Posts Tagged ‘Religion’

„Bedarf es nicht immer der Religion, weil die Erde das Grauen bleibt?“ – Max Horkheimer

4. August 2017

Horkheimer Notizen

In Max Horkheimers postum veröffentlichten Notizen und Dämmerung findet sich folgender Text von 1959/60 in Sachen Aufklärung und Religion (S. 127):

Der Begriff von Göttern oder Gottes, so sagten die Aufklärer der Nationen, diente zur Erklärung des Unerklärten, der Schaffung und der Zusammenhänge in der Natur und der Schicksale der Menschen in der Gesellschaft. Je weiter die Naturerkenntnis fortschreitet und je gerechter und durchsichtiger die Gesellschaft wird, so daß keine gesellschaftlich bedingten Unterschiede, kein gesellschaftlich bedingtes Leid den Finger Gottes als Erklärung fordern, desto weniger werden die Menschen der Religion bedürfen. Erst dann, so konnte man den Aufklärern erwidern, erst wenn die Religion von ihrer ideologischen Funktion befreit ist, wird die Frage nach ihrer Wahrheit unzweideutig zu stellen sein. Aber, so könnten sie erwidern, werden wir dann nicht der Religion bedürfen, weil wir doch sterben müssen und weil die Kreatur, die nichtmenschliche, durch die Natur und vor allem durch die unbarmherzige Menschheit leidet? Bedarf es nicht immer der Religion, weil die Erde, auch wenn die Gesellschaft in Ordnung wäre, das Grauen bleibt?

Und über das Vergessen heißt es auf S. 353f:

Wenn einer ganz tief unten ist, einer Ewigkeit von Qual, die ihm andere Menschen bereiten, ausgesetzt, so hegt er wie ein erlösendes Wunschbild den Gedanken, daß einer komme, der im Licht steht und ihm Wahrheit und Gerechtigkeit widerfahren läßt. Es braucht für ihn nicht einmal zu seinen Lebzeiten zu geschehen und auch nicht zu Lebzeiten derer, die ihn zu Tode foltern, aber einmal, irgendwann einmal, soll doch alles zurechtgerückt werden. Die Lügen, das falsche Bild, das man von ihm in die Welt bringt, ohne daß er sich noch dagegen wehren könnte, sollen einmal vor der Wahrheit vergehen, und sein wirkliches Leben, seine Gedanken und Ziele, ebenso wie das ihm am Ende zugefügte Leid und Unrecht sollen offenbar werden. Bitter ist es, verkannt und im Dunkel zu sterben.

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Mission als Namenszeugnis – eine Rezension

30. April 2013

In der Aprilausgabe der Theologischen Literaturzeitung ist von Prof. Gerhard Sauter, Bonn folgende Rezension meines Buches „Mission als Namenszeugnis“ erschienen:

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Teuffel, Jochen: Mission als Namenzeugnis. Eine Ideologiekritik in Sachen Religion. Tübingen: Mohr Siebeck 2009. IX, 269 S. Kart. EUR 24,00. ISBN 978-3-16-149910-4.

Jochen Teuffel unterrichtete 2002-2008 Systematische Theologie am Lutheran Theological Seminary in Honkong. Während dieser Zeit lernte er nicht nur viele Studierende auch aus China und aus anderen fernöstlichen Ländern kennen; er hat sich auch dort umgesehen und die gewonnenen Eindrücke mit der Sicht christlicher Missionsgeschichte verglichen, wie sie seit Jahrzehnten in Europa und den USA vorherrscht.

