Deutsch eine Fülle von markanten Texten exzerpiert hat, gibt Göttert jedoch die jeweiligen Luther-Texte meist vollständig wieder.

Götterts Übersetzung in modernes Deutsch überzeugt. So wird nicht nur Luthers Sermon Von den guten Werken in neuer Weise verständlich. Wo nämlich Theologen wie Aland Luthers deutschsprachige Texte neu herausgegeben haben, sind deren orthographische, sprachliche und grammatikalische Korrekturen für das gegenwärtige Sprachverständnis (zumindest eines Nichttheologen) oft nicht ausreichend. Göttert hingegen ist als Germanist selbst ausgewiesener Experte für ältere deutsche Literatur sowie für deutsche Sprachgeschichte. Bei Reclam gibt es von ihm gar einen Grundkurs Mittelhochdeutsch. Zudem ist er in Sachen Rhetorik (und Orgelkunst) bestens bewandert.

In einem Interview zur Anthologie erklärt er einleuchtend, warum man Luthers Deutsch tatsächlich übersetzen muss (hörenswert ist auch das Domradio-Interview mit Göttert). Und er kann es mit Sorgfalt und Sprachliebe. Als Beispiel ein längeres Zitat aus dem oben genannten Sermon zur Auslegung des ersten Gebots:

„Sechstens: Das können wir an einem groben fleischlichen Beispiel ablesen: Wenn ein Mann oder eine Frau vom andern Liebe und Wohlgefallen erwartet und fest daran glaubt — wer lehrt ihn dann, wie er sich verhalten, was er tun, lassen, sagen, schweigen, denken soll? Die Zuversicht allein lehrt ihn das alles, und zwar mehr als nötig. Da kennt er keinen Unterschied in den Werken, tut das Große, Lange, Viele so gern wie das Kleine, Kurze, Wenige und umgekehrt und all das mit fröhlichem, fried­lichem, sicherem Herzen — als freier Mensch. Wo aber ein Zwei­fel besteht, da sucht er danach, was am besten ist, da fängt er an, sich Unterschiede der Werke auszumalen, womit er Huld finde, und geht dennoch mit schwerem Herzen und großer Unlust hinzu und ist gleich am Ende seiner Kräfte, mehr als halb ver­zweifelt, und wird oft zum Narren darüber. Ein Christen­mensch, der in wirklicher Zuversicht zu Gott lebt, kennt dage­gen alle Dinge, vermag alle Dinge, nimmt alle Dinge auf sich, die zu tun sind, und tut alles fröhlich und frei, nicht um Verdienste und Werke anzusammeln, sondern weil es ihm eine Lust ist, Gott auf diese Weise zu gefallen. Er dient Gott ganz umsonst und ist zufrieden, wenn es diesem gefällt. Wer dagegen mit Gott nicht eins ist oder daran zweifelt, der fängt an, sucht und sorgt sich, wie er es richtig macht und Gott mit vielen Werken beein­drucken kann. “

Zum Vergleich der gleiche Absatz in Alands Fassung aus Luther Deutsch, Bd. 2 (S. 99):

„Zum sechsten: Das können wir an einem groben fleischlichen Exempel sehen: Wenn ein Mann oder Weib vom andern Liebe und Wohlgefallen erwartet und das fest glaubt – wer lehret denselben, wie er sich stellen soll, was er tun, lassen, sagen, schweigen, denken soll? Die Zuversicht allein lehret ihn das alles, und mehr als not ist. Da ist ihm kein Unterschied in Werken, er tut das Große, Lange, Viele so gern wie das Kleine, Kurze, Wenige und umgekehrt und dazu mit fröhlichem, friedlichen, sicheren Herzen und ist ganz ein freier Geselle. Wo aber ein Zweifel da ist, da sucht er sichs, welches am besten sei; da hebt er an, sich Unterschiede der Werke auszumalen, womit er möge Huld erwerben, und geht dennoch mit schwerem Herzen und großer Unlust hinzu und ist gleich gefangen, mehr als halb verzweifelt und wird oft zum Narren darüber. Ein Christenmensch, der in dieser Zuversicht gegen Gott lebt, weiß ebenso alle Dinge, vermag alle Dinge, nimmt alle Dinge auf sich, was zu tun ist, und tuts alles fröhlich und frei, nicht um gute Verdienste und Werke zu sammeln, sondern weil es ihm eine Lust ist, Gott auf diese Weise gut zu gefallen; er dienet Gott ganz umsonst, daran zufrieden, daß es Gott gefällt. Wer umgekehrt mit Gott nicht eins ist oder daran zweifelt, der hebt an, sucht und sorget, wie er doch genugtun und Gott mit vielen Werken bewegen wolle.“

Man darf gespannt sein, was das für Februar 2017 bei S. Fischer angekündigte Buch von Karl-Heinz Göttert, Luthers Bibel. Geschichte einer feindlichen Übernahme, zu bieten hat.

