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Das seelsorgerliche Gespräch im Schutzbereich des Namens (Helmut Tacke)

2. Dezember 2017

Abraham als der Empfangende (Wiener Genesis, 6. Jh.)

Im wahrsten Sinne sympathisch ist mir, was seinerzeit Helmut Tacke zur Seelsorge geschrieben hat: „Seelsorge im Namen Gottes eröffnet eine Perspektive, in der grundsätzlich dem um Hilfe ersuchenden Mitmenschen das Wort erteilt wird. Im Schutzbereich des Namens kommt der Seelsorgepartner zu Ehren. Die Struktur der Seelsorge zeigt die Umkehrung dessen, was im Gottesdienst geschieht. Seelsorge ist das Gegenstück der Predigt. Der redende Prediger wird zum hörenden Seelsorger.“ Hier der entsprechende Abschnitt aus seinem Buch „Glaubenshilfe als Lebenshilfe“:

Das seelsorgerliche Gespräch im Schutzbereich des Namens

Von Helmut Tacke

Evangelische Seelsorge geschieht im Namen Gottes. Vom Glanz und dem Schutz dieses Namens ist das Gespräch der Seelsorge von Anfang an umschlossen. Der Name ist die Vor-aussetzung dafür, daß es ohne Angst verläuft. Mitgebracht wird ja nicht nur die Angst des hilfesuchenden Menschen, sondern auch die Angst des Seelsorgers, der sich auf sein Hören und Reden nicht verlassen kann. Die Angst wird relativiert durch die Gegenwart des Namens. Dieser Name ermöglicht Gelassenheit und entkrampft die seelsorgerliche Begegnung. Kein missionarischer Erfolgszwang, kein Bekehrungsmethodismus wird von einer Seelsorge zugelassen, die unter dem Namen Gottes steht. Die Anwesenheit des Namens gibt dem Gespräch uneingeschränkte Freiheit.

Seelsorge im Namen Gottes wird auch Gelegenheit finden, im Gesprächsverlauf diesen Namen auszusprechen. Dann wird erkennbar, daß der Seelsorger nicht im eigenen Namen agiert, sondern die Interessen seines Herrn vertritt. Erkennbar wird zugleich, daß auch der Ge­sprächspartner kein Namenloser ist, denn Gott hat ihn« bei seinem Namen gerufen« (Jes 43,1). Es bedarf keiner künstlichen Transposition vom Weltlichen ins Geistliche, um diesen Namen Gottes ins Gespräch zu bringen. Er will genannt, aber nicht zum Gegenstand theolo­gischer Belehrung gemacht werden. Weil Gott in seinem Namen gegenwärtig ist, bedarf es nicht des Aktes einer seelsorgerlichen Vergegenwärtigung. Wohl aber bedarf die Seelsorge des Namens, denn er verleiht ihr Geistesgegenwart. Wird der Name ausgesprochen, so kom­muniziert er mit den Seelsorgepartnern. Er ist mitbestimmend im Gespräch, ohne es aufzulö­sen oder abzubrechen. Er wird genannt nicht proklamiert. K. H. Miskotte erinnert daran, daß im Alten Testament der Name Gottes nicht »gepredigt« oder »verkündigt« wird, sondern der Name wird »ergriffen, erkannt, erzählt, gefürchtet, gelobt, bekannt, auch wohl gesucht und erwartet«. Dieser Name ist nicht angewiesen auf die Kunst einer seelsorgerlichen Applikation. Er spricht für sich selbst. [77]

Es kann die Schwäche kirchlicher Seelsorge sein, daß sie gern stark sein will an eigener kerygmatischer Aktivität. Seelsorger fungieren oft als Exegeten und Interpreten einer Wirk­lichkeit, die sie für fein halten, so daß sie in der Anstrengung um ihre Vergegenwärtigung dogmatische Monologe führen. Im Namen aber ist Gott selber nahe. Seelsorge im Namen Gottes entlastet das Gespräch vom homiletischen oder katechetischen Lei­stungsdruck, läßt es aber auch nicht zum bloßen Beratungsgespräch im Sinne einer Konflikterhellung bei Assi­stenz von Welterfahrung und Lebenskunst entarten. Ist der Name mit im Gespräch, so gibt er die Freiheit zu einer Sorge um den Men­schen, die keine Grenzen kennt. Zugleich wird dieser Name den Mut zum Glauben wecken.