Die ersten vier Kapitel der Studie enthalten eine überzeugende Revision dieser Sicht, die »Mission« als Seitenzweig von Kolonisation und abendländischem Kulturimperialismus abwertet. Nachweislich wird sie dem Selbstverständnis der Christen, deren Kirchen aus evangelischer Mission erwachsen sind, ebenso wenig gerecht wie ihren vielfältigen missionarischen Aktivitäten. Teuffel widerlegt u. a. das Vorurteil, Mission gefährde indigene Kulturen (65 f.95-97). Er weist nach, wie die Übersetzung der Bibel in die Muttersprachen auch kulturelle Identitätsbildung förderte, indem sie half, das Evangelium mit »eigenen Worten im je eigenen Lebenskontext in glaubhafter Weise« zu bezeugen (42). Ein solches Zeugnis bedarf Lebensformen, in denen persönliches und soziales Wohlergehen dank der »wirkungsbezogenen Lehre« (21) biblischer Botschaft angestrebt wird. Diese »Wohlergehenslehre« (28.31-36) gewinnt vor allem in der südlichen Hemisphäre mehr und mehr an Bedeutung (81-85). Als Heilslehre wird sie auch deshalb erlebt, weil sie die »Interdependenz zwischen sichtbaren und unsichtbaren Wirkungen in der Lebenswelt von Menschen« bestätigt (ebd.). Eingeübt wird diese Auffassung des Evangeliums in hohem Maße im Bildungswesen: In christlichen Kindergärten, Schulen und Hochschulen, deren Standards auch von Nichtchristen sehr geschätzt werden, wachsen junge Menschen ungezwungen in einen in Geschichte und Gegenwart bezeugten Glauben hinein – gegenläufig, so wäre hinzuzufügen, zu englischen und nordamerikanischen Schulen, Colleges und Universitätsabteilungen, die ihre kirchliche Gründung heute möglichst verschleiern; Fächer, in denen in die christliche Überlieferung eingeführt worden ist, wurden dort weitgehend abgeschafft oder »umgewidmet«. Was [517] in den Missionskirchen geschieht, mag in den Augen mancher »westlicher« Beobachter leicht unter den Verdacht des Fundamentalismus fallen (13). Doch ein Leben mit der Bibel, das Verbindlichkeit nicht scheut, ist »nichts anderes als die emanzipatorische Schriftlektüre in der eigenen Muttersprache« (62).

Der zweite Teil entfaltet den Titel des Buches. Den Begriff »Gott« zu übersetzen, hat sich auf vielen Missionsfeldern als unmöglich erwiesen. Darum plädiert Teuffel dafür, vom biblisch bezeugten NAMEN auszugehen, der als personales Geschehen erzählt wird (130). Seinen Eigennamen, den »der HERR« seinem Volk auferlegt hat (182, Anm. 42), verbindet sich im Passahgeschehen mit Jesus Christus: so, dass alle Menschen durch den Namen des Sohnes Zugang zum Vater erhalten (131). »Christliche Theologie ist NAMENSbestimmt, was nichts anderes heißt, als Jesus Christus mit eigenen Worten und Taten anderen gegenüber so zu bezeugen, so dass diese durch den Namen Jesu IHM [dem HERRN] ihr Vertrauen schenken können.« (ebd.) Aus dieser Perspektive unterzieht Teuffel nicht nur ein allumfassendes »Gottdenken« im Sinne einer »Seinshierarchie« (127), sondern auch »Religion« als neuzeitliche Universalidee einer durchgreifenden Kritik. Sie fällt radikaler aus als manche pauschale Absage an Traditionen »westlicher« Theologie, wie sie in den 1960er und 1970er Jahren vor allem aus den Reihen der Befreiungstheologie zu vernehmen war. »Religion«, urteilt Teuffel, sei »ein neuprotestantisch-europäisches Konstrukt ohne allgemeinkulturelle Fundierung«, mit Anhängern vorzugsweise unter »kirchendistanzierten« Europäern (176). Darum habe sich ein »interreligiöser Dialog« außerhalb Europas und den USA naturgemäß nie entwickeln können, wohl aber eine Verständigung über Fragen des alltäglichen Zusammenlebens (189-191).

Dies alles ist bedenkenswert, auch wenn es oft allzu antithetisch formuliert wird. Gerade deshalb sollte Teuffel das christliche Namenszeugnis darlegen, um substantiell zu verdeutlichen, was es im theologischen Kontext des Namens »Jesus Christus« umfasst.

