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Gerhard von Rad – Das Opfer des Abraham (1. Mose/Genesis 22,1-19)

7. März 2017

Rembrandt – Die Opferung Isaaks (1655)

Gerhard von Rads letzte Veröffentlichung zu Lebzeiten ist seine meisterliche Auslegung von Genesis 22,1-19, die 1971 im Christian Kaiser Verlag München (Kaiser Traktate 8) erschien. Darin resümiert er über die Erzählung von Abrahams Versuchung:

War bisher einiges von der Nacht einer Gottverlas­senheit zu sagen, die Abraham umfangen haben mußte, so wäre die Erzählung doch völlig mißverstanden, wenn wir darin den Hauptge­genstand ihrer Darstellung sehen wollten. Im Gegenteil! Der Abgrund hat sich geschlos­sen, die Not wurde durchgestanden. Abraham hat die Bindung an Gott nicht abgeworfen, und dafür empfängt er aus dem Munde Gottes selbst das Ehrenprädikat eines Gottesfürchtigen, d. h. eines Gehorsamen. Aber noch mehr: Auf der Überwindung dieser Not liegt auch ein Segen. Das war doch das große Thema der zweiten Gottesrede. Jede durchge­standene Not hat wohl die Verheißung, zum Segen zu werden. Aber hier ist das doch anders gemeint: Der Vorhang hebt sich, und die Perspektive in eine unabsehbare Zukunft tut sich auf, denn der Segen dieses Gehorsams wird noch die fernsten Nachkommen erreichen. Hier ist Abra­ham nicht nur als Vorfahr gesehen. In der Rückschau der Späteren gewinnt er geradezu Heilsbedeutung für seinen »Samen«. Von jetzt ab kann sich jeder Nach­komme Abrahams sagen: Er hat’s durchgestanden, und du stehst im Genuß des Segens, der über ihm ausgerufen wurde. Gerade dieser letzte Aspekt wird den Christen bewegen. Er wird daran denken, daß das Neue Testa­ment einer ganz anderen Gestalt eine Heilsbedeutung zuerkennt, die den abrahamitischen Segen weit überbie­ten wird.

Der Text seiner Auslegung findet sich hier als pdf.

Und hier von Rads Auslegung Die große Versuchung 1. Mose 22,1-19 aus seinem ATD-Kommentar, ebenfalls als pdf.