Evangelische Seelsorge mag sich in ihrer methodischen Durchführung streckenweise nur wenig von ihren säkularen Paralle­len unterscheiden, sie kann aber niemals eine namenlose Seel­sorge sein. Die Gegenwart des Namens Gottes kann sich auf keinen Fall mit einer Praxis verbinden, die den Menschen ma­nipuliert. Im Schutzbereich des Namens gilt dem sorgenden Menschen unerschütterliche Liebe und Geduld. Er hat ein Recht darauf, seine drückende Last abzulegen und auszubreiten.

Seelsorge im Namen Gottes eröffnet eine Perspektive, in der grundsätzlich dem um Hilfe ersuchenden Mitmenschen das Wort erteilt wird. Im Schutzbereich des Namens kommt der Seelsorgepartner zu Ehren. Die Struktur der Seelsorge zeigt die Umkehrung dessen, was im Gottesdienst geschieht. Seelsorge ist das Gegenstück der Predigt. Der redende Prediger wird zum hörenden Seelsorger. So befremdlich dem Predigthörer das Kanzelwort erscheinen mag, so befremdlich kann dem Seelsor­ger die Rede seines Partners klingen. Dann gilt es, sich die­ser befremdlichen Rede auszusetzen. Nichts kann ihre Unterbre­chung oder ihren Abbruch motivieren. Sogar die äußere Vor­aussetzung der Seelsorge ist zumeist konträr zu der des Got­tes­dienstes. Kommen die Menschen zum Prediger, so kommt zu­meist der Seelsorger zu den Menschen. Darin schon gibt sich die spezifisch adressatenorientierte Gestalt der Seelsorge zu er­kennen. Sie verweilt bei dem Menschen. Sie hat kein institu­tionelles Zuhause, sondern ist prinzipiell »unbehaust«, um. dem gefährdeten Menschen desto näher zu sein.

Uhsadel fordert eine Seelsorge, die den Menschen kirchlich in-[79]tegriert und in die Gebor­genheit führte. Die Stunde der Seel­sorge aber könnte eine ganz andere Bewegung notwendig ma­chen. Es könnte die Stunde des »Exodus« sein, die Provokation einer Seelsorge, die diri­gistisch Wege vorschreiben will, auf de­nen die Menschen der kirchlichen Regie unterstellt werden. Demgegenüber muß evangelische Seelsorge sich konsequent am Weg des Evangeli­ums orientieren. Er führt zu dem Armen in vielerlei Gestalt, in die Tiefe des profanen Gelän­des, wo die heimatlosen, ruhelosen und hilflosen Brüder Jesu Christi woh­nen. Dort wird unter dem Schutz des Namens Gottes, der die Stunde der Seelsorge qualifiziert, Trost und Sinnge­bung er­wachsen.

Aus diesen Überlegungen ergeben sich bestimmte Konsequen­zen, die nicht zuletzt der zer­brechlichen Form des Gesprächs, das in jeder evangelischen Seelsorge das dominierende Ele­ment darstellt, eine erhöhte Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Es ist ein Gespräch unter ungewöhnlichen Voraussetzungen. Von Störungen bedroht, beweist es insgesamt eine Em­pfind­lichkeit, die auf unberechenbaren, spontanen Reaktionen be­ruht. Die Geschichte des seelsorgerlichen Gesprächs ist weit­hin eine Leidensgeschichte. Die grundsätzliche Gleichbe­rech­tigung der Partner wird oft durch ein eingefrorenes Amtsbewußtsein des Seelsorgers unterdrückt. An Offenheit und Flexi­bilität, die nötig sind, um jeder Wendung des Gesprächs gerecht zu werden, ist großer Mangel. Das Gespräch ist bedroht von seiner Entartung zum bloßen Redewechsel. Begründetes Schweigen als konstitutives Gesprächselement weckt allzu leicht eine Nervosität, die keinen Atem hat zum Warten.