Indem er jegliches »Kulturchristentum« ablehnt, möchte Teuffel wohl Konsequenzen aus Luthers Zwei-Reiche-Lehre ziehen, die allerdings m. E. das Aufgabenfeld einer theologischen Ethik schmälern. – Der von Teuffel abgewiesene Platonismus dürfte zwar als Ferment der Gotteslehre mehr als fraglich sein. Aber er hat in seiner mittleren Form es der Alten Kirche doch auch ermöglicht, Denkerfahrungen zu gewinnen, die in der Christologie, der Trinitätslehre und in Ansätzen der Eschatologie mit Hilfe biblischer Wortprägungen präzisiert werden konnten. Ob die Missionskirchen im Laufe der Zeit Ähnliches erreichen? Ich vermute, dass sie sich in Fernost – ähnlich wie die Alte Kirche mit dem Platonismus und die Reformation mit der aristotelischen Anthropologie und Ethik – noch eingehender als bisher mit dem konfuzianischen Erbe, das nach wie vor die ostasiatische Gesellschaftsstruktur, Erziehung und Handlungsnormen prägt, auseinandersetzen müssen.

Nur einmal streift Teuffel die »apokalyptische Ausrichtung« der christlichen Missionsbotschaft (179), die wohl in Asien und Afrika weniger anspricht als die kultisch-liturgisch erlebte Heilsgegenwart. Diese Fehlanzeige für die Eschatologie ist jedenfalls für das asiatische Denken ehrlicher als eine Vermittlung des missionarischen Elans junger Kirchen mit dem amerikanischen Fortschrittsenthusiasmus, wie sie etwa in Südkorea zu beobachten ist (vgl. z. B. Sun-Hee Kwak, Eschatology and Christian Mission, Seoul 2000). Für Teuffel bleibt dagegen die Hoffnung auf die Vollendung des Reiches Gottes und die Erneuerung der Schöpfung zu Recht konstitutiv für die christliche Mission; sie schütze die Mission davor, »sich eine eigene Agenda zu geben« und sich etwa als Mittel zur Ausbreitung des Christentums zu verstehen (233-235).

Auch wenn Teuffel unter dem Eindruck seiner Erfahrungen in Fernost eine gewisse »Entfremdung von der sogenannten ›abendlän-[518]disch-christlichen‹ Kultur« erlebt hat (VIII), ist er doch seiner in Deutschland erworbenen theologischen Bildung treu geblieben. Sie hat ihm, verbunden mit scharfsichtiger Beobachtungsgabe, eine eindrucksvolle Analyse mit zahlreichen Anstößen ermöglicht. Ein mit theologischer Leidenschaft geschriebenes, gut lesbares, informatives Buch – anregend gerade in einer Situation, in der die Missionswissenschaft hierzulande einen schweren Stand hat oder gar durch eine deskriptive Religionswissenschaft ersetzt wird, die von asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Christen kaum mehr als theologische Gesprächspartnerin anerkannt werden kann. Teuffels Ideologiekritik verdient auch in anderen theologischen Fächern Beachtung, besonders in der Systematischen Theologie.

Bonn                                                   Gerhard Sauter

Theologische Literaturzeitung 138, Heft 4, April 2013, Sp. 516-518.

Die Verteidigung des Menschen. Warum Gott gebraucht wird

15. November 2012

In der heutigen Ausgabe der ZEIT ist ein lesenswerter Artikel „Das ist Gott“ von Jan Ross über das Kreuz als Zumutung des christlichen Glaubens. Der Artikel ist ein Auszug aus dem Buch „Die Verteidigung des Menschen. Warum Gott gebraucht wird“, das am 9. November bei Rowohlt (wird wohl langsam zum theologischen Verlag) erschienen ist. Ursprünglich war dieses Buch unter dem provokativen Titel „Die gottlose Gesellschaft. Wie die Angst vor der Religion uns verdummt“ angekündigt. Das einleitende Kapitel findet sich hier.