Karl-Heinz Göttert: Martin Luther. Das große Lesebuch, Fischer-Taschenbuch, 12,99 Euro

 

Martin Luther – Von der Macht des allgemeinen Kirchengebets und dem Saustall

22. November 2016

Alter Schweinestall

In Martin Luthers Sermon „Von den guten Werken“ (1520) findet sich in Sachen allgemeines Kirchengebet (Fürbitten) und Kirchengebäude folgende Worte, die für unsere evangelische Kirchengegenwart durchaus von Bedeutung sind:

„Die christliche Kirche auf Erden ver­fügt über keine größere, wirksamere Macht als dieses allgemeine Gebet, das alles aufnimmt, was ihr zustoßen kann. Das weiß der böse Geist wohl. Darum tut er auch alles, was er kann, um dieses Gebet zu verhindern. Da läßt er uns hübsche Kirchen bauen, viel stiften, pfeifen, lesen und singen, viele Messen halten und ein maßloses Ge­pränge treiben; dafür ist ihm nichts zu schade. Ja, er hilft noch dazu, daß wir ein solches Treiben für das Beste halten und uns einbilden, wir hätten’s damit wohl ausge­richtet. Aber dass dieses allgemeine, starke, fruchtbare Kirchengebet daneben untergeht und wegen solchen Blendwerks unvermerkt unterbleibt: Da hat er erreicht, was er sucht! Denn wenn das Gebet darniederliegt, wird ihm niemand mehr etwas nehmen, auch niemand wider­stehen. Wo er aber gewahr würde, daß wir dieses Gebet üben wollten, wenn es gleich unter einem Strohdach wäre oder in einem Saustall, würde er es ganz sicher nicht hingehen lassen, sondern sich weit mehr vor diesem Saustall fürchten als vor allen hohen, großen, schönen Kirchen, Türmen, Glocken, wo immer sie sein mögen, wenn nur solches Gebet nicht drin wäre! Es liegt gewiß nicht an den Stätten oder Gebäuden, in denen wir zusammen­kommen, sondern allein an diesem unüberwindlichen Gebet: daran, daß wir dies in rechter Weise zusammen tun und vor Gott kommen lassen.“

Quelle: Martin Luther, Ausgewählte Schriften, hrsg. v. Karin Bornkamm und Gerhard Ebeling, Bd. 1: Aufbruch zur Reformation, Frankfurt a. Main: Insel Verlag 1982, 94f.

Neue Luther-Bibel 2017: Warum ist eigentlich David immer noch bräunlich? (1Samuel 16,12) – „Braun oder rot?“

19. Oktober 2016
Girolamo da Santa Croce - König David  (1540-1550)

Girolamo da Santa Croce – König David (1540-1550)

In der neuen katholischen Einheitsüberset­zung 2017 wird in 1Samuel 16,12 eine fäl­lige Revision vollzogen: „David war röt­lich, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt.“ 1980 hieß es noch, dass David blond gewesen sei. Englischsprachig hin­gegen war es schon immer unstrittig, dass David „ruddy“, also rötlich ausgese­hen hatte. Und auch in der Zürcher Bibel von 2007 steht zu lesen: „Er war rötlich, mit schönen Augen und schön anzusehen.“ In der neuen Luther-Bibel 2017 lesen wir dagegen: „Und er war bräunlich, mit schö­nen Augen und von guter Gestalt.“ Wahre Luther-Treue könnte man meinen, hieß es doch schon in der Luther-Bibel von 1545: „Vnd er war braunlicht mit schönen augen / vnd guter gestalt.“

Bräunlich statt rötlich. Damit steht man nicht nur bei den deutschsprachigen, son­dern auch bei allen anderssprachigen Bi­belübersetzungen ziemlich einsam da. Das hebräische Adjektiv admoni hat in der Tat einen etymologischen Bezug zu „Erde“ (adamah). Als man in Witten­berg das Alten Testament unter Rückbezug auf den hebräischen Text übersetzte, optierte man bezüglich Davids Haarfarbe entgegen der lateinischen Vulgata (rufus) bzw. der grie­chischen Septuaginta (pyrrakes) für die Erdfarbe „bräunlich“, was ja einem ge­wöhnlichen deutschen Ackerboden ent­spricht. Dass in der Levante jedoch der Boden durch den Eintrag von rotem mine­ralischem Staub aus der Sahara- und Sahel-Region rötlich gefärbt ist (terra rosa), konnte man im frühneuzeitlichen Witten­berg nicht wissen.

Aufschlussreich ist nun, dass in der Luther-Bibel (1545/2017) in 1Mose 25,25 bezüg­lich Esau das hebräische Adjektiv admoni traditionsgemäß mit „rötlich“ übersetzt wird, während sich das selbe Wort bezüg­lich David eben in „bräunlich“ (1Samuel 16,12; 17,42) verwandelt hat. Für Luther könnte Grund zur Vermeidung der Haar­farbe „rot“ bezüglich David ge­wesen sein, dass auf spätmittelalterli­chen Bildern Judas als Verräter durch die rote Haarfarbe ge­kenn­zeichnet ist. Und auch Esaus rötliche Haarfarbe wird in der Kir­chengeschichte moralisch abgewertet, so wenn der Kir­chenvater Ambrosius schreibt: „Esau näm­lich war der Typus der Bosheit, Jakob wie­derum trug die Gestalt der Güte.“[1]

Nein, das ist kein Ausweis übersetzerischer Treue und Genauigkeit, wenn eine kultur­ge­schichtliche Diskriminierung der roten Haarfarbe in verdeckter Weise in der neu­en Luther-Bibel 2017 fortgeschrieben wird.

[1] „Esau enim typus erat malitiae, Iacob figuram bonitatis gerebat“ (De Cain et Abel, PL 14,I,4). Vgl. Ralf Junkerjürgen, Haarfarben. Eine Kultur­geschichte in Europa seit der Antike, Köln: Böhlau, 2009, 37-40.

Hier der Text als pdf.

In gekürzter Fassung unter dem Titel „Braun oder rot?“ in Christ in der Gegenwart veröffentlicht.