Ohne Frage stellt das seelsorgerliche Gespräch an seine Partner hohe Ansprüche. Sie liegen nicht nur in der dialogischen Kunst, alles Reden aus der Stille des Hörens hervorgehen zu lassen und wiederum das eigene Wort für den anderen hörfähig zu machen. Die hohen An­sprüche des seelsorgerlichen Gesprächs betreffen bereits den elementaren, vom Medium Gespräch notwendi­gerweise vorausgesetzten freien Umgang mit dem Wort. Zum Gelingen des Gesprächs bedarf es von vornherein einer gemein­samen Ebene, die der erhofften verbalen Verständigung zur Ba­sis dient. Es bedarf der Fähigkeit zum Ansprechen und Aus­sprechen der eigenen Erfahrungen und Gefühle, die original ar­tikuliert werden müssen, weil es in der Seelsorge keine sche­matisch vorgeformten Ausdruckshilfen, keinen »Beichtspie-[80]gel« und keine Sprachmuster gibt, deren man sich bedienen könnte. Sogar ein biblischer Text ist zu­meist darauf angewie­sen, gesprächsgerecht vermittelt und also nicht nur ausgespro­chen, sondern auch umgesprochen zu werden. Der Wille, das eigene Leid oder das Betroffensein vom Leid des anderen mitzu­teilen, muß die Transformation von überwiegend emotionalen Inhalten in die sprachliche Äußerung vollziehen, – ein Vor­gang, dessen Verwirklichung nur selten gelingt, so daß er auf die Assistenz des schöpferischen Hörens angewiesen ist, weil oft bloße Andeutungen für das Ganze stehen und Unausgespro­chenes entschlüsselt werden muß. Es ist der hohe Anspruch an den Seelsorger, dieses Unaussprechliche zwischen den Worten seines Partners dennoch zu hören und zu verstehen. Anderer­seits besteht für diesen der Anspruch, dem er gerecht werden muß, darin, mit dem Schlüssel des Wortes das Gefängnis seiner seufzenden Gedanken aufzuschließen. Er muß sich äußern, also verbal nach außen bringen, wofür er doch im Grunde keine Worte hat. Ist schon jedes normale Gespräch, dem die Kommu­nikation gelingt, ein kunstvolles Ereignis, so steht die Sonder­form des Seel­sorgegesprächs unter noch größeren Erwartungen. Die Seelsorgepartner kommen einander mit ungewöhnlichen Zumutungen entgegen: um sich durch das Wort zu finden und zu helfen, for­dert jeder den Mut des anderen heraus, den Mut, über Herz und Stimme eine Kommunikation zu schaffen, die als »Notgemeinschaft« unmittelbare Entlastung bringt.

Quelle: Helmut Tacke, Glaubenshilfe als Lebenshilfe. Probleme und Chancen heutiger Seelsorge, Neukirchen-Vluyn 21979, Seiten 77-80.

Hier der Text als pdf.

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„Arm ist die Krippe, aber reich ist der Schatz in dieser Krippe“ – eine Weihnachtspredigt über Kolosser 2,3 von Helmut Tacke (London 1985)

27. November 2017

Helmut Tacke (1928-1988)