Religion als Diätsache

4. September 2012

Pietaet

In der neuen Ausgabe der Zeitschrift Mission EineWelt (23. Jahrgang, Ausgabe 3, September-November 2012, Seite 19) ist von mir folgender Artikel über chinesische Religiosität und insbesondere das dortige Christentum erschienen (vgl. außerdem „Diätetik statt Sinnstiftung„):

In Sachen Religion weiss man Bescheid. Da geht es um etwas Unbedingtes – man kann auch sagen Göttliches, das Menschen einen letzten Sinn in ihrem Leben finden lässt. Wer sich jedoch der chinesischen Kultur annähert, wird in Sachen Religion eines anderen belehrt. Es gibt im Chinesischen keinen Begriff, der das ausdrückt, was Europäer unter Religion verstehen. Nichtsdestoweniger wird man in Hongkong eine Vielzahl von Aktivitäten oder Orten entdecken, die einem Europäer als „re­ligiös“ erscheinen: Reisopfer an Wegrändern, Ahnenschreine in Wohnungen und schliesslich Tempel, wo Menschen sich mit glimmenden Räucherstäbchen vor Statuen verbeugen.

Religion ist in China wie auch in den ande­ren Ländern Ostasiens keine Weltanschau­ung, sondern Praxis. Der Himmel (Tian) als schicksalhafter, natürlicher und sozialer Ord­nungs­rahmen steht dabei nicht zur Disposition. Bei den verschiedenen religiösen Lehren und kultischen Praktiken – seien sie „taoistisch“, „buddhistisch“, oder „konfuzianisch“ – geht es vielmehr um das eigene Wohlergehen. Als „Diätetiken“, das heisst Lehren der geregel­ten Lebensführung, bieten sie Wege an, wie Menschen ihr Lebens- und Sterbensschicksal in ihrem Familienzusammenhang nicht nur bewältigen, sondern vielmehr verändern und verbessern können. Man ist also mit Absicht religiös: Ich tue etwas, was mir (und anderen) gut tun soll – eben wie bei einer Diät.

Da mag man in Europa unterscheiden zwischen Religion als sinnhafter Weltanschauung, Me­dizin als Heilungslehre und Moral als sittliche Lebensführung. Aber genau diese Unterschei­dung ist im chinesischen Kontext nicht letztgültig; Heil und Heilung sind dort nicht vonei­nander zu trennen. So wird auch in China die christliche Lehre und Gemeinschaft vorrangig diätetisch verstanden und praktiziert: Christus als persönlichen Heiland in der eigenen Be­keh­rung anzunehmen heisst, von einem selbst empfundenen Schuldverhängnis erlöst zu sein. Im Glauben an Christus hat man Zugang zu der Über-Macht des einen Gottes, der Himmel und Erde erschaffen hat. Durch eine eigene, bibelgemässe Lebensführung partizipiert man an der besonderen göttlichen Vorsehung, die für die Gott-Zugehörigen Schutz, Heilung und Wohl­stand bewirken soll. Als Christ in China will man nicht einfach nur „glauben“. Man ver­traut vielmehr darauf, dass man in der vorge­gebenen Heilslehre seine eigene Sache richtig machen kann.

Will man das chinesische Christentumsver­ständnis nachvollziehen, braucht es den Ver­gleich mit fernöstlichen Lehren, wie sie bei uns praktiziert werden. Seien es Qigong, Tai-Chi, Feng-Shui oder traditionelle chinesische Me­dizin – immer mehr Menschen in Europa sind von diesen chinesischen Lehr- und Praxistradi­tionen fasziniert. Gerade das Fremdkulturelle scheint eine besondere Wirkung für das eige­ne Leben zu versprechen. In Sachen überkom­mener christlicher Lehre gibt man sich betont dogmenkritisch und betont die eigene Freiheit des Glaubens. Wenn es hingegen um chine­sische Wohlergehenslehren geht, sucht man als Europäer eine möglichst hohe Regelkon­formität: Klare Sache – wie soll es sonst auch wirken? Und genau da mag man dann bei uns verstehen, warum chinesische Christinnen und Christen in Sachen christlicher Lehre und Praxis ausgesprochen regelgläubig sind.

Hier der Text als pdf.

Da kehrt nichts wieder

16. Mai 2011

„Religionen in der Moderne folgen dem Axiom: Wer in der Geisterbahn fährt, muss nichts von Geistern verstehen.“ Ein zutreffender Satz aus einem Vortrag von Thomas Macho über die erfolglose Wiederkehr der Religionen, der in der heutigen NZZ abgedruckt ist.

