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Miao Xiaochun, „The Last Judgment in Cyberspace“ und Michelangelo, „Das Jüngste Gericht“

10. März 2017

Miao Xiaochun – The Last Judgement in Cyberspace – The Front View (2006)
© Miao Xiaochun

Der chinesische Medienkünster Miao Xiachun (hat unter anderem in Kassel studiert) nimmt sich in seinem Projekt „The Last Judgment in Cyberspace“ Michelangelos Fresko „Das Jüngste Gericht“ (1533–1541) aus der Sixtinischen Kapelle an und verwandelt dessen Zweidimensionalität in eine virtuelle 3-D-Realität. Dabei transponierte Miao die szenischen Elemente des Originalgemäldes in den virtuellen Raum und ersetzte die vierhundert männlichen und weiblichen Figuren durch einen 3-D-Klon in Gestalt des Künstlers. Mehrere schwarz-weißer Digitalaufnahme zeigen die freigestellten szenischen Elemente in einer neuen, räumlich transparenten Komposition.

Michelangelo – Jüngstes Gericht, 1534-1541  Rom, Città del Vaticano, Sixtinische Kapelle (Ausschnitt)

In Fortführung dieses Projektes schuf Miao außerdem eine 3-D-Computeranimation The Last Judgment in Cyberspace – Where Will I Go? Auf dem siebenminütigen Video bewegt sich das eigene Leben unaufhaltsam auf das Jüngste Gericht zu. Dazu findet sich die passende Sprechmotette:

Where will I go? — You will go there.
Where can I go? — You can go there.
Where should I go? — You should go there.
Where do I want to go? — You want to go there.
Where may I go? — You may go there.
Where must I go? — You must go there.
Where can I only go? — You can only go there.
Where will I go after all? — You will go there after all.
Where will I really go? — You will really go there.
Where will I go right now? — You will go there right now.
Where will I immediately go? — You will immediately go there.
Where do I have no choice but to go? — You have no choice but to go there.
In the end, where will I go? — In the end, you will go there.

Für eine Einführung in das Werk siehe Wu Hung, Miao Xiaochun’s Last Judgment.

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Fadenscheiniger Osterglaube in Miao Xiaochuns „Zero Degree Doubt“ und Caravaggios „Der ungläubige Thomas“

9. März 2017

Miao Xiaochun – Zero Degree Doubt (2013) © Miao Xiaochun

Das könnte doch für Ostern eine Predigt mit Bezug auf Johannes 20,24-29 wert sein – das Bild des chinesischen Medienkünstlers Miao Xiaochun mit dem Titel „Zero Degree Doubt“ von 2013. Dieses Bild (Acryl auf Leinen, 150 x 150 cm) wird auf der Kunstausstellung „Luther und die Avantgarde„. Zeitgenössische Kunst in Wittenberg, Berlin und Kassel vom 19. Mai bis 17. September 2017 in Deutschland zu sehen sein.

Caravaggio – Der ungläubige Thomas

Die Vorlage dazu ist ja ganz offensichtlich Caravaggios Meisterwerk „Der ungläubige Thomas“ (1601/02, Schloss Sanssouci Bildergalerie, Berlin). Da wird hinter 3-D-simulierenden Gitternetzlinien die fingerfertige Berührung in eine Transparenz aufgelöst, die Leiblichkeit und Leben des Auferstandenen nicht länger begreifen können – ein fadenscheiniger Osterglaube also.