Über die Weihnachtspredigt Helmut Tackes, gehalten 1985 in London, schreibt Christian Möller zu Recht: „Die Weihnachtspredigt über Kolosser 2,3 scheint mir ein treffliches Beispiel für den seelsorgerlichen Prediger Helmut Tacke zu sein, der um das innere Mitgehen der Gemeinde gleichsam wirbt und dabei der erste Hörer seiner eigenen Predigt ist. Diese Predigt ist ganz und gar dialogisch angelegt, sowohl in äußerer wie noch mehr in innerer Hinsicht. Leidenschaftlich wirbt der Prediger um das Mitgehen und um die innere Zustimmung der Gemeinde zu einer Verborgenheit, die uns zum Heil geschieht. Ganz persönlich spricht Tacke die Menschen an: »Erlauben Sie mir ein persönliches Wort. Als Pastor und als Prediger ist genau dies das Problem meines Berufes. Ich muß predigen von einer Wirklichkeit, die verborgene Wirklichkeit ist.« Er redet den Menschen nicht aus dem Herzen, sondern zum Herzen von einer Wirklichkeit, die gerade um des Menschen willen außerhalb seiner selbst bleiben muß, in Christus. Gerade so kommt Christus den Menschen zugute, wenn er »extra nos pro nobis« zum Heil des Menschen wird.“

In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“ (Kolosser 2,3)

Ich möchte versuchen, Sie heute Abend für diesen Satz zu gewinnen. Denn dies ist der Zu­gang zu Weihnachten. So große Dinge dürfen wir von diesem Kind in der Krippe sagen. In Ihm finden wir alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Ich möchte darauf aufmerksam machen, daß hier in diesen Worten die Geschichte Jesu Christi so hell, so umfassend und bedeutungsvoll zur Sprache kommt, wie nur selten im Neuen Testament. Jesus steht nicht im Gegensatz zu menschlicher Weisheit und Erkenntnis. Sondern bei Ihm kommt alle Weisheit und Erkenntnis zum Ziel. Es ist sehr bemerkenswert, daß dieses Kind von Bethlehem mit aller ernsthaften Weisheit und Erkenntnis im Bunde steht. Keine Rede davon, daß der Glaube an Jesus, wie einige sagen, blind mache etwa für die Kunst oder für die Wissenschaft. Wenn Weisheit und Erkenntnis, so wie unser Schriftwort davon redet, für alles einsteht, was uns geistig und seelisch bewegt, dann kann man nur sagen, daß Jesus damit nicht konkurriert, sondern damit im Bunde steht. Bei ihm sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Das Jesuskind ist ein reiches Kind. Arm ist die Krippe, aber reich ist der Schatz in dieser Krippe. Ein Schatz, der alle Weisheit und Erkenntnis umfaßt. Meist wird die Armut Jesu betont. Aber heute geht es um seinen Reichtum. Ich habe allen Grund, mich zu einer kühnen Interpretation aufzuschwingen und zu sagen: Alles Denken und Forschen der Menschheit ist christuszentriert. Alle Wissenschaft sammelt sich bei ihm. Die Griechen sagen: Dieses Kind ist zugleich der Kosmokrator, der Mittelpunkt der Welt. Weihnachten, Passion, Ostern und Wiederkunft Christi – das ist die Kette des Lebens. Das ist die welterhaltende und welterlö­sende Kraft. ›Das ewge Licht geht da herein, gibt der Welt einen neuen Schein.‹ Bei ihm sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis versammelt. Diese Schatzkammer ist ohne Gren­zen. Zu Bethlehem wird der geboren, in dem sich alle irdische und überirdische Weisheit erfüllt. Und wer ihn, den Christus der Welt erkennt, der ist auf geheimnisvolle Weise verbun­den mit allen, die gar nicht anders leben können, als auf der Suche nach Weisheit und Er­kenntnis. Ich leide darunter, daß wir Christen unseren Herrn so oft zu einem engen und mora­lischen Kirchenchristus machen. Als sei er gekommen, um eine Sekte zu gründen. Aber in Wirklichkeit ist er ein Weltchristus. Die Kirche ist eigentlich nur dafür da, um das der Welt zu sagen. Das Licht der Welt, das in ihm erschienen ist, hat es nicht nötig, alle anderen Lichter auszulöschen, sondern dieses Licht der Welt verkündet sich mit unseren Lichtern. Z. B.: das Licht der Freude. Unsere Freude ist auch seine Freude. Oder die Sehnsucht. Er verachtet sie nicht, sondern unsere Sehnsucht, unsere Lebenssehnsucht wird aufgenommen von seiner Menschenliebe. Oder der Friede, privat und politisch, Ziel unserer Sehnsucht. Auch unsere Friedenssehnsucht bringt uns zu ihm. Oder die Weisheit und Erkenntnis, daß wir vergänglich sind, daß wir sterben müssen. Auch das führt uns zu ihm. Oder unsere Hoffnung auf das Blei­bende. Daß wir – trotz des Todes, nicht vergehen, sondern bleiben möchten, in Ewigkeit blei­ben möchten, – auch damit sind wir bei ihm in guten Händen. Denn unsere Bleibe ist nicht bei uns, sondern bei ihm.

Alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis. Ich kann nicht ermessen, was das alles umfaßt. Aber mit der Geburt dieses Einen ist alles in Bewegung geraten. Ich liebe das englische Wort ›involved‹, weil es so gut das System der Beziehungen beleuchtet. Also: In diese Christusge­schichte von Bethlehem ist die Geschichte aller Jahrhunderte und aller Generationen »invol­ved«.

›Alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis sind verborgen in ihm.‹ Wieso eigentlich ver­borgen? Liebe Gemeinde, sollten Sie diese Frage haben, und ich hoffe es fest, dann möchte ich mir eine besondere Mühe geben, um Ihnen zu antworten: Wer das Kind in der Krippe ansah wie die Hirten oder später die Weisen aus dem Morgenland, der sah ein Kind, dessen Unterschied zu anderen Kindern höchstens darin zu sehen war, daß dieses Kind kein Bett, sondern eine Futterkrippe hatte. Kein Leinen, sondern Stroh. Ein Armeleute-Kind. Daß in der Krippe von Bethlehem die Schätze der Weisheit und der Erkenntnis lagen, konnte niemand sehen. Darum sagt unser Wort: sie sind verborgen, diese Schätze. Ich glaube, daß der ganze Reichtum dieses Kindes und des späteren Mannes Jesus von Nazareth für menschliche Augen verborgen war. Die ganze Geschichte Gottes auf Erden – sie ist als Heilsgeschichte eine ver­borgene Geschichte.

Erlauben Sie mir ein persönliches Wort. Als Pastor und als Prediger ist genau dies das Prob­lem meines Berufes. Ich muß predigen von einer Wirklichkeit, die verborgene Wirklichkeit ist. Ich muß zum Glauben aufrufen, aber ich kann dem Glauben keine Beweise liefern. Und das ist schwer. Eine Wirklichkeit zu predigen, die noch nicht vor aller Augen ist. Einen Herrn zu predigen, den die anderen für verschollen halten. Eine Erlösung zu predigen, die andere Menschen für unmöglich halten. Aber so ist das eben. Der christliche Glaube hat es zu tun mit einer Wirklichkeit, die noch verborgen ist. Die Erlösung der Welt – noch verborgen. Der Sinn meines Lebens – noch verborgen. Aber verborgen ›in Ihm‹. Vielleicht sollte man den christli­chen Glauben ganz einfach so beschreiben: Wir suchen, wie alle Menschen, nach den verbor­genen Schätzen, der Erkenntnis, aber wir suchen sie bei Ihm. Auch die Christen sind Suchen­de und nicht Habende. Es ist ganz gut, daß diese Schätze noch verborgen sind. Das schließt den Hochmut aus. Weil noch keiner von uns am Ziel ist, sind wir alle unterwegs. Wir mitein­ander. Aber die Weihnachtsbotschaft ruft uns auf seinen Weg. Uns miteinander. Der Sinn unseres Lebens liegt bei Ihm. Die Erlösung der Welt liegt bei ihm.

Im übrigen denke ich, geht es Ihnen wie mir: Die in Christus verborgenen Schätze sind mir lieber als die schillernden religiösen Perlen, die auf der Straße liegen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, unsrem Herrn.

In Ergänzung das Porträt über Helmut Tacke geschrieben von Christa Lauther und Christian Möller aus: Christian Möller (Hg.), Geschichte der Seelsorge in Einzelporträts, Band 3 (Göttingen 1996) als pdf.