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Hermann Lübbe – Das Recht der Religionen

29. April 2011

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Die rechtliche Sonderstellung der beiden großen Kirchen in Deutschland lässt sich nach Auffassung des Philosophen Hermann Lübbe nicht mehr lange halten. Das Staatskirchenrecht in seiner jetzigen Form sei „unzureichend“, um die Vielfalt religiösen Lebens in der Bundesrepublik abzubilden, schreibt Lübbe in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (26. April).

Die Illusion der Religionen

12. August 2007

Religionen

Wer einmal die eurozentristische Gutenberggalaxie verlassen hat, wird entdecken, dass es keine Religionen gibt. Religionen sind nichts anderes als eine Erfindung eines liberalprotestantischen Gelehrtentums des 18. bzw. 19. Jahrhunderts in Europa, wie Ernst Feil in seinem mehrbändigen Werk Religio. Die Geschichte eines neuzeitlichen Grundbegriffs (Göttingen 1986-) gezeigt hat. Als Basisbegriff passt „Religion“ nicht, wenn es um außereuropäische Kulturen geht. Jonathan Z. Smith hat daher Recht, wenn er in der Einleitung zu seinem Buch Imagining Religion. From Babylon to Jonestown (The Chicago University Press, 1982, XI) schreibt:

„While there is a staggering amount of data, phenomena, of human experiences and expressions that might be characterized in one culture or another, by one criterion or another, as religion – there is no data for religion. Religion is solely the creation of the scholar’s study. It is created for the scholar’s analytic purposes by his imaginative acts of comparison and generalization. Religion has no existence apart from the academy.“

Auf englischsprachiger Seite war es Wilfred Cantwell Smith mit seinem Werk The Meaning and End of Religion: A New Approach to the Religious Traditions of Mankind. (New York, 1963), der als erster vorgeschlagen hatte, auf den Religionsbegriff gänzlich zu verzichten. Mittlerweile sind ihm einige „Religionswissenschaftler“ gefolgt, die „Religion“ als einen ideologiebesetzten Begriff ansehen, so z.B. Russell T. McCutcheon in seinem Artikel „Religion“ für das New Dictionary of the History of Ideas, hrsg. von Maryanne Cline Horwitz, Vol. 5, (New York: Charles Scribner’s Sons, 2004, pp. 2048-2051) sowie Tomoko Masuzawa, The Invention of World Religions, or How the Idea of European Hegemony Came to be Expressed in the Language of Pluralism and Diversity (The University of Chicago Press, 2005). Besonders aufschlußreich ist das Buch The Ideology of Religious Studies (New York: Oxford University Press, 1999), das Timothy Fitzgerald auf dem Hintergrund seiner eigenen Studien in Indien und Japan geschrieben hat. Wer eine Zusammenfassung lesen will, der sei auf seinen Artikel „Religious Studies as Cultural Studies“ verwiesen, der zuerst in DISKUS, Vol. 3, No. 1, pp. 35-47 erschienen und in What is Religious Studies?, hrsg. von Steven J. Sutcliffe (London: Equinox, 2008) wiederabgedruckt wird.

Dass „Religion“ ein kulturspezifischer Begriff ist, mögen unsere Weltanschauer und Weltversteher, die an ihren Schreibtischen weiterhin dem Raumfahrtprogramm in der eurozentristischen Gutenberggalaxie frönen, natürlich nicht glauben, erliegen sie doch einem Biblizismus (= Büchergläubigkeit): Religionen gibt es einfach weltweit, weil in Büchern darüber geschrieben steht.

Diätetik statt Sinnstiftung

12. Juli 2007

Was ist eine gute Religion

Fünf Jahre Theologie unterrichten in einer anderen Kultur verändert eigene Sichtweisen in Sachen Religion. Ich habe dazu einen Artikel in der Neuen Zürcher unter dem Titel „Diätetik statt Sinnstiftung“ geschrieben. Dieser Artikel ist außerdem in dem von Uwe Justus Wenzel herausgegebenen Buch „Was ist eine gute Religion“ abgedruckt.