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Danksagungsgebet über Milch und Honig

28. April 2017

In der Taufeucharistie der Traditio Apostolica wird zusätzlich zu Brot und Wein auch ein Melikraton-Kelch, d.h. Milch mit Honig, sowie ein Kelch mit Wasser benediziert. Dazu findet sich in der äthiopischen Fassung folgendes Danksagungsgebet:

Wir danken dir, Gott,
der du alles beherrschst,
Vater unseres Geistes,
der du uns zum zweiten Mal geboren hast
durch Wasser und Geist in Jesus Christus, unserem Herrn,
den du gegeben hast, dass er das heilige Bad zur Vergebung der Sünden ordne,
indem wir also das Geschlecht deiner Weide sind,
die wir durch das Wort der (Wieder-) Geburt genährt werden mit Milch,
der Speise von deiner Gnade am Busen unserer heiligen Mutter,
indem der Heilige Geist durchs Wort tröstet.
Und du, Herr, bist allezeit zur Nahrung,
und, indem du uns bei der Ernährung deiner Kinder stillst
mit der Milch des Lebens nach dem Vorbild und Gebot der Schöpfung,
bringen wir dir das, was Milch und Honig ist,
das da herfließt von der heiligen Kirche, unserer Mutter,
die uns großgezogen hat.
Was von dir geheiligt ist, o Herr,
segne (es) segnend und heilige (es) heiligend,
damit es für die, welche davon empfangen in unvergänglicher Gemeinschaft,
sei zur Nahrung und zum Bad, zu deinem Guten, der Lehre,
in deiner Furcht und zum Maß des (Voll-)Wuchs.
Denn dein in allem geehrte Namen ist gepriesen
in die Ewigkeit der Ewigkeit.
Amen.

(Quelle: Der aethiopische Text der Kirchenordnung des Hippolyt. Nach acht Handschriften hg. und übers. von H. Duensing, Göttingen 1946, 123f.)

In alten liturgischen Handschriften zum sogenannten Leonianum findet sich für den Ostersamstag am Ende des Kanons folgendes Segensgebet über Wasser sowie über Milch und Honig:

Segne, Herr, auch diese Schöpfungsgaben
des Quellwassers, der Milch und des Honigs,
und tränke deine Diener aus dieser (deiner) immerwährenden Quelle, …
nämlich dem Geist der Wahrheit,
und nähre sie mit diesem Honig und dieser Milch.
Denn du, Herr,
hast unsern Vätern Abraham, Isaak und Jakob die Verheißung gegeben,
als du sprachst:
Ich werde euch in das Land der Verheißung führen,
in ein Land, das von Milch und Honig fließt.
Verbinde, Herr, deine Diener mit deinem Geist,
wie dies, Milch und Honig, verbunden ist, in Jesus Christus.
Durch ihn erschaffst du immerfort alle diese guten Gaben …

(Nach Johannes Betz, Die Eucharistie als Gottes Milch in frühchristlicher Sicht, 2. Teil,  ZKTh 106, 1984, 167-185.)

Und schließlich noch der erste Vers aus der 40. der Oden Salomos:

Wie der Honig träufelt von den Waben der Bienen
und die Milch rinnt von der ihre Kinder liebenden Frau,
so ist auch meine Hoffnung auf dich, mein Gott.

(Oden Solomos, übers. v. Michael Lattke, Freiburg i.Br. 1995, 206)

Theologie der Milch – Zum Sonntag Quasimodogeniti

19. April 2017

Der Name des Sonntags Quasimodogeniti (Osteroktav) leitet sich von der früheren lateinischen Antiphon ab: Quasi modo geniti infantes, Halleluja, rationabile, sine dolo lac concupiscite – auf Deutsch: „Wie die neugeborenen Kindlein seid begierig nach der vernünftigen (logikon), lauteren (adolon) Milch (gala)“ (1. Petrus 2, 2)

Die Symbolik der Milch hat in der Alten Kirche liturgisch und sakramental eine gewichtige Rolle gespielt, so wenn Clemens von Alexandria in seinem Paidagogos schreibt:

„Ich habe euch in Christus mit einfacher und wahrer und natürlicher Speise, der geistlichen, unterrichtet; denn dies ist das Wesen der lebenspendenden Milch, die aus zärtlich liebenden Brüsten quillt. Somit wäre das Ganze so aufzufassen: Wie die Ammen mit der Milch die neugeborenen Kinder ernähren, so auch ich, indem ich euch mit dem Wort, der Milch Christi, geistliche Speise einflöße. In diesem Sinn ist die vollkommene Milch eine vollkommene Speise und führt zu einer unaufhörlichen Vollendung. Deswegen ist in der Ruhe dies nämliche, „Milch und Honig“, verheißen. Begreiflicherweise verspricht der Herr den Gerechten wieder Milch, damit so deutlich der Logos als beides erwiesen werde, „als A und O, als Anfang und Ende“,  der Logos, der sinnbildlich als Milch bezeichnet wird.“ (Paed I,6,35f – Übersetzung Stählin)

Und im Schlusshymnus des Paidagogos heißt es:

Christus Jesus;
Himmlische Milch,
Die aus süßen Brüsten
Der Braut, den Liebesgaben
Deiner Weisheit,
Entquillt,
Nehmen wir Unmündigen
Mit kindlichem Mund
Als Nahrung zu uns,
Aus der Mutterbrust des Logos,
Mit des Geistes Tau
Lassen wir uns erfüllen
(Paed III,101,3 Z. 41-52)

Eine ähnliche Sprache findet sich der 19. der Oden Salomos:

„Ein Becher Milch ist mir gebracht worden, und ich habe ihn getrunken in der Süßigkeit der Güte des Herrn. Der Sohn ist der Becher, und er, der gemolken wurde, der Vater; und es hat ihn gemolken der Heilige Geist, denn seine Brüste waren voll, und es hätte sich nicht  geziemt, daß seine Milch achtlos verschüttet wurde. Der Heilige Geist hat seinen Busen geöffnet und hat die Milch der beiden Brüste des Vaters gemischt und hat die Mischung der Welt gegeben, ohne dass sie es wusste; und die, welche sie empfingen in ihrer Fülle, sind die zur Rechten.“ (19,1-5 – Übersetzung Flemming)

Ja, eine schwülstige Sprache, aber das Symbol der Milch verweist für die „Kinder Gottes“ auf eine nährende und zugleich intime göttliche Lebensbeziehung in Jesus Christus (vgl. Johannes 6,27-58).